Ich erkenne nur ein höchstes Gesetz an, die Rechtschaffenheit, und die Politik kennt nur ihren Vorteil.

Die Ignoranz des Matthias Güldner
In einem offenen Brief reagiert der Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND auf den Kommentar „Zur unerträglichen Leichtigkeit des Internet“ von Matthias Güldner, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft.

Ein paar merkwürdige Details
Eine Umfrage unter den Bundesministerien ergab, dass in der Regel nur PolitikerInnen der höchsten Sicherheitsstufe den Dienstwagen im Urlaub nutzen — weil es für sie schlichtweg keine Alternative zur gepanzerten Limousine gibt. Vielleicht ist es so, vielleicht ist es anders — Tatsache jedoch ist, dass in der Politik mangelnde Transparenz mit einer unsäglichen Arroganz einhergeht.

EU-Rat gibt Bankdaten an USA
Der EU-Außenminister-Rat erlaubt den USA weiter den Zugriff auf den Swift-Server, auf dem Daten weltweiter Geldtransfers ruhen. Der wird nach Europa verlegt – eigentlich, um die Daten besser zu schützen.

Richard Stallman kritisiert schwedische Piratenpartei
Würden die Ziele der schwedischen Piratenpartei erreicht, dann würde dieser Schutz nach fünf Jahren verschwinden, die Software würde niemandem mehr gehören und könnte nach Belieben überall verwendet und auch in proprietäre Software eingebaut werden. Tja Herr Stallman, gleiches Recht für alle. Und das alles nennt sich dann Kultur :-)

Welche Akropolis, welches Forum? Rekonstruierte Geschichte und ihre Kollateralschäden
Die Geschichte eines bedeutenden antiken Platzes durch Ausgrabung und Rekonstruktion zur Evidenz zu bringen ist ein notorisch schwieriges, vielleicht unlösbares Problem mit geschichtstheoretischer Dimension. Da beschreibt der Herr Historiker, sonst ist diese Zunft gegenüber nichtschriftlichen Begebenheiten recht allergisch, dass Dilemma des Archäologen.

Zitat: Heinrich von Kleist

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6 Antworten zu “Ich erkenne nur ein höchstes Gesetz an, die Rechtschaffenheit, und die Politik kennt nur ihren Vorteil.”

  1. phoibos sagt:

    ja, die archäologie… ein sehr schwieriges feld, da jeder erkenntnisgewinn mit der zerstörung von erkenntnisobjekten einhergeht. damit meine ich nicht nur die unart eines schliemann, mal eben in einen hügel eine rampe reinzusprengen, sondern ganz allgemein die ausgrabung als solche. in mykene habe ich mit dem dortigen ausgrabungsleiter mich mal unterhalten können, der letztlich imo vor dieser schere kapitulierte und asphalt ausgießen ließ, damit spätere generationen mit besserem equipment erkenntnisse gewinnen könnten, ohne dass gleich alles kaputtgemacht werden würde. leider werden wir für derartiges wohl immer weniger geld ausgeben.
    zur akropolis und anderen monumenten: diese zurschaustellung der «christlichen leitkultur» (wie unsere ignoranten politiker gerne behaupten) rührt zu einem nicht geringen teil aus der identitätsgewinnung unserer europäischen nationen her. das bild der nüchternen klassik, die ganz auf subjekte orientiert ist, kam in jener aufklärerischen hochzeit natürlich gut an. aber ganz ehrlich, ich war schockiert, als ich erfuhr, dass die nüchterne, reine, weil weiße, antike quietschigbunt war, derartig bunt, dass selbst ein frisch installiertes windows xp dagegen grau aussieht.
    wir wissen, nicht zuletzt wegen der schriftfixierung der alten, recht wenig über den alltag der antike, denn die meisten monumente sind in stein gehauenes imponiergehabe der staaten. so wundert es mich nicht, dass die großen diktatoren des letzten jahrhunderts sich in ihrer monumentalarchitektur massiv bei klassischen vorbildern bedienten.

    ciao
    phoibos

  2. Oliver sagt:

    Ja, dass die Griechen es extrem bunt mochten, dürfte für viele ein Kulturschock darstellen. Der Glaube an durchgehend geweißelte Gebäude etc. ließ uns doch diese Farbe mit Erhabenheit verknüpfen. Nun der Zeitgeist trieb oft seltsame Blüten und Zeugnisse unserer Altvorderen mußten oftmals für biedere Absichten herhalten. Wenn griech. Frauen beispielsweise ihr Gesicht grell schminkten, die Haare blond färbten, Essgeschirr mit erotischen Darstellungen der letzte Schrei war, Phallen teils den Weg wiesen usw. so entspricht dies alles sicher nicht unserer Vorstellung einer besseren, da edleren Welt 😉

  3. phoibos sagt:

    o ja, die erotik… kein wunder, dass die carmina priapea noch heute zu den unbekannteren gebieten der antiken literatur gehören. dabei hat auch goethe sich diesen voller genuß genähert. trotz aller kunstfertigkeit, die von einer weiten durchdringung von fähigkeiten, die der gemeine student nur bei catull und ovid kennenlernen mag, der literaten bevölkerung griechenlands und roms zeugen, werden diese kleinen verse sehr stiefmütterlich behandelt. was wohl auch zum teil an der asiatischen herkunft dieses erotomanen gottes liegen mag. zum einen beschmutzt priap das hehre bild der platonischen liebe, dass christentum und aufklärung von der antike zeichnete und deren zeugnis die weiße architektur zu sein scheint (lustig, dass griechische häuser auch heute noch weiß zu sein haben), zum anderen ist die asiatische herkunft dieser gottheit wohl vielen suspekt, da das westlichzentrierte bild des anderen diesen doch nur niederes — mit einer gewissen bewunderung der mysterienkulte — gemenschel zubilligte. da können wir fasthyperboreer ja noch von glück reden, dass uns der grieche in seinem weltbild die rolle des edlen wilden zukommen ließ.

  4. truetigger sagt:

    Thx für eure Recherche — sonst wär mir glatt der «geniale» Beitrag des Grünen Matthias Güldner entgangen…

  5. Frank sagt:

    Ja ja, die Dienstwagen. Jetzt musste die arme Ulla wohl noch extra einen Termin beim Bürgermeister einer spanischen Kleinstadt machen, damit sie ein paar dienstliche Termine nachweisen kann.

  6. phoibos sagt:

    @frank: sie hatte schon vorher «dienstliche» termine. sie wollte mit ein paar rentner schnacken… zudem soll sie eine vereinbarung haben, dass sie den dienstwagen auch privat nutzen darf.

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