Habe eigentlich nur ich große Bauchschmerzen?

Big Linke is watching youUm diese Aktion gehts. Sollte nicht auch bei den sogenannten Rechten Datenschutz gelten? Wo sollen wir anfangen, die Grenze ziehen, wenn wir bei den aufrechten Vollpfosten diesbezüglich ein Auge zudrücken — weil es sind ja unsere erklärten Feinde, sie sind Feinde dieser Gesellschaft? Bei Kindesmissbrauch steht der Stammtisch mit geballter Faust daneben und schreit: jawoll. Bei den Rechten ist die Freude selbst in den Medien unüberhörbar. Bei den Urheberrechten — im Internet allgemein — stellt die Contentmafia Tag für Tag aberwitzige Forderungen an die Politik. Ist es demnächst vielleicht wieder eine ganze Stadt, die zum DNA-Massentest muss? Ist es demnächst das ganze Land — vorsorglich? Wer jetzt die Aktion der sogenannten Datenantifa feiert, marschiert mit dem Stammtisch, den Rechten und den Innenpolitikern genau in diese Richtung. Seite an Seite, Hand in Hand.

Hat irgendwer an die Kollateralschäden gedacht? An den kleinen Jungen vom Dorf, der irgendwann einmal auf dem Schulhof die URL bekommen hat, sich registriert, die Seite aber schnell wieder verlassen hat. Ja, auch mit der Veröffentlichung des Blood&Honour-Forums wird es viele Kollateralschäden geben. Google wird in den nächsten Tagen überhäuft werden mit Suchanfragen zu E-Mail-Adressen, Nicks und anderen (persönlichen) Dingen. Lasst die Hetzjagd beginnen. Und wenn man zufällig den gleichen Namen hat, den gleichen Nick nutzt, wie ein Mitglied dort — Pech gehabt. Die sogenannten Linken feiern einen großen Schlag gegen die Rechtsextremisten — Kollateralschäden inbegriffen. Herzlichen Glückwunsch. Und morgen demonstrieren wir dann wieder gegen die Vorratsdatenspeicherung, die Datenweitergabe an die USA, gegen den Datenmissbrauch, gegen alles — so, als wenn nichts gewesen wäre. 😉

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20 Antworten zu “Habe eigentlich nur ich große Bauchschmerzen?”

  1. anonym sagt:

    Genau diese Fragen habe ich mir heute auch schon gestellt.
    Ich bin gespannt, wie sich der AK Vorrat dazu verhält.

    Ich komme damit nicht klar, dass hier offenbar mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn dann stellt sich wirklich die Frage: und wo ziehen wir die Grenze?

    Weil nervige Nachbarn hat ja jeder, oder?
    rottenneighbor.com lässt grüßen.

  2. auch anonym sagt:

    Tja, das ist tatsächlich eine schwierige Angelegenheit. Spontane Schadenfreude kann ich zunächst mal nachvollziehen. Dass die ganze Aktion natürlich höchst illegal ist, steht aber fest. Hätten staatliche Organe diesen Hack getätigt, würden wir alle ganz schnell «böse Onlinedurchsuchung» schreien. Dass Strafverfolger die veröffentlichten Daten nicht als Beweismittel nutzen können, finde ich also ganz angebracht. Hätten die Hacker die Daten trotzdem lieber den Behörden übergeben sollen, anstatt sie zu veröffentlichen? Vielleicht, diese hätten dann Anhaltspunkte zu weiteren Ermittlungen gehabt.

    Im B*H-Forum gab es wohl auch persönliche Informationen über Antifas. Aus den gehackten Forendaten nun wiederum Adressen von Neonazis zusammenzustellen, finde ich schwierig. Denn die Möglichkeit zur Anonymität im Netz sollte jedem gegeben sein (auch wenn es von ausgesprochener Dummheit zeugt, sich mit realen Daten bei einer Neonazi-Seite anzumelden). Den Rest der Forendaten frei zugänglich zu machen, finde ich dagegen richtig. Denn mit den Informationen über die Naziaktivitäten kann sich couragierter Protest formieren. Selbstverständlich ohne Gewalt.

  3. Yuri sagt:

    Kann eigentlich nur zustimmen… Datenschutz gilt meines Erachtens selbstverstaendlich auch fuer Arschloecher und Idioten [wer bliebe sonst schliesslich letztendlich ueberhaupt noch geschuetzt?].

  4. phoibos sagt:

    links, rechts, … wo ist der unterschied? in der extreme schließt sich der kreis.

  5. Chris sagt:

    Ich sag dazu immer: Die sind so weit links, die können auf dem NPD-Parteitag ihren Kumpels die Hand geben. 😀

  6. […] erwähnt bietet der Hack des Blood&Honour-Netzwerks durch die Datenantifa Stoff für Diskussionen. Chris von FIXMBR erklärt direkt mal, warum ihm das ganze Bauchschmerzen bereitet: Hat irgendwer an die […]

  7. noch ein Anonymer sagt:

    Ich suche hier gerde die Rants zu den Daten, die alle 2 Wochen auf irgendwelchen Fascho-Seiten veröffentlicht werden, inclusive der Adressen und der Fotos derjenigen, die damit zum Abschuss freigegeben werden. Nur: ich kann sie nicht finden.

    In der Tat wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Der Glaube, dass von den rund 500 deutschen Angemeldeten sich auch nur 5 dort zufällig angemeldet haben, um mal zu gucken und schnell wieder weg geklickt haben, ist mehr als naiv. Gut, gibt der eigentlichen Argumentation sowas wie ein Fundament — ein Fundament aus Kies. Für mehr reicht das leider nicht.

    Ich habe ne ganze Weile überlegt, wie ich es nun finden soll, dass die Daten-Dumps im Netz gelandet sind… Ich bin mir immer noch nicht ganz klar darüber. Der Hack an sich aber, ist schlichtweg großartig und nötig. Viel zu selten nämlich passiert sowas und gibt diesen Wichsern, ja, Wichsern, das Gefühl sich hinter einem Passwort in Sicherheit zu wiegen. Ihnen die Sicherheit zu geben, Andersdenkende jagen zu können, sie schlagen und auch töten zu können. Wer die Meinung in sich trägt, es würde klar gehen, National Befreite Zonen zu errichten, Menschen zu prügeln, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben, sie zu verbrennen, ihre Kinder zu verbrennen, wer der Meinung ist, diese Menschen hätten kein Recht darauf zu leben, wie bitte darf so ein Wichser die Meinung in sich tragen, er hätte ein Recht auf seine Daten und auf die Sicherheit der selben? Das muss mir mal einer erklären, soll mir einer erklären. Ich meine, es geht hier nicht um einen Handarbeitszirkel, es geht um Blood & Honour, die den Führer immer noch feiern und kein Problem damit haben, dass dieser unzählige Menschen hat töten lassen (um mal nicht diese unerträglichen Zahlen zu nennen). Wenn es nach denen ginge, könnte man genau dort weitermachen, wo der damals aufgehört hat. Und dann reden wir doch gerne nochmal über Datenschutz für Elemente, die sich um genau diesen einen Scheißdreck scheren, die diesen ganz bewusst missachten würden, um jene die nicht zu ihnen gehören, zu jagen, zu zerstören. Jeden Freigeist. Auch mich. Auch Dich. Sehen wir es doch mal so.

    Denken wir über Zivilcourage nach und darüber, dass eben diese mitunter auch mal Mittel benötigt, die unpopulär sind, die von mir auch das genaue Gegenteil davon sind. Hätte man öfter mal gebrauchen können, geschichtlich betrachtet…

    Insofern: Jeder sollte ein Recht darauf haben, zu wissen, ob sein Nachbar ein Faschist ist und ihm nicht das Gefühl geben, er könne sich hinter einem Passwort verstecken; Punkt.

    Und anstatt sich immer wieder in die Hosen zu pullern, wegens Schäuble und so, sollte man lieber versuchen, Möglichkeiten zu entwickeln, sich dagegen zur wehr zu setzen, vom mir aus auch gerne mit illegalen Aktionen wie dieser hier. Davon gibt es viel zu wenig.

  8. Falk sagt:

    sich dagegen zur wehr zu setzen, vom mir aus auch gerne mit illegalen Aktionen

    Sprich, das Niveau solcher Menschen zu unterbieten, ist also ein probates Mittel, gegen diese vorzugehen? Na heilige Scheiße auch, schön so ein klares Feindbild zu haben…wobei, in dem Fall sinds glatt zwei — da der Neonazi rechts und links der Staat. Und zwischendrin die Antifa…na hoppala, irgendwas stimmt doch da nicht, oder?

    Zivilcourage buchstabiert sich anders.

  9. phoibos sagt:

    @ anonymer:

    In der Tat wird hier mit zweierlei Maß gemessen.

    Äh, nein. Du misst mit zweierlei Maß: Unrechtes kann man nicht mit Unrecht vergelten, das ist ein archaisches Auge-um-Auge-Prinzip.

    so ein Wichser

    Sind wir das nicht alle? 😉

    […]darf so ein Wichser die Meinung in sich tragen, er hätte ein Recht auf seine Daten und auf die Sicherheit der selben? Das muss mir mal einer erklären, soll mir einer erklären.

    Nun, gleiches Recht für alle. Das ist das Prinzip eines demokratisch verfassten Republik mit einem positiven Gesetz. Ein Mensch mit einer rechten Gesinnung (so relativ der Begriff rechts auch ist) ist genauso ein Mensch wie Du oder ich.

    Und dann reden wir doch gerne nochmal über Datenschutz für Elemente, die sich um genau diesen einen Scheißdreck scheren, die diesen ganz bewusst missachten würden, um jene die nicht zu ihnen gehören, zu jagen, zu zerstören. Jeden Freigeist. Auch mich. Auch Dich. Sehen wir es doch mal so.

    Das muss Demokratie, dass muss Menschheit und Menschsein abkönnen. Wehret den Anfängen, Ausnahmen von Grundrechten zu schaffen!

    Denken wir über Zivilcourage nach und darüber, dass eben diese mitunter auch mal Mittel benötigt, die unpopulär sind, die von mir auch das genaue Gegenteil davon sind. Hätte man öfter mal gebrauchen können, geschichtlich betrachtet…

    Genauso argumentieren die Rechten ebenfalls, die US-Amerikaner in Bezug auf die Folter und von mir aus auch die Taliban. Kein Mittel ist Recht, sobald dieses Mittel Grundrechte verletzt!

    Insofern: Jeder sollte ein Recht darauf haben, zu wissen, ob sein Nachbar ein Faschist ist und ihm nicht das Gefühl geben, er könne sich hinter einem Passwort verstecken; Punkt.

    Ja, klar. Keiner hat das Recht und niemanden sollte es interessieren, welche Meinung sein Nachbar hat, welche sexuellen Präferenzen, welche Religion, … – solange er nicht die Grundrechte anderer tangiert.

    Und anstatt sich immer wieder in die Hosen zu pullern, wegens Schäuble und so, sollte man lieber versuchen, Möglichkeiten zu entwickeln, sich dagegen zur wehr zu setzen, vom mir aus auch gerne mit illegalen Aktionen wie dieser hier.

    Also, wenn nur Motivation stimmt, können wir die unveräußerlichen Grundrechte außer Kraft setzen? Mittel gegen den Überwachungswahn nützen/schaden (hängt von der jeweiligen Perspektive ab) übrigens allen Seiten.

    Davon gibt es viel zu wenig.

    Nein, jede Entanonymisierung aufgrund von Meinung/Geschlecht/Religion/Sexualität ist eine zuviel – unter der Prämisse, dass die Grundrechte von anderen nicht tangiert werden.

    Ciao
    phoibos

  10. Oliver sagt:

    Man ist da teils so links, daß man schon den anderen Hallo sagen kann.

    >Hätte man öfter mal gebrauchen können, geschichtlich betrachtet…

    Die eigens erschaffene Geschichte der Extremen jedweder Couleur. Und wer nicht der gleichen Meinung ist, ist per se dagegen. Hat was von Totalitarismus.

    >Jeder sollte ein Recht darauf haben, zu wissen, ob sein Nachbar ein Faschist ist und ihm nicht das Gefühl geben, er könne sich hinter einem Passwort verstecken; Punkt.

    q.e.d. — Das gilt dann natürlich auch für die eigene Person, schließlich möchte man auch wissen wer eventuell Unschuldige ob Unverstand verleumdet hat, ein paar Steine geschmissen hat etc. pp. Nicht wahr? Gleiches Recht für alle.

    >Und anstatt sich immer wieder in die Hosen zu pullern, wegens Schäuble und so, sollte man lieber versuchen,

    … zu denken und fehlendes Wissen aufzuarbeiten. Denn daran mangelt es den Extremen eben immer wieder. Extreme Dummheit ist definitiv keine Meinung, aber u.U. heilbar

  11. Phil sagt:

    @2:

    Ob die illegal beschafften Beweise zugelassen werden oder nicht, entscheidet der Richter. Wir sind nicht in den USA, wo diese kategorisch nicht zugelassen sind.

    Und dieser eine Knallkopp wurde ja schon widerlegt.

  12. corax sagt:

    Ich hab vorhin phoibos geantwortet und landete in der «Wartet auf Moderation-Schleife»; durchaus verständlich um die Uhrzeit. 😉
    Aber wo jetzt Oliver um die Uhrzeit noch kommentiert,
    kann vielleicht mal jemand nachschauen?

    Danke. :-)

  13. corax sagt:

    Meint Text war, glaub ich, vorher «danke» und an
    Phoibos # 09 gerichtet mit diesem Link zu der Diskussion bei Martina, die ich sehr schätze, wo ich aber diesmal anderer Meinung bin.

    Glück auf!

  14. Oliver sagt:

    >Aber wo jetzt Oliver um die Uhrzeit noch kommentiert

    Ich kommentiere dann meist von «außerhalb» irgendwie mobil und steige selten ins Admin-Panel um die Uhrzeit.

  15. Lupus sagt:

    Ich hoffe, unsere Behörden werden zweierlei tun:

    1.) Die Daten gegen die «Rechten» verwenden um die ein oder andere Straftat zu ahnden und
    2.) Gegen die Subjekte ermitteln, die den Hack begangen/geplant haben denn um wie num, es ist und bleibt ein Verbrechen und Selbstjustiz hat nichts mit Zivilcourage zu tun.

    Vielleicht ist es an der Zeit endlich Extremismus als solches unter Strafe zu stellen, denn ich kann zwischen der Menge von Gesetzesbrüchen zwischen links und rechts keinen Unterschied mehr erkennen. Beide stören immer wieder Nachhaltig die gesellschaftliche Ordnung.

  16. Oliver sagt:

    >Die Daten gegen die “Rechten” verwenden um die ein oder andere Straftat zu ahnden und

    Daten derer man illegal habhaft wurde sind immer schwierig vor dem Kadi zu handhaben. Darüber hinaus ist die Rechtslastigkeit dieser Republik seit Bestehen Legion.

  17. Paolo Pinkel sagt:

    Mir macht diese überall verbreitete Schadensfreude und die verschiedenen Maßstäbe die angesetzt werden auch Bauchschmerzen. Aber für Nazis gehe ich nicht auf die Straße.

  18. Oliver sagt:

    >Aber für Nazis gehe ich nicht auf die Straße.

    Wer würde das schon tun, außer jene in geistiger Umnachtung? Man geht für Freiheit und Demokratie auf die Straße, kämpft für Gerechtigkeit. Schlagwörter nur für jene die schon geistig mit marschieren, auch wenn sie ein anderes Fähnchen schwenken.

  19. phoibos sagt:

    Es gibt schon Menschen, die aus Prinzip auf die Straße gehen – dann auch für Nazis… siehe folgende links:

    Widersprüche gegen Internet-Sperrverfügungen zurückgewiesen

    Ruhr-Uni Bochum hebt Website-Sperrung wieder auf

    Gutachten: Netzsperren greifen in Grundrechte ein

    Hyperlink-Prozess: Netzaktivist erneut freigesprochen

    Nun, technisch kann man gesellschaftliche Problem eben nicht beheben. Unsere rechtslastige Republik agiert aber gerne mit totalitären Methoden, wenn sie dann mal reagiert.

    Interessant finde ich, inwieweit die Meinungsbildner die Vernunft des Stimmviehs einschätzen.

    Ciao
    phoibos

  20. […] verwundert einen doch schon, dass das alles etwas kritiklos über die Bühne geht. Wie schon F!XMBR anmerkt: Man kann nicht einerseits gegen die Vorratsdatenspeicherung demonstrieren und andererseits eine […]

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