Hansenet – der Schlussstrich

Ich bin eine treue Seele. Wer mich einmal überzeugt und auf seine Seite gezogen hat, kann sich meiner Loyalität sicher sein. Das gilt nicht nur im menschlichen sondern auch im geschäftlichen Bereich. Die Telekom war, wie sollte es auch anders sein, mein erster Telekommunikationsanbieter. Mit ihr versendete und empfang ich meine ersten Bits und Bytes. Als ich 2001 nach Hamburg zog, war für mich klar, dass ich bei der Telekom bleiben würde – auch wenn Freunde von einem genialen regionalen Anbieter schwärmten. Hansenet hieß dieser – und man konnte gar nicht glauben, dass ich beim magentafarbenen T blieb. Lange hielt diese Treue dann nicht. Probleme mit der Internetleitung, ein überhöhter Preis und ich dachte darüber nach, zu Hansenet zu wechseln. Na endlich, so hörte ich aus meinem gesamten Freundeskreis, als ich davon erzählte und mein Vorhaben schließlich umsetzte. Hansenet war die absolute Nummer 1 hier in Hamburg. Regional verankert, ein gutes Netz, ein sehr guter Support – und die weitaus günstigeren Preise. Jahrelang war ich in der Folge zufriedener Kunde des Unternehmens mit dem verführerischen Lächeln. Und nein, Brad Pitt ist nicht gemeint. Freunde außerhalb Hamburgs — zum Beispiel in Osnabrück — waren schon ein wenig neidisch. Das jedoch hat sich grundlegend geändert.

Hansenet hat in den letzen Jahren expandiert, ist größer und größer geworden. Mein preist sich mittlerweile deutschlandweit wie Sauerbier an — mit AOL hat man gar fusioniert. Während ich früher immer sagen konnte, ich surfe mit Fullspeed, so hat sich auch dies fast ins Gegenteil gekehrt. Die Zahlen, die Hansenet wie andere Anbieter süß verpackt, sind nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen. So zumindest meine Erfahrung. Meine 6.000-Kbit-Leitung war eine 5.000-Kbit-Leitung – vom schwächelnden Upload ganz zu schweigen. Und meine jetzige 16.000 Kbit-Leitung hat sogar noch weiter abgenommen. Es ist nur noch ein Trauerspiel.1 Über die Sache mit der Suchseite legen wir heute mal den Mantel des Schweigensebenso wie die Reaktion der Hotline auf meine Beschwerden. Seit diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr treuer Kunde, sondern habe mich zum Beispiel ernsthaft mit dem Entertain-Paket der Telekom befasst. Heute dann habe ich die Kündigung für Hansenet und den Portierungsauftrag unterschrieben. Ich spüre nicht einmal im Ansatz Wehmut – was eigentlich so gut wie nie vorkommt. Selbst im Abschied denke ich zurück an die guten Zeiten. Das Gegenteil ist heute der Fall. Mir geht es richtig gut und ich bin mir sicher, dass mein neuer Vertragspartner eine sehr gute Wahl war. Ich wurde nett und sehr freundlich beraten, nicht per Hotline, sondern persönlich im Service-Center. Eine ganz andere Qualität, wie dieser anonyme Alice-Mist, zu dem sich Hansenet in meinen Augen entwickelt hat. Ich freue mich. Das kann natürlich auch daran liegen, dass ich nicht wirklich erwarte, demnächst eine langsamere Leitung zu haben. :D

wilhelm.tel Norderstedt (mittlerweile auch in Hamburg)

  1. Und ja, mir ist das bis-Spiel bekannt. []

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17 Antworten zu “Hansenet – der Schlussstrich”

  1. klml sagt:

    Auch wenn das schon vorher den Berg hinab ging, aber Hansnet hat sich an AOL infiziert.

    Aber schon komisch das so viele kleine und feine Systeme den großen Erfolg nicht vertragen und dann in sich kollabieren, wie ein weißer Zwerg zum roten Riesen.
    Das ist schon so einigen passiert, das Christentum, der Kommunismus und sogar der Liberalismus waren am Anfang recht patente Systeme, aber größe hat noch keiner vertragen.

    Nur gut das man Hansenet einfach als den Scheiterhaufen, die DDR oder den neo«liberalismus» verlassen kann.

  2. Oliver sagt:

    Bei den genannten «patenten» System greift u.a. «Worthülsen», «Kontext» oder auch «defective bei design». Und bei den Hanseaten ist AOL das kleinste Übel, mehr der Akteur aus fernen Gefilden darüber …

  3. moeffju sagt:

    Wenn’s wilhelm.tel doch nur bei mir da draußen gäbe, ich würde sofort wechseln. Aber für besseres Internet umziehen, dazu tut Alice noch nicht genug weh…

  4. kobalt sagt:

    Mit der T-kom habe ich andere Erfahrungen gemacht. Gefaxte Anfragen nach Art und Umfang dereignen bei der T-Kom persönlichen Daten werden nicht beantwortet, 8 von 10 Hotlinemitarbeiter können, wollen oder dürfen keine wahrheitsgemäßen Aussagen machen. Von wiederholt fehlerhaften Rechnungen und abgeklemmten Telefonanschlüssen und unverlangten Änderungen im Tarif nicht zu reden.

  5. Oliver sagt:

    >Hotlinemitarbeiter

    Du hast das Prinzip Hotline auch nicht verstanden. Und Chris redet von einer Telekom, die so in etwa mal vor *Jahren* existierte, wie auch oben leichtens herauszulesen. Was ich _heute_ von der Telekom halte, bot ich vor einiger Zeit auch einmal in einem Rant feil.

  6. Anonymous sagt:

    Hab genau deine Leitung .… die 100ter Flat von WT. Nun seid einem halben Jahr und kann nicht klagen… derzeit noch keinen Ausfall gehabt und die Geschwindigkeit ist klasse.

    Persönlich hatte ich nie Hansenet/Alice… aber man hört im Bekanntekreis viel schlimmes :)

  7. Marc sagt:

    Hmh… Deine Geschwindigkeitsprobleme scheinen wohl vom Aufenthaltsort abzuhängen, denn ich hatte noch nie welche.

    Glasfaser hatte ich mir auch schon mal angesehen, aber leider gibt es bei mir in der Straße noch kein Glasfaser, deshalb kann ich Angebote, wie wilhelm.tel (bekommt ein Bekannter von mir auch bald) noch nicht nutzen.
    Aber ich bin ohnehin mit Alice zufrieden, denn die Handytarife, die Hansenet neuerdings zusätzlich anbietet sind wirklich super (von 80€ Handykosten im Monat auf gerade mal 15€ runtergekommen!) und ich habe eigentlich so gut wie immer Fullspeed.

  8. Obatzter sagt:

    Aber Dir ist schon klar, dass 100.000 kBit gerade mal 12,5 MBit sind, oder?

  9. Chris sagt:

    Letzten Kommentar von mir selbst gelöscht.

    @Obatzter: Du hast selbstverständlich recht. Im Artikel selbst liegt der Fehler. Zur Zeit sind es nicht 16 MBit/s, sondern 16.000 KBit/s.

    Args, ich geh dann noch mal in die Schule und übe Bit, Byte & Co. :)

    Artikel wird gefixt.

  10. Carlos sagt:

    @fennek Das kann ich so nicht bestätigen. Ich hatte im dezember mehrere wochen lang störungen, ein kaputtes modem und dann noch einen bagger, der eine leitung zerrissen hatte… die hotline war immer erreichbar, die leute unglaublich nett und haben immer zurückgerufen. Die krönung war dann ein anruf einen tag vor heiligabend — wo man sich nochmal für den ärger in letzter zeit entschuldigte und fragte, ob ich immer noch probleme mit meinem anschluss hätte.
    Das nenn ich mal richtig guten service!

  11. Norbert sagt:

    Willkommen im Club Chris!

    Hab zwar nur die kleinere Lösung gewählt, bin aber damit sehr zufrieden.
    Und der Service stimmte bisher immer, zuletzt bei der Umstellung auf Ethernet am Hausanschluss.

    Speedtest

    speedweb halt :-D

  12. Flying Circus sagt:

    @Obatzter:
    «Aber Dir ist schon klar, dass 100.000 kBit gerade mal 12,5 MBit sind, oder?»

    Das wäre mir aber neu.

    100.000 KBit sind ungefähr (heutzutage rechnet man ja nicht 1024, sondern 1000 Bit auf ein KBit) 100 MBit.

    100.000 KBit sind ungefähr 12,5 MByte. Aber niemand gibt die Geschwindigkeit in MByte/sec an, weil das so deprimierend niedrig klingt.

  13. shureg sagt:

    Ich bin auch ein unglücklicher Kunde, jedoch von freenet, zum glück läuft mein Vertrag schon in einem Monat aus.
    Habe auch viel gutes von Wilhelm.tel gehört, Preise sind auch richtig gut bei den. Mal sehen ob die auch bei uns Verfügbar sind

  14. Havoc sagt:

    Neider aus Osnabrück?!? Also wir haben doch unser Osnatel :)

  15. jochen sagt:

    Wilhelm.tel klingt ja echt gut. hätte ich mal eher wissen sollen — bin gerade nach St. Georg gezogen und habe mich wieder mal mit Arcor arrangiert … Wenn denn mal alles läuft, läuft es ja auch gut mit denen. Aber zu Alice: Die haben sich meine Loyalität vollends verspielt, mit ihrer «Linux? Kein Support»-Politik. Und dann dieses bekloppte Modell: Alice-Kunden telefonieren mit Alice-Kunden kostenlos …

  16. dakira sagt:

    Also bei der Telekom bin ich ja mittlerweile Hotline-Profi, was die Geschaeftskundenbetreuung angeht.. Geschaeftskunden werden uebrigens genauso verarscht und belogen, wie Privatkunden.

    Ich merke (wie jeder andere auch) natuerlich sofort, wenn ich von denen belogen werde («koennen wir jetzt nichts machen, keine Techniker erreichbar», usw..). Das sage ich denen dann auch direkt, fordere eine klare Aussage, ob sie bereit sind mir zu helfen oder nicht. Wenn nein, dann moegen sie mir bitte nochmal ihren Namen nennen (psychologisch.. hab den natuerlich schon notiert) und mich mit einem Mitarbeiter verbinden (Pyramide weiter oben). Dem erklaere ich dann die Vertragsbedingungen, welche die Firma mit der Telekom hat. Ich erklaere ihnen in welchem Masse sie fuer mir entstehende Schaeden haftbar sind und rechne ihnen vor wie hoch diese sind. Dann verweise ich sie auf einen Vorfall, in welchem die Telekom (durch pure Ignoranz der Hotline-Mitarbeiter) bereits kraeftig zahlen mussten. Ab dem Punkt habe ich dann auch Nachts um 2 einen Techniker am Telefon, der mir komischerweise innerhalb von 2min helfen kann. Privatkunden sind natuerlich trotzdem gelackmayert.

    Zu Hansenet: Da habe ich echt unterschiedlichstes erlebt. Manchmal haben sie gleich gemerkt, dass ich halbwegs Bescheid weiss und haben mich mit nem Techniker verbunden, der dann direkt gesagt hat «das geht natuerlich nicht, wir schicken ihnen wenns passt morgen frueh jmd. vorbei». Auf der anderen Seite diese Skript-Idioten die mir erzaehlen, wenn ich nicht das gelbe Kabel angeschlossen haette, koenne es garnicht gehen. Die weigerten sich mir weiter zu helfen, so lange ich nicht das gelbe Kabel nehme, was dem Modem beilag.


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