Interview des Jahres: Werner Marnette zum HSH-Nordbank-Skandal

Werner Marnette ist Groß-Unternehmer und CDU-Mitglied. Er war Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr in Schleswig-Holstein im Kabinett des Herrn Carstensen. Unter diesem Hintergrund muss man das Interview lesen, welches er dem Spiegel gegeben hat: Das ist ein Wahnsystem. Da spricht also kein linker Spinner, kein Gutmensch, kein Besserwisser — da spricht einer derer, der dazugehört (hat). Das Interview ist schlicht und ergreifend ein gesellschaftspolitischer Skandal. Ich bin kein Anwalt, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es strafrechtlich relevant ist. Es sollte zumindest gesellschaftlich die Wirkung haben, dass Peter Harry Carstensen und Ole von Beust ihre Büros räumen sollten. Von Michael Freytag und Rainer Wiegard ganz zu schweigen. Ich bin ehrlich gesagt immer noch fassungslos, wie ein Mensch wie Peter Harry Carstensen zum Ministerpräsident aufsteigen konnte und Ole von Beust hier in Hamburg so erfolgreich sein kann. Politik wird je höher man kommt nach dem Motto der drei berühmten Affen betrieben, nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Auch wenn man dabei ganze Bundesländer, ganz Städte, Menschen in den Ruin treibt. Es ist schon erstaunlich, dass das Interview wenig Resonanz findet. Aber eine Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus. Das ist alles ungeheuerlich.

SPIEGEL — Das ist ein Wahnsystem

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13 Antworten zu “Interview des Jahres: Werner Marnette zum HSH-Nordbank-Skandal”

  1. Neo sagt:

    «Es ist schon erstaunlich, dass das Interview wenig Resonanz findet.» Das wundert mich auch. Heftig, die hängen da alle drin, haben einen ungemütlichen ex-vorstandsvorsitzenden, der scheinbar auf die gefahren hingewiesen hat, währende der aufarbeitung kalt gestellt und sind am ende mit der rettung gescheitert oder zumindest aktuell in einer sehr unschönen situation. wenn dieses interview wirklich keine konsequenzen für dieses nordteam haben sollte, dann ist unsere demokratie meines erachtens ernstlich in gefahr. die müssen vorgeladen und bildlich gesprochen «einen kopf kürzer gemacht werden», wenn das alles stimmt.

  2. Gabi sagt:

    Ich bin schockiert. Ob das ganze nun strafrechtliche Konsequenzen hat? Irgendwie glaube ich nicht daran. Schön wäre es, wenn die Herren tatsächlich ihre Büros räumen müssten. Mir fehlen die Worte zu beschreiben, was da passierte.

  3. Antje sagt:

    Was ich sehr beruhigend finde, dass endlich, endlich, endlich mal einer aufsteht und sagt, das kann ich nun beim besten Willen nicht mehr mittragen!
    Nach den ganzen Zumwinkels und Mehdorns und Lidls (ja, der heißt Schwarz, ich weiß ;-)) und, wie sie alle heißen, dachte man ja schon, hier macht doch jeder nur noch was er will und die Politik deckelt das alles. Werner Marnette ist kein Held. Er war, wie er ja auch sagt, lange Teil des Systems. Trotzdem ist es sehr anerkennenswert, denn, mal ehrlich, wer von uns bricht schon jeden Tag eine Revolution vom Zaun und wendet sich gegen seinen Arbeitgeber, so sie/er noch einen hat?
    Chapeau, Herr (Ex)Minister.
    Und inzwischen tut sich ja auch etwas
    Ermittlungsverfahren gegen HSH Nordbank

  4. Abatilly sagt:

    Werner Marnette muss man zu seinem Rückgrad wirklich gratulieren. Mich wundert auch, dass bis jetzt so wenig Reaktionen darauf zu vernehmen sind, geschweige den, das sich Zorn irgendwie Bahn bricht. Mann könnte ja auf die Idee kommen von Politikern Eignung zu fordern bevor man sie in Macht und Verantwortung hineinwählt. Soviel Ignoranz und Dummheit ist zutiefst undemokratisch. Ich finde auch, dass man Kontrollmechanismen etablieren muss um solche Exzesse der bewussten Verschwendung zu verhindern.

  5. My 0,02 Euro sagt:

    Auch gegen Ex-Minister Marnette (CDU) wird nun staatsanwalttechnisch ermittelt.… wegen Geheimnisverrat:

    Jetzt ermittelt der Staatsanwalt

  6. Chris sagt:

    Hätte, könnte, wenn und aber… 😉

    Ich würde mir aber wünschen, dass sie mit aller Macht gegen Marnette vorgehen. Why?

    Barbara Streisand

  7. Paolo Pinkel sagt:

    Ich würde mir wünschen, dass in allen Landesbanken solche Leute wie Marnette aufstehen und einfach mal die Zahlen so wie im Interview ungeschönt präsentieren. Für ein paar Millionen heute wird sehenden Auges eine mehrere Milliarden hohe Belastung in 5 Jahren in Kauf genommen.

    Die Finanzkrise ist gar keine Krise der «Finanz(spekulations)branche», sondern eine eiskalte Plünderung öffentlicher Kassen. Die Politiker-Kaste lässt sich völlig übertölpen bzw. verdrängt das Problem einfach oder ist schlimmstenfalls gekauft.

    Es kann doch nicht so schwer sein, die Landesbanken und ganz besonders auch die KfW auszumisten, eine ordentliche Buchführung einzuführen und die Tätigkeiten auf die ursprünglichen Aufgaben zu beschneiden. 100 Finanzbeamte sollten dafür doch ausreichen und ließen sich für so eine Aufgabe bestimmt abzweigen. Wenn Angie nicht von der Finanzbranche gekauft ist, macht sie das bestimmt noch vor der Wahl. 😀

  8. Antje sagt:

    @ Paolo Pinkel
    Die Krise ist vor allem ein unglaublicher Demokratieabbau!
    Nicht nur, dass es durch die enormen Schulden zukünftig keinen politischen Handlungsspielraum mehr geben wird, und das alles ohne echte parlamentarische Kontrolle (der Untersuchungsausschuss zur Finanzaffaire wurde gerade von der SPD verzögert, obwohl in dieser Legislaturperiode sowieso nur noch sehr wenig Zeit ist), sondern hier wird seit Jahren die eigene Unfähigkeit durch «Berater» kompensiert.
    Hier nachzulesen: Der gekaufte Staat
    und hier: Bankrott wäre besser
    Aber dafür als «Wegweiser» heute in der Zeit: Wir lernen um

    Wofür brauchen wir eigentlich noch die ganzen teuren Beamten mit ihren irren Pensionsansprüchen, wenn deren Meinung gar nicht mehr gefragt ist?
    War das Beamtentum nicht mal wegen einer gewissen «Unabhängigkeit» rechtfertigt worden?
    Wir werden hier gerade auf allen Ebenen durch unfähige Politiker entmündigt, und zwar auf Jahre hinaus!

  9. Oliver sagt:

    @antje de Demokratieaufbau mittels eines starken Fundaments fand nie statt und der Abbau wurde schon in den 60er/70ern etabliert. Vieles heute mögliche wurde damals mittels der Notstandsgesetzgebung etabliert. Vieles ist offensichtlicher ob der Möglichkeiten und Reichweites des WWW. Wer heute dank geöffneter Augen die Chance nutzt und zwei bis drei Jahrzehnte zurückschaut wird erschreckende Dinge erkennen.

    Bezüglich der Weltwirtschaftskrise, wer behauptet das wir uns jener in den 20er je erholten? Nationalstaatlichkeit, sowie spätere globalen Strukturen taten ihr übriges dazu den Blick zu trüben. Auch diese Krise wird in naher Zukunft für beendet erklärt werden, aber ist sie es dann auch? Das WWW heutzutage, die mediale Omnipräsenz kann einerseits nicht nur den Blick für neue Erkenntnisse schärfen, sonder andererseits auch Ignoranz ob Überfütterung zurücklassen. Man sollte sich auch vom vorgegebenen Diskussionsrahmen seitens Medien und Politik lösen, diese denken nur in Legislaturperioden. Kostet mehr Mühe und substantiellem Wissen, aber es lohnt sich.

    Reden wir also von einer Krise, von Demokratie etc. pp. genügt es nicht ein Zeitfenster von fünf oder 10 Jahren zu betrachten. In einer noch recht jungen Demokratie wie der unsrigen muß man alles Revue passieren lassen und zueinander in Relation stellen. Tut man es nicht versucht man an Symptomen zu operieren und die eigentlichen Ursachen werden ignoriert, somit verschleppt.

    >Wir werden hier gerade auf allen Ebenen durch unfähige Politiker entmündigt

    Ein mündiges Volk hätte schon diverse male in der Geschichte dieses Landes die Möglichkeit gehabt das Geschick dieses Landes zu ändern. Anhaltende Willfährigkeit proviziert geradezu ein derartiges polit. Echo.

    >Wofür brauchen wir eigentlich noch die ganzen teuren Beamten mit ihren irren Pensionsansprüchen, wenn deren Meinung gar nicht mehr gefragt ist?

    Dieses Iota an Staatsdienern macht den Braten nicht fett. Und auch wenn ich das Beamtentum als Unnütz ansehe, ist der mangelnde Zusammenhalt innerhalb des Volks ein Trauerspiel. Ebenso wie die Politik tagtäglich neue Prügelknaben initiiert, tut dies auch jeder Einzelne. Das Ende vom Lied: Insellösungen ohne Nachhaltigkeit, bis hin zur Hexenjagd. Wieviele echte Linke sah ich schon, die alles für ihren Nächsten tun würden und auch taten, sofern es sich nicht um einen Ausländer handelt. Kurzum die Probleme beginnen beim Volk und werden oftmals von der Politik nur zu Ende gedacht.

  10. Antje sagt:

    @ Oliver
    Huijuijui, hier hat aber jemand etwas heftig missverstanden! und, sei mir nicht böse, mir auch nicht unbedingt neue Erkenntnisse gebracht.
    Will sagen: Deine Argumente sind mir schlichtweg zu abstrakt.
    Ich wollte auch nicht Beamte «dissen», wie das neudeutsch so schön heißt ;-), es war nur eine Frage!
    Ist auch schön, dass du die 60er und 70er Jahre ansprichst, nur hat das mit meiner Aussage wenig zu tun, weil ich eigentlich eher die aktuelle Situation betrachtet habe.
    Und, hier bin ich mir nicht sicher, ob du das auf mich bezogen hast :
    «Kostet mehr Mühe und substantiellem Wissen, aber es lohnt sich», aber falls, so finde ich das eher überheblich. Frag mich einfach, wenn du was nicht verstehst, dann antworte ich dir sehr gerne, nur bediene hier nicht die «Journalistengroßwissermännlichkeitsattitüde» und mache mich zum Dummchen!

  11. Oliver sagt:

    Ich schreibe meist sehr allgemein wie regelmäßige Leser dieser Publikation wissen und nenne Bullshit meist beim Namen. Eine zaghaft losgestoßene Geschlechterdebatte läßt imho schon tief blicken. Ich habe bedingt durch meine Tätigkeiten regelmäßig mit der holden Weiblichkeit zu tun und Unterscheide allenfalls nach Intellekt, sowie Diskussionskultur, nicht aber nach Geschlecht. Vielleicht im Netz allgemein nicht usus, aber in den Kreisen in denen ich verkehre ist man schon erwachsen und pflegt kein Patriarchatsprinzip unserer Altvorderen. Falls ich Arroganz irgendwocwirke in meinen Texten, dann ist diese gewollt und dient als Bollwerk gegen gepflegte Ignoranz der Gegenseite.

    Und um explizit die Geschichte dieses Landey noch einmal zu erwähnen, sehr wohl hat diese etwas mit dem Jetzt zu tun und nur wenn ich das auch einsehe kann ich zumindest die Problematik in diesem Lande beim Namen nennen. Was heute geschieht ist nicht neu oder nie dagewesen, was heute geschieht geschah schon immer. Nur einige bemerken es erst jetzt. Schlimmer noch viele schreien Zeter und Mordio ob beispielsweise des Abbaus der Rechtsstaatlichkeit, reden oftmals von Verfassungsbruch ohne das Wissen um die einst geschaffene Rechtmäßigkeit die bisher nur der Anwendung bedurfte. Und wenn man dies weiß, dann weiß man auch das es eben nur eine Sache der Rechtmäßigkeit der Anwendung darstellt. Gleiches gilt für wirtschaftliche Strukturen, weder werden diese innerhalb von ein, zwei Legislaturperioden verbrochen, noch innerhalb dieser beseitigt. Es tut mir leid, aber sich ausschließlich mit dem hier und Jetzt zu beschäftigen mag manchmal dem Privaten dienlich sein, ist adäquat dem Weltgeschehen angemessen zu begegnen. Arroganz also nur gegenüber poltitisch-historischer Ignoranz. Ich bin halt weder prof. Journalist noch Marktschreier der bloggenden Gegenjournallie, sondern einfach nur ein Mensch mit historischer Ausbildung und polit. Erfahrung.

  12. Antje sagt:

    Na dann blick mal tief 😉 und schöne Ostern!

  13. Die Informationen als Voraussetzung für eine tragfähige Entscheidung sind unvollständig. Die Aussichten der HSH Nordbank für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sind ungewiss. Unter diesen Bedingungen ist es unverständlich, dass die Abgeordneten eine Entscheidungen getroffen haben.

    HSH Nordbank — Abgeordnete beklagen Informationsdefizit

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