Ich bin kein Blogger

Ich bin kein Blogger, ich möchte auch nie einer sein und ging auch ehrlich gesagt nie mit diesem Anspruch hausieren. Ich liebe es zu denken, zu schreiben, ich gehöre keiner digitalen boheme an, ich nenne es nicht Arbeit, ich nenne es Spaß, auch bin ich nicht Willens der Presse Konkurrenz zu machen oder der Mär von der Bürgerjournallie zu glauben. Die Gemeinsamkeit mit der Presse ist recht simpel, es ist der kleinste gemeinsame Nenner, man schreibt etwas. Ich aus Interesse, aus Spaß heraus, dort ob monetärer Zwänge.

Wenn ich verlinke, dann verlinke ich ob des Inhalts, entweder damits der Quellenangabe genügt oder weil mein Interesse geweckt ist. Die schnöde Verlinkung, um dem social network zu huldigen ist mir fremd. Es ist ein Linkgeficke, ein Austausch von Visitenkarten … nicht social, sondern der ganz profane Ego-Tripp, das Zweckbündnis um den gemeinsamen Klimax zu erreichen. Findet man Links zu Blogs bei mir, bei vielen als Blogroll bezeichnet, so dienen mir diese zum schnelleren Auffinden meiner allmorgendlich besuchten Links — nicht mehr, nicht weniger.

Die Sache ist so einfach, so das diese beinahe schon wieder zu kompliziert erscheint für einige. Ich nutze zufällig die gleiche *Software*, php plus XHTML und gut ist. Ich gehöre auch keiner Apache Group an, weil dies der bevorzugte Webserver unseres Servers ist, es ist einfach nur Mittel zum Zweck. Ich habe hier meine eigenen Regeln, was ich gut finde und was ich schlecht finde … kurzum, ich habe eine Meinung und äußere diese auch gelegentlich.

Man bezeichnet uns nun auch schon als a-Blogger, als bekannten Blog innerhalb dieser Suppe, die so wirklich keiner essen mag. Das ist nett, jedoch unnötig und ich zumindest empfinde es als Beleidigung, denn ich möchte kein Blogger sein, schon gar kein mit dem a davor, das für soviele Dinge stehen kann — wir sind wer wir sind und werden auch noch sein, wenn andere schon wieder Vergangenheit sind. Warum? Nun weil wir immer unseren eigenen Weg gingen, seit vielen Jahren. Und das war auch gut so.

Was wir schreiben, was einige als so typisch Blogger erachten, das ist unser Stil seit Jahren, vor irgendwelchen Blogs, in diversen Formen im Netz untergebracht. Und das war letztendlich auch immer nur der gemeinsame Nenner, das Netz.

Ich stehe mit beiden Beinen im Netz und im Gegensatz zum Gros der Weblog-Betreiber ist diese Software nur ein Bruchteil meiner Aktivität im Netz bzw. überhaupt. Nicht belanglos, aber auch nicht der primäre Inhalt wie für viele anderen, die uns ihre Story von Blogwelt erzählen. Ich sehe keine besondere Zukunft in dieser Software, ich sehe oder besser erhoffe eine schöne Zukunft in der Netzwelt allgemein, ein primäres Wissensnetz, das ein Teil der Kultur ausmacht — die verwendete Technik, um sich dabei auszudrücken, ist mir dabei relativ egal.

Du bloggst also? Schön, ich denke und schreibe. Du bist ein Blogger und magst mittels Linkgeficke ins Rampenlicht gerückt werden? Das ist schön, mir schmeichelt auch Aufmerksamkeit, jedoch keine geheuchelter Natur, sondern eine ehrliche Aufmerksamkeit, die sich auch mit dem von mir Geschriebenen beschäftigt. Das ist nett, da bin ich dankbar, das gefällt mir. Du möchtest bei mir verlinkt werden? Kein Problem, schreib etwas interessantes, wenns mich juckt steht der Link automatisch da. Du bist einer der Urblogger und hast ein Anrecht auf Ehrfurcht? Such dir deine Jünger anderswo, wie gesagt ich bin kein Blogger und bewege mich mitunter schon länger in Onlinegefilden, als manch ein Blogger der der Ursuppe entsprang, die wie schon erwähnt so wirklich keiner essen mag 😉

Ich hab da mitunter mehr Community in Opensource gefunden, schon seit vielen Monden, die nicht einmal im Ansatz bei den Nutzern dieser Software vorhanden ist. Und wenn, dann wird sie behände im Keim erstickt, weil Blogger eigentlich nur eine Worthülse darstellt — mißbraucht von Anfang an. Deshalb möchte ich auch keiner sein, ich sehe mich nicht zugehörig zu dieser ungenießbaren Blogsuppe, der soviel nicht-koschere Dinge tagtäglich entspringen. Ich habe meinen eigenen Kopf
und der paßt nun mal nicht in dieses seltsame Kollektiv, geprägt von ausufernden Oberflächlickeiten.

Wir hier haben dem Protoblogger mit seinem 5–10 Jahren Erfahrungen einen gewaltigen Vorteil vorraus, wir müssen nicht erst über den Tellerrand dieser Blogsuppe hinausschauen, um Land auszumachen. Wir waren viele Monde auf dem Land ansässig, kennen also viele, wenn nicht teils sämtliche Facetten des Netzes. Gemeinhin nennt man das auch Erfahrung, eine gewisse Arroganz geht da natürlich auch mit einher — man wanderte schließlich zwischen den Softwarewelten und gab
Inhalt zum Besten. Inhalt der im Laufe der Zeit mit Erfahrung angereichert wurde, dessen prinzipielle Ausrichtung jedoch immer identisch blieb. Von meiner ersten Webseite Mitte der 90er, über Newsgroups, Mailinglisten, Foren bis hin zu Blogs blieb der Inhalt nahezu identisch … denken und schreiben, eine linke Ausrichtung, kein Gutmenschentum, jedoch nicht einmal im Ansatz menschenverachtendes Geschwafel, wie es heute so leichtfertig durchs Netz gerotzt wird.

Der Unterschied also zum Blogger? Nun da entwickelte sich eine Monokultur mit all ihren negativen Aspekten, über diese schreiben wir auch gelegentlich, manchmal ist es recht amüsant, machmal auch recht anstregend, insbesondere wenn man gleich dieser Suppe gesetzt wird. Das Abgrenzen fällt somit leicht, weils eben nur eine Facette darstellt, das Publizieren mittels dieser Software, die eben gemeinhin als Weblog bezeichnet wird.

Social ist für mich, wenn Menschen am Netz partizipieren, egal ob mit einem CMS, einem Weblog, HTML, Mailingliste, Forum etc. und anderen Menschen Wissen und Informationen zu Verfügung stellen, helfen usw. Das ist sozial, da brauchts kein social network mittels Linkgeficke, denn wir befinden uns schon in einem Netzwerk, dem Internet.

Also erspart mir, uns, eure Stories von Kleinbloggersdorf — wir treiben zwar manchmal aus Jux die Sau durch eben dieses Dorf, aber wir wohnen dort nicht :-)

Ich bin kein Blogger und werde auch nie einer sein und darauf bin ich stolz. Denn Blogger sein, heißt biegsam sein, zu kuscheln, zu gruscheln, Dinge zu tun die ich einfach nicht kann und nicht will.

Bild: WikiCommons

9 Antworten zu “Ich bin kein Blogger”

  1. tante sagt:

    Vielen Dank für diese schöne Zusammenfassung, ich hätte es nicht besser sagen können.

    Ich halte ja «ich bin ein X» Aussagen schon grundsätzlich mal für Mumpitz (man sollte sich nie auf eine Sache der Art fixieren lassen), aber gerade bei Bloggern und den selbstherrlichen «A-Blogger», «B-Blogger» und weiteren völlig arbiträren Kategorisierungen muss man schon massiv drauf aufpassen sich eben nicht mit in den Sack stecken zu lassen.

    Ich habe einen Blog. Das habe ich vielleicht mit «Bloggern» gemein, aber das wars dann auch schon.

    «Blogger» ist ein wenig die Formulierung der eigenen Wichtigkeit: Man hat sich eine (in der Peergroup akzeptierte) Bezeichnung gegeben. Man unterwirft sich den der Peer-Group eigenen Regeln; man lässt sich in A-, B– und Z– Blogger kategorisieren. Und so sehr man innerhalb auch fluchen mag über A-Blogger so sehr ist man doch auch die Basis ihrer Existenz.

    Da ist die Position aussen doch viel schöner: Man kann das System ganz in Ruhe analysieren, man kann mit dem Finger auf die schmutzigen Stellen zeigen, und wenns dann innerhalb des Systems kocht geht man beruhigt nach Hause; denn man ist nicht Teil des ganzen Wustes.

  2. Andreas sagt:

    «Denn ich war nie ein Rapper, ich hab für die Straßen gekämpft…»

    SCNR 😉

  3. EuRo sagt:

    Da isser wieder, der Individualisierungszwang. Dieses Abheben von einer möglichen Gemeinschaft. Community, was ja Gemeinschaft heißt, gehört zu überkommen Dingen einer längst überwundenen Geschichte. Ich bin anders. Ich bin Individuum. Als Gewerkschaftsmitglied, bin ich der «Gruschelphobie» folgend also kein Teil einer großen Gemeinschaft, die allein durch ihre Masse etwas erreichen kann, sondern ich erreiche nur für mich. Individualismus schön und gut, aber jedem Gläubigen seine eigene Kirche? Das ist es wohl nicht. Ich glaube, dass WIR etwas erreichen können. Damit meine ich die Gemeinschaft der eigenständig denkenden und nicht kritiklos fressenden Stimmviehs, als das man uns in Berlin so gerne hätte. Und da darfst du gerne Individualismus für dich proklamieren — jedesmal wenn du «wir» und «uns» schreibst und Chris mit reinziehst, hast du dich schon wieder sozialisiert — aber du bist nicht der Lonely Wolf. Mich stört diese Neurose nicht wirklich, habe ich selber doch auch genug. Mach’t einfach so weiter. Passt schon. Man misst an Taten, nicht an Worten :-)

  4. Oliver sagt:

    Euro du hast das da oben völlig falsch verstanden, ich liebe die Community und bin seit langem in einer dabei — dem Internet und dort gibts einen großen Part bei dem ich seit über 10 Jahren mithelfe, Opensource. Ich will nur kein Blogger sein, weil dort nichts ist aus einer Software und einer Worthülse.

    Wenn du von Individualisierungszwang redest halte ich dir den Gruppenzwang, den Herdentrieb entgegen, aufgrund einer Software. Würde dies aber zutreffen mit der Individualisierung, so wäre ich wohl kaum in anderen Gruppen anzutreffen — nur muß auch erst einmal eine vorhanden sein und die bloße Software ist es eben nicht.

    Die Gruppe die ich sehe ist das Internet, wie ich oben schrieb. Die Abteilung Blogs ist nur Software geblieben und viel heiße Luft.

    >hast du dich schon wieder sozialisiert

    Und ich bitte dich in Zukunft auch die Texte zu lesen, hier dreht es sich um die Facette Blogs. Das ich andere Dinge mache müßte vor allem auch dir hier als häufigem Leser klar sein. Ich tanze auf vielen Hochzeiten und wirke dort mit recht vielen Leuten zusammen. Mein soziales Engagement, auch das schrieb ich, ist ergo sehr groß und ungebrochen.

    Social ist für mich, wenn Menschen am Netz partizipieren, egal ob mit einem CMS, einem Weblog, HTML, Mailingliste, Forum etc. und anderen Menschen Wissen und Informationen zu Verfügung stellen, helfen usw. Das ist sozial, da brauchts kein social network mittels Linkgeficke, denn wir befinden uns schon in einem Netzwerk, dem Internet.

    Deutlicher gehts doch kaum noch, oder?

    Ein «wir» gibts hier, Chris und meinereiner — ein «wir» in der Blogwelt schließe ich explizit aus, der einsame Wolf spielt dann lieber in einem richtigen Community-Rudel :)

    Das «ich» soll meine Meinung betonen, meine ganz persönliche Meinung. Wenn wir von Community reden so muß da mehr sein und vor allem herrscht da kein Automatismus. Wir hatten auch auf unserem Forum eine kleine, feine Community und setzen uns dennoch von den anderen Benutzern dieser Art Software ab. Gemeinsam waren «wir» eben dort stark und dennoch eine Insel draußen :)

  5. EuRo sagt:

    Alles klar. So kann ich da prima mit leben. Aber vielleicht war’s ja gar nicht unwichtig, das nochmal so unmissverständlich klar zu stellen.
    Wenn «Blogger» sich ausschließlich durch den Einsatz von WordPress oder Textpattern definiert, dann bin ich auch keiner. Gottseidank (ehrlich gemeint!) habe ich auch nicht dieses dämliche A– davor, was doch zu merkwürdigen Verhaltensweisen führt, bei einigen (siehe Niggemeier oder Heausler). Andere, wie der Don oder ihr, bleiben sich da treu. Das wirkt auf einige manchmal etwas überheblich. Um so wichtiger, sowas zu klären. Danke.

  6. Chris sagt:

    mspro ist augenscheinlich ein Lügner, der heute Sachen anders darstellt wie gestern Abend.

    Ich habe gerade diesen Kommentar editiert. Ein Michael Seemann hat mich angeschrieben und behauptet, er wäre mspro und gebeten, den Kommentar zu überarbeiten. Ich war zwar nicht verpflichtet, dies zu tun — um des Friedens willen habe ich den Kommentar umgeschrieben. Gut so, Herr Michael Seemann?

  7. Oliver sagt:

    >Hier schreiben durchaus zwei Menschen.

    Das geht ja gar nicht, wie soll man denn da abwatschen? Da müßte man ja tatsächlich anfangen zu lesen und zu denken 😀

    Und aus diesem Grund distanziere ich mich nur allzugerne von Blogdeppendorf da draußen, das tut der Sache natürlich keinen Abbruch nette Menschen kennen zu lernen, die ebenso denken 😉

  8. Oliver sagt:

    Ja mitleser, interessante Thematik, nur was hat das mit meinem Text zu tun?

    >Und ich bin kein Idiot, nur weil ich auch noch bei Leuten lese, die Ihr gerade/überhaupt nicht mögt.

    Hmm und? Was jucken mich jetzt andere die uns verlinken? Aber um dich zu beruhigen wir arbeiten hier nicht in Personalunion, haben nur viele gemeinsame Nenner und eine identische Gesinnung — sprich gute Freunde.
    Wenn Chris jemanden rauswirft vertraue ich ihm, vice versa ebenso. Kann dir jetzt also mit dem Schuß ins Blaue keinerlei Antwort geben und zum nachschauen habe ich jetzt auch kein Bock.

    Nicht mögen, da gibts einige, aber die posten hier sogar noch Comments. Andere die man via htaccess sperrt, ich denke das meinst du, sind wohl nirgends gerne gesehen.

  9. Chris sagt:

    Mitleser ist Geschichte…

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