Ich bin Urheber. Und ich bin Demokrat.

Autoren und Schriftsteller haben unter Federführung des Urheberrechtsverwerters Matthias Landwehr eine neue PR-Kampagne unter dem Titel «Wir sind die Urheber!» gestartet. Udo Vetter kritisiert den Alles-oder-Nichts-Kurs während Thomas Stadler eine breite gesellschaftliche Diskussion einfordert.

Ein Punkt wird dabei nur am Rande beleuchtet: Was sind die Folgen schärferer Gesetze? Wie möchte man das Urheberrecht im digitalen Zeitalter stärken? Wie will man die eigenen Forderungen durchsetzen? Die Antwort ist so einfach wie erschreckend und in vielen anderen Ländern schon usus:

- Two– und Three-Strikes-Regelungen
- Netzsperren
- Vorratsdatenspeicherung
- Zensur des Internetverkehrs

Es bleibt die Feststellung, dass zukünftig jedes Bit und jedes Byte, welches wir mit unseren Rechnern verschicken und empfangen, überwacht und kontrolliert werden soll. Der Rechner wird heutzutage nicht umsonst als ausgelagertes Gehirn bezeichnet. Unser Bundesverfassungsgericht hat dies in mehreren Entscheidungen berücksichtigt. Beim Urteil zur sogenannten Online-Durchsuchung hat Karlsruhe beispielsweise das «Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme» geschaffen.

Die Forderung der PR-Kampagne «Wir sind die Urheber!» würde auf eine Kontrolle und Überwachung der gesamten Bevölkerung hinauslaufen. Tobias Künzel, Mitglied im Aufsichtsrat der GEMA und Sänger der «Prinzen», hat dies bereits zugegeben: In der TV-Sendung «Eins gegen Eins» fand er nur eine Antwort, warum er argumentiert, wie er es tat: Kontrolle.

Mein Name ist Christian Sickendieck.
Ich bin Urheber. Und ich bin Demokrat.
Und das ist auch gut so.

In einer von den Unterzeichnern der PR-Kampagne «Wir sind die Urheber!» propagierten Gesellschaftsform möchte ich nicht leben. Unsere Demokratie ist zu wertvoll um sie leichtfertig aus der Hand zu geben. Das dürfen wir nicht zulassen.

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7 Antworten zu “Ich bin Urheber. Und ich bin Demokrat.”

  1. PR-Begleittext der Zeit.

    Zitat: mit welchen Mitteln auch immer. Das unterstreicht das totalitäre Gedankengut.

  2. David sagt:

    Schoen waere ein Browserplugin, das z. B. auf Amazon einen Hinweis einblendet, falls der Autor des momentan betrachteten Artikels ein Unterzeichner der Kampagne ist.

  3. Alexander sagt:

    Solche einseitigen Aktionen scheinen sich wie eine Krankheit auszubreiten. Das Problem dabei ist, dass die «Analogen», also diejenigen, die sich primär durch klassiche Medien informieren, das auch meistens glauben, weil der Gegenwind halt nur im Internet spürbar ist.

    Irgendjemand, z.B. die Digitale Gesellschaft, müsste mal eine Gegen-PR-Aktion organisieren. Einfach um nicht kampflos ein Gebiet dem «Gegner» zu überlassen. Auf die Mithilfe und kritische Begleitung darf man nicht erwarten den ’»klassichen«‘ Medien. Die haben mit dem Leistungsschutzrecht ja jede Neutralität bei solchen Themen verloren.

  4. Tobi-Wan sagt:

    Kann jemand von den Mitlesenden gute Konzepte verlinken, die dem Anspruch gerecht werden, den Urhebern ihre verdiente Entlohnung zukommen zu lassen und gleichzeitig nicht die Netzfreiheit gefährden? Die sind gefragt, um beide Diskussionsparteien zufriedenzustellen.

  5. Thaniell sagt:

    Von Kulturwertmark, flattr, Kulturflat, BGE, Abgaben auf Kopiergeräte/Rohlinge/Festplatten etc., günstigem DRM freiem Vertrieb über’s Web abgesehen, sollte hier
    http://www.fixmbr.de/vom-.….umenten/
    auch bald ein Kommentar meinerseits mit ein paar Beispiellinks für a) letzteres (Direktvertrieb) bzw. «die Leute zahlen auch wenns kopierbar ist oder evtl. dann erst recht» und für b) Crowdfunding auftauchen.

    Aber wichtig ist dabei auch, es kommt immer darauf an um welche Art von Urheber es geht (BigBudget Hollywoodfilm versus Zeitungsschreiber vs. Soundtrackproduzent etc.). Vermutlich wird es nicht die eine Universallösung für alle geben, sondern überall muss etwas angepasst werde und manche Berufszweige/Vertriebswege werden völlig ersatzlos wegbrechen und dafür andere entstehen. So ist das halt mit Innovation — es fährt ja auch kaum noch jemand kommerziell mit der Kutsche in den industrialisierten Ländern dieser Welt. Die Ablösung der einen durch die andere Methode könnte sich aber etwas ziehen (siehe Kutsche^^).
    Und etwaige Gegenredner falls die sich hierher verirren, bitte das Kutschenbeispiel nicht zuuu ernsthaft heranziehen, es taugt nicht für eine völlige Übertragung das ist mir klar.

  6. Holger sagt:

    Dann bin ich mal gespannt wann die erste «Ich bin Kopierer» Gegenkampagne gestartet wird.
    Diese Diskussion wird sich noch ewig hinziehen.

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