Hallo Microsoft

Ich war immer ein Fan Eurer Software. Schon als ich das erste Mal Microsoft Office 4.3 unter Windows 3.11 for Workgroups genutzt habe, war ich begeistert. Gut, es war auch ein großer Fortschritt gegenüber GEOS und dem C64. Ich habe Euch immer verteidigt — das ging schon fast in Richtung Selbstverleugnung, wenn man unseren Einsatz hier auf F!XMBR und anderen Publikationen pro Open Source, für die Freiheit allgemein, sieht. Immer und immer wieder geriet ich in die Defensive — wie sollte es auch anders sein, ein Twitter-Rant hier, eine Empfehlung pro Identi.ca dort, dem Open-Source-Gedanken wegen, geschrieben mit dem Windows Live Writer auf einem Windows-System. Ich hatte und habe hier ausschließlich Original-Software von Euch im Schrank stehen. Ihr hattet mir mir auf verschiedenen Publikationen immer einen Fürsprecher — seit diesem Wochenende frage ich mich, ob Euch Eure Kunden wirklich so egal sind, wie es den Anschein hat.

Wie bekannt, hatte ich die Festplatte meines Notebooks zerschossen. Auf dem Rechner war das neue Vista vorinstalliert, es lag keine DVD bei — auf einer so genannten Recovery-Partition schlummern 8 GB Daten und warten auf den Besitzer, wenn der sie denn mal braucht. Tja, bei mir war es dann so weit, nur konnte ich auf die Daten nicht zugreifen. Ich habe von der Partition gebootet und als das Recovery-Programm startete, wurde es mit einem Fehler 00000001×1 beendet und der Rechner startete neu — und versuchte von Partition c:\ zu starten. Das ging natürlich schief, sonst hätte ich die Sicherung nicht gebraucht. Da habe ich also ein noch fast neues Notebook stehen, inkl, des zugehörigen Betriebssystems und beim ersten Crash kann ich das auch teuer bezahlte Betriebssystem nicht mehr nutzen. Das ist eine Unverschämtheit und Dreistigkeit gegenüber Euren zahlenden und treuen Kunden.

Aber gut, ich hatte sowieso vor, den holy crap Vista von der Platte zu schmeißen um wieder auf XP umzusteigen. Dazu hatte mir ein sehr guter Freund eine — selbstverständlich — legale Windows-XP-Lizenz geschenkt. Gesagt, getan, die Windows-CD eingelegt, das Setup-Programm gestartet und als es daran ging, den Key einzugeben staunte ich nicht schlecht, als dieser als falsch erkannt wurde. Es war wohl so, dass die Lizenz eine OEM-Lizenz ist, einem bestimmten PC zugehörig. Tja, und da stand ich hier nun — mit einem Notebook ohne Betriebssystem und fühlte mich als langjähriger Kunde, auf deutsch gesagt, verarscht. Da hat man hier zwei legale Windows-Lizenzen rumliegen und kann sie beide nicht nutzen. Selten habe ich mich über eine Software so geärgert. Da stand hier ein wunderbares Notebook, mein kleines Schätzchen, und Microsoft zwingt mich, obwohl zwei legale Lizenzen vorhanden und nicht auf anderen Systemen im Einsatz, über andere Lösungen nachzudenken wie Ubuntu, OpenSuse oder die Piratenbucht. Das hätte ich nie zu träumen gewagt.

In all den Jahren habe ich immer wieder Original-Software von Euch gekauft und dementsprechend teuer bezahlt. Zuletzt war es mit dem Notebook und dem Vista-Reinfall zusammen das neue Microsoft Office 2007. Ich habe Eure Software genutzt, ich habe sie gerne genutzt — 15 Jahre digitales Leben spiegeln sich bei mir auch in meinen gespeicherten Microsoft-Dateien wieder. Die Zwangsaktivierung von Windows XP war schon grenzwertig und fragwürdig gegenüber Euren Kunden — die Szene hat es nicht wirklich abgehalten, die Software weiter über die bekannten Kanäle zu verteilen. Wenn ich jetzt aber sehe, wie viele unzählige Lizenzen es für ein und dieselbe Software gibt, für Vista, dann kann ich mir nur noch an den Kopf packen. Ihr habt es versaut, nicht nur die Software an sich, Vista ist das Windows Me des neuen Jahrtausend — Ihr habt es Euch mit Euren Kunden verscherzt. Aber so richtig.

Liebes Microsoft, liebe Microsoft-Mitarbeiter, so geht man nicht mit Kunden um. Und seien wir doch mal ehrlich: Ein großer Teil Eures Erfolges beruht darauf, dass man immer und überall Eure Software kopieren konnte. Und ja, ich gebe zu, bevor ich damals Microsoft Office 97 im Original gekauft habe, habe ich es erst einmal ein halbes Jahr lang getestet. Privat wurde Eure Software kopiert und in den Unternehmen wurde sie dann zwangsläufig eingesetzt — so lief das Spiel, so wurde Bill Gates zum reichsten Mann der Welt, ihr zu einem der wertvollsten und einflussreichsten Unternehmen auf diesem Planeten. Bill Gates und Euch sei es gegönnt. Ihr solltet Euch in Zukunft nur gut überlegen, wie Ihr mit Euren Kunden umgehen werdet. Eure Fans sind nach dem kolossalen Vista-Reinfall jetzt schon wieder heiß auf Windows 7 — versaut es nicht schon wieder. Es kann nicht sein, dass Ihr aus welchen Gründen auch immer Eure zahlenden Kunden mit Anlauf in den Bobbes tritt. Selbst die Musikbranche lernt gerade, wenn auch sehr langsam, dass man den Weg mit den Kunden nur gemeinsam gehen kann. Es sei Euch einmal ins Stammbuch geschrieben:

Das wichtigste Kapital Eures Unternehmens sind die Kunden. Es ist nicht Eure Software.

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19 Antworten zu “Hallo Microsoft”

  1. redskin sagt:

    moin, vielleicht hilft dir dieser link: Downgrade Rights
    lg
    redskin

  2. Michael sagt:

    Stimmt und wie gewinne ich Kunden? Vertrauen ist das wichtigste «Kapital» eines Unternehmen. Was aber nicht bedeutet, dass mal was schiefgehen darf. Kleine Fehler verzeiht der Stammkunde sehr schnell.

    Windows 7 ist viel «Kosmetik». Wetten wir, dass ich mit meinem «alten» XP SP3 fast alles mit Fremdanwendungen auch kann was Windows 7 als «Neuerung» präsentiert?

    Es gibt nur 2 ernsthafte Unterschiede. DirectX 11 (Spieler) wird es nicht für XP geben und eventuell kein USB 3.0.

    USB 3.0 and Linux

    Basically, Windows users have been promised official USB 3.0 support for Windows 7, not Vista or XP or older OSes. Some other USB vendors might ship unofficial Windows drivers for other Windows OSes, but that is the official word from Redmond as of now.

    USB 3.0 ist 10x so schnell wie USB 2.0 — doppelt bis dreimal schneller als jede neue Festplatte (kein SSD).

    Gibt es USB 3.0 Controller und Treiber nur für 7 könnte das einen Boom auslösen und viele zum Umstieg motivieren. Traumhafte Vorstellung, dass ein kleiner USB Stick 2010 dreimal schneller ist als jede Magnetfestplatte …

    Hmm — OEM ist offenbar nicht gleich OEM. Ich hab hier eine XP Home Edition SP2 als OEM. Lässt sich auf jeden PC problemlos installieren.

  3. Nico sagt:

    Bin leider der selben Meinung wie du, ich hoffe Windows 7 wird mal endlich gut, und Microsoft verliert dadurch auch mal dieses Schrott Image, weil wirklich für mich gute Alternative gibt es nicht…

  4. Foxxi sagt:

    Ich bewundere Deine Gelassenheit, Du musst anscheinend eine Lösung für das Problem gefunden haben. Ich bin mittlerweile bei solchen Aktionen an einem Punkt an dem ich töten möchteohnmächtige Wut verspüre.

  5. bernd sagt:

    Gut, es war auch ein großer Fortschritt gegenüber GEOS und dem C64.

    War es wirklich so ein großer Fortschritt? Stell Dir GEOS einfach mal schneller und mit HDD vor. Hatte Win 3.11 überhaupt schon einen Mülleimer? 😉

    Aber gut, ich hatte sowieso vor, den holy crap Vista von der Platte zu schmeißen um wieder auf XP umzusteigen.

    Hast Du denn dafür noch Treiber für dein Laptop oder müsstest Du die Treiber wieder einzeln aus dem Netz saugen, was ja auch noch ein Abenteuer ist. BTW: Eine ähnliche Situation hatte ich damals mit XP / 2000.

    Tja, und da stand ich hier nun — mit einem Notebook ohne Betriebssystem und fühlte mich als langjähriger Kunde, auf deutsch gesagt, verarscht.

    Ich hab mich das schon bei Deinem ersten Post gefragt: Hat Vista kein Backup-Programm? Du hast ja nur geschrieben, dass Du keines gemacht hast, mich würde interessieren, ob Vista eines von Haus aus mitbringt und ob es sich von alleine mal meldet und Dir mitteilt, dass du mal lieber ein Backup von Zeit zu Zeit anlegen solltest. Der nerv-Faktor von Vista ist mir gerüchtweise bekannt.

    Da hat man hier zwei legale Windows-Lizenzen rumliegen und kann sie beide nicht nutzen.

    Auf Deine nächste Aktion bin ich ehrlich gespannt. Wird Chris zu seinen Peinigern zurückkehren oder wird er sich aus den Fesseln des PC-Marktes befreien? :)

    Zuletzt war es mit dem Notebook und dem Vista-Reinfall zusammen das neue Microsoft Office 2007

    Ein iPod bindet Dich offiziell an 2 verfügbare Plattformen. M$ Office an genau eine! Warum soll man auf eine Lösung setzen die es für nur eine(!) Plattform gibt. Das ist nicht klug, obwohl es jeder so macht. Die Folgen bekommt man dennoch zu spüren.

    Wenn ich jetzt aber sehe, wie viele unzählige Lizenzen es für ein und dieselbe Software gibt, für Vista, dann kann ich mir nur noch an den Kopf packen.

    Vielleicht sogar einer der wichtigsten Gründe, warum Vista sich nicht durchgesetzt hat. Gehe ich mal von mir aus – ich bin schon zu faul darüber nachzudenken, welche Version/Lizenz wohl meine Bedürfnisse in etwa deckt. Plus die Erfahrung, dass M$ neueste Betriebssysteme nur etwas aufpoliert sind, ohne die großen Probleme dabei zu lösen. Das dürfen dann die anderen gegen Aufpreis versteht sich.

    Bill Gates und Euch sei es gegönnt.

    Ne. Diese Firma produziert ohne Liebe zum Detail. Das merkt man in all den Produkten.

  6. Thaniell sagt:

    Das mit der Recovery Partition mag allerdings auch ein Fehler des Laptop-Anbieters sein. Partitionierung und z.T. auch die Recoverytools sind ja afaik von denen, bzw. bei den Tools wohl das Standardding aufs eigene Firmenlogo portiert… (ich mag mich irren, aber soweit ich mich erinnere sprang mir ein Asustool/logo entgegen als ich vor Jahren das letzte/erste mal recovered habe).

    Aber jap, einer der großen Pluspunkte von Windows war doch auch die Installation — Medium rein und weiter-klicki, irgendwann läuft’s dann schon… schade dass sie nicht nur ihre Mankos nicht beseitigen sondern auch noch ihre Vorzüge reduzieren.

    Anyway, ich liebe mein Ubuntu — zum arbeiten — und ich liebe es in mein XP zu booten zum spielen 😉

  7. nils sagt:

    Weiterer Mist über MS: Ein Bekannter hat mehrere XP-Lizenzen von seiner UNI über dieses MS-Academy-Programm. Seit er mit einer Lizenz 5 mal neuinstalliert hat muss er bei JEDER aktivierung dieses Codes mit den Mitarbeitern von MS telefonieren und jedesmal antworten «Ja ich benutze diese Windows-Version nur auf diesem einen Rechner und das ist völlig legal!». Aktivierung übers Internet geht nicht mehr.
    Da kommt man sich doch leicht verschaukelt vor… Mein Beileid für das viele rausgeworfene Geld. :/

    Viele Grüße
    nils

  8. Wolf-Dieter sagt:

    Hi Chris … Linux ist wirklich nicht sooo schlimm. Sogar ich kam klar damit!

  9. bernd sagt:

    @Wolf-Dieter: Oh doch, GNU/Linux ist schlimm. Beschäftige Dich mal mit den Paketmanagern, über die sich jede Distri identifiziert. Ich wünschte BSD oder OpenSolaris hätte die Popularität oder die Anzahl der Entwickler, wie es GNU/Linux hat.

  10. Anonymous sagt:

    @bernd
    Wenn Du mir direkt ein BSD-Derivat mit konfiguriertem Fluxbox zeigst, steig ich direkt um, obwohl ich hier mit Mint im Moment sehr zufrieden bin.

    Ich denke auch, das hier der Hardware-Anbieter einen Fehler machte. Der muss doch schliesslich prüfen, ob das Recovery funktioniert. Was hat der Kunde davon, wenn es letztendlich — wie bei Dir Christ — nicht funktioniert? Ich würde mich zunächst an den wenden, der Dir das gute Stück verkauft hat.

    Und hört auf Betriebssysteme zu vergleichen. Da kommt eh nichts bei rum. Ich mag Linux, BSD und Windows. Windows 7 hat mir während der Beta sehr viel Spaß gemacht, aber aufgrund meiner älteren Hardware waren Treiber nicht mehr ganz kompatibel. Die Geschwindigkeit war und ist traumhaft.

    Jedes OS hat seine Macken und Stärken. Ich mag das. Das ist ja fast menschlich! 😛 😉

  11. Steffen sagt:

    Chris, du sprichst mir aus der Seele.

  12. Chris sagt:

    @bernd:

    War es wirklich so ein großer Fortschritt? Stell Dir GEOS einfach mal schneller und mit HDD vor. Hatte Win 3.11 überhaupt schon einen Mülleimer? 😉

    Win 3.11 war cool… 😀

    Hast Du denn dafür noch Treiber für dein Laptop oder müsstest Du die Treiber wieder einzeln aus dem Netz saugen, was ja auch noch ein Abenteuer ist. BTW: Eine ähnliche Situation hatte ich damals mit XP / 2000.

    Gott sei Dank hatten andere schon kpl. Vista runtergeschmissen und XP aufgespielt. Da waren genug Treiber zu finden. Glück gehabt… 😉

    Auf Deine nächste Aktion bin ich ehrlich gespannt. Wird Chris zu seinen Peinigern zurückkehren oder wird er sich aus den Fesseln des PC-Marktes befreien? :)

    Ich bleibe wie ich bin, ich darf… 😀

  13. ori sagt:

    ich muss sagen, ich hab seit office 2000 eigentlich kaum mehr geld für office ausgegeben. 2003 hab ich über die MSDNAA bekommen und danach begann auch schon meine linux zeit und ich nutze mittlerweile ausschliesslich OpenOffice + Thunderbird und bin damit mehr als zufrieden und hab auch sehr sehr selten Probleme mit der Software.

    Zu deinen Lizenzen: normalerweise gibts bei xp nur eine differenz innerhalb einer version. Standardlizenz und Corporate Lizenz. Zweitere bekommen meistens Firmen und Leute die in der MSDNAA sind und diese Lizenzen funktionieren nicht mit den handelsüblichen XP CDs.

    Bei Vista stell ichs mir ähnlich vor. Aber Chris, mach dir nix draus. *g*

  14. Oliver sagt:

    Kleine Notiz an die Gelöschten: geht auf mein Konto, nicht auf jenes von Chris. So manche Aussage entspricht zwar meinem Gusto, andererseits sind diese substantiell wertlos und in dieser Form somit unangebracht.

  15. Anonymous sagt:

    Deine Install-CD paßt nicht zu Deiner XP-Serial. Das passiert und ist kein unüberwindliches Problem, das würde sich fixen lassen mit einer Modifikation der CD. Man muß die setupp.ini ändern und eine passende Pid eintragen. Wenn die CD als Retail gilt, akzeptiert sie keinen OEM-Key und umgekehrt.

    Bei meinem Dell war es ab Werk auch falsch, d.h. eine aus den (original Werk-) Installdaten geslipstreamte Install-CD war mit dem Dell-Key nicht lauffähig. Das läßt sich aber nachbessern mit einem Texteditor. Das Ergebnis hat die Validierung bei MS dann auch problemlos bestanden.

  16. Oliver sagt:

    Der wird schon passen, Microsoft ist mit ihrer Blacklist Paranoia schon desöfteren unangenehm bei ehrlichen Kunden aufgefallen. Anruf genügt …

  17. Guy Montag sagt:

    Kenne ich. Hatte mir ein Notebook gekauft, welchem keine Recovery CD beilag, sondern nur eine Recovery Partition. Das hatte ich leider nicht gleich beim auspacken bemerkt. So formatierte ich einfach die gesamte Festplatte um den ganzen Crap wegzubekommen den Acer vorinstalliert hat. Als ich dann nach der bezahlten Windows CD suchte staunte ich nicht schlecht.
    So läuft eben nur Ubuntu und nicht wie geplant ein Dual Boot System.

  18. dakira sagt:

    Wie ich in dem anderen Post schon als Kommentar schrieb: Das ist ein Bug-Zusammenspiel aus Windows und gparted. Wenn du von der Recovery-Partition booten willst, kannst du manuell (nachdem die Daten gesichert sind) den MBR bearbeiten und alle Eintraege, die nicht die Recovery-Partition betreffen, entfernen. Bei Fragen.. twitter 😉

  19. dakira sagt:

    Zum Artikel an sich:
    Welche Konsequenzen ziehst du jetzt fuer dich? Mit Linux auseinandersetzen? Ich kann mich in die Situation leider schwer hineinversetzen, da ich praktisch seit knapp 10 Jahren in fast allen Bereichen Linux und Unix-Derivate einsetze. Entspr. kriege ich bei Windows immer nur das Kopfschuetteln.

    Fuer mich waere es wahrscheinlich so, als wuerde mir jmd. mein Ubuntu wegnehmen. 😉

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