Günter Wallraff und der alltägliche Rassismus in Deutschland

Wer wissen will, warum wir hier auf F!XMBR sensibel mit dem Thema Rassismus umgehen, sollte sich den neuen Film von Günter Wallraff, Schwarz auf Weiß, anschauen. Wallraff war mal wieder unterwegs, diesmal als Schwarzer in Deutschland — in der Fußgängerpassage, beim Fußball, auf dem Amt.

Unserer ach so tollen Gesellschaft wird mal wieder die Maske heruntergerissen. Nicht nur die NPD und Konsorten sind das Problem, die Gesellschaft ist es allgemein. Rassismus wird ausgelebt, vom normalen Bürger in der Stadt, den Fußballfans sowieso und den Damen und Herren in unseren Beamtenstuben. Nicht nur in der Bundeswehr ist rechtes Gedankengut usus — ich selbst habe leidvolle Erfahrung mit unseren grünen Freunden machen dürfen und über die Ausfälle diverser Politiker haben wir schon des Öfteren hingewiesen. Deutschland ist rassistisch — Wallraff beweist dies eindrucksvoll. Das Netz legt im Übrigen auch Zeugnis darüber ab — man schaue einfach mal in die Kommentarspalten der WELT, der ZEIT oder der SZ. Da bekommt man eine Gänsehaut.

Die ZEIT berichtet wie immer vorab: Meine Reise durch Deutschland ist zu Ende. Ich habe mich in all den Monaten, in denen ich als Schwarzer unterwegs war, nicht selten um meine Würde gebracht gefühlt. Schwer zu entscheiden, was schlimmer war: offene Aggressivität zu erfahren, kaltes Abwimmeln oder verlogene Freundlichkeit von oben herab. Nun lege ich mein schwarzes Alter Ego wieder ab. Aber all die anderen erleben die Verachtung weiter, jeden Tag.

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20 Antworten zu “Günter Wallraff und der alltägliche Rassismus in Deutschland”

  1. Wedekind, Westerwelle und die «kulturell und menschlich wertvollen Gruppierungen»…

    Selten habe ich etwas zynischeres und perfideres gelesen als Beate Wedekinds so romantische Scrabblelei dieser Tage im European. Um es gleich zu sagen: Ihr Artikel «Westerwelle wird sich beweisen müssen» ist KEIN Artikel über Westerwelle. Denn nach d…

  2. Omar sagt:

    Ich frage mich ja immer noch, warum man so aufwendig einen Weißen in einen Schwarzen verwandeln muss, um herauszubekommen, dass es Diskriminierung und Rassismus gibt. Warum engagiert man nicht einen Schwarzen oder schenkt gleich den bereits existierenden Aussagen zu Diskriminierungserfahrungen von «Fremden» Glauben? Muss erst ein «Weißer» daher kommen, um die Erfahrungen der «Schwarzen» zu bestätigen??

  3. caschy sagt:

    Mich macht so etwas einfach nur wirklich traurig. Ernsthaft. Wenn man wie ich an das Gute im Menschen glaubt, dann kann man sich solche Arschlochmenschen nur schwer vorstellen.

  4. Chris sagt:

    @Omar: Auch das ist Rassismus. Wer glaubt schon einem Schwarzen. 😉

  5. Chris sagt:

    @caschy: Es wird immer schwerer in diesem Land, an etwas Gutes zu glauben…

  6. Markus sagt:

    Es ist wirklich erschreckend, wie tief verwurzelt der Rassismus in Deutschland ist. Und wie auch manche «Bürgerliche» versuchen, ihn wieder salonfähig zu machen (-> Medienecho zu Sarrazin).

  7. Patricia sagt:

    @Omar: ich habe mich auch gefragt, warum nicht ein Schwarzer mit versteckter Kamera los geschickt wird. Aber ich glaube, die mehrheitlich weiße Öffentlichkeit identifiziert sich (immer noch) eher mit einem Weißen. Oft sind die Protagonisten in Spielfilmen, die beispielsweise die Geschichte der Schwarzen in den USA erzählen, Weiße. Das wird sich hoffentlich in den kommenden Jahren ändern.

  8. Thomala sagt:

    Wer nicht mit verschlossen Augen durch die Welt geht sieht diesen Rassismus fast täglich, leider!
    Was anderes hattest du es nicht vor kurzen was mit Warner B.?

  9. Cynetics sagt:

    @Markus: Das ist mir aufgefallen, was rund um den Fall Sarrazin zu Tage tritt ist schon wirklich erschreckend. Und alles unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung, welcher auch schon bei der Piratendebatte aus dem Schrank geholt wurde.

  10. Thaniell sagt:

    Naja bei einem Weißen kann man auch davon ausgehen, dass er unvoreingenommener ist — im positiven Sinne, will meinen ihm fällt der Unterschied direkt auf zu der Behandlung die er erfährt wenn er als Weißer durch die Gegend läuft. Kommt er zu dem Schluß diskriminiert zu werden kann man es von der Gegenseite schwerer abtun als egoistisch bedingtes oder gar Migrantentypisches Gejammer (er hat ja im eigenen Alltag nichts davon).
    Zudem geht es natürlich auch schlicht um den Namen Wallraff — das bringt wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit als wenn es ‘irgendwer’ machen würde. Zumal es hier ja auch nicht darum ging mal eben effekthascherisch einen Schwarzen durch die Stadt zu schicken, sondern schon längerfristig Erfahrungen gesammelt wurden. Das macht auch nicht jeder mit bzw. hält das vernünftig durch da akribisch vorzugehen.

    Dazu kommt in den Bevölkerungsteilen die nur wenig mit Schwarzen zu tun haben — und gerade die brauchen so einen Bericht — natürlich auch noch der Identitfikationsfaktor, einem von «uns» glaubt man eher wie schon gesagt wurde, und das muss noch nicht mal (kann aber natürlich) rassistische bedingt sein — es reicht einfach eine Wir-und-Die Abgrenzung gegen alle die sich ‘benachteiligt’ fühlen, HarzIVler, randalierende Studenten und eben Farbige.

  11. Yuggoth sagt:

    wer die ganzen thilo-sarrazin-götzenanbeter beobachtet, wird feststellen, dass sie von integration reden, aber selbst alle vollkommen gleich aussehen. integration bedeutet für sie assimilierung in eine konformistische art und weise der lebensgestaltung. egonormativismus bis zum kotzreiz.

    so viel läuft schief in diesem land. wir brauchen mehr wallraffs, solange bis es knallt und brennt und diese ganze scheisse abfackelt. solange bis auch du aufstehst und sowohl kopf als auch faust benutzen lernst!

    der skandal ist nicht der rassismus. der skandal ist, dass einem thilo sarrazin als sprachrohr des latenten rassismus bei der äußerung nicht direkt in die fresse getreten wird und die aussagen dann richtig gestellt werden.

  12. Phil sagt:

    Schade, wir bräuchten echt Clone, Clone von Wallraff tausendfach und in jeder Redaktion mindestens einen dieser Clone.

    Wobei, immer wenn ich einen schwarzen sehe, muss ich an meine Ausbildung denken, wo auch ein Schwarzer den Beruf lernte. In der Klasse wurde ab und an mal zu ihm gesagt, er solle sich ein Stück Seife besorgen um sich zu waschen. Natürlich nur aus Jux und Dollerei, wie er es denn auch aufgefasst hast.

  13. Franse sagt:

    Leider ist es genauso, wie es Wallraff am Ende sagt: Er wüsste nicht, ob er als Schwarzer in Deutschland bleiben würde.… und genau darauf wollen die Hetzer raus. Andere ziehen da mal unbewusst, mal opportunistisch mit. Die braune Sauce schwimmt hierzulande wieder ganz obenauf, das ist das Gefährliche.

    Zu Wallraff kan man nur sagen, dass er der beste deutsche Journalist der Gegenwart ist. Einer der inspirierendsten Menschen überhaupt, ein riesiges Vorbild im Kampf gegen Ungerechtigkeit und für Gegenöffentlichkeit. Meines Erachtens wird er zu wenig beachtet.

  14. ROBOTER sagt:

    Tja, Was soll man sagen? Wir haben ein ambivalentes Verhältnis zu G.Wallraff

    Als Ikone für Journalisten würde ich Herr Günter Wallraff NICHT empfehlen!

    Text 1. Von Hans Leyendecker

    Millionär der Missstände

    Text 2. Interview mit Günter Wallraff

    Ein Geschäft auf Kosten der Toten

    MfG
    Ein Geschäft auf Kosten der Missstände

  15. Felix Nagel sagt:

    Bei dem Beamten dreht sich mir der Magen um.

  16. Anonymous sagt:

    ich stimme roboter zu

  17. Schnolfi sagt:

    Interessantes zum Thema: Interview mit Xavier Naidoo:

    Ich bin maßlos enttäuscht von Merkel

  18. Oliver sagt:

    @ROBOTER: ich kann es nicht beurteilen, erwarte aber auch keinen Humanismus seitens der großen Blätter die da als Referenz angeführt werden. Erfolgt zieht oft auch Neid unter den Kollegen nach sich, die Recherche nur noch mittels Google erfahren oder früher mittels Mikrofiche.

  19. JeremY =( sagt:

    Ich finde es einfach nur hart so was zu sehen ! Ich bin selber schwarz und ich mache gerade einen Präsentation «Rassismuss» auf meiner Schule und ich muss mich zusammen reisen das ich nicht agressiv werde wenn ich solche Filme da vorstelle ! Bin entäuscht das man Menschen nicht einfach nur gleich behandelt egal ob schwarz oder weiss!

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