Horst Köhler meldet sich mal wieder zu Wort

Nachdem mehrfach Kritik an ihm aufkam, hat sich Horst Köhler, der Vorsitzende der Bundespräsidentenpartei, nun wieder zu Wort gemeldet. In einem TV-Interview gab er erneut zum Besten, was F!XMBR-Leser von ihm kennen, hier noch mal einige Aussagen, und das, was sie wirklich bedeuten.

Das Bündnis (Anm. Die Große Koalition) selbst sei keine Entschuldigung, die großen Themen nicht entschlossen genug anzupacken, so eine Aussage von Horst Köhler. Diese Aussage ist selbstverständlich das typische neoliberale Geschwätz, dass die Reformen in Deutschland weiter vorangebracht werden müssen. Dass seit Jahrzehnten reformiert wird, wird selbstverständlich ausgeklammert. Ohne Rücksicht auf Verluste wird die eigene Idiotie Ideologie dem Volke bis zum Abwinken eingetrichtert. Dass die Neoliberalen ganz einfach gescheitert sind, wird selbst heute noch nicht wahrgenommen.

Zudem könne die Koalition noch keine Aufbruchstimmung verbreiten, wie sie bei der Fußballweltmeisterschaft zu spüren war, so Köhler. Diese Argumente kennen wir auch schon von anderen schwarz-rot-geilen National Bürgerinnen und Bürgern. Hinter einem freudigen, sportlichen Ereignis werden die Probleme dieses Landes versteckt. Der Arbeiter, der gestern noch der deutschen Fußball– nationalmannschaft zugejubelt hat, wird heute selbstverständlich auch der Politik zujubeln, schließlich sind wir ja alle ein schwarz-rot-geiles Land. Bei manchen mag das sicherlich funktionieren, aber es gibt Leute die können noch denken, so eine debile Denke ist vielen einfach fremd — mich und auch andere widert es sogar an.

Köhler betohnte ebenso, er werde nicht locker lassen, Union und SPD zum Abbau der Arbeitslosigkeit zu ermahnen und für Kinder und Enkel Zukunft zu gewinnen. So langsam ist dieses Geschwätz doch sehr ermüdent — es wiederholt sich ganz einfach immer und immer wieder. Schon Kohl wurde aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit abgewählt — eine Arbeitslosigkeit, die Horst Köhler als Staatssekretär und somit Entscheider hinter den Kulissen der Macht mitzuverantworten hatte. Schröder versprach eine Halbierung der Arbeitslosigkeit — und Angela Merkel? Naja, die weint immer noch, dass die neoliberale Koalition mit der FDP nicht zustande gekommen ist, vloggt deshelb ohne mit Kritik rechnen zu müssen — aber Jamaika scheint ja das Wort des Sommers zu werden. Da tut sich was. Schau mer mal, ob in spätestens einem Jahr sich eine schwarz-gelbe Koalition mit Steigbügelhalter Grüne aufmacht, unser Land völlig zu ruinieren.

Zynisch-pervers würde ich folgende Aussage des Bundespräsidenten auslegen: Zwar würden stetig neue Schulden gemacht, aber trotzdem fehlten an Schulen und Universitäten Lehrmittel, Lehrkörper und gute Rahmenbedingungen. Ist das denn ein Wunder, wenn nach jahrzehnterlanger neolibealer Hochschulpolitik die Unis finanziell am Ende sind, es zukündftig nur noch (Geld-) Eliten geben soll, sich sozial Schwache kein Studium mehr leisten können? Merken es diese Leute noch irgendwann mal, oder sind sie erst zufrieden, wenn sie uns in den nächsten Krieg geführt haben, sei es der Nahe Osten, um von innenpolitischen Themen abzulenken oder ein neuer Bürgerkrieg — ich weiß, sehr polemisch, aber es ist schwer, sich bei so einem Geschwätz zurückzuhalten.

Wenigstens hat der Horst keine eigenen Probleme: Jetzt freue ich mich erstmal auf die zweite Hälfte meiner Amtszeit. Und dann sehen wir weiter. Tja, lieber Horst Köhler, wenn die zweite Hälfte Ihrer Amtszeit genauso verläuft, wie Ihr grandioser Einsatz für unser Land in den letzten Jahrzehnten, dann Gute Nacht. Schämen Sie sich!

(via SPON)

Weiterführende Links (teilweise bekannt):

tagesspiegel.de — Schulden ohne Sühne

freitag.de — Zirkus Köhler

nachdenkseiten.de — Was Köhler vergessen hat

nachdenkseiten.de — Horst Köhler wechselt in das Amt des Bundespräsidenten

3 Antworten zu “Horst Köhler meldet sich mal wieder zu Wort”

  1. Oli sagt:

    Der Bundespräsident sollte vom Volk gewählt werden, ich kann mich nicht mit dieser Witzfigur identifizieren der pausenlos mit seinen weltfremden Aussagen das noch verbliebene Ansehen der deutschen Bürger beschädigt.
    Deutschland ist nicht pleite, Deutschland wird pleite geredet. Dinge wie Exportweltmeister etc. kommen nicht von ungefähr, Sozial– u. Bildungswesen sind nicht die Ursache für die massive Mißwirtschafft. Denn seien wir mal ehrlich in Bildung z.B. wurde nie viel investiert, frage ich ehemalige Studenten aus den 70ern, auch dort ging schon der Sparhans um.

  2. Chris sagt:

    Diese Angst-Stimung wird aufgebaut, um eben genau die Reformen zugunsten Weniger durchzubringen. Perfekt aus den USA gelernt — über Michael Morre kann man denken, was man will. In Bowling for Columbine hat er einen Abschnitt darüber gebracht, wie das Volk unter Angst gehalten wird — ich würde sogar behaupten, wie in einer Hühnerfarm. Nichts anderes geschieht in Deutschland auch.

    Der Rentner hat Angst vor dem Studenten. Der Student vor dem Beamten. Der Beamte vor dem Arbeitslosen. Der Arbeitslose vor dem Besserverdienenen. Dann hetzt man als Politiker diese Gruppen (und mehr) gegeneinander auf — perfekter Machterhalt. :)

    Das wirklich Schlimme ist, es funktionmiert.

    Wenn man heute z. B. die Leute nach Adenauer fragt — der große deutsche Kanzler schlechthin, ja ne, is klar.

    Der Alte aus Rhöndorf traute seinen Mitmenschen nicht über den Weg, gab nichts auf deren Rationalität und gutdemokratische Berechenbarkeit. Seine polit-anthropologische Devise lautete vielmehr: Es kommt darauf an, ein Volk ruhig zu stellen, es ordentlich zu saturieren, seinen materiellen Bedürfnissen großzügig entgegenzukommen. Auf einem solchen Fundament lassen sich Wahlen gewinnen und ungestört vernünftige Politik — vor allem Außenpolitik — betreiben.

    Quelle

    Wieder ein Beweis dafür, dass Geschichte von Gewinnern gemacht wird.

  3. Chris sagt:

    Ich hab das Interview gerade noch mal auf Phoenix gesehen. Ekelerregend dieser Mensch.

RSS-Feed abonnieren