Individuelle Werbung und der Clap-Club – Die Fortsetzung

Bereits einmal hatte ich auf Bulo, den Clap-Club und die Möglichkeiten der individuellen Werbung hingewiesen. Völlig egal, wie man nun zur Werbung generell steht – meine Meinung diesbezüglich sollte bekannt sein – die Zukunft der Webwerbung liegt in deren Individualität und deren Glaubwürdigkeit. Wenn der Clap-Club und Bulo als grandiose Karikaturisten Werbung für eine andere Webseite schalten, wo man wiederum Werbung schalten kann, wenn während der größten Krise mit einem Augenzwinkern selbst gezeichnete Werbung für Premiere geschaltet wird, dann hebt sich diese Werbung von fast Allem ab, was bisher auf Webseiten gelaufen ist. Es ist und bleibt natürlich Werbung, man wird umworben, vielleicht sogar mehr manipuliert als mit herkömmlicher Werbung – der entscheidende Punkt ist jedoch: Sie gehört zur Seite, zu den Menschen hinter der Seite, im Falle des Clap-Club kann man drüber lachen, sich amüsieren. Selbst Werbung wird dem Besucher mit dem unverkennbaren Augenzwinkern präsentiert. Klaus hatte das auch in der Medienlese thematisiert.

Warum ich das Thema noch einmal aufwärme? Nun, heute fand ich in meiner Post – neben netten Weihnachtswünschen, danke – das neueste Clap-Magazin vor. Es ist wie immer ein grandioser Spaß, informativ und lässt mich von einem Abendessen mit Lanu träumen. 😀 Wenn ich nun aber die kpl. Werbung zu dem obigen Cartoon zeige, bin ich sicher, dass so manche Leute aufschreien werden. Mir erging es ähnlich. Meine Welt bricht gerade zusammen. Bulo und der Clap-Club machen Werbung für die BILD.

Mal völlig abgesehen davon, dass Werbung immer noch crap ist und manipuliert, die BILD in meinen Augen ein (fast schon) politisches Hetzblatt ist, welches eine Gefahr für unsere Gesellschaft darstellt, gerne verweise ich auf Günter Wallraff: Die Werbung ansich hat mich künstlerisch angesprochen, sie zeigt auch ein stückweit Selbstironie der Beteiligten (BILD deckt auf: Weihnachtsmann in Wirklichkeit Osterhase), sie passt einfach und wirkt für mich, auch als kritischen Zeitgeist, stimmig. Ein Teil der Zukunft wird sein: Nicht die Plattform wirbt mit profanen, althergebrachten, überholten Modellen, die Macher selbst werben, identifizieren sich mit dem Produkt und bringen so Werbung und Leser zusammen. Das positive Review — welches zu einem Kauf geführt hat — führt zu bezahlter Werbung. Muss einem nicht gefallen – aber gegenüber dem Blinkzappeldiwink, was heute im Netz geboten wird, ein großer Fortschritt. Und solange es klar gekennzeichnet ist und per Filter geblockt werden kann, kann ich damit leben.

Nur eines zum Abschluss, liebes Clap-Team, lieber Bulo: Man kann ja für viele Dinge werben. Aber die BILD? In meinen Augen ist die BILD — mit den angeschlossenen Springer-Funkhäusern — gesellschaftlicher Sprengstoff. Um die eigenen Ziele zu erreichen, hetzen sie die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen gegeneinander auf. Politisch wird gegen alles gehetzt, was in der Mitte oder gar links steht – man steht dort allem Anschein nach so weit rechts, dass man schon fast von der eigenen Erdscheibe fällt. Meine Meinung: Die BILD ist gefährlich für dieses Land. Muss es ausgerechnet diese Zeitung sein, die offensichtlich so viel mit dem Journalismus zu tun hat, wie meine Wenigkeit mit dem Stricken? Ich hoffe, das war eine Ausnahme. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr Euch mit sowas identifiziert… :(

Eine letzte Frage: Habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, das Clap-Magazin per PDF zum Download anzubieten? Man kann es ja ein, zwei Wochen nach der Auslieferung an die Abonnenten auf die Webseite stellen. Folge: Größere Reichweite, mehr Impact, höhere Werbeerlöse. 😀

Karikatur: Der unvergleichliche Bulo. Screenshot: Clap-Magazin.

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20 Antworten zu “Individuelle Werbung und der Clap-Club – Die Fortsetzung”

  1. Hape sagt:

    Wenn du dich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nicht der Teufel — der Teufel verändert dich …

  2. Bulo sagt:

    Als medienkritisches Printmagazin — das kannst Du uns hoffentlich attestieren, Chris — leben wir wie viele andere von bezahlten Anzeigen. Wenn wir also Reklame im Blatt haben müssen, dann am liebsten eine, die uns optisch auch selbst gefällt. Die zu unserem Stil passt.

    Wer könnte die besser gestalten als wir selbst?! …

  3. Chris sagt:

    Klar sehe ich Euch so, das allein zeigt die Titelgeschichte des aktuellen Clap-Magazins.

    Und natürlich ist es genial, Werbung im eigenen Heft selbst zu gestalten — doch es bleibt Werbung für die BILD.

  4. Bulo sagt:

    Das stimmt.

    Und wie hat Dir «Lucy, die Vorurteilskillerin» gefallen?

    Sei ehrlich (was Du ja erfreulicherweise tatsächlich immer bist)!

  5. Chris sagt:

    Genial. Wäre ich Premiere, würde ich aber anmerken, dass zwar Pay-TV sehr gut rüberkommt, nicht aber die Marke Premiere selbst… 😉

  6. Bulo sagt:

    … und genau das war der Auftrag. 😀

  7. Chris sagt:

    Ihr manipuliert mich!!!!!einself!!! $%»$§%»$%

    Wobei Pay-TV in Deutschland natürlich nicht funktioniert. Aber das wäre ein eigenes Thema… 😉

  8. Carlos sagt:

    Mal ein paar anmerkungen oder gedanken vom moppelkotzer… Ich lese hier schon länger mit und finde fixmbr sehr genial und informativ. Unter anderem durch die dauernde Werbeberieselung für den clap-club und bulo habe ich auch die karikaturen von bulo kennen– und schätzen gelernt und eigentlich gedacht, das ich mir das clap-magazin irgendwann mal näher anschauen müsste.

    Im moment bin ich aber dann doch im zweifel, ob ich mir DAS wirklich antun sollte — ein magazin, das (egal wie und weshalb) für die bildzeitung wirbt… meine meinung zur bild ist zumindest in eurem blog nicht druckfähig.

    Und @bulo: Wäre es «Als medienkritisches Printmagazin» nicht gerade wichtig und richtig, vielleicht auf die eine oder andere werbung von bestimmten kunden zu verzichten? In meinen augen wäre das denke ich glaubwürdiger als eine –wenn auch selbstgestaltete — anzeige ausgerechnet für die bild.

  9. Wolf-Dieter sagt:

    Hier werden, glaub ich, zwo Streitpunkte nicht genügend getrennt:

    1) Das Werbung «crap» ist, war schon lange vor Webseite-Layern ein typisch deutsches Phänomen. Der Auftraggeber hat allzuoft (werbetechnisch unprofessionelle) gestalterische Detail-Entscheidungen durchgedrückt. Resultat war die klassische humorbefreite Werbelandschaft. Dass der Leser «börk» sagt, hat in Wahrheit ästhetische Gründen, keine politischen.

    2) Dass die «Bild» ein politisches Hetzblatt ist (ohne den Quantifizierer «fast»), fußt als Tradition zurück in Studentenbewegung der 60er Jahre. Ein perfektes Hassobjekt für den (Alt)linken.

    Wenn nun 1) mit 2) zusammen auftritt, allerdings ausnahmsweise professionell gestaltet, dann passiert was? Nix. Denn gute Werbung für schlechte Produkte gab es früher schon, ich erinnere mich an die genialen Radiospots in den 80er-Jahren für — McDonalds! (Schatz, ich hau mir’n Tapir in die Pfanne.)

    Richtig große Gefahr für die Qualität des Blogs besteht erst dann, wenn die Quelle der Werbeeinnahmen den Wahrheitsgestalt der Berichterstattung beeinflusst. Heißt, die Bild-Werbeeinblendung wird zum festen Einkommensbestandteil, und ein hochinteressanter Eintrag bei BildBlog wird verschwiegen, um nicht den nächsten Inseratauftrag zu gefährden.

    Zur Abwendung dieser Gefahr habe ich keine Lösung.

  10. Oliver sagt:

    >In meinen augen wäre das denke ich glaubwürdiger als eine –wenn auch selbstgestaltete — anzeige ausgerechnet für die bild.

    Für das Klientel von Clap ist es business. Okay ich lese auch das Print-Magazin von Bulo, aber ich bin ebenso in der Lage nicht dem Drang zu verfallen die BILD danach zu konsumieren. Ich lese viele Dinge bei welchen geworben wird, ich meide diese Dinge nur wenn diejenigen vermeinen Werbung sei Inhalt — das Feld der «Problogger» wimmelt davon …
    Das gesagt, Werbung ist meiner Meinung nach generell sinnbefreit, das eigene Niveau muß schon recht tief angesiedelt sein um danach in Kauflaune zu verfallen.

  11. Ugugu sagt:

    Hm, also für ein Unternehmen wie Premiere, in welches erst kürzlich ein gewisser Herr Berlusconi eingestiegen ist, würde ich für kein Geld dieser Welt Werbung schalten. Die Werbung auf Clap erschien allerdings kurz bevor Silvio diese marode Bude als Aktien-Schnäppchen entdeckt hat.

    @Chris
    Das «sich identifizieren» mit Produkten, um möglichst authentisch Werbung zu machen, hat meiner Meinung nach in einem redaktionellen Umfeld schon gar nichts verloren.

  12. Chris sagt:

    Ich spreche hier nicht von Redaktionen. Irgendwelche Journalisten-Imitatoren wie SpOn sollen in Ruhe sterben. Die Seiten, die ich gerne besuche (nicht zu verwechseln mit lesen, damit man nicht gänzlich von irgendwelchen Nachrichten angeschnitten ist), da gehts um den Menschen dahinter, die Idee, nicht um irgendwelche PR-Meldungen aus Wirtschaft und Politik. Und der Clap-Club ist da in einer Sonderstellung. Sie nehmen weder sich noch die eigene «Szene» großartig ernst. Den Clap-Club sehe ich in erster Linie nicht als journalistisches Angebot — wie lange hat es gedauert, bis ich verstanden haben, das sind Journalisten — sondern als Webseite, die ich gerne jeden Tag besuche und privaten Kontakt habe.

    Das aber nur am Rande. Du hast den Artikel falsch verstanden. Es geht nicht um große Redaktionen. Die können es gar nicht, was ich oben geschrieben habe. Die, die Du meinst, werden auch weiterhin ihre wirklich wichtige Werbung in redaktionelle Artikel pressen, ohne dass die Leute es mitbekommen. Auch auf Blogs ist dieser Dreck mittlerweile auch schon angekommen…

  13. Oliver sagt:

    >würde ich für kein Geld dieser Welt Werbung schalten.

    Da sind wir uns ja einig, wobei ich für mich auch die Bedingung streiche — denn spätestens bei Ausnahmen wirds irgendwo verlogen. Stimmt der Inhalt, paßt mir auch ein gewisses Grad an Werbung bzw. geht an mir ohnehin vorbei. Ist zugebenermaßen eine Gradwanderung, aber wir machen auch keine Gesetze, sondern offerieren nur unsere Meinung.

  14. Bulo sagt:

    Clap-Online ist tatsächlich vollkommen anders angelegt als die Print-Ausgabe, Chris. Während wir im Netz ganz einfach jeden Tag eine Interpretation oder einen humorigen illustrativen Weiterdreh des Mediengeschehens liefern wollen, nehmen wir uns im Heft jeden Monat sehr viel Zeit, um der Branche den Spiegel vorzuhalten. Das muss finanziert werden. Dazu brauchen wir Anzeigen, ja. Mit Blick ins Heft (das ich dir übrigens gern mal «antue», Carlos!) wird — so denke ich — schnell klar: Wir behalten dennoch unsere redaktionelle Unabhängigkeit und Distanz zu allen Beteiligten.

  15. Carlos sagt:

    Schwieriges thema, das ganze… einerseits klar, das man, wenn man ein heft, magazin oder was auch immer finanzieren will (muss), auf anzeigen angewiesen ist — andererseits ist, durch fernsehen, radio und (ganz extrem) das internet die «reizüberflutung» durch werbung mittlerweile so gross, das ich zum beispiel inzwischen höchst allergisch auf werbung reagiere — mit ein paar wenigen «gelungenen» ausnahmen.
    Problematisch finde ich wird es aber dann, wenn man mit dem anspruch, medienkritisch zu sein, dann eine anzeige (werbeseite?) für ein blatt macht, das (übrigens nicht nur bei «(alt)linken und 68ern) nur noch als gefährliches hetzblatt bekannt ist. Nicht, weil man sich damit vielleicht redaktionell abhängig macht, sondern weil einfach der eindruck dieser abhängigkeit entstehen könnte. Was gerade für ein magazin mit kritischem anspruch nicht unbedingt gut wäre.
    Vielleicht wäre es ja einfach geschickter gewesen, auf eine solche anzeige (die mit sicherheit reizvoll war, weil selbst gestaltet) ausgerechnet der bildzeitung zu verzichten.
    Das angebot, mir das heft einmal «anzutun», nehme ich übrigens gerne mal an, bulo! Ist ja nicht so, das ich mich nicht von besserem überzeugen lasse :-)

  16. Bulo sagt:

    Mail mir einfach, wohin die Lieferung gehen soll, ja?

  17. Prospero sagt:

    Was ist mit der PDF-Idee, Bulo? ICH fänds auch großartig…
    Ad Astra

  18. Oliver sagt:

    Zum Reinschnuppern wohl grandios (PDF), zum tatsächlichen Konsumieren — wie auch Ebooks allgemein — Junk ohne jeglichen Esprit. Gerade dieses Magazin halte ich gerne in Händen, hervorragende optische und inhaltliche Qualität, perfekt für die Offline-Phasen :-)

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