Hosen runter, Jamaika ist das Ziel

Kohle von der GALWir machen es in jeder Stellung mit Jedem. Während dieser Ausspruch früher auf die FDP zutraf, findet man heute in diesem Wahlspruch die Grünen wieder. Guido Westerwelle und seine Mannen mögen für viele Dinge einstehen, die ich verachte. Dass sie aber je nach Großwetterlage von Koalitionsbett zu Koalitionsbett springen, ist heutzutage nicht mehr zu erkennen. Nach dem Putsch gegen Helmut Schmidt und der Meinung der Öffentlichkeit, die machen es mit Jeden, hat die FDP dazugelernt. Zumindest in diesem Punkt. Guido Westerwelle selbst zum Beispiel hat 2005 eine Ampel rigoros abgelehnt. Weitere 4 Jahre Opposition sollten es stattdessen sein. Anders heute die Grünen. Mit der Koalition hier in Hamburg, mit der von Beust-CDU hatten sie schon ihre Unschuld verloren — als Linksaußen-Verband der eigenen Partei bekannt, hatte ich es bis dato für unmöglich gehalten, dass diese Partei die Nachfolgepartei von Ronald B. Schill wird. Ich hatte mich geirrt — und nachdem ich 16 Jahre lang Stammwähler einer anderen Partei war, bin ich froh, mich in der Wahlkabine als Alternative nicht für die GAL entschieden zu haben. Die Grüne Alternative Liste war und ist eben doch keine Alternative. Mein Gefühl hat mir Recht gegeben.

Moorburg wurde nun genehmigt — und man stellt es so hin, als hätte man unter Zwang gehandelt, die Auflagen, die erteilt wurden, feiert man als großen Erfolg. Vergessen wird dabei immer, dass Vattenfall sehr wahrscheinlich dagegen klagen wird, voraussichtlich Recht bekommen wird. Und selbst wenn dies nicht der Fall ist, kann der nächste Senat die Auflagen schon wieder zurücknehmen, sie entschärfen. Die GAL in Hamburg hat Moorburg genehmigt — genau das wird unter dem Strich stehen bleiben. Weitere Genehmigungsverfahren für Kohlekraftwerke im gesamten Bundesgebiet sind anhängig. Experten gehen davon aus, dass Hamburg eine Signalwirkung haben wird. Klimakiller, so die Bezeichnung der Grünen für Kohlekraftwerke. Die GAL in Hamburg hat den Weg für diese Klimakiller geebnet. Sie sind mal angetreten, die Umwelt zu retten — heute kommt die Machtanspruch, die Wirtschaft vor dem eigenen Anspruch, vor den vielleicht mal vorhandenen Idealen. Und gerade die Grünen müssen sich am eigenen Ideal messen lassen. Wer es besser machen will, unter dem Strich aber wie die etablierten Parteien handelt, die eigenen Wähler verrät, der muss damit leben, dass die Leute sich von der Partei abwenden. Von CDU, SPD oder gar der FDP ist man nichts anderes gewohnt — mit Hamburg ist nun auch das Märchen Grünen beerdigt worden.

Im gleichen Fahrwasser wie die Hamburger Kollegen, schwimmt natürlich auch die Parteizentrale in Berlin. Es verwundert nicht, dass Jürgen Trittin und Renate Künast, beide unter Schröder Minister und für die heutige extreme Schieflage dieser Gesellschaft — um es diplomatisch auszudrücken — mitverantwortlich, nun Christa Goetsch und Anja Hajduk zur Seite springen. Jetzt erst Recht, so zitiert die SZ Renate Künast. Augen zu und durch, egal was die Wähler denken, so kann man es auch ausdrücken. Dem Machtanspruch der Grünen ist alles unterzuordnen — mit verquerten Argumenten soll der Pöbel beruhigt werden. Ohne uns käme es noch viel schlimmer — so soll es der Basis verkauft werden. Falsch, die Grünen selbst sind das Problem. Sie haben sich als legitime Nachfolger der FDP etabliert. Sie sind zu den größten politischen Opportunisten im Land geworden. Ich wage eine kleine Prognose: 2009 wird es eine Jamaika-Koalition im Bund geben. Angela Merkel und Renate Künast werden Arm in Arm mit Guido Westerwelle durch die Republik tingeln — und dann werden wir die gleiche Diskussion über die Verlängerung der Reaktorlaufzeiten führen. Und wieder werden es Renate Künast und Jürgen Trittin der eigenen Partei nach dem Motto verkaufen, ohne uns käme es noch viel schlimmer. Das Problem liebe Grünen ist nur, Ihr seid mittlerweile Teil des Problems. Ihr seid in Berlin, in der Schaltzentrale der Macht und in der Industrie angekommen. Ihr wurdet angenommen. Ihr habt die Hosen runtergelassen. Ihr seid unwählbar geworden.

, , , ,

Eine Antwort zu “Hosen runter, Jamaika ist das Ziel”

  1. Flo sagt:

    ..das ging mir schon ’95 in NRW so: nachdem die Grünen sich als einzige vehement gegen den Braunkohletagebau ausgesprochen hatten, hätte ich die fast gewählt — nur, und nur, deshalb. Zum Glück habe ich’s nicht getan — die SPD fiel unter 50%, es wurde Rot-Grün, und das Thema Braunkohletageabbau fiel unter Tisch.

RSS-Feed abonnieren