Heute ist ein herrlicher Tag: Die Blase Web 2.x beginnt zu platzen

Wie ich zu der Einschätzung komme? Nun, StudiVZ wurde mit dem gestrigen Tag kpl. von der Verlagsgruppe Holtzbrinck übernommen. Eine Zahl werde ich nicht nennen, nachdem SPIEGEL Online sich blamiert hatte, folgten die Blogs dieser Welt und posaunten die Zahl in die Welt hinaus — das wirft auf viele, auch wenn bei den meisten ein Update folgte, ein nicht wirklich gutes Licht. Man hatte den Eindruck, genau diese Zahl würde vom Holtzbrinck-Konto auf die Konten der Gründer transferiert werden. Dem ist beileibe nicht so. Über die Bedeutung von Zahlen schreibt der Don ein paar Zeilen — liebe StudiVZ’ler, die nun jubeln: Einfach mal lesen. 😉

Der größte *finanzielle* Anteil an StudiVZ gehörte eh schon Holtzbrinck, dazu die Samwer-Brüder und ein paar Freunde:

Wie viel Geld wurde studiVZ zur Verfügung gestellt?
Insgesamt haben alle Gesellschafter ? 2,5 Mio. für den Aufbau von studiVZ bereitgestellt. Davon stammen ? 2,0 Mio. von Holtzbrinck Ventures GmbH (August 2006). Darüber hinaus gab und gibt es keine weiteren Vereinbarungen.

Der größte Teil des Betrages wird also eh zwischen den Holtzbrinck-Töchtern hin und her gebucht werden — alles andere ist heiße Luft. Wieso sollten sich z. B. die Gründer weiterhin im Management abstrampeln, wenn sie finanziell ausgesorgt hätten? Eben, ganz bestimmt nicht um noch den Schein zu wahren nach den letzten Monaten… 😉

Und ganz wichtig: Obwohl wir jetzt ganz zur Holtzbrinck-Gruppe gehören, bleibt studiVZ selbstverständlich völlig eigenständig. Genauso bleiben alle Gründer im Management tätig.

Nachtrag: Börse Online schreibt: 50 Mio. Euro gehen direkt an die Gründer. Wenn dem so ist, kann man nur gratulieren und man muss Holtzbrinck einige ernste Fragen stellen…

Nachtrag 2: Der Don schreibt:

Mit den 50 Millionen sind Gründer und Investoren gemeint, wobei die Gründer etwas mehr als die Hälfte der Anteile haben — da relativiert sich so einiges.

Zurück zur Blase: Selbstverständlich wird mit der hohen kolportierten Zahl gearbeitet werden, sie wird vom Marketing in den entlegensten Teile der Welt getragen werden — und somit wird sie vielleicht Nachahmer finden. Man denke an Facebook.com selbst oder an an den Dauerbrenner Digg.com. Und da stellt sich dann die Frage, ob der Verkaufspreis, und wenn er nur die Hälfte betrug, angemessen war. Das war er mitnichten. Hier wird mit Profilen gehandelt, ca. 100 Euro pro Profil ist im Gegensatz zur New Economy zwar eine niedrige Zahl — dort waren es teilweise fast 400 Euro pro Profil — aber: Wie kann man die Nutzerdaten zu Geld machen? Das ist die alles entscheidende Frage.

Zwei Möglichkeiten, kurzfristig zu Geld zu kommen: Zielgerichtete Werbung sowie Verkauf der Daten. Will man den Verlautbarungen Glauben schenken, so scheidet der Verkauf aus, man ist also auf Werbung angewiesen. In Zeiten von Proxomitron, bfilter oder Privoxy, in Zeiten, wo Werbung fast ausschließlich nur noch als nervend und nicht als notwendig angesehen wird, glaubt wirklich jemand, damit lässt sich profitabel Geld verdienen? Ja, liebe StudiVZ-Nutzer, mit Euch soll knallhart kalkuliert Geld gemacht werden, nun kapiert, oder glaubt Ihr noch an die Garagen-Laptop-Story. Ich zitiere einfach mal Ralf:

Lustig finde ich die Diskussion im StudVZ-Blog, wo viele von den 1 Mio Mitgliedern jetzt ?ihre? 100? haben wollen. Da kann man sagen ?Leute, wacht auf, das war schon immer eine Firma?.

Was bleibt unterm Strich? Zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehören z. B. Die Zeit und das Handelsblatt — dort sind Arbeitsplätze massiv in Gefahr, es wird an allen Ecken gespart — nun sehen die Kollegen dort diesen StudiVZ-Blödsinn, wo einfach nur Geld verbrannt wird. Das kann die Leute schon fuchsen, innerbetrieblich wird da sicherlich auch der eine oder andere Sturm losgetreten werden. StudiVZ wird noch ein paar Monate überleben — bis ein Controller feststellt: Hm, wir fahren nur Verluste ein, dann wird eine Entscheidung anstehen: Schließen, andere Versuche Geld zu verdienen, wie z. B. Premium-Accounts oder Verkauf der Nutzerdaten, am Schluß jedoch wird die Blase platzen. Welche platzt schneller, OpenBC, StudiVZ oder gar ein anderes Web 2.x-Gedöns? Keine Ahnung, ich schüttel jedenfalls nur mit dem Kopf und denke so vor mich hin: Das wird ein gutes Jahr für BooCompany. 😉

StudiVZ bei F!XMBR

StudiVZ bei .get privacy

Warum den Account löschen? Darum.

Datenschutz — was’n das?

14 Antworten zu “Heute ist ein herrlicher Tag: Die Blase Web 2.x beginnt zu platzen”

  1. Don Alphonso sagt:

    Mit den 50 Millionen sind Gründer und Investoren gemeint, wobei die Gründer etwas mehr als die Hälfte der Anteile haben — da relativiert sich so einiges.

  2. Chris sagt:

    THX für die Info. :)

  3. Falk sagt:

    Ich wäre dankbar für jeden Hinweis, wie das Ganze Affentheater steuerrechtlich zu bewerten ist. Denn ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine Firma massiv Geld am Staat vorbeischiebt. Klärt mich mal bitte einer auf?

  4. Testspiel.de sagt:

    Millionen von Euronen für studiVZ…

    Für die Gründer von studiVZ (”das Studiverzeichnis”) fängt das Jahr noch besser an als für mich. Laut einem Bericht von SPON haben sie studiVZ für knapp 100 Millionen Euro an die Holtzbrinck-Gruppe verkauft. studi…

  5. Sammy sagt:

    Was die Blase angeht, zur Zeit ist das imho alles noch ein bescheidenes Blubbern.
    Erst wenn dann Google in Schieflage gerät, wissen wir, die Blase hat ein Loch. 😀

  6. Pepino sagt:

    Jeder Konzern benötigt doch irgendwo finanztechnisch gesehen ein bißchen Verlust. Sonst wäre die Steuerbelastung in unserem so heftig aufstrebenden IT-Land doch viel zu hoch…

  7. […] Nicht alle sehen StudiVZ nach dem Holtzbrinck-Deal gerettet. Robert Basic glaubt das Unternehmen am rettenden Ufer. F!XMBR rechnet dagegen damit, dass längerfristig dennoch die Pleite droht, mit Nutzerdaten gehandelt werden muss oder kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften eingerichtet werden. Wozu letzteres führt, ist auf der Klassentreffenseite Stayfriends zu sehen, wo nicht einmal die eigenen Mails gelesen werden können, ohne zu bezahlen. […]

  8. mike sagt:

    Alles, was ich aus dem Beitrag rausles’ ist eine Gefahr für die Old-economy. Ich habs jetzt 2 Mal gelesen, aber ich finde die Stelle nicht, wo begründet wird, wie Du drauf kommst, dass das der Anfang des Platzens der Blase 2.0 ist.
    Holtzbrinck kauft den Rest von «dieser 2.0-Firma» und weiter? Ist doch alles hervorragend mit 2.0 😮

  9. Chris sagt:

    Ja mike, das ist nicht einfach. Dazu muss man vielleicht auch mal die letzten Wochen / Monate kpl. sehen, die erste Dotcomblase, sprich vorhandenes Wissen auch mal anwenden. Ich weiß, das ist nicht einfach. Einfach mal probieren, klappt schon. :)

    Ich hab da des weiteren gerade ein Kommentar gelöscht. Irgendwie von Hass gegenüber StudiVZ zu fabulieren, sorry, das ist mir zu blöd und niveaulos.

  10. Martin sagt:

    Ui. Vielen Dank fuer den Hinweis, ich hab mich schon kurz gewundert, warum der Kommentar nicht freigeschaltet wird. Ich nehme gerne den Begriff Hass zurueck, wuerde aber statt dessen ein anderes Wort wie zum Beispiel «stark negativ gepraegte Haltung» einsetzen.

    Andererseits, frag ich mich dann, in wie weit ihr denn euren eigenen Anpruechen gerecht werdet, wenn eure Polemik erlaubt ist, aber die in den Kommentaren verboten ist?

    Viele Gruesse und Danke fuer das Loeschen!

  11. Chris sagt:

    Dass ich von dieser Datenschleuder nichts halte, ist bekannt. Da aber von Hass zu sprechen, ist einfach dummes Zeuch, darüber diskutiere ich auch nicht, Punkt aus. Da ist mir meine Zeit auch zu schade für. Wo wir zu den Ansprüchen kommen: Ich will hier meinen Spaß, informieren, wenn es sich ergibt, diskutieren, aber bestimmt nicht auf Grundlage von Hass und anderem Schwachsinn. Das hat dann auch nichts mit Polemik zu tun.

    Wer damit leben kann, der bleibt, wem nicht, der zieht weiter, ganz einfache Geschichte.

  12. […] Finanziell gelohnt hat es sich für die Gründer auf jeden Fall. Was jetzt aber wohl bald auf die User zukommt kann man sich selber ausdenken, oder einfach bei fixmbr nachlesen. […]

  13. […] Oder ist die virtuelle Studentenplattform vielleicht doch eher der Schlüssel zur Büchse der Pandora für die Web 2.0-Gesellschaft? Für Chris von F!XMBR ist mit dem Verkauf von StudiVZ an den zuvor schon beteiligten Investor Holtzbrinck nun der Anfang vom Ende der Blase 2.0 gemacht. […]


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