Heroes — Normale Helden?

Ich habe mir gerade die ersten beiden Folgen der neuen US-Serie Heroes angeschaut. Ich bin mir noch völlig unschlüssig, was ich davon halten soll. Die Serie spielt mit den geheimen Sehnsüchten eines Jeden von uns, einmal ein Held zu sein, anders zu sein, besondere, einzigartige Fähigkeiten zu haben. Egal, ob die Stripperin mit einem Haufen Schulden, die ein paar Schuldeneintreiber in Notwehr tötet, oder besser, ihr zweites Ich. Der drogensüchtige Künstler oder auch der Quoten-Asiate, der für ein wenig Heiterkeit sorgen soll. Man fühlt sich sofort mit ihnen verbunden, die Hauptcharaktere sind dem Zuschauer, bei allen Fehlern, die sie haben, auf Anhieb sympathisch. Hier liegt zugleich die größte Schwäche der Serie — an wen kann man sich reiben, über wen kann man diskutieren, wen kann man abgrundtief hassen? Gut, es gibt natürlich auch das Böse in Heroes — den Serienkiller Sylar. Wer ist das? Bekommt er noch ein Gesicht? Ist es gar Claires Vater? Das sind Fragen, die schnell beantwortet werden müssen, die Serie muss schnell an Fahrt aufnehmen, bevor sie vor dem deutschen Publikum absäuft.

Comicverfilmungen haben es in Deutschland schwer — sie taugen allemal zum Kult aber nicht zum Blockbuster. Dementsprechend wird Heroes sich nicht auf auf das Comichafte — die Superhelden retten die Welt — ausruhen können. Es muss sehr schnell eine Geschichte entstehen, eine Geschichte rund um die Helden, gepaart mit jeder Menge Action. Ob es die Serie schafft? Ich kann es nicht sagen, weil ich das amerikanische Original nicht kenne. Nach den ersten beiden Folgen hoffe ich auf mehr. Was passiert mit den Superhelden, werden sie zusammenfinden, was macht (die süße :D) Niki? Doch ich habe die Befürchtung, dass ich sehr lange warten muss — wenn ich denn überhaupt so viel Sitzfleisch habe — um Antworten zu bekommen. In den USA spricht man überschwänglich von 5 Staffeln, die man mindestens produzieren möchte. Na dann mal los, die zweite Staffel ist dort gerade angelaufen.

Die Serie wird hoffentlich bald die Hauptdarsteller zusammenführen — dieses Hin– und Herschalten der einzelnen Helden wirkt zum Teil hektisch, der Fernsehzuschauer, der mal eben ein Getränk aus dem Kühlschrank holt, verliert schnell den Überblick. Dass es keine abgeschlossene Handlung pro Folge gibt, wird erschwerend auf dem deutschen Markt hinzukommen. Man verpasst eine Folge, dann eine zweite, und schon ist man raus — und obwohl man beim nächsten Mal auf dem Sofa sitzt, bleibt der Fernseher aus. Das ist mir zum Beispiel bei Lost passiert — irgendwann wurde es uninteressant, weil es keine abgeschlossene Handlung gab, ich zu viel verpasst hatte. Von Lost habe ich ungefähr die Hälfte der ersten Staffel gesehen, danach war Schluß. Selbst, wenn ich heute die Vorschau zur neuen Staffel auf Pro 7 sehe, habe ich nicht das Gefühl, als hätte ich etwas verpasst. Genau das macht diese Serien in Deutschland so problematisch, den Verkauf so schwierig — am Vorabend wird noch jeden Tag GZSZ, Verbotene Liebe und der Marienhof verschlungen, sobald aber der Tag ausklingt, beharrt der deutsche Michel auf eine abgeschlossene Handlung. Vielleicht schläft es sich dann besser.

Im Moment spielt Heroes noch mit den kleinen Geheimnissen der Helden, fast jeder scheint auch eine dunkle Seite zu besitzen. Das unsichtbare Böse bedroht die Helden mit unvorstellbarer Grausamkeit, man lernt die eigenen Fähigkeiten gerade kennen — doch auch da ist bereits Routine beim Zuschauen eingetreten. Als der Polizist Matt Parkman dem Zuschauer vorgestellt wird, und er das Haus, einen Tatort, betritt, wird bereits am zweiten Heroes-Opfer klar, wie der Serienkiller mordet — er sägt den Opfern die Schädeldecke ab, entfernt das Gehirn. Und auch die an das Treppengeländer gepfählte Ehefrau vermag niemanden mehr zu schocken — diese Irrealität wird bei Heroes sehr schnell zur Routine. Blut bekommt man viel zu sehen — besonders, wenn Claire ins Bild kommt. Claire ist praktisch unverwundbar, Wunden heilen in sekundenschnelle — der Phantasie der Maskenbilder sind bei Claire keine Grenzen gesetzt und sie machen ein wenig Gebrauch davon.

Heroes muss ganz schnell an Fahrt aufnehmen, Action muss her, das Zwischenmenschliche, das Private, die kleinen Geheimnisse der Helden sind unter dem Strich zu belanglos, zu oberflächlich, als dass sie mich und ich denke auch das deutsche Publikum lange vor dem Fernseher fesseln könnten. Das Blut, was bis jetzt geflossen ist, wirkt zu normal auf der einen, zu irreal auf der anderen Seite. Wird der Turbo nicht bald eingeschaltet, bleibt es eine normale Serie mit ganz normalen Helden — eine Serie, wegen der man nicht Termine absagt, wegen der man sich nicht jede Woche vor den Fernseher schwingt um nicht den Anschluß zu verpassen. Die Normalität der Helden sollte nicht zu sehr zur Normalität beim Zuschauen werden. Das besondere der Serie muss mich, die Zuschauer sehr bald fesseln, sonst gibt es bei den Quoten ein böses Erwachen — und dann kann kein RTL II-Mitarbeiter in der Zeit zurückreisen, der Einschlag wird dann unwiderruflich sein. Es wäre schade, die Idee ist klasse, die Idee ist verdammt sympathisch — schau m’er mal, was passiert. Noch warte ich gespannt auf nächste Woche.

15 Antworten zu “Heroes — Normale Helden?”

  1. Samthammel sagt:

    Also mir hat die erste Staffel sehr gut gefallen. Die Serie nimmt auch definitiv noch an Fahrt auf und die Handlungsstränge werden miteinander verknüpft — um dich zu beruhigen. :-)

  2. Thorsten sagt:

    Also ich bin auch gespannt wie es weiter geht, aber wie du schon sagst Chris wenn die Serie nicht «zulegt» überlege ich mir zweimal wie ich meine Termine lege und ob ich sie dafür verschiebe. Geben wir Heroes noch 2 Wochen und vertrauen drauf was Samthammel sagt 😉
    Aber langsam werden wir ja von vielversprechende Serien aus Amerika zugeschmissen. Nächsten Montag startet ja auf Pro7 «Supernatural» und der Trailer ist sehr spannend aussieht. Lassen wir uns doch überraschen wie es ausgeht und ob wir in 3 Wochen 2 neue Serien haben wo es sich lohnt Termine zu verlegen :)

    Gruß Thorsten

  3. Ralph sagt:

    Bin ganz Samthammels Meinung. Die ersten paar Folgen wirken hektisch geschnitten und noch relativ zusammenhanglos, da die ganzen Figuren erst vorgestellt werden müssen. Danach gewinnt die Story jedenfalls ordentlich Fahrt und belohnt diejenigen mit genügend Durchhaltevermögen mit jeder Menge Twists, überraschenden Beziehungen der Charaktere untereinander und den Auftritten zahlreicher Gaststars.

  4. Ralph sagt:

    Noch kurz zu Supernatural: Im Vergleich zu Heroes ist Supernatural durch die mehr in sich geschlossenen Episoden und den loseren durchgenden roten Faden leichter zu verdauen, wenn man ab und an eine Episode versäumt. Zudem ist Supernatural von Beginn an wesentlich actionreicher…

  5. Heroes ist definitiv eine geniale Serie — ich habe die Serie quasi verschlungen. (habe hier die amerikanischen Original-DVDs — welche im übrigen gar nicht mal so teuer waren.)

    Finde es allerdings auch ein wenig unsinnig bereits eine derart lange Rezension nach den ersten 2 Folgen zu schreiben — du befindest dich gerade in der Einführung 😉 Schau dir die nächsten 3–4 Folgen an und DANN schreib’ nochmal darüber. Ich für meinen Teil war froh, das ich die Folgen hintereinander weggucken konnte (teils 3–4 am Stück geschaut) da die Serie im späteren Verlauf wirklich großartig wird.

    Kleine Anekdote am Rande:
    Zwischen der 2. und 3. Staffel wird in den USA ein Spin-Off, «Beyond Heroes», gezeigt werden. Dort werden jeweils 2–3 neue «Heroes» vorgestellt und per Zuschauervote wird dann bestimmt, welcher dieser Personen in der nächsten Staffel einen «Spot» erhält.

  6. Samthammel sagt:

    Die fehlende Interaktivität bei Heroes für die deutschen Zuschauer ist natürlich schade — auch darf man die Serie leider auf nbc.com nicht angucken, liegt wohl an der nicht-amerikanischen IP.

  7. Grainger sagt:

    Habe den Serienstart verpaßt und empfinde kein Gefühl des Verlustes.

    Wird ohnehin alles endlos wiederholt.

    Supernatural werde ich mir aber ansehen (falls ich es nicht wieder vergesse :D).

  8. Jeremy sagt:

    Obwohl sich Heroes mehrerer Comicelemente bedient ist es imo keine Comicverfilmung. Allein die tagline Ordinary people doing extraordinary things sagt schon viel über das Konzept aus. Die Macher wollten wohl eine weitere Latex und Strumpfhosen — Soap vermeiden.

    Aber wenn man es genau nimmt, sind die Folgen natürlich wie ein Comic aufgebaut, aber das werden auch nur die Freaks erkennen. Auch der obligatorische Cameoauftritt von Stan Lee darf da nicht fehlen. :)

    Mein Tipp: Sich die Serie im Originalton angucken. Die deutsche Fassung soll mal wieder unter aller Kanone sein. Hiro Nakamura komplett synchronisiert? Japanisch ade! Meine Güte, da geht die komplette Figur dahin.

    @ Samthammel: Ack.

    @ Chris//Das3Zehn: Meintest du nicht Heroes: Origins?

  9. Jeremy> genau das — weia.. habe nebenbei den WCG Themesong laufen gehabt bei dem es im Chorus heißt: «Beyond the game»

    Peinlich…

  10. Jojo sagt:

    Meiner Meinung nach war es im letztem Jahr die eindeutig beste neue Serie in den USA.

    Hiro bleibt im übrigen nicht der einzige Quoten-Asiate … aber ich will ja nichts verraten. Und die Story um den «wirklichen» Bösewicht wird sich auch noch ziemlich entwickeln … da wird die Serie noch genügend Überraschungen parat haben. 😉

    Wirklich Schade ist das man Hiro seinen Charme genommen hat und ihn nur deutsch reden läßt. Da kam auf dem Polizeirevier nicht mehr wirklich rüber das einer der Polizisten eigentlich als Dolmetscher fungieren sollte …

    Supernatural ist sicher für Gelegenheitszuschauer eine gute Wahl. Da macht es nichts mal eine Folge zu verpassen. Aber Heroes fand ich doch einige Längen besser als Supernatural.

  11. dakira sagt:

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass Heroes wohl die momentan beste in den USA laufende Serie ist. Da kann man auch so einiges an Sozialkritik reininterpretieren, wenn man moechte 😉

    Wer des Englischen maechtig ist, sollte sie sich aber unbedingt im Original anschauen. Es ist bspw. schon echt bitter, dass sie die Japaner synchronisiert haben, wo sie doch im Original japanisch gesprochen haben (mit engl. Untertiteln). Besonders wenn spaeter ein sehr bekannter Asiate (Spoiler!) in der Serie auftaucht, ist es schon cooler diesen japanisch sprechen zu hoeren 😉

    Gottseidank habe ich Freunde in USA, die mir immer alle aktuellen Folgen sofort schicken. Ansonsten haette ich glaube ich (mangels Verfuegbarkeit) auch keine Bedenken mir den Kram per Bittorrent zu besorgen.

  12. Grainger sagt:

    Ich wollte euch nur mitteilen, das ich auch den Serienstart von Supernatural verpasst habe.

    Gestern abend habe ich zwar noch daran gedacht, bin dann aber nach einem arbeitsreichen Tag und einem üppigen Abendessen auf meiner (viel zu bequemen) Couch eingepennt und habe Supernatural komplett verschlafen.

    Ist aber auch egal, der Schlaf war erholsam und der Körper nimmt sich eben, was er braucht. 😀

  13. Chris sagt:

    Du hast nichts, aber auch gar nichts verpasst. Supernatural war ebenso absolute Grütze wie Lost. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, das kleine Fenster oben rechts zu minimieren und mich auf das neue Style zu konzentrieren.

    Die beiden Serien sind wirklich nur noch schlecht, um es mal diplomatisch auszudrücken. 😉

  14. Tobsen sagt:

    Ich hab eine Staffel größtenteils im Original gesehen.
    Mir war´s zu kitschig. man kann sagen: das ist comic style. aber es gibt auch verschiedene Comics. Außerdem mochte ich die darsteller nicht. zu glatt. absolut nichts sagend.

  15. Martin_Weber sagt:

    Hm, glaube die Einschaltquten sprechen für sich, und den Sinn der Serie hat wohl auch niemand kappiert!

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