Hurra, wir haben ein Internet Manifest

Mit einem Manifest erklärt man sich, gibt seine Absichten preis, aus dem Munde der Initiatoren wirkt das jedoch ob vielerlei Gründe oftmals mehr als zynisch. Dieses Internet Manifest nun wurde von Leuten ersonnen mit denen sich der Rest dieses Internets im Prinzip gar nichts assoziiert wissen möchte bzw. denen diese Leute teils völlig unbekannt sind. Die Berliner Lobby hat zwar viele willfährige Follower, doch recht wenige Freunde bzw. Kontakte in diese Szene, die abermals herhalten muß für biedere Absichten. Kauf mich … ist der gemeinsame Nenner jener, Kauf mich … auch hier Aufhänger und gemeinsam erklärtes Ziel.

Aber wie dem auch sei, bei derlei Personalien halt ich mich in der Regel raus — ich konsumiere deren Ergüsse nicht, insofern tangieren diese mich auch in keinster Weise. Allerdings hat jene Berliner Clique die Angewohnheit für die Allgemeinheit zu reden, sie erheben unaufgefordert die Stimme für alle am Netz Partizipierenden, sie nehmen Dinge in Anspruch die nicht auf ihrem Mist gewachsen sind, sie mißbrauchen ihre etwas lautstarkere Stimme für Kampagnen monetärer Ursächlichkeiten und torpedieren damit oftmals eine Dynamik in diesem Netz, indem sie diese dort Partizipierenden in die Ecke sich ereifernder Krämerseelen rücken.

Inhaltlich gesehen ist dieses Manifest eine mehr oder weniger lose Ansammlung bekannter Forderungen der am Netz partizipierenden Gemeinschaft. Nichts wirklich übles, aber eben aus dieser Quelle einfach mal absurd zu nennen. Darüber hinaus präsentiert sich das alles ein wenig halbgar mit dem Tunnelblick einiger Berliner digitaler Nomaden. Der dritte Punkt dieser Sammlung wäre so ein Beispiel, Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet — mag in Berlin zutreffend sein, aber Berlin ist nicht Deutschland und schon gar nicht die Welt. Der 15. Punkt ist ebenso eine Absurdität erster Güte, ein Wunschtraum — aber kaum in der digitalen Realität faßbar. Ich ging in the digital now einmal kurz darauf ein, nirgends sind Daten flüchtiger als im digitalen Raum, nirgends ist die Gefahr größer trotz sehr guter Recherche einer kapitalen Ente, längst überholten Informationen etc. aufzusitzen als in diesem Internet. Das Internet oder reden wir besser von diesem WWW, anstatt pauschal von irgendwelchen untereinander aggierenden Netzwerken jedweder Couleur, ist Chaos. Es ist ein Mittel, aber nicht das Mittel.

Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man allerdings auch kleine Schätze und Perlen finden kann.

Joseph Weizenbaum

Es kann helfen, muß aber nicht — es hilft in der Regel solange, solange nicht monetäre Absichten zugrundeliegen. Last not least Punkt 17: Alle für alle. Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Die Generation Wikipedia weiß aber auch das man nur mit althergebrachten konservativen Strukturen die Qualität wahren kann, diese Generation Wikipedia weiß auch noch nicht soviel vom anderen Geschlecht, aber ich denke dies ist eine Aufgabe für künftige Generationen. Generation Kauf mich, Generation Netz kompensiert Allgemeinwissen werden dies sicherlich packen. Dessen bin ich mir ganz sicher …

Nun das alles soll kein Abgesang auf das Netz, auf die Wikipedia etc. pp. werden, allenfalls ein Abgesang auf grenzdebile Manifeste, die irgendwelche halbgaren Ansprüche aus der Sicht einer Netzelite formulieren sollen. Allgemein sagt man dazu auch Bauernfängerei.

Warum nur sehe ich fortwährend beim Lesen dieses Manifests den mit Zahnpastalächeln gestählten Autoverkäufer vor mir, der mir den neu lakierten Unfallwagen als mäßig gefahrene Stadtkutsche anpreisen möchte? Nun nach vielerlei herben Rückschlägen haben unsere Berliner Freunde inzwischen ein massives Problem: sie können sich nicht mehr so einfach verkaufen. Zu Zeiten der Goldgräberatmosphäre, ja da konnte man noch. Doch just beispielsweise mußte man erst Vodafone erklären, warum das alles nicht so einfach geht, warum dort Nörgler existieren die nicht alleine ob klingener Münze Ziele in ihrem Leben setzen. Warum eben diese Community sich nicht für biedere Absichten verkaufen läßt und für ein Taschengeld den werbewirksamen Primaten mimt. Vom Verkauf diverser Ideale ganz zu schweigen …

Aber wer Ideale besitzt, gar ein Rückgrat sein Eigen nennt, der ist ohnehin nicht ganz normal, oder? Wir nennen es halt Spaß, Community — wir nennen es nicht Arbeit. Und wir nehmen auch nicht anderer Leute Arbeit und ziehen diese durch den Dreck oder maßen uns an diese verkaufen zu können. Diverse Bewegungen werden von Idealisten getragen und auch das ist der Grund für deren jeweilige Erfolge.

Ich gönne ja jedem seine Butter aufs Brot, mache aber zumindest von Punkt 10 dieses Manifests Gebrauch: Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit. und so biete ich äußerste Subjektivität für lau feil.

Tradition ist kein Geschäftsmodell.

Könnte von mir stammen — Punkt 12 sollten sich gerade einige jener Unterzeichnenden noch einmal in einer ruhigen Minute zu Gemüte führen. Diese Aussage hat was und wenn gerade jener Berliner Freundeskreis diese Aussage mit eigenen Aktionen gemäß dem Prinzip die Dummheit des Konsumenten muß genutzt werden in Frage stellt, so spricht dies Bände und führt dieses ganze Manifest ad absurdum.

Generation C64 😉

… und dort gehts weiter, ein weiterer rant bezüglich diesem Manifest, welcher mehr die einzelnen Punkte beleuchtet.

… und wer es nicht lesen, sondern nur grob den Inhalt wissen möchte schaut bei Golem rein.

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29 Antworten zu “Hurra, wir haben ein Internet Manifest”

  1. Peter Schink sagt:

    Ah ja. Mal abgesehen davon, dass die meisten Mitunterzeichner gar nicht in Berlin wohnen. Was war jetzt nochmal die Kritik, so auf den Punkt gebracht?

  2. Oliver sagt:

    >Mal abgesehen davon, dass die meisten Mitunterzeichner gar nicht in Berlin wohnen.

    Ist bekannt, vice versa sprach ich auch von Berliner Freunden, Clique — im übertragenen Sinn gemeint.

    >Was war jetzt nochmal die Kritik,

    Nun wie man sieht betreiben wir hier keine Bauernfängerei, sondern setzten ein gewisses Niveau voraus. Gibts allerdings gratis und ein Lese– und/oder Kommentierzwang herrscht ebenso wenig. Nur wer verkaufen möchte muß den kleinsten gemeinsamen Nenner anpeilen.

    Aber ich gebe zu, ich setze arroganterweise Detailwissen voraus, dort beispielsweise auch nochmals erklärt.

    Kurzum ich muß mich nicht aus diesen kleinsten gemeinsamen Nenner einstimmen, außer ich würde füttert mich zu unseren Lesern konsumieren wie jene Vertreter dort zwischen den Zeilen in jedweder ihrer Äußerungen.

  3. Jeder schreibt seinen Lesern nach dem Maul, so gut er kann. Manche Blogs leben davon, genau das nicht zu machen.

    Zum Manifest:

    Es tut keinen weh, regt keinen wirklich auf, nutzt aber auch keinem. Es ist offensichtlich da, um da zu sein. Hätten so etwas die Printmedien, Funk und Fernsehen für ihren Bereich herausgebracht, hätte es seitens der (Berliner) Blogger ordentlich was aufs Maul gegeben. Zu recht!

  4. Muriel sagt:

    @Oliver: Ich meine das nicht beleidigend, ich finde nur einfach keine bessere Formulierung: Hä?

  5. Norman sagt:

    Grossartig! Hinzuzufügen ist nur, daß die Mehrheit, fast alle, der Unterzeichner ihr Geld bei traditionellen Medien verdienen. Knüwer:Handelsblatt, Niggemeier: FAZ, Sixtus: ZDF,Handelsblatt,FAS Bunz: Tagesspiegel, Zeit und Robin Meyer-Licht arbeitet in jener feinen Berliner Medienstiftung zu deren Sponsoren der Axel Springer Verlag gehört. Wenn das auch fein verschwiegen wird:
    «Das Berlin Institute ist auf den Feldern Strategieberatung und Innovationsmanagement für führende Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum tätig. Schwerpunkt der Tätigkeit liegt auf Geschäftsfeldentwicklung und Restruktuierung an der Schnittstelle zwischen Online und Print.»

  6. […] die das Recht in Anspruch nehmen, für mich zu sprechen? Man muss hier nicht lange warten, bis Chris sich zu Wort meldet. Und auf seine doch manchmal recht herb-charmante Weise formuliert er es so:Die Berliner Lobby hat […]

  7. Marcel sagt:

    das schlimme ist ja, das selbst die, an die dieses «manifest» gerichtet ist, es ohne weiteres in 5 minuten auseinander nehmen können. mit so einem geschreibsel macht man sich a.) lächerlich und b.) wird dank so einem geschreibsel das netz weiterhin als unwürdige lappalie wahr genommen

  8. Oliver sagt:

    @Muriel: ich setze Informationen voraus, die auch auf dieser Publikation zu finden sind. Stichworte: Lobo aka «Kauf mich», Spreeblick, Mercedes Bunz aka «linke Neoliberale», Vodafone im Web 2.0 aka Vodafail, Werbung usw.

  9. Oliver sagt:

    … und mal noch etwas nebenbei, selbst die Piraten haben bezüglich dieser Thematik mehr auf der Pfanne und einiges mehr an Zeit investiert. Man hätte zumindest «5 min» in ein Plagiat investieren können, als die Intelligenz der Netcitizens mit diesem Pamphlet auf äußerste zu beleidigen. Wenn man schon etwas mit Manifest betitelt, erwarte ich zumindest etwas das von investierter Zeit und Auseinandersetzung mit dieser Thematik zeigt. So hat es etwas von einem «10 Punkte Zufriedenheitsprogramm» großer Supermarkt-Ketten.

  10. Obwohl ich persönlich Oliver’s Beiträgen zumeist kritisch gegenüber stehe muss ich ihm hier recht geben: ein Großteil der Unterzeichner hätten einfach ein 4-Augengespräch mit ihrem Chef suchen können und damit die richtigen Leute erreicht. Zumal viele der Unterzeichner selber genug «Dreck am Stecken» haben — betrachtet man z.B. die Vodafone Kampagne.
    Letztendlich ist das Papier nicht besonders schön geschrieben, bietet viele Vorlagen für Demontage ohne dabei valide kritische Argumente — oder gar Lösungsansätze für Probleme — ordentlich ins Bild zu führen.
    Letztendlich ist das Ganze allerdings als «Gegenpapier» zum Heidelberger Appell gedacht. Und als Idee betrachtet ist dies sicherlich unterstützenswert.

  11. Oliver sagt:

    Du bist jetzt sicher das du mich meinst? Weil ich zwar hier auch viel schrieb, im letzten halben Jahr jedoch ech wenig und kaum kritikwürdiges. Ich frage nur, weil im Moment haben es viele mit den Verwechslern. Wenn überhaupt sprichst du sicherlich den Piraten-Crap an :-)

  12. ich, wer sonst sagt:

    Alles sehr schön, nur was hilft dieses Manifest, es ist auch nur eine Verständigung unter einigen wenigen, der «breiten Masse» wird es genauso fremd bzw. unbekannt bleiben wie dazumal das Cluetrain-Manifest.
    Und die, die es treffen sollte –m. A. nach Politik und Wirtschaft– werden offiziell positive Einschätzungen abgeben und hinter vorgehaltener Hand feixen und das ganze wieder vergessen oder benutzen, wenn und wie es ihnen passt.

  13. […] habe, es soll in nur 10 Minuten entstanden sein. Dazu gibt es dann noch zwei sehr schöne Polemiken hier und hier, und, damit es nicht allzu langweilig wird, das Alter-naive Manifest […]

  14. Anonymous sagt:

    (besserwisser)
    «in keinster Weise»

    Das gibt es nicht 😉 … man kann «in keiner Weise» nicht steigern. Weniger als gar nicht geht nicht.(/besserwisser)

    Zum Manifest: Lol. Ich könnte auch auf die satirische Idee kommen, sowas zu veröffentlichen. Oder das Internet zu schließen — ist doch gleich viel besser. Das diese Aneinanderreihung von Wörtern IRGENDJEMANDEM etwas bringt, darf bezweifelt werden — sie fördert aber sicher das Selbstwertgefühl der Unterzeichner .… hoffentlich haben sie davon noch nicht zu viel.

    Übrigens: drei dieser Superstars sind mir ein Begriff, aber auch von denen lese ich nur sehr wenig. Da vertreten mich also wirklich Menschen, die von mir nichts wissen, und von denen ich nichts weiß — dabei zähle ich mich sehr wohl zu denen, die viel im Internet unterwegs sind und zu besagter Community gehören.

  15. Oliver sagt:

    >Das gibt es nicht

    Natürlich gibt es das, ebenso wie die stoische Nutzung der alten Rechtschreibung, das Einpflegen von über hundert Jahre altem Sprachgut, die im Netz üblichen Kunstwörter, Neusprech etc. pp. Und ja, dann funktionieren auch extremste Steigerungen, weiße Schimmel — alles was Spaß macht und dem Lesenden ein Plus an etwaiger Lesekultur bringt und dem Diktat des Duden abermals eine gehörige Breitseite versetzt. Es geht eben, das ist unsere Freiheit hier, die Freiheit der Schreibenden.

  16. […] entwerfen in Asta-esker Gemeinschaft ein Internet-Manifest – und dann werden sie als Berliner Clique beschimpft. Wie kann das […]

  17. […] Eine kritische Betrachtung und Hintergründe zu diesem Manifest sind bei F!XMBR […]

  18. […] Manifest III: Hurra, wir haben ein Internet-Manifest…FXMBR […]

  19. Pia sagt:

    bravissimo. ich erwähnte auch bereits .… aber man kanns nicht oft genug sagen: jaaaahaa sowas von!

  20. Chris sagt:

    Ich lese lieber das Cyberpunk-Manifest; das ist älter, besser, schöner und sagt mehr aus, als diese wirren «Gebote». Auch frage ich mich, ob die Zeit und Energie, die beim erstellen des Manifests benötigt wurde, nicht lieber in etwas sinnvolles (-volleres!?) gesteckt werden kann bzw. hätte gesteckt werden können.

    So was wie.… ah.. den Bloggerverband!? Da war doch was… Hach.

    Tscha.

  21. […] Hurra, wir haben ein Internet Manifest » F!XMBR Während ich mich bei Xtranews einem anderen Aspekt widmete, hat sich FIXMBR das Ganze mal insgesamt angesehen… (tags: Medien internet Zukunft) […]

  22. […] ich schreibe mich so manches mal ein wenig in Rage, so ein klein wenig zumindest. Gestern beispielsweise war so ein Tag, wenn die selbsterklärte Crème de la Crème der Netcitizens, aka Werber und […]

  23. […] haben. Aber was für eine — nett auseinandergenommen wird sie hier von Tante und von Oliver bei F!XMBR […]

  24. […] das Gegen-Manifest Don Dahlmann: Die fehlende Brücke Dragstripgirl: Das Internet-Manifest F!XMBR: Hurra, wir haben ein Internet-Manifest Freakshow: Blogimanifest Julia Seeliger: Bitte redet über Geld Malte Welding: Das […]

  25. spitzenkoch sagt:

    das internet ist ein misthaufen, in dem ich diese perle gefunden hab:

    Das original Internet-Manifest

  26. […] wie wir alle wissen, messbar: Ich wurde in der Süddeutschen Zeitung zitiert, das Blog wurde auf F!XMBR, der Blogbar und mit einem anderen Artikel sogar bei Heise gelinkt. Mein kleiner Vserver ist […]

  27. ldeora sagt:

    Realitäts-Check nach drei Jahren:

    http://www.faz.net/aktuel.….610.html

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