Ich hab da mal eine Frage

Will blog for feedWir führen hier ja nur ein kleines Privatblog. Es ist unsere Möglichkeit, unsere Meinung zu diversen Themen zu veröffentlichen. Es ist Spaß, Hobby und Passion zu gleich. Mit einem kleinen Lachen, oft aber auch mitleidig, schaue ich zu den Damen und Herren, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen wollen und sich dementsprechend Zwängen unterordnen müssen — seien es nun Journalisten oder Blogger. Ich selbst würde für kein Blog der Welt bezahlen, seien sie noch so grandios wie Michael Spreng, WEISSGARNIX, die NachDenkSeiten, Jens Weinreich, Caschy, LobbyControl oder auch das FAZ Israelblog. Noch viel weniger würde ich Paid Content im etablierten Journalismus akzeptieren — da können Döpfner, Hombach und Burda noch so sehr fantasieren. Dann fliegt die Seite einfach aus dem Feedreader — mein Informationshunger wird trotzdem gestillt. Das Internet hält jegliche Information bereit, egal ob ich sie nun bei der FAZ oder bei Oliver finde. Anders verhält es sich bei mir allerdings mit Printprodukten.

Nicht selten greife ich nach der SZ, weil Heribert Prantl mal wieder einen wunderbaren Artikel geschrieben hat. Neulich habe ich die FAS gekauft, aufgrund der hervorragende Recherche Volker Zastrows rund um Die Vier aus Hessen. Viel öfter greife ich aber nach Büchern, Büchern nicht selten von Journalisten geschrieben, die ich auch und insbesondere über das Internet schätzen gelernt habe. Über die neuesten Bücher von Günter Wallraff erfahre ich als erstes auf der Zeit, von Markus Breitscheidel und Julia Friedrich habe ich zuerst im Netz gelesen und auch Heribert Prantl in Buchform hätte ich nie ohne seine Artikel auf SZ Online gekauft. Es gibt weitere unzählige Beispiele. Nur mit Jens Weinreich verhält es sich anders — erst kamen die Bücher, dann das Blog. Das aber nur am Rande.

Was ich damit sagen möchte: Das Internet ist schön und gut, ein wunderbares Hobby, mein Geld gebe ich jedoch im realen Leben aus. Ein gutes Buch in die Hände zu nehmen, die Stille zu genießen, in die Zeilen einzutauchen und die Probleme des Alltags — auch das Internet — hinter sich zu lassen, kaum etwas ist entspannender. Den einen oder anderen Leser mag es überraschen, aber: Ich liebe Print.

Nun sind sich Alle darüber einig, dass sich die Medien durch das Internet in einem großen Umbruch befinden. Zeitungen und Zeitschriften müssen den Betrieb einstellen, weil das Internet Fluch und Segen zugleich ist und man bisher kein Geschäftsmodell gefunden hat. Auch die großen Medienhäuser, rund um den Globus verteilt, haben zu kämpfen und überall wird die alles entscheidende Frage gestellt:

Wie kann im Internet Geld verdient werden?

Ich denke, das ist die völlig falsche Frage. Im Internet wird kein Geld verdient. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass im Internet weltweit Milliarden umgesetzt werden — nur muss man die Kosten dagegen setzen, Personal, Infrastruktur und vieles mehr. Nur die wenigsten Webseiten, kleine Nischen, spezielle (Exklusiv-) Angebote oder halt die Massenmedien, die aber auch nur begrenzt, wenn man die Ressourcen dagegen hält, verdienen so viel Geld, dass sie ihre Mitarbeiter angemessen und gut bezahlen können. Kai Diekmann hat den viel zitierten Satz gesagt: Es gibt den verfluchten Geburtsfehler des Internets, dass das Internet kostenlos ist. Damit liegt er völlig falsch. Das kostenlose Internet ist beileibe kein Geburtsfehler — es ist das Grundprinzip des Internets. Und das ist gut und richtig so.

Was ich eigentlich damit sagen will: Auch wenn diverse Berater, Aufschneider, Werber und Wannebes immer wieder Gegenteiliges behaupten — die Zukunft des Internets ist und bleibt kostenlos, nicht nur in meiner Online-Welt, auch bei vielen anderen Menschen, die ich kenne und schätze. Selbstverständlich wird es immer wieder Versuche geben, Paid-Content-Angebote zu etablieren — doch sie werden im Regelfall scheitern und noch viel weniger Geld einfahren, als die lästigen und nervigen Werbebanner. Somit stellt sich für mich die Frage, ob sich die Medienhäuser und die Goldsucher nicht die falsche Frage stellen, wenn sie unzählige Stunden in Meetings verbringen mit der einen Frage, wie man denn nun im Internet Geld verdienen könne. Wenn ich mir mein Lese– und Kaufverhalten anschaue, muss die Frage vielmehr lauten:

Wie bringe ich die Menschen — die Leser — ohne aufdringliche Eigenwerbung über die Webseite zurück zum Printprodukt, sei es Zeitung, Magazin, Zeitschrift oder Buch?

Sehe ich das zu naiv? Ist diese Frage genauso wenig zu beantworten, wie die Jagd nach dem goldenen Kalb im Internet? Selbstverständlich habe ich auch noch keine Antwort gefunden — doch bin ich der Meinung, so gut und wichtig, grandios, hier Superlativ Deiner Wahl einsetzen, das Internet auch ist: Das Geschäft von Print wird immer Print bleiben. Wie können also die Leser wieder dazu gebracht werden, mal wieder eine Zeitung oder ein Buch in die Hand zu nehmen? Die Jagd nach dem Goldenen Kalb ist im Internet nicht zu gewinnen, wohl aber der Kampf um die Leser des Printproduktes.

Qualität wäre da vielleicht ein Anfang…

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30 Antworten zu “Ich hab da mal eine Frage”

  1. Pic sagt:

    Hallo Chris!

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich nun richtig verstanden habe. DIr geht es also NICHT um die eigentlichen Kosten des Internets (Infrastruktur, Energieverbrauch). Hierzu gehören dann auch die Bereitstellungskosten der Provider oder Serveranbieter für den einzelnen Internetuser oder größere Firmen.
    Dir geht es um Angebote wie Journalismus oder andere Dienstleistungen, die man im Internet anbieten kann?

    Nun: Ich sehe es so. Solange irgendjemand (und nicht nur einer) bereit ist, eine derartige Leistung kostenlos zu tun — UND — die Möglichkeit erhalten bleibt Inhalte auf elektronischem Wege zu vervielfältigen (sei es simples Zitieren, jedoch auch das Kopieren von Musik!), muss ich dir zustimmen. Warum denn für etwas bezahlen, dass kostenlos zu bekommen ist?
    Nun: Ich sehe noch einen anderen Punkt. Jemand, der sich durch seine Arbeit finanziell absichern kann, kann (!) auch bessere Arbeit anbieten. So fällt durchaus auf, dass einige Programme für die bezahlt werden muss, an Qualität die kostenlosen überbieten. Das ist natürlich nicht die Regel.
    So glaube ich nicht, dass sich an der derzeitigen Struktur des Internets langfristig etwas ändern wird. Es wird weiterhin bezahlte Angebote geben, die jedoch ihren Wert unter Beweis stellen müssen. Das ist bei Angeboten wie dem Journalismus nicht leicht zu machen — da Texte leichter kopiert (-> zitiert) werden können und somit nicht so leicht gegen sie vorgegangen werden kann. Zitieren ist schließlich keine Urheberechtsverletzung. Auch ist das Kopieren reiner Informationen (Präsident Manneskraft hat die Wahl verloren) auch nicht verboten.
    Und so stimme ich dir im Endeffekt absolut zu. Es geht einzig um Qualität. Denn wenn diese geboten wird — und nur so geboten wird — dann bezahlt man gerne dafür. Sei es für Programme, sei es für gut recherchierte Texte oder gut geschriebene Bücher. Doch alles andere wird so bleiben, da es immer jemanden gibt, der es verbreitet (auch wenn das illegal sein sollte).

    Viele Grüße,
    Pic.

  2. isnich sagt:

    Ich lebe schon seit Jahren ohne Bücher. Obwohl ich sie früher sehr schätzte. Erst kürzlich habe ich mir dann wegen des Hypes um «The Caryatids» von Bruce Sterling mal wieder eines gegönnt. Was soll ich sagen? Nachdem ich dann zähneknirschend Kunde eines Versenders wurde, tauchte einige Minuten später ein perfekt korrekturgelesener Torrent auf ;-> Ich habe dann mal kurz reingelesen bevor der Totbaum ankam. Wie auch immer, es gab mir nichts mehr. Ich bin einfach «entwöhnt». Und zwar seit ca. 2000, von 1600×1200 auf 21 Zoll. Welche zwei mal DIN A4 bequem nebeneinander darstellen können, und zwar in Originalgröße. Es gibt zwar noch nicht das superpraktische Ebook, aber ausreichend Bookreader für «gewöhnliche Kisten», ob portabel oder stationär.

    Wie auch immer, «utopische Spinnerei».…?
    Was wäre denn mit ‘nem bedingungslosen Grundgehalt, ausreichend, weltweit? Wären Autoren dann gezwungen sich Ihre Brötchen über Verlage und deren Vermarktungsinfrastrukuren zu verdienen? Ist das nicht auch ‘ne Art «Fast Food»? Was bringen denn die Werbedisplays der Spiegel-Bestseller der größeren Buchketten? Von mir aus können die ALLE mal ‘nen CMA machen.

    Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft

  3. Oliver sagt:

    >Jemand, der sich durch seine Arbeit finanziell absichern kann, kann (!) auch bessere Arbeit anbieten.

    Da halte ich mal das Meer an FOSS-Anwendungen bzw. Betriebssystemen entgegen und zeige dir demgegenüber ein Meer an Programmen mit hohen Preisen und gleichermaßen geringer Qualität und kaum Innovation. Wo Licht ist ist auch Schatten, ansonsten jedoch ist es eine kapitalistische Mär ähnlich security by obscurity. Beides ist schlicht seit vielen, vielen Jahren wiederlegt. Wenn nicht gar seit Jahrzehnten und davon profitierte o Wunder auch das originale UNIX bzw. das darauf aufbauende BSD Ende der 60er/Anfang der 70er.

    Insofern muß es lauten: jemand der sich durch seine Arbeit finanziell absichern kann, könnte(!) auch bessere Arbeit anbieten — in der Regel jedoch beschränkt man sich auf kalkuliertes Mittelmaß. Die Motivation bei jenen für lau kann auch ein Tief erreichen, hier jedoch ist nicht der rollende Rubel ausschlaggebend, sondern das Ideal und dieses Ideal kann man eben nie mit klingender Börse ersetzen.

    Kurzum, oftmals ist es schlicht Unkenntnis wenn derartiges behauptet wird — den wenigsten ist bekannt, wieviele bahnbrechende Entwicklungen nicht monetären Zwängen geschuldet waren bzw. sind. Monetäre Sachzwänge verhindern letztendlich Fortschritt und somit auch Qualität.

  4. Im Gegensatz zum »Manifest« der selbsternannten Alfamännchen: D’accord! Ohne Bücher aus Papier? Geht nicht!

  5. SZenso sagt:

    @Chris

    Ich würde deine These gerne erweitern. Du magst Print, bei mir lässt diese Begeisterung nach. In meiner Kindheit habe ich noch zu verbotener Nachtzeit mit der Taschenlampe unter der Decke gelesen, später war das Zeitungs-Abo ein muss und heute? Ok, ab und zu drucke ich eine Internetseite aus, aber das war es dann auch schon.

    Aber es gäbe doch soviel weitere Zusatzangebote, für die unsere Qualitätsjournallie einen Obulus verlangen könnte. Zum Beispiel einen kostenpflichtigen Live-Twitter-Feed, der über Artikel in der Pipeline informiert, die ganzen komischen Kurzfilmchen halt ohne diese Werbung, oder von mir aus auch eine Redaktions WebCam, die in Zeitlupe das Züchtigend des Praktikanten mit dem Zollstock zeigt …

    Es gäbe so viele Möglichkeiten. Nur, diese Flippchartjunkies müssten etwas tun, dass eindeutig außerhalb ihres Horizonts liegt: ihre Kunden (Leser) nach ihren Wünschen fragen!

  6. cypher sagt:

    Soll man da jetzt haemisch sagen: «Das ist eben der Markt. Angebot und Nachfrage.» ?
    Ok, das Angebot ist zwar riesig aber nicht immer hochqualitativ dafuer aber eben unentgeltlich. Und ohne Mehrwert wird da auch kein Paid-Content vom Himmel fallen. Ich faends ja nett wenn das Jammern aufhoeren wuerde und sie einfach ne Kaffeekasse aufstellen um sich für die seltenen Perlen einen angemessenen Dank geben zu lassen. Aber wenn man schaut was da politisch hintersteht dann riecht es eben schnell nach Taktik und koennte mit dem Netz erstmal weniger zu tun haben.
    Wer weiss?
    Mir gefiele der Gedanke, dass Geld verdienen im Netz nicht mehr so viel mit Geld verlangen zu tun haben koennte.
    Ich mag eben Utopien.

  7. […] Paid Content: Ich hab da mal ne Frage…FIXMBR […]

  8. Stephan sagt:

    @Chris,
    wenn es nur richtig guter Qualitätsjournalismus ist, dann bin ich sogar bereit auf die Onlineausgabe zu verzichten und nur Print zu lesen -> z.B. GEO
    Ich bin mir sicher, dass der Kunde für Qualität bereit ist, den entsprechenden Preis zu zahlen. Schließlich will man sich selbst doch nicht mit Schrott belohnen. Wenn mich das Angebot überzeugt, dann zahle ich auch dafür, egal ob Print oder Internet (SW, Musik, etc.). Auf der anderen Seite fällt es mir als Kunde schwer, für eine Information zu bezahlen, die ich, über die GEZ bezahlt, quasi kostenlos im Radio/TV abrufen kann. Oder die Information heißt einfach nur so, hat aber null Inhalt. Wenn unsere Verleger wirklich Qualität liefern würden, dann wäre ich bereit meinen Geldbeutel aufzumachen. Aber der Kunde ist nunmal nicht so blind, wie es manche Verleger gerne hätten.
    Wie SZenso sagt, den Kunden nach seinen Wünschen fragen, dann auch mal den Mut haben, etwas Außergewöhnliches zu wagen (und nicht immer nur den lauwarmen Aufguss alter Kamellen) und bitte bitte beim ersten Anzeichen eines leichten Gegenwinds nicht nach der warmen spendablen Hand von Mama Staat rufen — das ist doch albern. So einen «Unternehmer» möchte ich persönlich nicht unterstützen.

  9. Phil sagt:

    Wie können also die Leser wieder dazu gebracht werden, mal wieder eine Zeitung oder ein Buch in die Hand zu nehmen?

    Die Frage ist ganz einfach zu beantworten, wie schon im Beitrag angedacht — stimmt die Qualität, also der individuelle Anspruch, den ein/e Leser/in sowohl an das Gedruckte wie auch das online Publizierte stellt, dann werden Printmedien vom Internet profitieren und vice versa.

    Für meine Erwartungshaltung an Veröffentlichtes (egal ob Print oder Online) heisst das nichts anderes, dass ich bereit bin Geld für Drucksachen auszugeben, wenn das Pendant des Autors im Web mir gefällt und im Umkehrschluss, dass ich in gewissem Mass bereit bin, für im Internet verfügbaren Content wie z.B. eBooks zu bezahlen — nicht allerdings für Blogs und die SPONs dieser Welt.

  10. Hallo Cris,
    danke für «grandios» und keine Sorge: Ich käme nie auf die aussichtlose Idee, für mein journalistisches und politisches Hobby Geld zu verlangen. Auch ich bin ein leidenschaftlicher Zeitungsleser. Mein Tag beginnt mit der «Süddeutschen», der FAZ, «Tagesspiegel» und BILD. Häufig kommen noch FTD und «Berliner Zeitung» dazu.
    Die Qualitätszeitungen haben aus meiner Sicht nur eine wirtschaftliche Überlebenschance: sie müssen ihren Mehrwert, den Hintergrundbericht, die Reportage, das Psychogramm, den klugen Kommentar, der wenigstens einen neuen Gedanken enthält, ins Schaufenster stellen. Das heißt z.B. für die «Süddeutsche»: die Seite-3-Reportage, der Seite-2-Hintergrundbericht, der Prantl-Kommentar gehören auf Seite 1 und die eigentliche Nachricht nur noch zum Verständnis eingeblockt.

  11. Marc sagt:

    Moin,

    ich stimme Deinen Ausführungen zu. Aber Deine Kernfrage lässt sich nicht so einfach mit wenigen Sätzen beantworten. Es bedarf meiner bescheidenen Meinung nach einer gewissen Reife und Erfahrung — auch, aber nicht nur auf das Netz bezogen — um überhaupt die Feststellung treffen zu können, das a) im Netz Geld nur sehr schwer zu verdienen ist und b) gerade auf Seiten der Nutzer die Erkenntnis reift, dass es ja alles ganz schön und bunt ist, mit dem wahren Leben allerdings dann doch nicht allzuviel gemeinsam hat.

    Sicherlich ist die Technik faszinierend, die Möglichkeiten auf dem ersten Blick umwerfend. Dach was kommt dabei rum? Filmchen gucken bei Youtube und Co., Musik hören und labern, labern, labern. Meine intensiveren Ausflüge gen Xing, Facebook und anderen Angeboten waren diesbezüglich ernüchternd. Es hat viel, sehr viel Zeit vernichtet, aber überall überwiegt in meinen Augen das digitale, substanzlose Rauschen. Und nach mehr als einem Jahrzehnt intensiven Erfahrungen sammelns bleibt der Rechner seit einigen Monaten über Stunden 😉 aus, es werden nurmehr gezielt einige wenige Informationsangebote genutzt. Dafür findet unser Leben wieder wesentlich bewusster im «Hier & Jetzt» statt. Die Stadtbibliothek hat uns als Stammkunden die wöchentlich Stapel köstlichst bedruckten Papiers nach Hause schleppen und auch lesen, es ist viel mehr Zeit, sich realen Kontakten zu widmen, sich konkret zu engagieren anstatt Zeit in digitalen Oberflächlichkeiten zu verpulvern.

    Ich möchte das nicht misverstanden wissen, das Netz hat uns, gerade im Bereich der Informationsbeschaffung, gewaltig nach vorn gebracht. Der Rest ist aber wirklich prüfenswert. Da geht die Kosten(Aufwands-)/Nutzenrechnung u.U. nach hinten los.

    Den Onlineablegern von Zeitungen und Magazinen fällt größtenteils nichts mehr ein, als denn in die Richtung Krawalljournalismus zu marschieren, teilweise im seriösen Mäntelchen verpackt. Aber wer, in drei Teufels Namen, bezahlt denn für den dort veröffentlichten Schiet? Mal sehen, wohin die Reise geht.

  12. ich, wer sonst sagt:

    Ein freundlicher Artikel, man könnte meinen getreu dem Grundsatz «Leben und Leben lassen».

    Allein mich deucht, dass die klassischen Printmedien (gleiches gilt auch für einen Großteil der anderen Medien) eben auch nur ein klassisches Verständnis für sich und ihre Umwelt haben. Und da liegt für mich der «Hund» begraben. Sie sind nicht in der Lage langfristig und visionär (ich weiß, aber ich brauche keinen Arzt) zu denken, schließlich geht es ja um Umsatz und seine Steigerung und natürlich um Gewinn und der muss pro Quartal erscheinen, ansonsten «taugt das Internet nichts». Eine, für meine Begriffe, wahrhaft undemokratische und kurzatmige Sichtweise.

    Und noch ein Wort zu Kai Diekmann (wieso zielen eigentlich immer alle auf ihn ab, er ist doch nun wirklich nur ein Symptom) und Co. — ich bevorzuge Klasse statt Masse.

    Und dann noch ein letztes Wort zum Paid Content, den es angeblich ja noch nicht gibt. Dieser ist meiner Erfahrung nach auch im Internet existent (ich meine damit nicht nur e-books) und hat seine Daseinsberechtigung. Aber dies darf nicht dazu führen, dass das Recht auf Information untergraben und ausgehöhlt wird.

  13. […] Ich hab da mal eine Frage » F!XMBR Das Internet und das Geld. (tags: Blog Blogger) […]

  14. John Dean sagt:

    Ich schätze es so ein: Einen Weg zurück zu den glorreichen Jahren im Print sehe ich nicht — nur in Ausnahmefällen wird kann sich Print im Internet-Zeitalter leidlich behaupten. Trotzdem wird es noch viele Jahrzehnte eine duale Struktur geben, aus Print– und Online-Journalismus.

    Für den Journalismus wird es in der Zukunft dabei insgesamt immer enger, und zwar ziemlich egal, welchen Weg man dabei geht. Ein kleiner Teil wird vielleicht intelligente Wege aus der Misere finden, einige gute und überragende Journalisten werden die Publikationsmöglichkeit im Internet sogar befreien (Beispiel: Stefan N.), quasi als Medium in eigener Regie, aber insgesamt ist die Lage für den Journalismus schlecht — und wird nicht besser. Jedenfalls, das Marktvolumen wird schrumpfen, einfach auch deshalb, weil es so viel kostenlos (bzw.: vermeintlich kostenlos) im Internet gibt.

    Um die Wirkung zu veranschaulichen: Trotz einigen Potentials (Feedback, Dialog, Social Web usw.) wird sich ein Qualitätsgefälle auftun, und zwar in etwa wie im Verhältnis von SPIEGEL Online zum Print-SPIEGEL.

    Kurzum: Es wird also schlechter.

    Die junge Generation lebt zunehmend printfrei. Ein Problem ist das deshalb, weil die wegbrechnden Werbe-TKPs im Printbereich nie und nimmer von den um Zehnerpotenzen geringeren Werbe-TKPs im Online-Bereich ersetzt werden können. Mithin, es ist im Laufe dieses Umschichtungsprozesses immer weniger Geld für Journalismus vorhanden.

    Das ist ein Problem für die Verlage, zumal die sich bislang noch recht oft in Regionalmonopolen einkuscheln konnten. Der neue, raue und mit massiven Mindereinnahmen begleitete Weg in den Online-Journalismus überfordert die Verlage, und nicht minder schlimm, auch die Online-Journalisten, die in der Reichshauptstadt neuen Hauptstadt des Journalismus zumeist mit erbärmlichen Witzgehältern und –vergütungen abgespeist werden.

    Man könnte auch sagen: Ernsthafter Journalismus wird zunehmend zum Hobby.

    So, und nun versuche ich mal den Oberschlauen zu markieren und die Frage zu beantworten: Was tun?

    Mehr Qualität? Ja, das klingt aus Kundensicht immer schön, nur — wenn man mal annimmt, dass Qualitätszuwächse zumeist mit Mehraufwand verbunden sind — ist es leider unrealistisch. In manchen Fällen wird das Bemühen um Qualität und Originalität eine Chance schaffen, mit der sich einzelne Printprodukte von der Online-Konkurrenz abheben können.

    Das bedeutet aber auch: Wirklich gute Inhalte gehören — aus Verlagssicht — nicht ins Internet, allenfalls in Form einer Zweit– und Drittverwertung.

    Konzentration? Ja, leider. Und ich hasse den Tag, wo ich das, was ich hier beschrieben habe, in natura anzuschauen gezwungen bin. Habe ich schon «Berlusconi» gesagt? Wie gesagt: Ich hasse es. Vielleicht wäre es ein Ausweg, wenn der Staat mehrere konkurrierende Nachrichtenagenturen stützen würde, aus denen sich dann alle (also: alle) kostenlos bedienen könnten.

    Das müsste ich mir aber noch einmal sehr gründlich überlegen. Der Gedanke erscheint mir sehr verwegen — und doch, selbst wenn man diesen und ähnliche Auswege aus der Misere ablehnt, was tut man als Demokrat gegen den sich abzeichnenden Konzentrationsprozess?

    Bürgerjournalismus? Ja. Schön. Und doch kein wirklicher Ausweg, sondern nur eine schmale Nische. Wo es kein Geld für Journalismus gibt, da stirbt etwas weg — und der Ersatz in Gestalt von Bürgerjournalismus, mag er noch so frei und bürgernah sein, wird das nicht aufwiegen können.

    Staatliche Monopolrechte? Tja, das ist einer der Wege, den die Verleger mit massiven Lobbyismus vorantreiben möchten. Für die Bürger und für die Demokratie wäre das eine hässliche Sackgasse.

    Werbung? Janun. Mehr Werbung im Online-Journalismus hilft nun einmal nicht sehr gut gegen weniger Werbung im Print. Wenn die Onlinestrecken mit blinkenden Bildchen, Bergen von Schund, gekaufter PR, Betrug an Verbrauchern (z. B. Abo-Fallen) zugeplastert werden, dann wird das immer noch nicht die Verluste ausgleichen, die im Printbereich entstehen.

    Online ignorieren? Geht auch nicht. Wer sich als Verleger nicht um das Online-Geschäft kümmert, der wird auf Dauer überflüssig gemacht. Das Internet ist als Ort für Veröffentlichungen unersetzlich, und aus Verlegersicht mag das schlimm sein, unvermeidlich.

    Wer es ignoriert, sorgt dafür, dass andere seinen Platz besetzen. Und in jedem Fall wird es ein finanziell nur wenig komfortabler Platz sein.

    Mehr Ein-Mann/Frau-Theater? Ja. Gute und originelle Leute werden ihren journalistischen Weg im Online-Journalismus gehen können, es ist sogar Platz für eine ganze Reihe von Theater-Ensembles.

    Aber die (finanziell) guten alten Zeiten des Journalismus: Sie kommen nicht mehr zurück. Mag Diekmann fluchen, mag es der Freitag auf neue Weise versuchen, mag die Werbewirtschaft im SpOn viel buchen:

    Es ist eine abschüssige Bahn, auf der wir uns bewegen — auch wir Leser.

  15. Falk sagt:

    Wie bringe ich die Menschen – die Leser – ohne aufdringliche Eigenwerbung über die Webseite zurück zum Printprodukt

    Über die Frage bin ich echt gestolpert und mir fielen sofort eine ädaquate Fragestellungen dazu ein:

    «Wie bringe ich die Menschen zurück zur CD?»

    Antwort: Überhaupt nicht. Verkauft wird kein Produkt, sondern meines Erachtens eine Mischung aus Mehrwert, Gefühl und Verbundenheit. Denn für gute Musik geb ich auch im Internet Geld aus. Sogar mehr, als früher für Tonträger. Und das, obwohl ich den Kram auch völlig kostenlos bekommen würde.

    Die Frage, die ich mir stelle, ist eher: «Wie stellt sich eine Gesellschaft, die Kostenloskultur auf diesen Sockel gehoben hat, die gerechte Entlohnung von Leistung vor?» oder «Ist das geldwerte Leistungsprinzip noch zeitgemäß?»

    Medienkonzerne hatten und haben mit dieser Aussicht, nicht mehr die Verteilungshoheit von Informationen zu besitzen, schlichtweg ein Problem. Aber es kann nicht unser aller Aufgabe sein, einzelnen Konzernen das Überleben zu sichern, sondern unsere Aufgabe muss es sein, Kreativen das Leben lebenswert zu sichern, damit sie weiterhin kreativ sein können.

  16. Anonymous sagt:

    Die eBooks und konsorten werden in absehbarer Zeit keinerlei Konkurrenz für das gute alte Buch darstellen. Warum?
    1.Büchern geht nie der Akku aus.

    2.Bücher sind handlich, schonmal versucht ein ebook oder am laptop in einer dauerhaft komfortablen Körperhaltung zu lesen? Oder beim Sonnenbaden ? In der Badewanne ? Von Hitze und Elektroabstrahlungen ganz zu schweigen.

    3.Bücher sind widerstandsfähig und langliebig. Wirf mal dein Kindle aus dem 2.Stock 😉 Ich ersteigere regelmäßig Bücher die über 30 Jahre alt sind. Lass uns nur mal 10 Jahre in die Zukunft blicken: Welches eBook-Format wird noch mit aktuellen Geräten lesbar sein? Werde ich noch einen Ersatzakku oder Ladegerät für mein Kindle bekommen? Wann rauchen die Chips und SSDs mit meinen teuer gekauften eBooks ab?

    Und zum Thema «Baumtod», Papier kann aus 100% nachwachsenden Rohstoffen günstig hergestellt werden (Hanf zB). Mir ist schon klar dass dies im Moment nicht geschieht — dass geht gegen die Interressen der Papier-Monopolisten — Zu denen Burda übrigens auch gehört (->Google).

    Die große Nische die eBooks besetzen könnten und auch sollten ist im Wissenschaftlichen und Bürokratischen Bereich. Heute Rennen in der Uni 30 Seminarteilnehmer einem Buch aus dem Semesterapparat hinterher um sich die selben 10 Seiten zu kopieren — Oder in Einer Amtsstube muss nicht mehr in 20 Büros ein und der selbe Steuerschinken im Regal einstauben — hier liegt imho die einzige Zukunft für eBooks — im nicht kommerziellen Bereich.

    Zum Thema Kostenpflichtiger Content; den gibt es im Internet schon ewig zu hauf-er wird nur von den meisten nicht wahrgenommen. Archiv-Artikel der großen Tageszeitungen gibt es beispielsweise nur für Abonomenten gratis — jeder andere muß zahlen (Bei der FAZ zb 2€ pro Artikel). Der Engler Verlag bietet zB auch vergriffene Bücher als PDF an, für 50ct das Stück. Ansonsten denke ich da auch an Presseagenturen wie dpa, Reuters etc. Und andere Informations-, Auskunft– und Serviceleistungen mit ähnlich spezialisierten Geschäftsmodellen. Man denke zb auch an STEAM. Nicht zu vergessen der Milliardenmarkt Pornoindustrie. Amazon & Co sind im prinzip auch nur aufgebohrte Quellekataloge. Ein Einsteigerblog kann sich jeder kostenlos zusammenklicken, will ich mehr webspace oder höheren traffic usw zahl ich halt dafür. Da seh ich auch gar kein Problem. Das sehe ich eher darin dass die Verleger Geld machen wollen wo keines zu machen ist. Niemand zwingt die Verleger teuren Content kostenlos zu veröffentlichen. Bei der heutigen Redundanz macht das meiste eh keinen Sinn-Am Ende wird die gleiche dpa-Meldung von allen mit leicht veränderter Satzstellung, ungeprüft veröffentlicht.

    Übrigens teile ich den Eindruck, es würde nicht mehr gelesen, nicht. Ich denke sogar dass es mehr geworden ist. Fahrt mal zur Rush hour mit den Öffentlichen — Fast jeder 3. hält ein Buch in den Händen.

    Zu guter letzt will ich nocheinmal darauf hinweisen dass das Netz nie dazu gedacht war Profite zu erwirtschaften sondern um Informationen zugänglich zu machen.
    Ich schließe mich da Fefe an: «An dieser Stelle verabschieden wir uns von den Springer-Medien» :)
    http://blog.fefe.de/?ts=b.….45b18cd

  17. Gaston sagt:

    Nun, die Qualität.

    Als ich heute nach Hause geradelt kam, lag da ein Paket vor meiner Tür. Drin war, neben dem 4er CD-Pack von den 3 Tornados ein buch von Christian Morgenstern, dass ich noch nicht hatte und zwei Theaterstücke. Gestern war ich in einem Antiquariat und bin ca. 2,5 kg Schwerer wieder raus gekommen. Heute Morgen habe ich bei einem Freund und Kleinverleger (in einem speziellen Hobbybereich) schon mal mindestens 2 Kalender bestellt.
    Ich denke mit grausen an meinen bevorstehenden Umzug und überlege, wie viele Kartons ich benötige, wenn ich diese, wie man es bei Büchern machen soll, nur höchstens halb voll mache (Was habe ich nur alles leichtes, aber sperriges, mit dem ich eben diese Kartons auffüllen kann).
    Ich habe so manche Schallplatte digitalisiert udn mich über mich manchesmal geärgert, weil dies so abgenudelt sind vom vielen Abspielen.

    Die Qualität?
    Nun, die liegt darin, dass man sich noch konzentrieren kann und nicht, wie manch jemand, nach 10 Minuten unruhig wird, weil es keine Werbung gibt (ich bin desletzt wahnsinnig geworden, als ich mir bei Freunden einen Film anschauen wollte. Alle Nase lang Werbung. Gut dass ich so ein Teil nicht habe, ein TV), wenn mal eine Szene länger als eine Minute zusammenhängend ist, ein Videoclip, der nicht alle 5 Sekunden einen Bildwechsel hat, je nach «Beat» ruhig öfter.

    Die Qualität?

    Nun, die liegt darin in einem gemütlichen Sessel oder auf dem Sofa zu sitzen, die Leselampe an zu haben, eine Kerze (oder 2) anmachen, einen guten Single Malt oder wenn es kühl draußen ist einen Tee mit einem (guten)Schuß Rum.
    und dann viel später zu bemerken, dass die Kerzen fast abgebrannt sind, der Single Malt nur angenippt ist oder der Tee mit Rum eiskalt geworden ist, man selbst aber in einer ganz anderen Welt war. Und diese Welt war einzigartig, nähmlich einig die, die Du Erschaffen hast, als Du in das Buch versunken bist. Und trotzdem eine Welt von vielen, die ebenso, wie Du in eine der eigenen Welten eingedrungen waren.

    Ja, auch ich sitze viel am Computer, sei es, wenn ich meine Gedanken für alle Betroffenen lesbar niederschreiben will, sei es, weil ich einen Theatertext in die derzeit gültige Fassung bringe oder einen Beleuchtungsplan oder Bühnenplan mache. Aber wichtig ist auch die Zeit der Ruhe.

    Ehrlich, nun sitze ich wieder täglich am Rechner, schaue nach, was das Tagesgeschehen so zu bieten hat, belästige die Menschen mit meinem (für die Leser kostenfreien) Kommentaren in meinem Blog, wo einige schon wegen dem Namen und der Aufmachung zurückschrecken (wobei, das Bild hat jemand anders verbrochen 😉 ). Und trotzdem habe ich das alles in meiner Zeit auf der Elbe mit meinem Faltboot nicht einmal vermisst. Selbst Zeitungen waren belanglose Blätter, höchstens gut, um sich den Arsch ab zu wischen.

    Ich bin überzeugt, dass den Menschen was fehlt, die sich diese Ruhe nicht gönnen.

    Und der Slogan:
    Schock Deine Eltern,
    lies ein Buch

    ist so einfach, wie genial.

    In diesem Sinne

    Gaston

  18. Oliver sagt:

    >Die eBooks und konsorten werden in absehbarer Zeit keinerlei Konkurrenz für das gute alte Buch darstellen.

    Danke! Der Tag ist gerettet :-)

  19. […] der Problematik von Bezahl-Content und „Geld verdienen mit dem Internet“ beschäftigt sich heute Chris bei […]

  20. Chris sagt:

    @Michael Spreng: Gern geschehen. Ich habe neulich irgendwo, dass die Leitartikel nicht für die Leser, sondern für Politik und Gewerkschaften geschrieben werden. Kein Wunder also, dass sich die Menschen von den etablierten Medien abwenden.

    @John Dean: Klar wird es nicht den Weg zurück geben, das wollte ich auch nicht aussagen. Es wird auf eine Mischkalkulation Print/Online hinauslaufen — doch Geld wird immer noch im Print verdient. Heißt: Der Anteil des Prints in dieser Kalkulation muss so hoch wie möglich sein.

    @Falk: Ich denke, das größte Problem ist, dass wenn wir eine Zeitung oder eine CD kaufen, ein verschwindend geringer Anteil am Betrag den Kreativen zukommt. Das muss als erstes aufgebrochen werden.

    @Gaston: :)

  21. John Dean sagt:

    Einen gewissen Witz könnte man darin erkennen, dass der Anteil, den die Kreativen erhalten, beispielsweise beim Vertrieb über den Apple Store geradezu gigantisch ist — im Vergleich zur vordigitalen Zeit.

    Nur — jetzt betrachte man sich das ganze Gemengelage. Und schon sind die Künstler und Inhalte-Produzenten die Gekniffenen. Sie haben nicht viel zu erwarten von den Verlagen. Im Gegenteil: beim allgemeinen Hauen und Stechen gehen ihre wirtschaftlichen Interessen auf dem Weg von «total buy out» unter. Sie haben nicht viel zu erwarten von der etablierten Politik, die entweder die Lage völlig missversteht und/oder sich den Konzernen an den Hals wirft. Und zu allerletzt können sie ihre Hoffnungen auf Piraten setzen, die ihnen in klassisch neo«liberaler» Weise entgegen dröhnen:

    «Sucht euch einfach ein neues Geschäftsmodell — wenn wir euch bis dahin beklauen, ist das erstmal prima»

    Das gilt nicht für alle Sparten in gleichen Maß, aber es gilt ganz besonders für Musiker und Autoren.

    Ich könnte mir vorstellen, dass eine intelligent organisierte Kulturflatrate einen Ausweg bietet — bei dem es gleichzeitig zu guten Vergütungen für «Inhalte-Produzenten» kommt, wie auch zu einer deutlich verbesserten Freiheit für den schrankenlosen Austausch von Kulturgütern.

    Wenn jeder Internet-Nutzer in Deutschland drei Euro als Entgelt zahlen würde — und dieses Geld dann an Verlagen und Verwertern vorbei direkt zu den Inhalte-Produzenten gelangen würde: Das wäre was. Das wären u.a. rund eine Milliarde Euro (sogar mehr Volumen als die GEMA), die gleichzeitig für einen enormen Zuwachs an Freiheit sorgen würden, wie auch für einen produktiven Wettbewerb der Inhalte-Produzenten anfeuern könnte. Und ganz demokratisch: Jeder könnte dabei sein!

    Ich wäre beispielsweise dafür, bei einer entsprechenden Umgestaltung des Urheberrechts, dass alle veröffentlichten Kulturgüter nach 7 bzw. 14 Jahren automatisch Allgemeingut werden — aber deren Nutzung via Kulturflatrate für die Kultur– und Inhalteproduzenten gutes Geld einbringt, und zwar an zwischengeschalteten Verlagen/Verwertern vorbei.

    Das wäre für mich — so weit ich es bislang durchdacht habe — ein attraktiver und für alle fairer Weg. Natürlich liegt der Teufel in den Details. Aber da sage ich mal: Zum Teufel mit dem Teufel!

    😉

  22. Carlos sagt:

    Ohne jetzt groß ins schwärmen zu geraten: ein genialer Artikel, der samt seiner Kommentare — ausgenommen vielleicht den 2ten, den ich einfach nicht verstehe 😀 — eigentlich zum Pflichtprogramm jeder Schule werden sollte. Nicht, das er viele Antworten gibt, aber er wirft (wie ich finde) extrem wichtige Fragen auf.

    Auf die meisten habe ich auch keine Antwort (irgendwie Beruhigend zu wissen, das sehr viel Schlauere Leute als ich da auch keine Antwort haben), aber zu diesem Kommentar möchte ich noch etwas sagen:

    Vielleicht wäre es ein Ausweg, wenn der Staat mehrere konkurrierende Nachrichtenagenturen stützen würde, aus denen sich dann alle (also: alle) kostenlos bedienen könnten.

    @John Dean: Nach dem ich das gelesen hatte, viel mir ein, das es etwas entfernt ähnliches bereits gibt — und zwar in Norwegen. Es gibt (oder gab, meine Info ist jetzt 5 Jahre her) dort ein Staatliches Programm, mit dem kleine Zeitungen Landesweit unterstützt werden, damit sie Existieren können.

    Der Hintergrund dafür ist ganz einfach, das auf Grund der Entfernungen und der (im Norden) sehr dünn besiedelten Flächen wohl einfach keine eigenständige Zeitung dort ohne Hilfe existieren könnte, und die großen Blätter aus Oslo, Bergen oder Trondheim im Norden mindestens einen Tag später ankommen würden. Für eine Tageszeitung eher suboptimal…

    Zwei Beispiele:
    1. Die Inseln Hitra und Frøya in der Nähe von Trondheim, mit zusammen ca. 8000 Einwohnern leisten sich gleich zwei, soweit ich weis unabhängige Zeitungen. Ansonsten wären die Menschen dort «nur» auf die Trondheimer Tageszeitung angewiesen — alle anderen größeren Blätter des Landes kämen erst mit einem Tag Verzögerung dort an (selber erlebt, also kein witz!).

    2. Der Landstrich Troms (ähnlich wie ein Bundesland hier) plus der Stadt Tromsø leisten sich insgesamt 5 Zeitungen — bei einer gesamt Einwohnerschaft von vielleicht 100.000. Und alle so weit ich weis Unabhängig und sehr verschieden von einander.

    Warum ich das jetzt schreibe? Ich weis nicht, ob etwas ähnliches in Deutschland funktionieren würde, aber vielleicht würde ja auf diese Art und weise mehr Konkurrenz entstehen, und vielleicht sogar dadurch die Qualität steigen. Ich habe es während des halben Jahres in Tromsø erlebt, wie sich die zwei Zeitungen der Stadt regelrecht «angegiftet» haben — über Wochen — wegen der Abstimmung über den EU-Beitritt Norwegens. Etwas, was ich in der Form hier in Deutschland noch nie in Zeitungen so gesehen habe — aber ehrlich gesagt ziemlich vermisse.

    Wie gesagt, ich weis nicht, ob es in Deutschland funktionieren und was dabei herauskommen würde (ich bin da eher skeptisch), aber vielleicht wäre es ja einen versuch wert.

    Btw. Aus einem Leserbrief im Tromsø-Bladet, an den ich mich noch erinnere: «Norwegen ist das letzte Stalinistische Land Europas» — vielleicht ja doch keine so gute Idee, was ich oben geschrieben habe 😉

  23. Also, Gedrucktes ist mir sehr lieb, wenn ich mal drankomme. Bücher lese ich nach wie vor gerne. Auch eine Zeitung gönne ich mir — selten — aber ab und zu, wenn mich ein Artikel besonders interressiert, und ich ihn in Ruhe lesen will. Das ist leider selten geworden, aber nicht wegen Unlust.

    Wer behindert ist, kann nicht mehr so schnell zum Zeitungskiosk springen, und ein Abo ist mir zu teuer. Online lese ich auch, zwangsläufig, aber es macht nicht so viel Spass, ist eher eine Art Arbeit für mich.

    Ob sich eine Kulturflatrate lohnen würde, käme auf das Angebot an. Eigentlich bezahlen wir schon genug überall — aber grundsätzlich, wenn es sich lohnen würde.

  24. ebertus sagt:

    E-Books könnten «eines fernen Tages» schon eine Alternative zu Büchern, Zeitungen und Zeitschriften darstellen. Die Technik ist bereits halbwegs OK. Lesbarkeit, Speicherkapazität und Akkulaufzeit ( die drei wohl wichtigsten, technischen Kriterien) sind schon recht ordentlich, ja werden mit Sicherheit eher noch besser.

    Aber: Ich hab’ es nicht gern, wenn mir beim Lesen permanent jemand über die Schulter schaut, jeden Online-Connect zu intransparenten Aktionen nutzt. Ich hab’ es nicht gern, wenn von mir gekaufte Bücher (heimlich) wieder gelöscht werden, nicht mal die theoretische Möglichkeit darf es geben. Ich habe es nicht gern, wenn von mir gekaufter Content quasi «gefangen» ist, diese Inhalte nicht anderweitig zu sichern, gar zu nutzen sind; man sie auch analog einem Buch, einer DVD etc. im Freundeskreis verleihen kann.

    Ergo: Chris hat recht, bei Amazon oder real bei Hugendubel etc. schau ich immer mal vorbei, kaufe papierene «Hardware» und ansonsten — allerdings nur sporadisch und sehr selektiv — Zeitungen und Zeitschriften.

  25. Gaston sagt:

    @ Carlos

    Du fragst Dich, ob dies auch in Deutschland funktionieren würde?
    Vielleicht, wenn es die großen der (Zeitungs-) Branche zulassen würden.

    Hier ein Beispiel aus meiner alten Heimat Köln (und nicht nur da).

    Wer erinnert sich noch, dass vor einigen Jahren in verschiedenen Großstädten in Deutschland für eine Zeit eine kostenlose Tageszeitung (20 Minuten) angeboten wurde. In anderen Ländern hat sich das Konzept etabliert, warum nicht in Deutschland?

    Nun, der Fall, wie er sich in Köln abgespielt hat, wurde Deutschlandweit als der «Kölner Zeitungskrieg» bekannt (–> Kölner Zeitungskrieg).
    Als einer, der damals den Krieg (und so kann er tatsächlich auch bezeichnet werden) täglich mitbekommen habe, sehe die Sache etwas anders, als der «neutrale» Wikibericht.

    Fazit ist, dass Bild/Axel Springer nach diesem Streit zweierlei geschafft hatte:
    1. Die (wegen dem Kölner Express) relativ bescheidenen Marktanteile in Köln und Umgebung sind nicht noch geringer geworden
    2. Eine (am Anfang, lt. dem Verlag sehr wohl geplante schrittweise) flächendeckende Ausdehnung wurde verhindert und so auch in anderen Regionen die Marktanteile gesichert.

    Für den DuMont-Verlag wurde so das fast vorhandene Monopol der Tageszeitungen in Köln gesichert, denn alle drei Tageszeitungen (Stadtanzeiger, Rundschau und Express) sind in der Hand dieses Verlages.
    Somit ist es weiterhin möglich, die eigene Vorstellung von «Unabhängigkeit» und «Vielfalt» unter die Bürger zu bringen.

    Auch, als (war es die Welt?) eine überregionale Zeitschrift eine speziell auf Köln (mit Regionalteil) zugeschnittene «Lightzeitung» heraus brachte (kleineres Format und weniger Inhalt, dafür recht Günstig) hat der Verlag sofort wieder mit einem eigenen Produkt geantwortet, dass zum Teil mit ähnlicher Aggressivität vermarktet wurde, wie zuvor die kostenlosen Zeitungen (so wurden über Tage an Strassenbahn-Haltestellen diese «Lightzeitung» als Leseprobe umsonst verteilt, so dass man den Verkauf, vor allem im HBF-Zeitungsladen mehr oder Weniger als Farce ansehen könnte).
    Soweit ich weiß, gibt es diese «Lightzeitungen» in Köln nur noch als überregionale Ausgaben und der DuMont-Verlag hat seine auch wieder eingestellt (Wobei ich mir hier, wie gesagt nicht sicher bin).

    Zudem zeigt dies, so meine Meinung auf, in wie weit unsere Volksvertreter überhaupt interessiert ist an «frei Informationsbeschaffung». Meiner Meinung nach wollen diese uns lieber auf «Blöd-Niveau» halten.

    Zu dem Thema Piraten und Urheberrecht äußere ich mich an dieser Stelle nicht. Wer will, kann sich ja den Artikel in meinem Blog ansehen.
    Nur Kurz: Ich sehe das nicht so Einfach!

  26. vio sagt:

    Das Internet beseitigt Meinungsmonopolismus durch die Massenmedien.
    Ein kleiner Rückschritt für das Verlagswesen, ein großer Schritt vorwärts für die freie Meinungsbildung.

  27. Oliver sagt:

    >Das Internet beseitigt Meinungsmonopolismus durch die Massenmedien.

    Feine Theorie, doch in der gelebten Praxis ohne jedwede Relevanz. Das Monopol herrscht auch im Netz, denn um dieses aufzubrechen bedarf es der Leser und auch der aktiven Schreibenden. Weder die Leser sind motiviert irgendetwas aufzubrechen, noch die Schreibenden sind an der Zahl nennenswert um dort etwas zu reißen. Was also bleibt? Ein Traum einer absoluten Mindertheit, welche ebenso wie just bei diesem Manifest geschehen verallgemeinert bis zum Abwinken.

    Noch eine nette These, das Internet bringt Bildung für alle. Das Internet verbindet Menschen. Das Internet .… bla bla. Da ist ein neues Medium und das ist derselbe Mensch wie zuvor. Und solange letzterer sich nicht bewegt bzw. sehr viele sich bewegen ändert sich überhaupt nichts und hohle Phrasen bleiben hohle Phrasen.

  28. sascha sagt:

    Das Internet ist meiner Meinung nach nicht zwingend kostenlos, genausowenig, wie Bücher kostenlos sind. Aber wahrscheinlich gibt es trotzdem einen Geburtsfehler: Nämlich den, dass vor ein paar Jahren alle meinten sie müssten ins Netz und was war einfacher als schon erstellte Inhalte kostenlos zur Verfügung zu stellen. Jetzt haben alle den Salat.

    Dass ich druchaus bereit bin für Informationen im Netz zu zahlen merke ich, wenn ich von der Stiftung Warentest Tests gegen Gebühr runterlade statt mir bei ciao.de (oder vergleichbaren Anbietern) Berichte durchzulesen, deren Herkunft und Motivation ich schlecht einordnen kann.

    So gesehen besteht die Herausforderung darin Inhalte zu entwickeln und Preise zu machen, für die potentielle Kunden bereit sind Geld zu zahlen und diese nicht für dumm zu verkaufen …

  29. Oliver sagt:

    >Aber wahrscheinlich gibt es trotzdem einen Geburtsfehler

    Der aber schon weitaus länger zurückliegt und in der Natur der Sache begraben ist: das Internet hatte nicht den Anspruch ein Marktplatz zu sein oder die Goldgrube für Konzerne. Das Netz entstand ob nicht-monetärer Gründe und dieser Ansatz war nicht der Verkehrteste. Forschung, Wissen, Information, Austausch war das Ideal, die Ausartungen nun sind diversen Krämerseelen geschuldet die nicht anderes als ihren Claim abstecken möchten. Legitim zwar in freiheitlichen Gefilden, aber ebenso sehe ich es mit Freude wenn diese fortwährend scheitern.

    Man kann mich nostalgisch nennen, aber ich fand die Zeiten schön als ich 95 das erste mal auf dieses WWW traf, es war alles noch irgendwie «sauber», wie auch zuvor auf den Mailboxen. Das wird es wohl nie wieder sein, aber kampflos wird es an die Krämerseelen nicht übergeben.

    Eine Mehrheit wird es nie geben die für Qualität zahlt, einzig eine Minderheit. Und jene Minderheit kann weder Print (in Form von Büchern) oder digitale Pendants finanzieren. Die Mehrheit, der Mainstream, driftet ab ins schnelle und freie Vergnügen. Selbst wenn es letzteren nach Qualität dürstet, werden sie sich diese nehmen ohne zu zögern und ohne ihren Obolus zu begleichen.

    Der Mainstream hätte auch weiterhin imho diesem Netz fernbleiben können. Wäre zwar für die wenigen ein teurer Luxus, aber ein sinnvoller.

  30. Phil sagt:

    die Zukunft des Internets ist und bleibt kostenlos, nicht nur in meiner Online-Welt

    Hm, bisher hat mich so gut wie kein Angebot gereizt, es zu kaufen. Vielfach wird der Inhalt gar nicht dargestellt und man erfährt manchesmal etwas zu dem Inhalt aus anderen Angeboten.
    Auch ist das mit dem Bezahlen irgendwas unausgegorenes bis auf die Bezahlung mit der Telefonrechnung, was jedoch nicht gerade billig ist.

    Also ich wäre schon bereit für Inhalte im Internet zu zahlen. Doch dazu müsste es eine gute Zusammenfassung des Inhalts geben sowie ein Art Bezahlsystem wie Bargeld (nein, nicht PainPal & Co., da ich bei diesen Anbietern ein Konto eröffnen müsste). Besser wäre da eine elektronische Geldbörse.

    Der Vorteil liegt eigentlich klar auf der Hand. Bei Druckerzeugnissen muss ich Tonnen von Papier lagern um dann diese später durchsuchen zu dürfen. Bei digitalem Inhalt habe ich dieses Manko nicht. Doch da sollte auch auf eine einheitliche Basis gewechselt werden, nicht dass einer .doc, der andere .pdf oder .htm(l) oder so anbietet. Einfach ein freies Format ohne jegliche Restriktionen.

    Btw. PainPal & Co.: es wäre schön, könnte man anbieterübergreifend Transaktionen durchführen und kostengünstig Geld von einem zum anderen Land durchführen.

    @sascha:

    Ja, an Stiftung Warentest musste ich auch denken. Zumindest deren Einleitungen machen zum Teil wirklich Lust auf mehr.

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