Hamburg ist ein stückweit sauberer geworden

ReinkommenHeute ist ein guter Tag für Hamburg. Jahrelang verband man unsere wunderschöne Hansestadt — insbesondere medienpolitisch — mit der BILD-Zeitung. Doch nun ist die BILD nach Berlin gezogen. Am 24. Juni 1952 erschien die erste Ausgabe der BILD — mit der Schlagzeile Grenze bei Helmstedt wird gesichert. Schon früh war klar, wohin die Reise gehen sollte — Axel Springer orientierte sich ganz nah an der Yellow Press aus England. Und ja, die BILD wurde BILD getauft, weil ein Artikel oftmals nur aus einem BILD und der Bildunterschrift bestand. Das Niveau aus den Anfangsjahren hat man also bis heute beibehalten. Und es gibt nicht wenige Kritiker, die offensichtlich der Meinung sind, dass sich die BILD nicht wirklich an die eigenen Grundsätze und Unternehmensleitlinien hält. Ein paar Namen, die man mit der BILD verbindet: Axel Springer, Benno Ohnesorg, Rudi Dutschke oder auch Günter Wallraff (grandioser Podcast hier).

Gestern erschien die letzte Ausgabe der BILD, die in Hamburg produziert wurde, morgen erscheint die erste Ausgabe des Springer-Blattes, die in Berlin produziert wird. Ich finde das ganz grandios. Natürlich ist mir bewusst, dass es in Hamburg noch die Lokalredaktion und natürlich Axel Springer, andere BILD-Ableger ebenso gibt — aber allein die Symbolik kann für unsere Stadt nur von großer Bedeutung sein. Rund 400 Arbeitsplätze werden Stück für Stück verlagert — und es wird gemunkelt, dass selbst Kai Diekmann schlucken musste, als er gehört hat, dass er zukünftig seinem Job in Berlin nachgehen muss. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Wer bei der BILD arbeitet, darf und wird von mir kein Mitleid erwarten. Hamburg war, ist und wird es immer sein — ein großer Medienstandort in Deutschland. Daran wird auch der Umzug der BILD nichts ändern. Ich würde fast behaupten: Mit dem Umzug der einen oder anderen Redaktion, insbesondere jetzt der BILD, ist ein Gesundschrumpfen im Gang — qualitativ wie auch ein wenig lokalpatriotisch. Wer nicht will, der hat schon — wie oft habe ich diesen Satz im realen Leben da draußen gesagt. Und das trifft auch auf diese Stadt zu. Unternehmen, die eine Entscheidung gegen diese Stadt fällen, waren nie wirklich hamburgisch, auf diese Firmen kann und sollte Hamburg leicht verzichten. Hamburg hat mehr als genug Stärken und Potentiale um dies zu kompensieren.

BILD selbst begründet den Umzug damit, dass man dort produzieren müsse, wo das politische Herz des Landes schlägt, wo Entscheidungen getroffen werden, wo die Kultur– und Kunstszene zuhause ist und wo Ideen und gesellschaftliche Trends entstehen. Ich bin ja fast versucht, das als Drohung, als weiteren Angriff auf unser Land, unsere Demokratie und unsere freiheitlichen Rechte zu werten. Zumindest ist es die direkte Ankündigung schon viel mehr als früher direkten Einfluss auf die Politik zu nehmen, direkt die Abgeordneten, die Kabinettsmitglieder zu beeinflussen — und es soll durchaus Politiker geben, die sich von der BILD nicht nur beeinflusst, manchmal sogar erpresst fühlen. ASVWenn die BILD nun ihre ganze Schlagkraft in Berlin in die Waagschale werfen kann, steht zu befürchten, dass der Boulevarisierung der Politik in unserem Land ein ein stückweit Vorschub geleistet wird. Wir sind Papst — so lautete die vielleicht erfolgreichste und bekannteste Schlagzeile der BILD in der jüngeren Geschichte, ab sofort heißt es in Berlin und im Reichstag: Wir sind BILD. Diese große Gefahr ist am Horizont bei aller Freude zu erkennen. Das macht Sorge.

BILD liebt Berlin — so lässt Axel Springer im Moment die Hauptstadt plakatieren. Es klingt wie eine Drohung, wie die SMS eines Stalkers, der eine Frau bedroht und verfolgt. Berlin hat es in diesem Tagen nicht leicht, ein Rot-Roter Senat, die Stadt ist pleite, wie sagte Klaus Wowereit so schön: Arm aber sexy. Mit dem Zuzug der BILD fällt nun das Attribut sexy unter den Tisch. Berlin ist wahrlich nicht zu beneiden. Des einen Leid ist aber des anderen Freud — auch wenn unser Bürgermeister Ole von Beust und der Wirtschaftssenator Gunnar Uldall mit den Wölfen heulten und die Welt nicht mehr verstanden, so ist der Umzug der BILD ein Fortschritt für unsere so wunderschöne Stadt. Während dunkle Wolken über Berlin aufziehen, ist heute ein umso schönerer Tag für Hamburg. Arm aber sexy, so sagt man über Berlin — ein Claim für unsere Stadt kann seit heute das Wort menschlich beinhalten. Danke Axel Springer für diese Entscheidung. Hamburg ist eine geile Stadt — heute mehr denn je. Ein schöneres Osterfest kann Hamburg nicht feiern. Frohe Ostertage Euch allen.

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4 Antworten zu “Hamburg ist ein stückweit sauberer geworden”

  1. Frank sagt:

    Na danke. *grummel*

    😉

  2. corax sagt:

    Schön ist es doch auch, dass die Axel-Springer-AG demnächst höchstwahrscheinlich an der Rudi-Dutschke-Strasse residiert. Ein ständiger virtueller Mittelfinger sozusagen. 😉

    Pax

  3. meg24 sagt:

    der spruch auf der Tür ist ja geil!
    Musste auch gerade 2 x hingucken. Schöne Feiertage! Meg24

  4. Chris sagt:

    Eine gute PR-Abteilung hat der ASV, daran besteht kein Zweifel…

    Nur wie das so ist — Du kannst einen Haufen Kameldung in Goldpapier verpacken, es bleibt Kamelscheiße… 😀

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