I don’t care about Burma

Nein nicht wirklich, aber so richtig auch nicht. Ich bin halt ein Mensch und als solcher kann ich eine begrenzte Anzahl Ereignisse tagtäglich aufnehmen und irgendwann geht da nichts mehr. Es liegt also in der Natur der Sache, das einige Dinge meine Aufmerksamkeit genießen und anderer leider Gottes dahinfleuchen auf dem Weg ins mediale Nirwarna. Bin ich deswegen ein Heuchler oder ist der der es vorgibt zu können derjenige welcher heuchelt? Ich denke jeder versucht es auf seine Weise und erst wenn es überhaupt nicht mehr berührt, wenn man sich perfide Argumentationen konstruiert, um eine aufgenommene Information in puncto Unmenschlichkeit dennoch zu leugnen, ich glaube dann läuft da etwas völlig falsch.

Im Fall von Burma und den buddhistischen Mönchen dort sieht man nun diese mediale Aufmerksamkeit und auch die Welle der Anteilnahme, business as usual wenn derlei Dinge die Aufmerksamkeit erreichen. Sicherlich wird man unter jenen, insbesondere im Netz, jene finden die es rein ob der Quote tun, denn solcherlei Themen laufen gut, für andere ist es einfach usus bei derlei Dingen mitzumachen, warum wissen sie selbst nicht, es ist halt politisch korrekt, wieder andere zeigen tatsächliche Anteilnahme. Wie aber soll ich all jene Unterscheiden? Anhand ihrer bisherigen Handlung wäre z.B. eine Möglichkeit oder weil ich jene persönlich kenne. Aber sonst und abgesehen davon was hat das überhaupt mit der Sache per se zu tun? Nichts.

Befremdlich wirkt auf mich jedoch immer dieser Aktionismus der oft damit einher geht. Hier schnell ein Button, dort die rote Farbe, der Verdacht der Oberflächlichkeit drängt sich einem da schnell auf. Individualität wäre dabei wohl angebrachter, wenn viele aus ihrer Sicht darüber berichten. Das Gegenstück dazu bildet die Fraktion die alles relativieren möchte. Haben dir dort unten ein Recht zu demonstrieren, muß ihr Anliegen hochnobel sein? Nun bei unserem Wohlstand hier, sind echter Hunger, echte Immobilität kaum ein Grund auf die Straße zu gehen, aber die Projektion auf eine anderer Nation, auf einen anderen Kulturkreis, ist wirklich fehl am Platz. Wir kennen nur die Nachrichten, wir beschäftigen uns in der Regel nicht eingehend mit der Kultur, Gesellschaft, Religion dort unten, warum also maßen wir es uns dann an darüber zu urteilen?

Hunger mag für den philosophisch angehauchten Bürger unseres Landes kein Grund für irgendetwas sein, alles materielle Dinge, der Geist zählt. Nun an diesem Punkt befindet man sich schon am Rande der Unmenschlichkeit. In vielen solchen Ländern sind materielle Dinge das A und O, eben weil der Level schon gegen Null geht. Wir hungern in diesem Land? Sprich gibts Brötchen oder ne Scheibe Brot zum Frühstück.

Tatsächlich also müßte obige Überschrift lauten, I don’t care about weblogs. Mir ist es im Prinzip bei derlei Dingen schnuppe wer, wo heuchelt, Krokodilstränen rauspreßt, um die Welt trauert oder nur ab und an mal Anteilnahme zeigt, mal abgesehen von wirklichen Spinnern die a la «richtig so» argumentieren. Wichtig ist das man irgendwann mal im Leben echte Anteilnahme zeigt. Wer den bodycount zur zünftigen Anteilnahme braucht oder die Gruppe die «hier» schreit, der hat eh verloren.

Zerhacktstückt euch doch, ergebt euch Schuldzuweisungen, bezichtigt euch des Heuchlertums, whatever. Aber wenn ihr diese Information aufgenommen habt, urteilt nicht vorschnell über die eventuell profanen Beweggründe dieser Menschen, das haben diese nicht verdient, nur weil es uns besser geht. Wenns euch nicht juckt, kein Problem, es geschehen noch 1000 andere Dinge täglich.

Thich Quang Duc beispielsweise verbrannte sich ob der Unterdrückung der Buddhisten. Interessierts den Atheisten? Wohl kaum, sollte es aber, denn Unterdrückung kennt vielerlei Gesichter und beginnt immer an einem Punkt der Gesellschaft und hört an einem anderen Punkt der Gesellschaft auf. Läßt man Unterdrückung jedweder Natur erst einmal zu, ist der Usurpator am Ziel angelangt. Bevor man also über eventuelle profane Ursächlichkeiten vorschnell urteilt, sollte man in der Demut des vermeintlichen Unwissens schwelgen, dann wirds menschlich …

5 Antworten zu “I don’t care about Burma”

  1. Sehr gut geschrieben und spiegelt meine Meinung vollkommen wieder.

    Ich hatte zwar ohnehin vor, einen Beitrag in eben dieser Richtung zu schreiben — aber das spare ich mir nun — denn alles ist Gesagt.

    Wenn eine «Anteilnahme» zu einer SEO-Meisterschaft verkommt ist es für mich keine Anteilnahme mehr.

  2. chris sagt:

    ich glaub der grundgedanken ist ein sehr guter. Klar, Kritiker können immer argumentieren, dass es auch noch 1000 andere Brandherde auf der Welt gibt und sich kein Arsch durm kümmert, aber ich glaube die schwarz/weiß argumentation gibts hier nicht. Irgendwer muss irgendwo mal was machen. Und das es jetzt ausgerechnet Burma ist liegt denk ich einzig an dem medienhype der letzten Tage/Wochen. Nichtsdestotrotz bin ich auch gegen die SEO Linksammelmentalität nach dem Motto, wenns alle machen muss ich es auch machen. Das zerrt die Sache und die den ursprünglichen Gedanken ins falsche Licht.
    cheers

  3. Oliver sagt:

    >ich glaub der grundgedanken ist ein sehr guter.

    Welcher denn?

    >aber ich glaube die schwarz/weiß argumentation gibts hier nicht.

    Dieser bemächtige ich mich auch mit keiner Silbe. Die Quintessenz steht am Schluß, wie bei den meisten Texten usus.

    >SEO Linksammelmentalität nach dem Motto

    War eigentlich noch nicht einmal per se Thema. Einen profanen Button find ich zwar dumm, aber den Gedankengang verfolg ich da seltenst weiter, schon gar nicht bis SEO.

    Von der SEO Mentalität eines ganz großen in der Branche erfuhr ich z.B. gestern Abend erst. Der wird da zünftig abräumen. Dumm ist das wohl nicht, aber imo kaum der Sache dienlich.

    Mir ging es, wenn man dem Text von oben nach unten folgt, um Burma. Um die Sache selbst und das jeder mit seiner ganz persönlichen Anteilnahme oder auch nicht-Anteilnahme nach eigenem Gusto umgehen mag. Angegangen hatte ich eher stupide Relativierungen ob Unverständnis der Kultur, Religion usw.

    Wir mögen zwar hier auch über SEOs schreiben, wenn Anlaß besteht, jedoch sind diese Thematiken für *mich* nur ein Randrauschen.

    Das wollte ich nur klarstellen bevor noch einige aufschlagen und vermeinen hier eine SEO Attacke zu lesen. Wenn ich SEO meine, dann schreibe ich auch SEO!

  4. chris sagt:

    >Grundgedanke
    Gemeinsam auf etwas aufmerksam machen, und versuchen gemeinsam etwas zu bewirken.
    > Die s/w Argumentation war auch nicht auf deinen Text bezogen sondern eher auf manch andere Kritiker (davon gibts ja genug).
    > SEO bezog sich auch nicht auf deinen Text sondern auf den Kommentar No1. Der hat diesen Aspekt (der ja nicht zu vernachlässigen ist) miteingebracht.
    cheers

  5. […] (hatte ich zwar eigentlich schon weiter oben verlinkt — aber bitte…) Antreiber der Aktion Und Weitere kritische Stimmen Social Bookmark Diese Icons verzweigen auf soziale Netzwerke bei denen Nutzer […]

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