Ich glaube nicht an Wunder. Ich habe ihrer zu viele gesehen

Zitat: Oscar Wilde


7 Antworten zu “Ich glaube nicht an Wunder. Ich habe ihrer zu viele gesehen”

  1. Oliver sagt:

    Zum TAZ-Artikel: oder ein Begriff im Wandel der Zeit? Skandale lassen sich auch konstruieren. Natürlich finde ich es absurd wie der Begriff Kultur überall mißbraucht wird, aber es existieren eben tatsächliche Begrifflichkeiten mit negativem Habitus, welche sich dem Gros stante pede offenbart und Begrifflichkeiten die mißbraucht wurden und werden, auch insbesondere von den Medien. Sollten wir vielleicht einen DUDEN der no-gos herausbringen? Damit die Medien Füllmaterial haben? Höre ich den Begriff Kulturnation im Bezug auf Deutschland schüttelt es mich, vernehme ich diesen Begriff Kultur in den Medien ergeht es mir kaum anders.

    Sollten wir als erstes nicht die Sozialwissenschaften kippen? Jene wurden damals ersonnen um einen Census zu besitzen, die Zukunftsfähigkeit eines Nationalstaates zu designen. Ich fühle mich als Cosmopolit, aber brauchen wir tatsächlich diese von den Medien geheuchelte Selbstkasteiung? Um an das Land der Dichter und Denker von einst anzuknüpfen braucht es weitaus mehr als Phrasen, was es aber auch braucht ist der Fall des Meinungsdiktats der prof. Laien.

  2. phoibos sagt:

    kulturnation ist für mich ein vergifteter begriff, da er irgendwie so nach clash of civilizations klingt, was ja nicht unerheblicher blödsinn ist und letztlich nur der neodepperei nützt. der begriff impliziert in seiner überheblichkeit, dass es nationen gibt, die njekulturnej (wie der russe zu sagen pflegt) sind. quasi unternationen.

  3. Oliver sagt:

    Es ist ein klein wenig nationaler Ego-Tripp — und? Es gibt schlimmeres als eine begriffliche Kakophonie, nämlich die tatsächliche Zerstörung von Kultur per se oder die Engstirnigkeit selbst vieler sogenannter Linker, wenn es sich um ein wenig «zuviel» Ausländer dreht. Jedes Land hat nun mal Kultur, die einen fördern diese, die anderen richten diese zugrunde. Zur Hölle, es kann doch eine Kulturnation sein, wenns denn diese Begrifflichkeit sein muß und zu dieser Nation gehört imho jeder der sich hier irgendwie wohlfühlt und auf seine Art und Weise partizipiert. Wenns beispielsweise einem Farbigen Spaß bereitet Deutsches Kulturgut zu pflegen — prima, ich kenn da Leute die sind mehr «Deutsch» als hier Geborene. Wenn diese kulturellen Illiteraten in diesem Land endlich einmal schnallen würden das Kultur Vielfalt bedeutet und Oberflächlichkeit keineswegs förderlich ist, dann würden wir mitunter vielleicht auch eine gesunde Kultur schauen, die offen für andere ist. Das Lokalkolorit einer Kultur ist halt einer Nation anhängig, da kannn man sich noch so sehr geiseln — geht halt nicht anders.

    Grenzen auf und alle rein die wollen — na wieviele die sich über derlei Begrifflichkeiten echauffieren würden dann wohl entsetzt aufschreien? Heuchlerische Bande …

  4. phoibos sagt:

    ich denke, lokalkolorit und nation widersprechen sich. deswegen verstehe ich mich ja auch als hamburger (lokal) und europäer (im sinne einer kulturnation), bin aber in erster linie mensch.

  5. Oliver sagt:

    Warum? Nationen sind in ihrer Gesamtheit ein Kulturpool mit massiven Wechselwirkungen seit Jahrtausenden. Es gab zu jeder Zeit fortschrittlichere und weniger fortschrittlichere Kulturen, dumm war es nie etwas eigenes zu fördern oder als besonders gut darzustellen, sondern sich von anderen völlig abzugrenzen bzw. anderen etwas aufzuzwingen. Auch die von dir verehrten alten Griechen waren genau genommen arrogante Eigenbrödler die anderen Nationen ihre Über-Kultur bringen wollten über die Schwarzmeer-Küste oder auch Marseille. Daraus fruchteten jedoch viele positive Einflüsse, die sich in lokalen Kulturen bemerkbar machten und den Barbaren einen Schuß griech. Noblesse mit auf den Weg gaben, ohne diese zu verdrängen. Erst die USA der Antike, die Römer, versuchten Stempel aufzudrücken — aber letztendlich gabs da ebenso positive Einflüsse, wenn auch imho geringer.

    Nationalität ist keine Schande, erst wenn geistlose Horden meinen damit andere verdrängen zu müssen.

  6. phoibos sagt:

    oh, da haben wir uns missverstanden. für mich ist nation in jenem artikel ein synonym für einen nationalstaat.
    und da du die alten griechen angesprochen hast: erst mit dem panhellenischen gedanken, der vorstellung der griechischen nation, kam imo das sendungsbewusstsein.
    nation als kulturelle identität oder sprachlicher kontinuitätsraum wird von mir auch nicht kritisiert, mein problem ist das engstirnige verhalten von nationalstaaten, deren fürsorge an der grenze (noch so ein pöhses wort) aufhört. ja, menschen bedürfen immer der grenzen, um eine identifikation zu haben. deswegen sollten wir die grenzen so weit wie nur irgendmöglich definieren. und dabei will ich schlicht nicht goethe auf deutschland (im sinne von du bist deutschland oder deutschland sucht den pornostar) reduzieren.
    zurück zu dem taz-artikel: gestehen wir den machern des deutschen gedenktages nur gute absichten und ein angemessenes bewusstsein um die termini zu, so kommt so ein motto im zeitalter von wir sind papst imo falsch an.

  7. Oliver sagt:

    Apropos panhellenisch, das war auch schon der Anfang vom Ende — der Niedergang den man auch in der Kunst beobachten kann, wenn auch initial ein Höhepunkt erlangt wurde. Die vorherigen Beeinflussungen sind teils massiver als jene die zu dieser von dir angesprochenen Zeit hineininterpretiert werden, denn man kann diese mittels zahlloser Befunde quer durch Europa nachweisen. Die Stadtstaaten zuvor trieben die «griechische» Kultur letztendlich zu ungeahnten Höhen, der Hellenismus ist dabei größtenteils der im gesamten Spektrum griech. Kultur «uninteressanteste Teil». Aber egal, die vorherige Wechselwirkung — wenn auch leider manchmal mit gewaltätiger Zäsuren unterbrochen — war förderlich, der Gesamtgedanke trieb gen Abgrund — das «Sendungsbewußtsein» war ein völlig anderes.

    >gestehen wir den machern des deutschen gedenktages nur gute absichten

    Ich gestehe weder diesen zu, noch anderen — es ist geheuchelt, ebenso wie in der taz. Bei ersterem möchte man Kultur mißbrauchen ohne diese tatsächlich zu befüllen, bei den Medien möchte man Skandälchen entdecken ohne dabei — augenscheinlich mangels Kenntnis — zu bedenken welches Faß ohne Boden man da schaut. Das schrieb ich auch oben, geheuchelt ist es so oder so — es sind Phrasen, einmal um Identiät zu präsentieren,zum anderen um die Auflage zu steigern. Wenn ich viele der bekannten Blätter durchstreife und auf fragwürdige Begrifflichkeiten oder Formulierungen hin untersuche tun sich Abgründe auf — von «Links» bis neoliberal.

    Es existieren Begrifflichkeiten die durch und durch mißbraucht wurden oder Wortschöpfungen die geistige Abgründe offenbaren — da braucht man jedoch nicht zu deuteln und die halbe Geschichte herbeizuzitieren. Andererseits sollten wir auch nicht wie viele geistige Tiefflieger zuvor Wörter, Schriften, Bücher generell ächten mit ähnlich geistloser Oberflächlichkeit. Wenn man diesen Tag nicht mag, die Feierlichkeiten geheuchelt sieht etc. pp. dann existieren in diesem Fall genügend Angriffsvektoren die mehr bieten, die Problematik verdeutlichen und nicht vom Kern der Sache ablenken.

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