gruseliges Deutsch?

Dies las ich in puncto Anglizismen, zu gut Deutsch: die Eindeutschung englischen Vokabulars, mitunter noch in einem völlig falschen Kontext etc. Gruselig wäre es — okay zu mancherlei Zeiten empfand ich es ebenso, auch ging ich gewiß auf die Barrikaden bei konsequenter Kleinschreibung im Netz oder wenn jemand meinte SCHREIEN ZU MÜSSEN, NUR UM DIE AUFMERKSAMKEIT AUF SICH ZU ZIEHEN.

Mitunter fand und finde ich es jedoch auch weitaus gruseliger diese «Grammatik-Nazis» im Netz zu beobachten, die da meinen anstatt einer Antwort, eine grammatikalische Korrektur zum Besten geben zu müssen. Jeder halt nach seiner Facon, insbesondere bei einem derart dynamischen und dem Zeitgeist unterworfenem Gebiet, wie der Sprache. Natürlich existieren Konventionen, dies schreibt man so, die Interpunktion lautet derart und gut ist. Aber wie schon erwähnt, Sprache hatte immer schon eine Eigendynamik und das seit Jahrtausenden. Der habilitiere Korinthenkacker kann dies zwar mit gekonnter Lobbyarbeit gesetzlich verankern, doch Sprache kann er nie der Dynamik berauben und das ist gut so.

Unsere Sprache, die wir heute vollmundig als Deutsch oder gar gerne als gutes Deutsch bezeichen ist nicht mehr als eine Schnittmenge, hervorgegangen aus der germanischen Sprachfamilie, der z.B. auch das Englische angehört. Lehnwörter die heute noch als solche zu erkennen sind, stammen u.a. aus dem Jiddischen, dem Hebräischen, dem Arabischen, dem Lateinischen usw. Aus jüngeren Zeiten stammen viele französische Lehnwörter und aus jüngster Zeit die vielgescholtenen englischen Lehnwörter, gemeinhin als Denglisch verschrien.

Derart funktioniert jede Sprache und man unterteilt sie deshalb auch geschickter in Sprachfamilien, fernab nationaler Eigenheiten, die nicht wuchsen, sondern defintionstechnisch aufgesetzt wurden. Das ganze Netz ist voll von Stilblüten, mit denen die Menschen da draußen im sogenannten Reallife meist gar nichts anfangen können, selbst hochgeistiges «Gefasel» bedient sich oft neuer Konstruktionen im Satzbau, die ihresgleichen da draußen suchen. Bei der Jugend ist es hipp englisches Vokabular in ihre Muttersprache einzuflechten, die alten Säcke geben Latein oder gar Altgriechisch zum Besten, zum guten Ton gehört es gar Sätze mit französischen Lehnwörtern zu garnieren und last not least bleiben die über, denen jedes Fremdwort schon zu fremd ist und eine Vergewaltigung ihrer deutschen Muttersprache darin sehen. Ein Greuel, wie dieses gossenhafte Vokabular die deutsche Sprache verunstaltet.

Who cares? Im Saarland benennt man oftmals den Geldbeutel Portemonnaie oder tat dies noch in meiner Kindheit häufig bzw. Trottoir für den Bürgersteig. Gerne nutze ich jiddische Begriffe, ebenso seit meiner Kindheit, wie z.B. meschugge, koscher usw. Bzw. wer kennt nicht den Begriff Ganove, der dem Jiddischen entstammt? Sprache ist Vielfalt, ist Kultur, ist dynamisch und ist dem Zeitgeist unterworfen. Sprache ist letztendlich auch Gefühl und eine Synthetisierung ist letztendlich nur ein Zerrbild eines gewachsenen Gebildes.

Wie die Sprache sich in Zukunft gestaltet, das wird die Zeit zeigen, keinesfalls ein Duden oder ein von Lobbyismus durchtränkter Staatsapparat der dem Volk «Reformen» unterjubeln möchte. Was Sprache im öffentlichen Verkehr ist, das entscheidet man von oben — was Sprache im persönlichen Gebrauch darstellt, das sollte der eigene Geist entscheiden. Das soll kein argumentativer Freibrief für «Faulheitssprache» sein, denn Sprache im persönlichen Gebrauch sollte auch das Gegenüber berücksichtigen und respektieren. Dabei darf man aber nicht vergessen, das dies keine Einbahnstraße darstellt, der Respekt beruht auf Gegenseitigkeit … da darf der eine verdenglischen und der andere frei Schnauze latinisieren.

Fazit, was wäre das Netz heute ohne seine hybschen Sprachverzerrungen, die doch so vom konservativen geprägten Sprachgebrauch abweichen? Ein Ort der Langeweile, keine Alternative zum Leben da draußen und auch die Welt da draußen, dieses Reallife, muß nicht derart trist verharren. Ein wenig couleur kann auch dort nicht schaden, nicht nur die Gedanken sind frei, auch die Sprache ist es und wir sollten diese doch nicht versuchen einzusperren, sondern vehement gegen Sprachdiktatur verteidigen — ich glaube das ist Mensch der Sprache schuldig.

Und der eine mag halt kritisieren/ignorieren, der andere überläßt anfallende Fehler zum freien Gebrauch — das sind halt die kleinen Nettigkeiten des Netzes, rein oberflächlicher Natur.

21 Antworten zu “gruseliges Deutsch?”

  1. gnokii sagt:

    spricht mir aus der Seele, ich könnt mich nachts nicht mehr auf meine Matratze (aus dem arabischen) legen, frühmorgens keinen Tee (aus dem chinesischen) trinken, schon gar nicht aus einem Becher (aus dem lateinischen), es gäbe auch keinen Joghurt (aus dem türkischem), mein Geld läge auch auf keiner Bank (aus dem italienischen) wenn diese Wörter nicht in die deutsche Sprache eingeführt worden wären. Tja dann sollten wir also mal in Jubel (aus dem hebräischen) ausbrechen und die Anglizismen nicht allzu sehr verteufeln.

  2. Chris sagt:

    Treffer versenkt. :)

  3. spiefelwuetz sagt:

    Seitdem ich alter Ostsack hier ab und zu mal lese, kann ich meinen fehlenden Englischkenntnissen (zu meiner Zeit gab´s in der Schule nur russisch als Fremdsprache — nicht auszudenken, wenn die Russen den kalten Krieg gewonnen hätten ;-)) durch das Konsumieren von Denglisch etwas auf die Sprünge helfen.
    Den Beitrag von Oli finde ich deshalb gar nicht so schyze :D. Sprache wird sich in der geschriebenen wie gesprochenen Form immer dynamisch entwickeln. Kurios war ja auch zu beobachten, wie sie sich ca. 40 Jahre lang in den beiden D´s in einigen Bereichen auseinanderentwickelte. Das wird sicher noch ein/zwei Generationen bis zum verwachsen so bleiben. Zu hoffen ist allerdings, daß uns noch so eine «Rechtschreibreform» wie die letzte erspart bleibt.

  4. Chris sagt:

    *rofl* @ spiefelwuetz 😀

  5. codethief sagt:

    Ich kann dir da leider nicht ganz zustimmen. Mag sein, dass wir im Deutschen viele Begriffe aus anderen Sprachen verwenden. Das ist natürlich und gilt auch für andere Sprachen.
    Man muss nur aufpassen, dass Sprache und Wortschatz nicht verarmen und diese Gefahr sehe ich im Moment bei der Vermischung von Deutsch Englisch. Ich habe nichts gegen den Gebrauch von englischen Fachbegriffen (sofern notwendig) — ich als Programmierer benutze sie ja selbst auch — besonders in solchen «internationalen Szenen und Netzwerken» wie dem Internet macht dies ja auch Sinn und da sehe ich auch kein Problem, wenn wir solche Begriffe ins Deutsche einführen.
    Aber ich sehe nicht ein, wieso wir jetzt unbedingt derartiges wie «Event» in unseren deutschen Wortschatz aufnehmen müssen. Neuerdings heißt es nicht mehr «Das Ereignis des Jahres» sondern «Das Event des Jahres». *schauder*
    Es geht inzwischen soweit, dass manche Fernsehwerbung nur noch Englisch ist, die Moderatoren auf MTV auch nur noch Englisch sprechen und die privaten Sender ihre Nachrichtensendungen in «News» umbenennen.
    Ich finde es ehrlich gesagt abartig, zum Teil auch, weil ich manches als Muttersprachler in meinem eigenen Land nicht mehr verstehe, denn oftmals werden englische Begriffe komplett zweckentfremdet oder ich verstehe sie schlicht und einfach nicht (obwohl ich mir einbilde, recht gut Englisch zu können), weil ich sie nicht kenne.

    Englisch als Fachsprache in bestimmten Bereichen. Ok.
    Englische Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch. Ok, solange ich kein Wörterbuch dafür brauche und es keine passenden deutschen Entsprechungen gibt und / oder es sich (stark) in Grenzen hält.

    Just my tw… ähem… Nur meine zwei Pfennig. :)

  6. Oli sagt:

    Sprache ist frei und dynamisch, durch Zwang erreichst du auch nichts, allenfalls so etwas hier.
    Deine Meinung in allen Ehren, aber auf was ich hinaus wollte, unsere Sprache ist gar nicht so ursprünglich — logischerweise — und diese Kritik gabs zu allen Zeiten. Hätten sich die Kritiker jedoch durch gesetzt, könnten wir uns heute mittels Grunzlauten verständigen — mal etwas drastischer ausgedrückt.
    Ich denke meine Differenzierung zwischen der sogn. Faulheitssprache bzw. der angeführte Respekt zwischen den Kommunizierenden sollte eigentlich die Sache klarstellen. Aber heute ist es eben in Mode zwar selbst mittels irgendeinem Kauderwelsch durchs Netz zu stampfen, jedoch kräftig auf die Denglischer einzudreschen. Völlig sinnfrei, da wirft man schon nicht mehr mit Steinen im Glashaus, sondern plant gezielt die Sprengung deselbigen 😉

    Es geht inzwischen soweit, dass manche Fernsehwerbung nur noch Englisch ist, die Moderatoren auf MTV auch nur noch Englisch sprechen und die privaten Sender ihre Nachrichtensendungen in ?News? umbenennen.

    …und du meinst also das gabs zuvor noch nie? Das ist immer üblich gewesen, temporäre Erscheinungen, bei denen einige Kritiker immer den Weltuntergang heraufbeschworen. Was man aber auch hier sieht, ein bewußter Umgang mit Geschichte würde da oft helfen — zukünftige Entwicklungen mit Sorge zu betrachten oder gelassen abzuwarten :)

    Aber ich sehe nicht ein, wieso wir jetzt unbedingt derartiges wie ?Event? in unseren deutschen Wortschatz aufnehmen müssen.

    Der Trugschluß beginnt schon bei der Aussage deutscher Wortschatz.

    Mag sein, dass wir im Deutschen viele Begriffe aus anderen Sprachen verwenden. Das ist natürlich und gilt auch für andere Sprachen.

    Die ursprünglichen deutschen Sprachen würde gar keiner mehr erkennen, so stark waren die Einflüsse über die Jahrhundert. Viele ursprüngliche deutsche Wörter sind schon lange ausgestorben und durch griffigere oder modernere Wörter, die Volk besser gefielen, ersetzt wurden. Aufgepaßt hat da nie einer, warum auch? Die Aufpasser hatten nur später ihre Meinung durchgesetzt und mehr ruiniert als tatsächlich etwas vollbracht.

  7. Kamuflaro sagt:

    Denglisch wird unter anderem benutzt um etwas aufzuwerten, das ist meiner Ansicht nach ein Verbrechen.
    Wenn man zum Beispiel Mobiltelefon durch Handy ersetzt ist das eine Sache, schönes kurzes Wort, Hype, ist auch besser als Modeerscheinung. Aber da sind ein paar hirnverbrannte Sachen unterwegs, die einfach übertrieben sind… Killerspiele ist grad in Mode, News… ok… Event ist einfach nur «lolig», wobei lolig das zweit-größte bisher genannte Übel ist. Was haben wir denn noch so?
    Vielleicht mal ein gutes Beispiel: Computer, anstatt Rechner, um Mehrdeutigkeiten zu eliminieren.
    Cool… gay…
    Hmm mir fällt grad nix mehr ein :)

  8. Prospero sagt:

    Ich frage mich immer ob diese selbsternannten Sprachkritiker einen Text von Walther von der Vogelweide verstehen würden wenn sie ihn den lesen oder hören würden — der Gute schrieb immerhin Hochdeutsch. Gut, da fehlt ein «Mittel» vor dem Wort. 😉
    Ad Astra

  9. Oli sagt:

    Facon, etc., couleur, ad absurdum usw. Sicherlich wirds genutzt um aufzuwerten. Warum auch nicht? Muß Sprache langweilig sein? Ich kann *deutsche* Wörter aus dem Sprachschatz zaubern die kaum einer kennt. Damit werte ich natürlich auch auf, allein nur wenn ich mich hochgeistig ausdrücke tue ich dies.
    Gerade im Netz werden doch tagtäglich neue Begriffe, die gar so hübsch klingen, neu erfunden, auch von jenen die da aufs Denglische einstürmen. Und warum das? Es ist hybsch … paßt schon 😉
    Du nutzt tagtäglich soviele Lehnwörter, die du gar nicht mal mehr als solche erkennst und warum haben wir die? Sie sahen irgendwann einmal schick aus bzw. waren griffiger.

    Btw. Mobiltelefon durch Handy zu ersetzen ist auch nur ein Fantasiewort, denn im Englischen sagt man dazu mobile phone. Gleiches Spiel mit dressman = male model, oldtimer = vintage car usw.

    Die hammerharten Denglisch Kritiker argumentieren z.B. derart

    Dieses alte Klischee wird von einigen treuherzigen Zeitgenossen benutzt, um die der deutschen Sprache aufgepfropften anglo-amerikanischen Brocken als Zeichen von Leben und natürlicher Entwicklung hinzustellen. Gleichzeitig lehnen sie Sprachpflege als lenkende Eingriffe in den Sprachgebrauch ab.

    vds ev

    Dabei übersieht man jedoch gerne Erfahrungen von Archäologen, Historikern und auch Philologen — diese Wissenschaften zusammen betrachtet ergeben ein völlig anderes Bild.

    Was die Herren dort übersehen, wir leben halt in keiner Monokultur, zu keiner Zeit.

    Warum sieht die etablierte Sprachwissenschaft nicht dieses Wechselspiel, diese gegenseitige Abstoßung zwischen der Alltags– und den Fachsprachen? Weil sie ihre Augen und Ohren vor der Tatsache verschließt, daß unsere Sprache Allgemeingut ist und allen gehört.

    auch vds ev

    Vielleicht einfach, weil man differenzierter an die Sache herangeht ohne Blockadedenken. Klar *mir* gefallen einige Dinge auch nicht — vorleben oder massiv beeinflussen/abwatschen sind jedoch zwei paar verschiedene Schuhe. Das einzige was ich tatsächlich desaströs finde, wenn man fremde Begriffe auf Biegen und Brechen eindeutschen möchte. Das sollte man es halten z.B. wie die Briten, die in der Regel auch fremde Begriffe als solche benutzen.

    Bemerkenswert bei all jenen ist aber das Denglisch als rotes Tuch gilt jedoch alle anderen Sprachen die einfließen geflissentlich ausgespart werden. Ob man sich klar verständlich ausdrücken kann, hängt von mehr ab als nur der Fähigkeit sich ohne Fremdwörter zu unterhalten.

    Aber nur zum Abschluß, mir gehts hier keineswegs darum eine Lanze zu brechen für die Sprachfaulen die alles permanent verunglimpfen, das kann man auch gekonnt ohne Denglisch, nein mir gehts darum derlei Oberflächlichkeiten anzuprangern — letztendlich sprach ich ja nicht von den Sprachgepflogenheiten einiger Kiddieforen mit ihren 50.000+ Mitgliedern 😀

  10. […] Während nebenan über die deutsche Sprache diskutiert wird, musste ich eben grad dreimal lesen und hab auch beim zehnten Mal nicht kapiert, was uns der “Künstler” da eigentlich sagen will. Die Sendermarken im Relevant Set eines jeden Zuschauers werden sicherlich ein wenig verlieren… […]

  11. codethief sagt:

    @Oli: Von solchen Foren rede ich aber und die Medien scheinen sich unbedingt an dem Wortschatz solcher Leute orientieren zu wollen.

    @prospero: Nein, würde ich wahrscheinlich nicht. Ich mag seinen Stil aber auch nicht sonderlich. 😉

    @kamuflaro: Meine Zustimmung. :)

    Wo wir gerade dabei sind — was ist mit den Amerikanern und Briten, die wahrscheinlich bald bei jedem unserer Worte erschauern, weil wir die Begriffe ihrer Sprache völlig entfremden.

    Und mag sein, dass das Deutsche schon immer Einflüssen aus anderen Sprachen unterlag, aber mir muss das doch nun nicht gefallen, oder?

    Wie gesagt — mit englischen Fachbegriffen und einzelnen Wörtern habe ich kein Problem, aber pervers wird’s wenn mehr als jedes zweite Wort oder gleich alles Englisch ist — was ich durchaus schon gesehen habe.

  12. Oli sagt:

    @Oli: Von solchen Foren rede ich aber und die Medien scheinen sich unbedingt an dem Wortschatz solcher Leute orientieren zu wollen.

    Nach jahrelanger Moderation, auf diesem großen Forum, hab ichs aufgegeben das ernst zunehmen. Mein Augenmerk im obigen Artikel liegt also mehr auf der «normalen» Welt 😉

    Nun die Briten erschaudern auch wie die Amis ihre Sprache verunstalten oder die Australier. Die Briten und Amis selbst spicken ihre Sprache gerne mit lateinischen Ausdrücken. Die Franzosen bekommen Krämpfe wenn sie Kanadier in ihrer Sprache sprechen hören. Insofern erschaudert da wohl irgendwo jeder, der es nicht verstanden hat und *eigene* Meinung den anderen überstülpen möchte 😀

    Und mag sein, dass das Deutsche schon immer Einflüssen aus anderen Sprachen unterlag, aber mir muss das doch nun nicht gefallen, oder?

    Wie ich schon sagte, das gabs überall Deutschland hat da keine Jammertal-Priorität 😉

    Und um mal tacheles zu reden, die Sprache die du heute als feines Deutsch interpretierst bzw. gewisse Gepflogenheiten in dieser kotzte vor ein paar Jahrzehnten auch schon andere a. Für dich heut usus, früher unmöglich.
    Man siehts auch an dem typischen Eltern-Kinder Konflikt, der sich von Generation zu Generation fortsetzt — jede Generation übersieht dabei geflissentlich das sie selbst vor den gleichen Problemen standen — ihren Eltern gefiel die Musik nicht, die Sprache nicht etc. Na erkennt wer, das sich die Katze permanent in den Schwanz beißt bei dieser Argumentation? 😉

  13. Grainger sagt:

    Und mag sein, dass das Deutsche schon immer Einflüssen aus anderen Sprachen unterlag, aber mir muss das doch nun nicht gefallen, oder?

    Mir gegenüber hat ein Psychiater mal den Unterschied zwischen Psychopathen und Paranoikern so definiert:

    ein Psychopath weiß ganz genau, das
    2 + 2 = 5
    ergibt

    ein Paranoiker weiß zwar, das
    2 + 2 = 4
    ergibt, aber er ärgert sich darüber.

    😀

    (Ist nicht böse gemeint, fiel mir nur gerade so ein)

  14. Holzauge sagt:

    Von wegen«Sprache ‘lebt’»

    Dieses alte Klischee wird von einigen treuherzigen Zeitgenossen benutzt, um die der deutschen Sprache aufgepfropften anglo-amerikanischen Brocken als Zeichen von Leben und natürlicher Entwicklung hinzustellen. Gleichzeitig lehnen sie Sprachpflege als lenkende Eingriffe in den Sprachgebrauch ab.

    Ein kluger Philologe in Münster hat erklärt, es sei Zeit, die Vorstellung von Sprache als eines «natürlichen — d.h. lebendigen Organismus» so schnell wie möglich in die linguistische Mottenkiste zu tun. Schon der alte Grieche Platon sagte, Sprache sei nicht physis (Natur), sondern nomos (Vereinbarung, Konvention). Bei Jacob Grimm lesen wir: «Alles verbürgt uns, daß die Sprachen Werk und Tat der Menschen sind.»

    Die Lautentwicklung einer Sprache — wîp zu «Weib», hûs zu «Haus», itan zu «essen» — kann vielleicht als «natürlicher» Vorgang angesehen werden. Unser heutiges Denglisch wird «gemacht». Selbsternannte rohe Sprachmeister, die über große Verbreitungsmacht verfügen, bringen englische Wörter in den öffentlichen Umlauf und «machen» unsere Sprache.
    Die Anglizismen verdrängen deutsche Wörter. Wo single, news, bike und shop Wörter wie «Junggeselle», «Nachrichten», «Fahrrad» und «Laden» oder «Geschäft» ersetzen, sterben die deutschen Ausdrücke aus. Es ist barer Unsinn, diesen Vorgang als «Leben» zu bezeichnen.

  15. Oli sagt:

    Es ist barer Unsinn, diesen Vorgang als ?Leben? zu bezeichnen.

    Klar das sagen aber auch nur Leute, die zwar Sprachfreunde sind, jedoch Geschichte nie verstanden haben. Auch im universitären Bereich stolpern wir da immer über die Sprachgötter, die zu klein sind, um über den eigenen Tellerand zu schauen. Deswegen bezeichnen Historiker/Archäologen derlei Dinge auch nur als Hilfswissenschaften :)
    Das Deutschland ohnehin ein Problem hat — nein nicht unbedingt mit Fremdenhaß — sondern mit einer massiven Antipathie gegenüber der englischen Sprache, insbesondere ob der US-Amerikaner, ist weltweit auch kein Geheimnis. Viele fühlen sich auch 60 Jahre danach nicht befreit, sondern besiegt. Insofern erstaunt mich die Reaktion mancher «alter-Herren-Clubs» da draußen nicht wirklich. Muß nicht wirklich offenbahr sein, ich denke bei vielen da funktioniert das schon mehr unterbewußt :)
    Btw. beinahe den identischen Text kann man ja auf der von mir verlinkten Seite des vds ev nachlesen — insofern Holzauge sei wachsam 😉

    –> http://www.vds-ev.de/deng.….lisch/

    Wenn man denn schon Denglisch nicht mag und Sprache als totes Objekt bloßer Konventionalität ansieht (wie kann man das dann lieben?), sollte man doch im stande sein auch selbst mit dieser umzugehen und eigene Meinung in eigene Worte zu fassen, oder?

  16. Grainger sagt:

    Selbst wenn dem so sein sollte und nachfolgende Generationen ganz selbstverständlich statt

    single, news, bike und shop Wörter wie ?Junggeselle?, ?Nachrichten?, ?Fahrrad? und ?Laden? oder ?Geschäft?

    verwenden sehe ich nicht, wieso die Welt dadurch besser, schlechter, reicher oder ärmer werden würde.

    Jede ausgestorbene Tierart macht die Welt deutlich ärmer, ein nicht mehr verwendetes Wort oder gar eine vollkommen ausgestorbene Sprache belastet mich persönlich kaum.

    Ich bin ganz sicher kein Freund von zwanghaft betriebenem Anglizismus oder Buzzwords (um auch gleich mal einen Anglizismus für Unwörter zu verwenden und zu beweisen wie trendy ich doch bin :D), aber zwanghaft betriebene Reinerhaltung der deutschen Sprache ist auch um keinen Deut besser.

  17. Oli sagt:

    Darum gings mir auch Grainger, ich sehe es als temporäre Erscheinung an, die so schon desöfteren statt fand über die Jahrtausende.

  18. Chris sagt:

    Oli und Grainger haben im Prinzip alles gesagt — nur von mir eine Anmerkung: Wenn auf etwas reines Deutsches Bezug genommen wird, werde ich hellhörig. 😉

  19. […] omfg :O Mal ein ganz interessanter Post bei F!XMBR: gruseliges Deutsch? auf F!XMBR , bei dem ich auch schon meinen Kommentar abgegeben habe. __________________ Simon Hirscher Contentartist Content Management System by codeartists.org CalitrixWiki […]

  20. […] Sic transit gloria mundi … für die einen, per aspera ad astra für die anderen. Oder kurzum in unseren schönen, reinlichen Muttersprache, shayze am Rockzipfel der Gesellschaft mußt du sein, um überhaupt fassen zu können wie gut es dir doch tatsächlich geht.1 Ironie ist das Körnchen Salz, das das Aufgetischte überhaupt erst genießbar macht. Goethe [↩] […]

  21. […] Dazu kann man dort auf dem Teehaus-Stammtisch etwas lesen oder hier und da auch noch ein wenig. […]

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