Heute am Pranger: Der arbeitslose Sonderschüler

Normalerweise schätze ich den Shopblogger, der mich aufgrund seiner Schreibweise immer wieder schmunzeln lässt — und so manches Mal musste ich beim Einkaufen eben an ihn denken, wie er wohl die eine oder andere Situation gebloggt hätte. Heute jedoch hat sich der geschätzte Bloggerkollege einen Aussetzer geleistet.

Er bekam eine Bewerbung ins Haus, veröffentlichte sie und stellte somit den Bewerber aufs Übelste bloß. Die Bewerbung kam von einem Sonderschüler, der wahrscheinlich nie gelernt hat, wie man überhaupt einen Brief verfassen sollte — der zudem eine Rechtschreibschwäche hat. Ich weiß nicht, wie der Shopblogger auf die Bewerbung real reagiert hat — auf einem Blog hat sie meiner Meinung nach nichts zu suchen. Ich habe schon vieles im Internet gelesen — aber dies schlägt dem Fass fast den Boden aus. Hier wird ein Mensch der Meute zum Fraß vorgeworfen — wie man auch an manchen Kommentaren kann. Man kann dem guten Shoblogger nur einen Tipp geben: Sofortige Löschung des Artikels, eine Entschuldigung.

Jenseits vom Wahnsinn schreibt dazu:

Das ergötzen am Elend anderer, an Menschen, die nur einen Sonderschulabschluss haben, gerade auch in den Kommentaren, dürfte wohl einen neuen Tiefpunkt in der Blogsphäre markieren.

Al Safar schreibt in Rage:

Doch vollends die Zornesröte trieb mir der ?Shopblogger? […] ins Gesicht. Dieser holt sich unter dem harmlos anmutenden Titel Traurig, aber wahr. einen auf die Verlierer dieser Gesellschaft runter.

Den Meinungen der beiden Kollegen ist dann nichts mehr hinzuzufügen.

Nachtrag — in der Nacht:

Der Shopblogger hat den Artikel gelöscht. :) Das finde ich wirklich klasse und zeugt doch von Größe. :)

Nun steht eine neue Version des Artikels online. Zusammenfassung: Alle Menschen sind ja so doof, weil sie seine Worte nicht verstanden haben. Jetzt wird es sogar richtig interessant: Er hat das Original-Dokument gelöscht, und gegen ein eigenes handschriftlich verfassten Machwerk gleicher Art getauscht. Obiger Satz gilt natürlich nicht mehr. Es ist einfach Mistk, den der Shopblogger da abzieht. Seinen Kritikern Humorlosigkeit für gewisse Ungerechtfertigkeiten des Lebens zu unterstellen zeugt nicht wirklich von Größe. Wir haben den Mist nicht gebaut, wir haben einen anderen Mitmenschen nicht vorgeführt, an den Pranger gestellt, wir haben nur darauf hingewiesen. Den Kübel Dreck hat der Shopblogger abgeladen, und seine Reaktion heute zeigt halt, dass wir mit unserer Kritik nicht ganz unrecht hatten.

21 Antworten zu “Heute am Pranger: Der arbeitslose Sonderschüler”

  1. EuRo sagt:

    Jeder Bewerber darf erwarten, dass seine Bewerbungsunterlagen vertraulich behandelt werden. Seit jeder Hansel bloggen kann, ist ein solcher Faux Pas natürlich sehr wahrscheinlich geworden.
    Interessant ist das Forum. Erstaunlich wenig Bashing, viel differenziertes Nachdenken sowohl über Inhalt als auch Form des Beitrags. Weckt in mir die Frage: Wie sieht eigentlich der durchschnittliche Blogleser aus? Und wie hoch ist die Bildleser-/Prollquote dabei?

  2. Shopbloggerswife sagt:

    «Der karierte Zettel wurde von dem jungen Mann persönlich in der Filiale Findorff abgegeben. Die dortige Filialleiterin hat ein kurzes Gespräch geführt.
    Dass so eine Bewerbung kaum eine Chance hat und dass die Agentur für Arbeit bessere Arbeit leisten sollte, ist tatsächlich die einzige Intention dieses Blogeintrages gewesen. Hier sollte niemand an den Pranger gestellt werden.«
    (Und ja, dies ist schon die dritte Wiederholung per copy and paste)

  3. Oli sagt:

    Ich halt mich da mit einer Pauschalverurteilung zurück, weil ich dort nicht lese — aber das hier ist unter aller Sau und wird mich definitiv abhalten dort zukünftig zu lesen.

  4. Falk sagt:

    Und ja, dies ist schon die dritte Wiederholung per copy and paste

    Und nur weil Millionen Fliegen Scheisse mögen, ist die gut?

    Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, mag sich am letzten Satz und anderen Kuriositäten in diesem Schreiben ergötzen. Man kann sicherlich darüber schmunzeln, aber eigentlich ist es nur sehr, sehr traurig.

    Darf man schreiben, aber sich dann auch nicht wundern über die herbe Kritik daran. ungeachtet der Tatsache, das dies von mangelndem Respekt geprägt ist. Und sowas find ich noch niveauloser, als solch eine ehrlich gemeinte Bewerbung.

  5. Schade, dass manche Leute nicht begriffen haben, was ich mit meinem Blogeintrag ausdrücken wollte.

    Der Mensch hat so, wie er vorgeht, nunmal keine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt. Punkt. Und wenn ich dann mitbekomme, dass die Unterstützung im Bezug auf echtes Bewerbungstraining und Jobsuche immer weiter gekürzt wird, ist es in meinen Augen eine Sauerei.

    Aber so weit denken manche selbsternannten «Gutmenschen» ja gar nicht und reden lieber von «Pranger» und «Entschuldigung».

  6. Chris sagt:

    Björn, niemand spielt sich hier als Gutmensch auf. Du hast einfach Mist gebaut, Punkt. Der Aufhänger des Artikels ist die Bewerbung des Sonderschülers — die Methoden der ARGE anzuprangern, da hätte es den Scan, den speziellen Artikel nicht benötigt — wie Du auf diesem Blog auch nachlesen kannst.

    Nimm den Scan raus und starte ne Diskussion über die ARGE, gerne. Aber so wie es jetzt ist, ich drücke es hier mal diplomatisch aus, wirkt es sehr befremdlich, wiel die ARGE eben nur in einem kleinen Satz erwähnt wird.

    Die Nachträge sind im Übrigen fein. :)

  7. Falk sagt:

    Ach kuck. Vielleicht hätte man das dann ja auch anders formulieren können oder? Und hey — von «Gutmenschen» zu reden, nur weil man dies respektlos empfindet, zeigt mir doch, das dies im besten Wissen und Gewissen geschehen ist.

    Die Botschaft entsteht nunmal beim Empfänger und so wie es dort geschrieben steht, ists für mich ein Pranger. Aber mich deshalb als «Gutmensch» titulieren lassen ist genauso respekt– und niveaulos, wie die Sätze im Beitrag selbst.

  8. Falk sagt:

    Btw. hab ich aufgrund Björns Reaktion eben eine doch recht derbes Statement zurückgezogen. Ist sonst gar nicht meine Art 😉

  9. Grainger sagt:

    Ich habe die eingescannte Bewerbung nicht gesehen, da ich aber in einer Personalabteilung arbeite kann ich mir die auch so gut vorstellen, ähnliche werde ich selbst auch schon auf dem Schreibtisch gehabt haben.

    Davon mal abgesehen das ich (zu Recht) fristlos meinen Hut nehmen könnte wenn ich so etwas ins Netz gestellt hätte sollte es einem schon der «normale Anstand» verbieten das zu tun.

    Die Absicht dahinter mag ja gutgemeint (und ein konkretes Beispiel wie man es bei einer Bewerbung eben nicht machen sollte) sein und es ist sicherlich ebenso eine fundierte Kritik an der ARGE, aber ich stelle mir immer vor wie ich mich in einem solchen Fall als Betroffener fühlen würde.

    Und auch die weniger Begabten Mitglieder unserer Gesellschaft haben Gefühle die man verletzen kann.

  10. Missi sagt:

    Ich habe die eingescannte Bewerbung nicht gesehen,

    Feedreader speichern sowas zwischen, es gibt Services im Netz da draußen, die sowas cachen… Das Ding ist im Netz, ob er es nun auf seinen Seiten Seiten löscht oder nicht.

  11. Chris sagt:

    Siehe Nachtrag im Artikel. Heute Nacht sah es so aus, als wäre jemand zur Besinnung gekommen. Dem war beileibe nicht so. Widerlich!

  12. Falk sagt:

    Wird allerdings von einigen Kommentaren noch getoppt.

  13. Respektlos…

    Unser Grundgesetz beginnt mit den Worten: “Die Würde des Menschen ist unantastbar!”. Mit diesem Artikel 1 haben unsere Verfassungsväter den Schutz der Menschenwürde besonders exponiert ins Grundgesetz aufgenommen.
    Genau und deshalb darf …

  14. […] Kein Tag ist vergangen und Björn Harste rudert zurück. Er und seine Frau machten sich am Abend auf den Weg durch Klein-Bloggersdorf. Immer wieder klingelten sie zu später Stund an Blog-Türen und versuchten sich zu rechtfertigen. Björn Harste trötete etwa bei F!XMBR: Schade, dass manche Leute nicht begriffen haben, was ich mit meinem Blogeintrag ausdrücken wollte.Der Mensch hat so, wie er vorgeht, nunmal keine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt. Punkt. Und wenn ich dann mitbekomme, dass die Unterstützung im Bezug auf echtes Bewerbungstraining und Jobsuche immer weiter gekürzt wird, ist es in meinen Augen eine Sauerei. Aber so weit denken manche selbsternannten ?Gutmenschen? ja gar nicht und reden lieber von ?Pranger? und ?Entschuldigung?. […]

  15. Dem Arbeitsamt ans Bein zu pinkeln ist absolut in Ordnung und auch nötig. Die Verlierer dieses Systems würde ich persönlich sensibler behandeln.

    Deutschland ist randvoll mit Dummheit. Da hätte sich bestimmt ein qualifizierteres «Opfer» gefunden.

  16. […] Hier hatten wir bereits über den evtl. rechtlichen (?), insbesondere aber moralischen Ausfall des Shopbloggers gesprochen. Insbesondere der Nachtrag hat mich zum Schluß nur noch mit dem Kopf schütteln lassen, anstelle die berechtigte Kritik anzunehmen, wurden die Kritiker Hinweisgeber (!) Jenseits vom Wahnsinn, Al Safar, Falk und nochmals Al Safar als dumme Schuljungen hingestellt, die ja die große Schreibe des großen Shopbloggers nicht verstehen würden. Als ich gestern dann in den Kommentaren von Jenseits vom Wahnsinn laß, fiel mir ein Kommentar von der holden Angetrauten des Shopbloggers in die Augen. Erstaunt fand ich dort das Wort Hetzerclique. Jetzt wurde es spannend, was war passiert? War der kleine Springerverlag auf den großen Sparmarkt im Norden unserer Republik aufmerksam geworden? Nein, die Intention dieser Wort erschließt sich dem geneigten Leser erst beim genauen Betrachten der Zeilen: […]

  17. Bin gespannt, wann es eine Art Knigge für «Klein-Bloggersdorf gibt. Wenn es soweit ist, fallen mir außer B. Harste noch zwei, drei andere ein.

  18. Falk sagt:

    Wieso Knigge? Gesunder Menschenverstand sollte reichen…

  19. Chris sagt:

    Manche Leute brauchen starre Regeln, sonst wissen sie nicht wie sie sich zu Verhalten haben. 😉 Traurig aber wahr…

  20. Falk sagt:

    Und genau diese haben wir doch — ich sag nur Grundgesetz. In Artikel 1 steht alles drin, was man wissen muss. Und wer dem keinen Glauben schenkt, sollte die Bibel zur Hand nehmen. Das diese Selbstverständlichkeiten scheinbar nichts mehr wert sind, rechtfertigt es immer noch nicht.

    Und nein, ich spiel da sicher nicht den Moralapostel — das läge mir mehr als nur fern. Auch ich verwende gern und oft derbe Worte bei meiner Kritik. Und wenn ich dem CEO der IFPI eine schlecht Kinderstube unterstelle, dann ist das aber mit Sicherheit ein anderes Kaliber, als sich über Menschen einfach nur lustig zu machen. Letzteres würde mir im Leben nicht in den Sinn kommen. Das aber bei dem speziellen Fall dies wohl eher ein grundlegender Wesenszug zu sein scheint, sah man an den Kommentaren. Und mich stellt man nur einmal im Leben als dummen Jungen hin 😉 aber man trifft sich meist zweimal.

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