Hallo Google,

Googleheute ist der Tag der Offenen Briefe. Ich muss mich heute aber in einer Angelegenheit an Euch wenden, die mir persönlich sehr am Herzen liegt. Es geht selbstverständlich um die unhaltbare Situation der notleidenden Verlage in Deutschland. Die FAZ bittet Euch seit Monaten, zu reagieren. In einem eindringlichen Appell haben die deutschen Verlage, die allesamt kurz vor dem Ruin stehen, ihre Situation dargestellt. Letzte Woche hat einer der letzten großen Verleger unseres Landes, Herr Hubert Burda, in der FAZ um Hilfe gebeten. Heute hat sich dann der Axel-Springer-Konzern zu Wort gemeldet und noch einmal dargelegt, dass Ihr die Inhalte der Verlage kostenlos zur Eigenvermarktung nutzt. Ich bitte Euch inständig, auch im Namen der FAZ, von Heinrich Burda und des Axel-Springer-Konzerns, endlich zu reagieren! Ihr habt gegenüber der Vierten Gewalt in diesem Land die moralische Pflicht, zu handeln und den Wünschen der notleidenden Verleger Folge zu leisten. Wir müssen in diesem Land gesellschaftlich weiter zusammenrücken und den Schwachen der Gesellschaft helfen. Die FAZ, Heinrich Burda und der Axel-Springer-Konzern haben meine volle Solidarität. Ich fordere Euch auf, entschlossen zu handeln!

Ich unterschreibe hiermit den Heidelberger Appell. Selbstverständlich muss den Autoren, den Journalisten und den Verlagen die Entscheidung überlassen werden, wer wie und wo ihre Werke veröffentlicht. Es kann nicht sein, dass Google aus der Arbeit anderer einen Profit zieht, ohne diese angemessen zu entlohnen. Im engen Sinne könnte man sogar von Diebstahl sprechen. Polemsich ausgesprochen: Google ist der größte Raubkopierer der Welt! Google kann auch nicht erwarten, dass sich die notleidenden Verlage mit den Techniken und der Einstellungen der robots.txt auseinandersetzen und diese gezielt einsetzen. Die betriebsinternen IT-Abteilungen haben anderer Aufgaben zu erfüllen, als sich mit so etwas Unwichtigem wie dem Internet zu beschäftigen. Ferner wissen wir, dass sich im Internet nur pädokriminelle Anarchisten bewegen. Es kann nicht sein, dass Google das geistige Eigentum von Autoren, Journalisten und Verlagen stiehlt. Damit muss Schluss sein!

Selbstverständlich hat der große Hubert Burda recht, wenn er argumentiert, die Werke von Autoren, Journalisten und Verlagen seien Kulturgut. Sie sind unerlässlich für unsere eigene Bildung, für die Ausbildung unserer Kinder, für unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Die notleidenden Verlage sind die Garanten unserer Demokratie! Ihr müsst dies endlich akzeptieren. Es kann nicht sein, dass in Deutschland Verhältnisse wie in China Einzug finden. Die Stützpfeiler unseres Staates sind die Autoren, Journalisten und Verlage. Reißt diese Pfeiler nicht ein, sonst macht Ihr Euch mitschuldig an der schleichenden Entdemokratisierung dieses Landes!

Dazu ist es natürlich unerlässlich, dass Ihr viel enger mit der Deutschen Bundesregierung zusammenarbeitet. Vielleicht muss sogar darüber nachgedacht werden, dass Ihr dem Innenministerium untergeordnet wird. Es geht es um die Zukunft unseres Landes. Dies muss der zukünftige Weg sein, schließlich ist die freie Presse ein Garant für das Funktionieren unseres Staates. Ihr solltet Euch gut überlegen, ob Google mit seinem Tun wider dem Staat und seiner Demokratie handeln will oder ob Ihr Euch dem Willen, der Idee und dem Gedanken unseres Grundgesetzes unterwerfen wollt. Stellt Euch nicht länger neben unser Grundgesetz!

Hubert Burda hat meine volle Unterstützung, wenn er fordert, dass Eure Anzeigenerlöse umverteilt werden sollen. Schließlich verdient Ihr mit den Werken anderer Euer Geld. Ihr solltet endlich freiwillig die notleidenden Verlage an Euren Gewinnen teilhaben lassen. Schließlich ist es nicht deren Schuld, dass Ihr 1998 die Zeichen der Zeit erkannt habt und gierig Euer Unternehmen gegründet habt, während Autoren, Journalisten und Verlage weiterhin unsere Demokratie hochgehalten haben, die Stützpfeiler des Staates waren. Ihr müsst endlich verstehen, dass der Mensch wichtig ist und nicht der schnöde Mammon. Während Ihr nur ans Geld verdienen denkt, wollen unsere notleidenden Verlage dem Volk dienen!

Auch solltet ihr den heutigen Appell des Axel-Springer-Konzerns ernst nehmen. Es läuft unserer Sozialen Marktwirtschaft einfach völlig zuwider, wenn ihr den Löwenanteil im Bereich Online-Marketing einheimst, während die notleidenden Verlage es bis heute nicht geschafft haben, ein geschäftsträchtiges Modell auf die Beine zu stellen. Ich fordere Euch hiermit auf, Eure Nutzerdaten den notleidenden Verlagen zur Verfügung zu stellen. Damit können diese das notwendige aggressive Targeting betreiben und gezielt Werbung schalten. Es geht um die Zukunft unseres Landes!

Ich bitte Euch, nun den ersten elementaren Schritt einzuleiten. Da der Juli gerade begonnen hat, könnte man den 01. August avisieren und den gesamten August den Wünschen der notleidenden Verlage Rechnung tragen. Für Heinrich Burda fordere ich, die Online-Ausgabe des FOCUS aus dem Index zu entfernen. Ebenso solltet Ihr nicht länger die Webseite der FAZ indizieren. Das wichtigste Kind des Axel-Springer-Konzerns, die BILD, muss ebenso aus Eurem weltweiten Archiv gestrichen werden. Handelt endlich, bevor es zu spät ist. Ihr seid es unserer Demokratie und den Menschen in diesem Land schuldig! Für die Menschen, für unser Land, für die notleidenden Verlage!

Um Euren guten Willen zu zeigen, entfernt den FOCUS, die FAZ und die BILD aus Eurem Index!

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12 Antworten zu “Hallo Google,”

  1. Carlos sagt:

    Oh man, ich fange wirklich gleich an zu weinen ob unserer darbenden und bittere Not leidenden deutschen Verlage und ihres «Qualitätsjournalismus»…
    Ich denke, ich werde auch weiterhin jeden Monat an den mir bekannten Obdachlosen 3€ von meinem Hartz4-Luxus geben und mir das Hinz&Kunzt kaufen.
    Das erscheint mir erheblich sinnvoller, als auch nur einen müden Cent in eines dieser Qualitätsprodukte deutscher Verlage zu investieren..

  2. Daniel sagt:

    Google kann auch nicht erwarten, dass sich die notleidenden Verlage mit den Techniken und der Einstellungen der robots.txt auseinandersetzen

    Bis dahin hat mich der Artikel geschockt — danach hat er mich köstlich amüsiert :)

  3. Anonymous sagt:

    Google kann auch nicht erwarten, dass sich die notleidenden Verlage mit den Techniken und der Einstellungen der robots.txt auseinandersetzen und diese gezielt einsetzen.

    Der ist wirklich der Hammer, ich musste eben sehr stark lachen. Gut, ich gebe zu, dass ich gerne Analoges in der Hand halte, nicht nur auf der Toilette, aber Ja, wenn google jene blocken würde, wäre es Ihnen auch nicht recht. Und btw. Forestle ist die Suchmaschine unserer Zeit, nicht mehr google;) Als lasst uns forestlen… und Bäume und Verlage retten, Moment, da finde ich ja auch die Verlage, naja, wenigstens Baum gerettet.
    Grüsse

  4. Kommentator sagt:

    Cache nicht vergessen!
    Die nur unter herbsten Entsagungen herbeibettelbaren Verwertungsrechte der notleidenden und bitterarmen Verlage für die nur zu Mondpreisen erwerbbaren «Ergüsse» der vor Reichtum stinkenden Autoren-, Fotografen– und Redakteurs-Mafia sind noch nicht ausgelaufen, und man weiß ja, wie «Journalisten» — gerade diese «freien Mitarbeiter»-Vampire — die Verlage für jede, wirklich JEDE Zweit-, Dritt– und Xt-Verwertung aussaugen!
    Cache auch löschen, Google — Du tust damit ein gutes Werk! Verarmte Verleger danken Dir!

  5. klml sagt:

    Wieder mal sehr gut geschrieben. Aber ich bin mal gespannt wie oft der Artikel irgendwo ausgedruckt wird und als weiterer Beweis für göttliche Erhabenheit der der analogen Reaktion dienen soll. *hoff*hihihi*

  6. Phil sagt:

    Köstlich

  7. Oliver sagt:

    >Aber ich bin mal gespannt wie oft der Artikel irgendwo ausgedruckt wird

    Ich drucke auch diverse Dinge aus, da ich seltenst mit temporären Daten arbeiten kann und zumindest eine Art «snapshot» benötige auf einem mehr oder weniger — sachgemäßer Umgang vorausgesetzt — nicht-flüchtigem Medium. Ich verstehe natürlich den Humor bei der Sache — Internetausdrucker aka «Turnbeutelvergesser» — als handfeste Kritik wirkt dies jedoch eher befremdlich auf mich.

    Das Internet bzw. die digitale Welt hat etwas von Junkfood: möglichst viel in relativ kurzer Zeit unverdaut herunterschlingen und das Laben an den Folgeerscheinungen zur Kür erklären — «Fortschritt». Hat etwas von Römern die vergorene Fischsauce genossen und damit allerlei Speisen verfeinerten und dies gar als «überlegene» Eßkultur propagierten. Analog rocks — aus ganz praktischen Gründen heraus — dieser Umstand entzieht sich dem digitalen Jungfood-Hörigen leider ebenso, wie bei der Namensgebenden «Eßkultur». Konservative Existenzen also, die ihres über lange Zeit ausgebautes Meinungsmonopol verteidigen wollen, sind nicht als analog zu bezeichnen, sondern schlicht und ergreifend als rückständig. Rückständigkeit natürlich per Programm, denn nur die Restauration alter Werte, würde dieses einstmals so starke Monopol wieder erblühen lassen. Ergo fabuliert man von Diebstahl und würde wohl auch gerne Zitate vollends unterbinden, man kämpft an Fronten — die ob monetäre Sachzwänge für diese Vertreter nicht wirklich augenscheinlich sind — welche ebenso der Einschränkung diverser Freiheiten des eigenen Metiers dienen könnten — aka Pressefreiheit, aka Persilschein für Quotenhengste.

    Auri sacra fames — der Hunger nach mehr, mehr des Geldes treibt insbesondere in selbstverschuldeten Krisen recht seltsame Blüten in den Kreisen dieser vierten Gewalt. Das Internet, Prügelknabe der Nation für vielerlei Rohrkrepierer, katalysierte bzw. wirkte mehr multiplikativ. Die alten Medien bieten Ansätze für mannigfaltige Kritik, ohne dass man eine in diversen Bereichen überlegene Technologie stigmatiseren muß, um der Kritik an diesen Vertretern habhaft zu werden.

  8. phoibos sagt:

    ach, es ist immer wieder eine freude, euch beide schreiben zu sehen. bei deinem exkurs zum garum musste ich doch an den einen asterix-kommentar denken, «ich wusste gar nicht, dass die römische armee derart gut ist» (imo asterix als legionär). :)

  9. […] lesenswert ist übrigens auch der Offene Brief bei F!XMBR. Ich wünschte, ich könnte bei so viel Dummdreistigkeit noch so viel Humor aufbringen. […]

  10. oller Osel sagt:

    Ich mag Sarkasmus, endlich mal jemand der meine Gedanken ausspricht.

  11. klml sagt:

    > Ich verstehe natürlich den Humor bei der Sache
    Nur so war es gemeint. Der Text hat mich sehr amüsiert, aber auch eine, wenn auch ironisch, andere Sichtweise gezeigt.

    > handfeste Kritik
    Soll es auch nicht sein.

    > Analog rocks
    Der von mir fabuilierte Begriff ‘analoge Reaktion’ sollte sich hauptsächlich auf ‘Reaktion’ beziehen. Das ‘analog’ als beschreibendes, nicht wertendes Adjektiv und da auch nur als «Gegenteil» von ‘digital’.
    Digital, als Buzzword, ist auf keinen Fall eine besserer Welt/Gesellschaftsform; eigentlich überhaupt nicht mal eine Gesellschaftsform.

    Es ist eine Wortmalerei, vielleicht missverständlich.

  12. grobi sagt:

    Hmm, zumindest in Chrome folgt Google bereits deiner Forderung: Klick

    via fefe

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