Hartz IV — Es hilft nur noch beten

ASPD Frosch | openclipart.org

Das Jahr 2002 wird wohl als das Jahr in die deutsche Geschichte eingehen, in dem die soziale Marktwirtschaft abgeschafft — die Zwangsarbeit wieder eingeführt wurde, Menschen in einem so fortschrittlichen Land wie der Bundesrepublik Deutschland in die Armut getrieben wurden. Peter Hartz wurde als der Heilsbringer für den krankenden Patienten Deutschland gefeiert. Die geistige Elite unseres Landes feierte das Mitglied des VW-Vorstandes (ein Unternehmen, dass für ausländische Unternehmen wegen Filz, der Verquickung durch Politik, Medien und Gewerkschaft als absolut unattraktiv für Investitionen angesehen wird), am meisten aber sich selbst — Peter Hartz indes, so kann man vermuten, feierte mit ein paar Frauen, aber wohl nicht der eigenen.

Die Hartz-Reformen waren gerade beschlossen worden, Gasprom-Aufsichtsrat-Vorsitzender Gerhard Schröder, damals oberster Volksdeppvertreter der deutschen Bundesbürger hatte von Peter Hartz eine CD überreicht bekommen — Bis heute sind Hartz I bis Hartz IV umgesetzt worden. Da kann man dann schon mal eine kleine Bilanz, ein Fazit ziehen.

Die Arbeitslosenzahlen: (Knapp) 5,0 Mio. Menschen sind heute in unserem Land ohne Arbeit, und das ist nur die offizielle Zahl, inoffiziell mag ich über eine 8-stellige Zahl gar nicht nachdenken. 1-Euro-Jobber werden nicht mitgezählt, ebenso die ganzen ABM’ler und die Menschen, die (un-) sinnigerweise in Fortbildung geschickt werden. Aber an der Arbeitslosenzahl Peter Hartz allein zu bewerten wäre ziemlich unfair, man sollte an diesem Punkt nicht vergessen zu erwähnen, dass der größte Teil der Hartz-Reformen von großen Teilen der SPD, CDU, Grüne und FDP gemeinsam beschlossen wurde.

Schauen wir uns die einzelnen Schritte mal genauer an:

Die Personalserviceagenturen: In den ersten 3 Jahren sollten laut Hartz durch die PSA’s 500.000 feste Beschäftigungsverhältnisse entstehen / vermittelt werden, nun, es sind dann doch 110.000 geworden, das Ziel wurde knapp verfehlt. Deutlicher wird es bei folgenden Zahlen: Im Jahr 2004 vermittelten die PSA’s 18.400 Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt, die Arbeitsagenturen zahlten dafür 350 Millionen Euro. Das macht 19.000 Euro für jeden vermittelten Arbeitslosen, wenn das mal nicht effektiv ist.

Die Ich-AG’s: Auch hier nur ein paar Zahlen: Jährlich sollte es rund 500.000 Existenzgründungen geben, Ende 2005 waren es insgesamt 236.000. Dafür wendet die Bundesrepublik Deutschland 1,4 Mrd. Euro auf. Jeder Fünfte gibt die Selbstständigkeit wieder auf, davon sind rund 54% wieder arbeitslos, ein Drittel der Menschen hat Schulden aufgehäuft. Das Desaster Ich-AG hat dann auch schon die aktuelle Regierungskoalition eingesehen, ab dem 30.06.2006 wird es wohl keine Ich-AG’s mehr geben. Warum nicht gleich Hartz kpl. rückgängig gemacht wurde, bleibt das Geheimnis unserer Volksdeppenvertreter.

Die Job-Floater: 50.000 neue Jobs sollten entstehen — 13.000 neue Jobs sind es geworden.

Die Mini-Jobs: Tja, manche nennen es Ausbeutung, andere nennen es eine Chance, geringfügig Beschäftigte gibt es in Deutschland satt und reichlich. Mittlerweile rund 6,6 Mio. Wenn man es genau nimmt, sind es ja nur kleine Nebenjobs ohne Hauptjob, man könnte also auch diese Zahl zu der offiziellen Arbeitslosenzahl hinzuzählen. Das sind dann Zahlen fernab jeglicher Vorstellungskraft. Viele Menschen sprechen mittlerweile davon, dass die Mini-Jobs der Einstieg in den Niedriglohnsektor sind.

Die Jobcenter: Grausam, einfach nur grausam, ich habe es bereits am eigenen Leib erlebt. Unfähige, unter Druck stehende, lustlose Mitarbeiter, die eine Menge Geld kosten, aber nicht im Geringsten helfen (können). Frühere Mitarbeiter des Sozialamtes müssen sich nun um Arbeitslose kümmern, Mitarbeiter des Arbeitsamtes auch um Suchtkranke u. a., da sind doch mal fähige Leute am Werk, ich bin echt begeistert (bitte nicht als Kritik an die Mitarbeiter verstehen, für diesen Zustand können sie am Wenigsten).

1-Euro-Jobs: Die Wiedereinführung der Zwangsarbeit, es gibt Stimmen, die sagen des Sklaventums. Eine Demütigung für jeden Betroffenen, neue Jobs sind dadurch noch nicht entstanden, und wer nebenbei arbeiten möchte (geringfügig Beschäftigter ;-)), muss rund 60% von dem hinzuverdienten Geld wieder abgeben. Meiner Meinung nach wirklich das Sklaventum des 21. Jahrhunderts, ich möchte wirklich nicht darüber nachdenken, wie hoch die Dunkelziffer liegt, wo normale Jobs abgeschafft wurden, und mit 1 Euro-Jobbern die Stelle wieder (zwangs)besetzt wurde.

Fazit: Die Parteien sind hilflos gescheitert. Die Hartz-Reformen kosten Unsummen, schon Ende Juni 2005 war das für das gesamte Jahr 2005 veranschlagte Geld verschlungen. Und auch dieses Jahr drohen Milliarden an Mehrausgaben. Und was hat es gebracht? Nichts, die soziale Kluft ist in Deutschland größer geworden, die Politik hat es wieder einmal geschafft, die verschiedenen Interessengruppen gegeneinander auszuspielen, so dass auch die Neider Hochkonjunktur haben — traurig, einfach nur traurig: Die Volksdeppenvertreter denken zur Zeit doch glatt wieder darüber nach, Hartz IV zu kürzen, aber es trifft ja nur die faulen Arbeitslosen. 😉

Wenn man in Deutschland von Armut, von bettelnden Menschen spricht, haben die meisten Mitbürgen die Slums ausländischer Städte im Kopf, doch warum so weit wegschauen? Seit Hartz ist die Armut, insbesondere die Kinderarmut, sehr stark angestiegen. Ein Zitat von stern.de:

Mehr als 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche sind hier zu Lande arm — die Dunkelziffer liegt sogar bei mehr als drei Millionen.

Aber lassen wir zum Schluss Peter Hartz selbst zu Wort kommen, der sich Ende 2005 zu den eigenen Reformen geäußert hat:

Der Papst kennt unser Problem jetzt auch schon, und wenn die 53.000 Pfarrer alle mitmachen und von der Kanzel herunter uns auch helfen, dann ist das schon ein Beitrag der Gesellschaft.

Heißt:

Es hilft nur noch beten.

Quellen: google.de, stern.de, spiegel.de

2 Antworten zu “Hartz IV — Es hilft nur noch beten”

  1. Falk sagt:

    Ich versteh diesen Traum von einer vollbeschäftigten Gesellschaft sowieso nicht mehr. Schon lange nicht mehr — aber anscheinend wird der gesamtpolitisch immer noch geträumt, obwohl doch die Industrie der Kern des «Problems» ist, welches eigentlich keines ist. Denn Hauptaufgabe der Industrie/Wirtschaft (bitte entsprechend korrigieren) ist nunmal eine Reduzierung der verwendeten Arbeitszeit im Verhältnis zur geleisteten Arbeit.

    Oder ich hab es immer noch nicht kapiert…

    Wie man da von Vollbeschäftigung und Ausweitung der Arbeitszeit sprechen und öffentlich diskutieren, erschliesst sich mir einfach nicht. Der Auftrag müsste doch eher sein, gesicherte Grundeinkommen bei gleichzeitiger Reduzierung der Arbeitszeit zu ermöglichen.

    Aber da ja momentan die «christlichen Werte» auch wieder in der Politik hochgehalten werden, vielleicht kann ja der Papst etwas für seine armen Schäfchen tun und Unmengen an offenen Stellen in den Gemeinden besetzen.

  2. Oli sagt:

    Klasse :)

    Nur ein Punkt, der hier zwar nicht direkt angesprochen wird, es ist Aufgabe des Staats für die Menschen ohne Arbeit zu sorgen! Vollbeschäftigung oder auch nur irgendeine Annhäherung an diesen Zustand war schon immer eine Illusion und eine Lüge der Politiker. In Zukunft werden wir uns wahrscheinlich auch mal an 20 Mio Arbeitslose gewöhnen müssen, die tatsächlichen Zahlen liegen heute schon weitaus höher als die gerne propagierten ca. 5Mio.
    Die ewige Litanei vom Motor Wirtschaft der neue Arbeitsplätze schaffts ist ebenso eine Lüge, IT schafft keine Arbeitsplätze, sondern IT zerstört massiv Arbeitsplätze — so wie übrigens jeder Fortschritt. Die geschaffenen, neuen Arbeitsplätze stehen in keinem Verhältnis zu denen die vernichtet wurden.
    Und mal ehrlich wer möchte heute noch in der Grube arbeiten wie Großvater anno tobak? Wer möchte noch überhaupt teils für die Gesundheit massiv gefährliche Berufe ausüben, die Gott-sei-Dank heutzutage vielerorts massiv eingedämmt wurden? Keiner, aber auch derlei Fortschritt kostet eben die zuvor vorhandenen Arbeitsplätze in jenen Bereichen.

    Was bleibt über? Nun der Staat muß sich überlegen wohin die Reise geht, wie man menschen hilft die keine Arbeit besitzen. Auch muß man sich Gedanken machen wohin die Reise der Gesellschaft geht — das jetzige Strickmuster jedenfalls ist überholt und richtet Kultur sowie Gesellschaft zu Grunde. Ergo brauchen wir eine Umorientierung, weg vom Technik-Gott hin zum Leben.
    Die Flickschusterei der Politiker taugt nicht einmal für Übermorgen. Die Gesellschaft ist gefragt ihren asozialen Status abzulegen!

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