Himmel und Hölle

Die abhängigen Medien überschlagen sich mal wieder mit wunderschönen Weihnachtsnachrichten. Bundesweiter Kinderporno-Skandal aufgedeckt, so weiß die SZ zu berichten, der Spiegel macht seinem Namen als Boulevard-Blatt wieder alle Ehre — Das Netz der Kinderporno-Mafia. Wie das so ist, findet man die beiden entscheidenden Hinweise aber woanders. Udo berichtet davon, dass die Verdächtigen in einem gar nicht so geheimen Netz unterwegs waren — Im Gegenteil.

Vielmehr wurde es auch als Adresse für (derzeit noch legale) Lolita– und Teen-Bilder gehandelt.

Und was den Leuten nicht alles als Teen verkauft wird. Gerade 18 und doch Ende der 70’er geboren… 😉

Da schon die Anschuldigung reicht, um Leben zu zerstören, kommt Udo zu dem Schluss:

Als Konsequenz aus der Aktion Himmel kann man wohl nur dazu raten, Sexseiten überhaupt nicht mehr anzusurfen. Zu groß ist die Gefahr, dass sie in ihren Untiefen (auch) illegalen Content enthalten, aber schon der Besuch auf legalen Seiten einen Anfangsverdacht bei den Fahndern auslöst.

So schnell kann es gehen:

Bei meinem Mandanten wurden Büro und Wohnung durchsucht. Seine Frau und sein Chef zogen schon zu Beginn der Aktion die naheliegenden Konsequenzen. Dass mein Mandant nach Monaten einen schmucklosen Einstellungsbescheid ohne ein Wort des Bedauerns erhielt, interessierte sie nicht sonderlich.

Einen ganz anderen Aspekt durchleuchtet Fefe. Die offizielle Version, wie der Ring aufgeflogen sein soll, lautet:

Die Fahnder waren den Verdächtigen durch den Hinweis eines Berliner Internet-Anbieters auf die Spur gekommen. Der Provider hatte einen enormen Datenverkehr festgestellt, sagte Vogt. Daraufhin schaltete das Unternehmen die Polizei ein. Die Analyse der Daten ergab dann, dass es sich um Zugriffe auf ein Kinderporno-Portal handelte.

Fefe dazu:

Ich glaub davon ja kein Wort. ISPs kriegen bei enormem Datenverkehr Dollarzeichen in den Augen und rufen nicht die Polizei. Ich glaube eher, dass da ein Mitarbeiter des ISPs nach Feierabend die Kundenwebserver nach Warez oder Pr0n abgesucht hat, und dann halt Kinderpornos gefunden hat. Außerdem wird natürlich das Unternehmen selbst die Daten angeguckt haben, auch wenn sie das jetzt nicht öffentlich zugeben wollen, dass sie in den Daten ihrer Kunden rumschnüffeln.

Fazit: Viel Wirbel um nichts, viele Leben werden zerstört werden — und die wirklichen Hintermänner werden sowieso nicht gefasst, geschweige denn den Kindern geholfen. Es scheint, als wäre es mal wieder populistischer Dreck von Seiten der deutschen Justiz. Und die etablierten Medien? Hinterfragen nicht, berichten nicht, in BILD-Manier wird das Thema ausgeschlachtet. Welcher Praktikant macht sich über Weihnachten den größten Namen? 😉

10 Antworten zu “Himmel und Hölle”

  1. kobalt sagt:

    Es gab schließlich lange keine Meldung mehr über Terroristen. (Ich warte im Übrigen noch immer darauf, daß man irgendwer sagt, was Flüssigsprengstoffe sein sollen, die man an Bord von Flugzeugen zusammenmischen kann. Oder welche anderen Chemikalien, außer dem Wasserstoffperoxid, die neulich kolportierten Terroristen besessen haben.)

    Dieser Kinderpornoskandal kam bestimmt nur deswegen hoch, weil demnächst die Verfassungsklage gegen die Datenvorratsspeicherung ansteht und in Deutschland plötzlich soviele Kinder mißhandelt werden. Kindesmißhandlung paßt doch zum Fest der Liebe.

  2. Oliver sagt:

    >Dieser Kinderpornoskandal kam bestimmt nur deswegen hoch, weil demnächst die Verfassungsklage gegen die Datenvorratsspeicherung ansteht

    Ich denke kaum, das Lager dort ist doch ziemlich gespalten, sonst würde kaum die Staatsanwaltschaft in diesen Fällen derlei Kommentare abgeben. Andererseits ist die Bundesstaatsanwältin immer das Sprachrohr für Verschärfungen aller Art. Bei der Kripo verhält es sich ähnlich, die eine wollen, die anderen führen es als nonsense an (die massive Überwachung).

    Was vielmehr auffällt ist die professionelle «Recherche» der Medien, wie Bluthunde fällt man über die Info her und verarbeitet danach eine ebenso triefende Schlagzeile.

    Und last not least sorgt solche «Effekthascherei» dafür, daß bei tatsächlichen Fällen keiner mehr hinhört.

  3. Chris sagt:

    Aus München sind ja schon Kommentare zu hören, dass die Öffentlichkeit viel zu früh davon erfahren hat. Nun könnten viele «Verdächtige» ihre Spuren verwischen.

    Es würde mich nicht wundern, wenn irgendein Hardliner in den nächsten Wochen mit dem Spruch «Mit VDS wäre das nicht passiert» daherkommt…

  4. Oliver sagt:

    Wir sollten unbedingt unseren Traffic herunterschrauben, kann ja nur illegal sein 😀 Nett auch mit anzusehen das heise nur noch nachplappert und es keineswegs bedenkenswert findet, daß da ein Provider Kundendaten durchleuchtet. Ich meine «eine Menge Daten»!!! Das ist der Grund? Und genau derlei Dinge versetzen doch in letzter Zeit alle Aktivisten in Verzückung …

  5. Grainger sagt:

    Ein Provider, der sich einfach so (ohne Gerichtsbeschluß oder wenigstens konkreten Tatverdacht) Kundendaten genauer ansieht? So aus purer Neugierde, was der wohl so den ganzen Tag treibt, um so viel Traffic zu verursachen?

    Ich bestelle relativ viel über diverse Online-Versandhändler, da kommen manchmal mehrmals die Woche Päckchen und Pakete.

    Wenn das Schule macht, dann muss ich demnächst wohl damit rechnen, das mein Vermieter meine Post aufmacht. Könnte ja was illegales drin sein!

    Mal abwarten, bis einer der Anwälte der zu Unrecht Verdächtigten auf die Idee kommt, den Provider zu verklagen.

  6. Martina sagt:

    Okay.. sollte es DER berliner Hoster gewesen sein, dann kann ich nur eines dazu sagen: er hatte sich schon recht früh seinen Kunden gegenüber erklärt, keine Seiten mit pornografischen Inhalten zu hosten.

    Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir diesem Hoster damals einige Nachlässigkeiten in diesem Punkt nachweisen konnten. Aber das war damals nicht unser Kernproblem, da wir für eine stabile Serverstruktur kämpften.

    Dennoch rühmten sich die Verantwortlichen vor uns in einer Sitzung, dass sie in diesem Punkt gründlich vorgehen würden, besonders, nachdem einer aus unserer Gruppe mal eben per Telnet deren Mailserver geknackt hatte, um auf weitere Sicherheitslücken aufmerksam zu machen. Dies ist aber nun schon Jahre her und meine Tätigkeit als erste Kundenbeiratsvorsitzende dieser Firma ist längst passee!

    Mich wundert in diesem Zusammenhang eines: Wenn dieses Pornoportal nicht von ihnen selbst gehostet wurde, dann müssen sie schon jetzt die Streams der einzelnen Zugänge kontrollieren. Auf ihren Seiten bieten sie Unlimited-Streams für DSL an, was bedeutet, dass sie doch ein Interesse am «Limit» haben müssen.

    Dies würde bedeuten, dass wohl mehr Provider und Hoster, als uns lieb ist, den von uns verursachten Traffic kontrollieren. Und das ärgert mich.

    Und es ärgert mich in diesem Zusammenhang auch, dass z.B. mein Provider vor dem Beschluss des Bundestages zur TKÜ schon die Logfiles für sechs (!!!) Monate auf meiner Domain speicherte, die ich aber nicht löschen konnte und kann. Erst nach Ablauf der sechs Monate werden die Datensätze sukzessiv gelöscht. Nochmals: das ist dort eine Vorgehensweise, die schon VOR der regulären gesetzlichen Regelung der Fall war.

    Dass inzwischen kaum noch jemand in den Medien aufschreit ob dieser Datenschutzverletzung aus Berlin, kann ich mir nur damit erklären, dass inzwischen eine allgemeine Abstumpfung in dieser Thematik stattgefunden hat. «Super!» werden sich nun viele Bundesbürger denken. «Super, dass diese Schweine gefasst wurden.»

    Ich vermute mal, dass rund ein viertel der Betroffenen unschuldig ist, denn ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass die Quote der Päderasten bei uns so hoch ist. Aber dies ist ein Thema, das die TKÜ im Sinne von Schily, Schäuble, Edathy, Wiefelspütz usw. noch weiter unterstützt.

    Damit es klar ist: echte Kinderschänder haben in meinen Augen absolut keine Berechtigung mehr auf irgendwelche Rechte. Die Strafe, die mir für solche Männer und auch Frauen vorschwebt, ist mit den Menschenrechten der Vereinten Nationen nicht vereinbar, weshalb ich sie besser nicht äußere.

  7. Oliver sagt:

    >Auf ihren Seiten bieten sie Unlimited-Streams für DSL an, was bedeutet, dass sie doch ein Interesse am “Limit” haben müssen.

    Jeder Admin macht das und das hat nichts per se mit Überwachung des Einzelnen zu tun, sondern mit der Auslastung des Systems, Einteilung von Ressourcen usw. Mißbrauchen kann man letztendlich alle Daten die anfallen. Ich kann mit Dynamit Krieg führen aber auch Tunnel bauen. Das Verhältnis Kunder-Provider basiert auf Vertrauen, immer! Wer anderes glaubt hat entweder Probleme mit Naivität oder techn. knowhow. Auf jeden Server den du betrittst im Netz setzt du Vertrauen in das lautere Anliegen des Betreibers vorraus. Die Daten *fallen* an, es kommt nur darauf was damit getrieben wird.

    >Ich vermute mal, dass rund ein viertel der Betroffenen unschuldig ist,

    Ich kann mir sogar vorstellen das dreiviertel unschuldig sind und noch diverse Kolateralschäden damit einhergehen, ob Zahlendreher usw. bei dieser Datenflut. Alles schon dagewesen selbst bei kleinerem Umfang, die RIAA in den USA hats in letzter Zeit auch desöfteren bewiesen. Wenn zudem schon die Staatsanwaltschaft starke Zweifel äußerte an der Tauglichkeit der Daten. Ob dann noch ob der kurzen Datenspeicherung von teils nur noch 7 Tagen (die Telekom speichert seit einigen Monaten auch nur noch 7 Tage) überhaupt viel möglich ist? Ein quick freeze könnte dem Abhelfen, doch bei dieser angeblichen Flut? Und dann müssen für diesen quick freeze doch ein wenig mehr an Verdachtsmomenten vorliegen.

  8. Grainger sagt:

    Selbst wenn der Provider in seinen AGBs drin stehen hätte, dass er keine pornographischen Inhalte hosten will ist das immer noch kein Grund ohne vorherigen Gerichtsbeschluss in den Daten der Kunden herum zu schnüffeln.

    Die Deutsche Post hat sicherlich auch etwas dagegen wenn z.B. in Postendungen kinderpornographische Bilder verschickt werden, trotzdem können sie deswegen nicht einfach mal prophylaktisch alle Briefe öffnen und kontrollieren.

    Selbst bei konkreten Tatverdacht ist erst die Staatsanwaltschaft einzuschalten, die holt sich einen entsprechenden Gerichtsbeschluss und dann werden die Briefe geöffnet.

    In einem Rechtsstaat kann das imho auch gar nicht anders sein.

    Das perfide an der Sache ist, das man sich mit rechtsstaatlicher Argumentation ja gleich dem Verdacht aussetzt, selbst pädophile Neigungen zu haben.

    Den ausufernden Überwachungsstaat mit dem internationalen Terrorismus zu begründen hat nun mal nicht ganz so gut funktioniert, die bösen Terroristen wollen einfach keine Attentate in Deutschland verüben (oder stellen sich dabei so stümperhaft an, dass das schon beinahe wie von einer Laienspielgruppe inszeniert wirkt). Aber gegen umfassende Überwachung aus Gründen der Bekämpfung der Pädophilie kann ja keiner etwas haben.

    Ich bin weit davon entfernt Pädophilie verharmlosen oder schön reden zu wollen (tatsächlich entzieht es sich meinem Verständnis, wie man ein Kind sexuell begehren kann), aber der Zweck heiligt deswegen trotzdem nicht die Mittel (und hat das in den seltensten Fällen jemals getan).

  9. […] mal schaun, was so los war. Doch dann lese ich von Himmel und Hölle, und dazu von diesem und jenem, und mache meinen Rechner lieber wieder aus. Weihnachten war dieses Jahr anscheinend schon vorbei, […]

  10. Peterle sagt:

    Naja immerhin entsteht der Eindruck, daß das Netz zumindest im Moment noch nicht voll unter Schäublis Kontrolle ist. Sonst hätten Sie wohl eher alle Youporn Besucher (sind sicher mehr als 16k) gebustet, weil da wird ja sicherlich von deutschem Boden aus auch am laufenden Bande Pr0n zur Verbreitung hochgeladen, was ja bestimmt auch nicht so ganz legal ist und wenn man schon mit dem Youporn Server eine http-Session hatte, ist das sicher ein hinreichender Anfangsverdacht für die Verbreitung und Zugänglichmachung von Pornographie.
    Nehmen die eigentlich heutzutage die Platte oder den ganzen Rechner mit? Wenn nur die HDD eingesackt wird, könnte ich mir vorstellen, dass sich solche Aktionen im grösseren Ausmaß dann für den geschickten Festplatteninvestor durchaus lohnen könnten. 😉

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