Grüne Persiflage

GrüneIch weiß immer noch nicht, wo ich am 27. September mein Kreuz setzen werde. Wahrscheinlich wird es wie bei der Europawahl erst in der Wahlkabine eine Bauchentscheidung geben. Es gibt nicht mehr viel Alternativen. Die SPD erübrigt sich, an CDU und FDP verschwende ich keinen Gedanken, die Linke ist halt die Linke — Gregory Gysi ist als Mensch sehr sympathisch und auch seine Ansichten kann ich teilen, wenn ich aber sehe, was hier teilweise von der Basis aufschlägt, bekomme ich Gänsehaut. Die Piratenpartei werde ich nach meinen persönlichen Erfahrungen ganz bestimmt nicht wieder wählen — auch wenn ich viele Mitglieder sehr schätze, seien es Markus und Markus oder auch viele andere, so ist die Basis doch durchtränkt von fragwürdigen Typen bis hin zu kleinen Stalkern. Da muss erst einmal ein Selbstreinigungsprozess in Gang kommen, die Partei muss sich thematisch viel breiter aufstellen. Wenn es die Piraten 2013 noch gibt, wovon aber nicht auszugehen ist, dann kann man sich ein vielleicht vorhandenes Parteiprogramm anschauen. Bei meinen Überlegungen bleibe ich also immer bei den Grünen hängen. Doch bei den Grünen habe ich große Bauchschmerzen, persiflieren sie sich doch in aller Regelmäßigkeit selbst.

Ich kann mich noch gut an 1998 erinnern. Es gab eine große Wechselstimmung im Land, Rot-Grün war das Projekt der Zukunft. Schwarz-Gelb war ein Auslaufmodell, Helmut Kohl und Klaus Kinkel hatten das Land bereits in einem Privatisierungswahn getrieben, die Rechte der Arbeitnehmer massiv beschnitten — kurz gesagt, der Neoliberalismus hatte uns bereits fest im Griff. Die SPD und die Grünen wollten alles anders machen. Das Ende ist bekannt: Noch nie war die Schere zwischen Arm und Reich größer, wie nach der Rot-Grünen Regierungszeit. Die Armut ist in allen Bevölkerungsschichten exorbitant angestiegen, 2,5 Mio. bis 3,0 Mio Kinder sollen in unserem Land mittlerweile in Armut leben. Ein gesellschaftspolitischer Skandal, den Rot-Grün in weiten Teilen zu verantworten hat. Agenda 2010, Hartz IV, der Kosovo, alles Entscheidungen, die die Grünen ohne mit der Wimper zu zucken mitgetragen haben.

Im Gegensatz zur SPD sind die Grünen 2005 in die Opposition gegangen. Doch haben sie den selbstreinigen Prozess, den der SPD im September erst noch bevorsteht, nicht in aller Konsequenz durchgezogen. Die beiden Fraktionsvorsitzenden, Fritz Kuhn und Renate Künast haben das Rot-Grüne Desaster zu verantworten, hier ist also kein Neuanfang zu erkennen. Der neue Parteivorsitzende Cem Özdemir gehört der Klasse der Berufspolitikern an, die eine gewisse Nähe zu den so genannten PR– und Beratungsagenturen pflegen, heißen sie nun Hunzinger, Berger, wie auch immer. Also genau die, die unser Land in das neoliberale Elend gestürzt haben. Özdemir könnte auch Hand in Hand mit Westerwelle über die Rathausplätze ziehen — es würde perfekt passen.

Nun kann man sagen, okay, die Rot-Grünen Jahre waren ein Fehler — bei der ersten Bewährungsprobe hat man leider versagt. Ist bei den Grünen ein Umdenken zu erkennen? Wenn ich da in meine Heimatstadt schaue, bekomme ich das kalte Grausen. Bekanntlich läuft hier das erste Schwarz-Grüne Projekt. Die Grünen haben hier den Man zum Bürgermeister gewählt, der noch vor wenigen Jahren die Rechtspopulisten der Schill-Partei salonfähig gemacht hat und sich von ihnen hat aushalten lassen, Ole von Beust. Vielleicht kann man auch hier argumentieren, dass vernünftige Politik, selbst mit der CDU, wichtiger ist, als Opposition. Doch wenn man sich dermaßen selbst verleugnet, wie die Grünen, dass kann man nur mit dem Kopf schütteln. Die Grünen hatten drei zentrale Wahlkampfthemen: Ole von Beust, die Elbvertiefung und natürlich das Kohlekraftwerk Moorburg. Die Grünen haben hier in Hamburg Wahlbetrug begangen und die Wählerinnen und Wähler verraten und verkauft.

Wenn die Grünen nur so engagierte Mitglieder hätten wie Oliver oder Julia — meine Stimme hätten sie. Dann würde ich auch nicht groß überlegen und mein Kreuz bei der nächsten Wahl beruhigt bei den Grünen setzen. Doch dem ist leider nicht so. Dem entgegen steht mittlerweile ein ganzer, teilweise, neoliberaler Parteiapparat. Die Grünen kommen oftmals nur als moderne Variante der FDP daher. Aktuell machen die Grünen als Kämpfer für unsere Bürgerrechte von sich reden. Und das, nachdem sie selbst jedes noch so absurde und unserem Grundgesetz widersprechende so genannte Sicherheitsgesetz von Otto Schily abgesegnet haben.

Ist das glaubwürdig? Eher weniger. Die Grünen nennen es den Datenschutzsommer 2009. Deine Daten gehören Dir wird skandiert, und auf die jüngsten Datenschutzskandale hingewiesen: Datenskandal bei der Telekom, Überwachung der Mitarbeiter bei der Bahn, Kameras auf öffentlichen Plätzen, heimliche Online-Durchsuchung, Vorratsdatenspeicherung … Nein, wir befinden uns nicht in Orwell‘s Roman «1984», sondern in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2009. Selbstverständlich kann man sich bei den Grünen auch registrieren. Wenn man dann aber die Nutzungsbedingungen liest, heißt es: Zuerst aber bitten wir Dich die Nutzungsbedingungen zu akzeptieren und uns Deine Erlaubnis zu geben, die Daten über dich zu speichern, die notwendig sind, um Dir Angebote nach deinen Interessen machen zu können. […] Alle Nutzerinnen und Nutzer garantieren, dass die von ihnen im Rahmen der Registrierung angegebenen persönlichen Daten der Wahrheit entsprechen.

Selbstverständlich wird es, wie bei Heise zu lesen ist, ganz im Politikersprech relativiert: Dies begründen die Grünen vor allem mit geplanten «Folgeaktionen» zur Durchsetzung der eigenen Ansprüche. Die eingesetzte Software sei «absolut datenschutzfreundlich». Die Daten seien bei jedem Login einsehbar und könnten gelöscht werden. Es sei auch möglich, sich anzumelden, die Schreiben zu kopieren und seinen Account wieder zu stornieren.

Nun ist es das gute Recht jeder Plattform, bietet sie Inhalte und Aktionen an, die eine Anmeldung erfordern, diverse Daten abzufragen. Niemand wird gezwungen, seine Daten dort einzutragen. Doch wenn ich den Datenschutzsommer 2009 ausrufe, und dabei gleichzeitig ankündige, die Daten meiner Mitglieder zu Werbezwecken zu missbrauchen — und wenn es nur interne Aktionen sind — und von den Nutzern reale Daten abverlange, dann persifliere ich mich selbst. Es ist wie immer in der Vergangenheit — das grüne Gemüse kann man einfach nicht ernst nehmen, zumindest nicht oberhalb der Basis, die im Gegensatz zu anderen Parteien noch vorhanden ist. Es wird sich zeigen, ob die Grünen in 5  Wochen mein Kreuz bekommen — wenn ich mir aber noch einmal die letzten Jahre vor Augen führe, jetzt diese lächerliche Aktion sehe, dann eher nicht. Fragt sich nur was, dann…

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35 Antworten zu “Grüne Persiflage”

  1. Anonymous sagt:

    Ja eben, was dann? Du wirst sicherlich keine Partei finden, mit deren Inhalten und Spitzenpersonal Du zu 100% im Reinen bist. Du wirst auch keine Partei finden, bei welcher Du in der Vergangenheit nicht auf Dreck stößt. Franz Müntefering hat mal auf einer SPD-Veranstaltung gesagt, dass es reicht, zu 51% mit einer Partei übereinzustimmen. Da hat er meiner Meinung nach Recht. Wer zu keinerlei Kompromissen bereit ist, der wird in der Politik gar nichts verändern (was nicht bedeutet, dass man sich verkaufen soll).

  2. Chris sagt:

    Eine Demokratie lebt von Kompromissen. Nur sollten das eben Kompromisse sein, und nicht das oftmals zitierte kleinere Übel. Schau m’er mal…

  3. Kronkorken sagt:

    Naja, bei dem Portal reicht im Endefekt eine Mailadresse aus. Mehr Daten sind nicht nötig, damit es benutzbar ist. Zur Adressangabe oder weiteren Dingen wie Geburtsdatum wurde ich nirgends gezwungen…

  4. Chris sagt:

    Selbstverständlich wirst Du dazu gezwungen. Zu dem Portal gehören die Nutzungsbedinungen. Nur weil Du es kannst, darfst Du Dich auch nicht in die Innenstadt begeben und der Fleischeslust frönen…

  5. Cartagena sagt:

    Eben drum, wenn es nur Kompromisse wären. Seit Jahren ist die Situation so, dass man vielmehr die Dinge hinnehmen muss wie sie kommen, es wird gebilligt und geduldet, wo es nur geht. Ansonsten würde unsere Wahlbeteiligung ganz schnell ein Existenzminimum erreichen.

    Der Grad der Billigung entscheidet heute wer gerade so noch wählbar ist und wer nicht.

    Die Grünen stehen mir persönlich auch ziemlich nahe. Nur bei dem ganzen Bürgerrechtsgeschnacksel schaue ich ein paar Jahre zurück, 2007, dem Jahr als ich den Grünen gar beitreten wollte und gesehen habe wie da agiert wurde gegen die VDS, nämlich so gut wie gar nicht.
    Auch sonst stehen sie für mich ebenfalls sehr widersprüchlich da. Wenn ich es höflich ausdrücken müsste, würde ich meinen, die Grünen sind ein bipolare Partei, für jeden etwas dabei!

    Was Deinen Kommentar zu den Piraten angeht, finde ich persönlich natürlich schade, kann es aber selbst sehr gut nachvollziehen. Gerade in letzter Zeit sind unschöne Dinge von Einzelpersonen und auch Gruppen abgelaufen, die die Partei unseriös erscheinen lassen und wie immer den anderen Teil überblenden. Trotzdem bleibt mir mein eigenes Piratentum unbenommen 😉

  6. Zu den Grünen fallen mir drei Dinge ein:

    - Atomkraftwerke die nächsten 30 Jahre
    – Hartz IV
    – Bomben auf Belgrad

    Danach brechen dann meine Gedanken auch schon ab, Bauchschmerzen bekäme ich, würde ich mir das schön reden wollen.

  7. Rubber Bot sagt:

    Leider ist es immer wieder ein Fehler, davon auszugehen, dass man die etablierten Parteien oder die Gesellschaft ändern kann, in dem man eine Wahlentscheidung zugunsten dieser Parteien trifft. Die etablierten Parteien wissen, dass sie im Prinzip machen können, was sie wollen, sie sitzen es notfalls 1 bis 2 Wahlperioden aus, ändern z.B. strukturell aber nichts, irgendwann kommt der Wähler wieder zurück (denken sie). Einzige Wahlempfehlung daher:
    Zur Wahl gehen und Wahlzettel durchstreichen, dann erhält zumindest keine Partei Geld für die so abgegeben Wahlstimme und dies ist trotzdem eine legale Wahlstimme des Veränderungswillens. Noch nie ist zudem eine wirklich bedeutende Wahl wegen einer einzelnen Stimme entscheiden worden, man verschwendet sie so also auch nicht (wie vielfach suggeriert wird), sondern wählt so nach seinem «Gewisssen». Nur, wenn sich strukturell etwas ändert (siehe z.B. meinen Blog bashflash.blogspot.com) wird sich je etwas zum wirklich Positivem wenden, mit den derzeitigen Parteien und demokratischem System, ist dies nie möglich. Die etablierten Parteien und vor allem Politiker haben nur vor einer Sache Angst, nämlich, dauerhaft nicht mehr gewählt zu werden. An dieser Stelle muss und kann man sie packen.

  8. Der Säzzer sagt:

    Zu: »[…] Die SPD und die Grünen wollten alles anders machen. […]«

    Ich fürchte, da haben viele nicht genau hingehört oder nicht hinhören wollen — ich ebenso. Schröder sagte häufig genug, er wolle »nicht alles anders, aber vieles besser zu machen«.

    Man hätte es nicht unbedingt wissen können, was dann kam — aber hinterfragen müssen, was da kommen solle.

  9. Oliver sagt:

    >Leider ist es immer wieder ein Fehler, davon auszugehen, dass man die etablierten Parteien oder die Gesellschaft ändern kann, in dem man eine Wahlentscheidung zugunsten dieser Parteien trifft.

    DU kannst dich auch aktiv beteiligen. Leider läßt dem Gros der Nerds ihr liebstes Hobby kaum noch Zeit am Leben teilzunehmen. Drum verspricht man sich ultimativen Heilsverkündern, die dank dem kleinsten gemeinsamen Nenner a) nicht bewegen und b) auch so gut wie nichts falsch machen können :-)

  10. matz sagt:

    Lässt du die fünf großen Parteien außen vor und nimmst auch keine braune Soße dazu, bleiben die Piraten immernoch eine Alternative. Sie werden laut den Prognosen einen hohen Teil der verbleibenden Stimmen erhalten. Sie hat auch als Einzigste das Potenzial, andere (fehlende) Themen vernünftig abdecken zu können. Aus strategischer Sicht kann man sich natürlich uneinig sein. Aber warum nicht klarmachen zum ändern ?

  11. der d0n sagt:

    Also für mich ist es ganz einfach, ich habe an jeder Partei viele Punkte die mir einfach nicht gefallen und die ich nicht haben möchte, deswegen wähle ich die Partei wo ich mit allen Punkten leben kann -> Die Piratenpartei
    Natürlich haben sie bisher nicht alle Felder besetzt, aber sie sind dabei und jeder kann mitarbeiten.

    Grüße

  12. @ Rubber Bot:

    Das sehe ich sehr ähnlich wie Du, nur bin ich vielleicht etwas «pragmatischer», da ich diesmal nicht ungültig stimmen werde, sondern versuche, der kommenden «Opposition» etwas mehr Gewicht zu verleihen, solange wir eben noch keine strukturellen Änderungen erreicht haben. Da fahre ich also zweigleisig 😉

    Gruß
    fb

  13. Stefan sagt:

    Chris, der beste weg den Selbstreinigungsprozess bei den Piraten in Gang zu bringen, ist, ihnen dein Stimme zu geben. Die Piraten werden wohl keine 5% holen, aber ein gutes Wahlergebnis wird die Partei professionalisieren. Die nächsten Bundestagswahlen stehen erst wieder in 4 Jahren an (nach dem was man jetzt weiß ;), bis dahin hat eine gestärkte Piratnpartei genug Zeit sich zu professionalisieren.

  14. tralafitti sagt:

    Der Datenschutzsommer ist doch nicht mehr als ein schlechter Scherz.
    Ich habe dem Büro von Malte Spitz eine Mail in der Angelegenheit geschrieben. Seine Antwort hat gezeigt, dass die Zweifelhaftigkeit der Aktion nicht ansatzweise erkannt wird, bzw man sie nicht erkennen will.
    Wer das Thema Datenschutz nur aufgreift, wenn es mit dem Wahlkampf verbunden werden kann ist einfach nur unglaubwürdig.
    Das reiht sich in meine sonstigen Erfahrungen mit den Grünen ein.
    Dieter Salomon, der grüne OB von Freiburg versucht regelmässig die CDU rechts zu überholen. Dieser Mann hat kein Problem damit Freiheitsrechte einzuschränken, städtisches Eigentum zu privatisieren, soziale Randgruppen aus der Stadt zu verdrängen oder dem politisches Gegner das Recht abzusprechen sich auch nur über das Thema Demokratie zu äussern.
    In Gegensatz zu vielen anderen wundert mich das alles nicht wirklich. Meiner Meinung nach waren die Grünen schon 1998 keine politische Alternative mehr.
    Werde wohl wieder lustige Bilder auf den Wahlzettel malen. :(

  15. cypher sagt:

    Tja
    ist schon nicht leicht so eine Wahlentscheidung. War sie aber irgendwie noch nie so richtig. Früher war man höchstens naiver … glaubte es haette irgendeine Bedeutung was die so vorgeben tun zu wollen. Aber wenn man einige Legislaturperioden erlebt hat und sich den ein oder anderen Gedanken macht wirds haarig. Zu jeder de größeren Parteien fallen einem dann diese oder jene Skandale en … bei manchen wars auch manchmal nur ein einziger ohne Unterbrechung. Bei den Piraten fehlte halt bisher die Chance für derartiges … dafür gibts da den ein oder anderen menschlichen Fehlschlag.
    Ungültig Waehlen wird da immer verlockender … aber irgendwie … weiß ich nich … glaub ich gebe ich den Piraten ein Stimmchen mehr. Nicht unbedingt weil ich glaube sie selbst werden großes tun … oder überhaupt die Chance dazu bekommen … derzeit eher noch um den anderen vor die Nase zu halten wieviel Stimmen sie haetten zusaetzlich haben können wenn sie Anstand gehabt haetten und nicht Bürger als dumme Gefaehrder sehen würden.
    Sie sollen sehen wie wichtig ein Thema sein kann wenn man es den Bürgern wegnehmen will. Das mag ein naiver Gedanke sein … aber das bei Wahlen wirklich viel bewegt wird ist generell leicht naiv.
    Und im Zweifel … wenn sie nichts lernen wollen und weiter nur das Volk, den eigentlichen Arbeitgeber, mit Füßen treten … müssen vielleicht wieder Laternern herhalten.
    Wenn «die» Geschichte wiederholen wollen kann das Volk das ja schließlich auch mal ins Auge fassen.

  16. LauteGedanken sagt:

    Soweit ich meine hier mal gelesen zu haben wurde Chris telefonisch belästigt. Leider gibt es solche durchgeknallten Typen wohl in jeder Partei und ich hoffe dass Chris davon nicht (zumindest nicht allein davon) seine Wahl abhängig macht.

    Die Piraten MÜSSEN kritikfähiger werden und den Zulauf besser organisieren, bzw. dürfen es nicht zulassen daß sich Einzelne als Sprachrohr der Partei ausgeben und über die Stränge schlagen.

    Da sich aber summa summarum rein gar nix bei den etablierten Parteien sonst ändern wird, braucht es den Schuß vor den Bug. Daher Piraten. Die haben zwar auch noch Kanten und Fehler, aber was ist die Alternative?

  17. aloa5 sagt:

    Man kann einen derartigen Zulauf wie bei den Piraten nur schlecht in den Griff bekommen. Den Fehler hat man dort zuvor gemacht. Aber ich will inzwischen nicht mehr weiter über das offensichtliche lamentieren. Es wird das Beste aus der Situation gemacht.

    Ich teile den Pessimismus das es die Partei 2013 nicht mehr geben wird nicht. Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Was geschehen kann ist das ÖDP-Syndrom oder schlimmstenfalls das der BÜSO. Dafür fehlt es der Partei jedoch imho an einer veritablen Masse von Extremen. Sie wird also existieren. Aus Sicht der Idealisten kann jedoch enttäuschender Weise mit dem sicher irgendwann kommenden Beiprogramm das Miasma des Idealismus sicher nicht weitergeführt werden. Dafür gibt es ansonsten zu wenig adäquate Möglichkeiten solchen Idealismus zu betreiben. Man würde zwangsweise in Spinnereien abrutschen und das hilft dem Kern der Anliegen nicht im mindesten.

    BTW: große Parteien lernen am Besten (nzw. ausschließlich) von der Oppositionsbank aus. Das wurde im Eingangsbeitrag von Grünen bis SPD behandelt. Daran krankt einiges.

    Grüße
    ALOA

  18. Oliver sagt:

    >große Parteien lernen am Besten (nzw. ausschließlich) von der Oppositionsbank aus.

    Diese Logik krankt an dem gleichen Problem wie «wir müssen etwas gegen die Reichen tun». Aus der Sichtweise des Betreffenden kann dies einfach derjenige sein der mehr verdient (aka Neid) oder derjenige mit tatsächlich exorbitantem Auskommen. Ähnlich verhält es sich mit den «großen Parteien» oder jenen «etablierten». Wann ist eine Partei «groß», wann gar «etabliert»? Sind die Grünen beispielsweise «groß», weil die Piraten nahezu nicht existent sind? Oder sind sie «etabliert» weil sie recht lange existieren? Die SPD beispielsweise ist eine etablierte Partei, die in ihrem Umfeld — diesem Land und seinen Bürgern — anerkannt ist. Die Grünen hingegen sind bei den wenigsten anerkannt, da auch hier die Angst vor zuviel Umweltschutz herrscht aka «Umwelt ja, solange es nichts kostet».

    Beispielsweise könnte ich auch fortwährend von diesem ominösen Establishment reden und meine tatsächlich jeden dem es besser ergeht als meiner Person. Mutet jedoch alles wie FUD an, FUD ein Begriff den der gemeine Nerd wohl am Besten verstehen sollte. Ich für meine Person erwarte ein vollständiges Programm, ein Programm welches konsequent gewisse Dinge in dieser Gesellschaft anspricht.

    Den «Nerd» als aussterbende Art zu schützen bzw. diesem ein Reservat zu errichten sehe ich nicht als dringlichstes Problem dieser Gesellschaft an — außer diese «Nerds» lieben das Leben in einem goldenen Käfig. WIr reden hier also entweder von tatsächlicher Freiheit, Gerechtigkeit in aller Konsequenz oder Artenschutz für «Nerds».

    Ehrlich gesagt mich tangiert die Freiheit im Netz keinen Iota — allenfalls tertiär. Da draußen diese Freiheit genießt oberste Priorität und wenn diese gewährleistet ist, dann ist mein Sandkasten Internet ebenso frei. Im übrigen können alle Bürger dieses Landes diese Freiheit da draußen — sofern umgesetzt respektive adäquat «gesichert» — umgehend genießen. Die Freiheit im Netz jedoch ist ebenso nur für eine Art Elite zugänglich. Hier stellen sich die Fragen in puncto Einkommen, Netzanbindung etc. pp. Dinge die wiederum mit Gerechtigkeit zu tun haben. Eine Gerechtigkeit die erst gewährleistet sein muß, damit alle an dieser Freiheit im Netz partizipieren können. Klar das Ego zäumt den Gaul gerne von hinten auf, aber die Mitmenschen können dem in der Regel kaum etwas abgewinnen.

  19. Anonymous sagt:

    Also, ich sehe es so:

    Als kleine Partei in Koalition mit einer großen Partei ist es doch nur logisch, dass man nicht alle seine Forderungen durchsetzen kann! (Es wäre auch nicht demokratisch). Deswegen sollte man nicht alles verdammen. Z.B. gab’s das Erneuerbare-Energien-Gesetz, die regenerativen Energien machen mittlerweile 15% der Stromproduktion aus (wiederholt der Trittin immer — und er hat ja recht damit). Also ich sehe es so: Wem Umwelt wichtig ist, der sollte grün wählen.

    Was für mich nicht in dem Maße gilt, weil ich einfach die Auffassung habe, dass Privatinteressen viel zu mächtig geworden sind. Es ist einfach nur traurig und macht wütend: Der Spiegel ist durch die Austsche Wende zu einem neoliberalen Schmierblatt geworden («Linke-Lafontaine» — sowas gab’s vorher nur in BILD). Schröder hat alle seine Kommissionen (er musste ja die politische Arbeit aus den Ausschüssen und demokratischen Gremien herausdrängen) mit angebotsorientierten Schmiermännern besetzt — (Rürup arbeitet ja jetzt beim AWD, über die Hartz-Kommission sag’ mal nichts.) Von den Grünen bin ich deswegen enttäuscht, weil sie sich diese Reformen nicht kritisch angeguckt haben. Ich dachte immer, die Grünen sind eine solidarische Partei (Dritte Welt, etc.). Aber an dieser Stelle haben sie noch nichtmal diskutiert. _Das_ ist wirklich traurig. Von den Kreigseinsätzen (worüber ich zu wenig weiß) mal ganz zu schweigen.

    So negativ, wie die Linkspartei übrigens in den Medien tapeziert wird, ist sie bestimmt nicht. Es sind ja auch ‘ne ganze Menge alter SPD-ler, die schlicht vom Schröder-Kurs enttäsucht waren, zur WASG gewechselt. (Das sind in den Medien dann die «Spinner» aus dem Westen neben des Ex-SEDlern — ähh «Realos» aus dem Osten). Es gibt bei Phoenix übrigens ein saugeiles Streitgespräch zwischen Klaus Ernst (die Linke / WASG) und dem Chef vom CDU-«Wirtschaftsrat». Auch mit genialem Neusprech durch den CDU-Typ.

    Also, ich will schlicht die SPD wieder auf einen sozialeren Kurs zwingen. Und da wähle ich auch aus purer Überzeugung und kümmere mich nicht so sehr um taktisches. Dann müssen die Medienleute wenigstens feststellen, dass immer mehr Leute links wählen. Schwacher Trost, aber das einzige, was man tun kann. (Neben dem, selbst politisch aktiv zu werden.)

  20. Wolf-Dieter sagt:

    Dass SPD ausfällt, ist klar. (Über Schwarz/Gelb kein Wort zu verlieren: yep.)

    Aber dass Grün eine Alternative sein soll? Da fällt mir doch glatt die Kinnlade herab.

    Dass die Linke bei die ausscheidet, begründest du mit Interpretation deren Mitgliedern.

    Lass es mich so sagen: egal wie blöd die sein mögen. Sie sind um Längen besser als alle anderen zusammen. Warum? Ganz einfach. Sie sind noch nicht gekauft. Im Unterschied zu den etablierten Parteien (und zwar einschließlich der Grünen) haben die noch keine Spenden vom «Finanzplatz Deutschland» erhalten.

    Ausgerechnet in Deutschland gilt es, mit einer scheußlichen Tradition zu brechen — und zwar: den Übeltäter immer und immer wieder erneut zu wählen.

    Die Devise muss lauten: Abwählen. Und zwar alle, die im Boot waren mit Sozialabbau und Krieg. Und das betrifft alle — außer der Linken. Sorry.

    Falls die sich in der kommenden Legislaturperiode mit Käuflichkeit blamieren, kannst du sie beim nächsten Mal abwählen. Aber bei dieser Wahl ist ein Fanal angesagt.

  21. Chris sagt:

    Manche Linke scheinen auch noch an den Weihnachtsmann zu glauben, wenn es um ihre Partei geht. Schlimmer als so mancher CSU-Ortsverein…

  22. Wolf-Dieter sagt:

    @Chris

    Manche Linke scheinen auch noch an den Weihnachtsmann zu glauben, wenn es um ihre Partei geht. Schlimmer als so mancher CSU-Ortsverein…

    Ich misstraue der Linken. Aber ich werde sie wählen.

  23. Oliver sagt:

    >Sie sind noch nicht gekauft.

    Warum weil Horden von Ex-Genossen dort plötzlich eine Generalamnestie genießen? Oder weil einige verbohrte Kommunisten meinen Marx zu zitieren und alles wird gut, nebenher schwafelt man gar von den Vorzügen der Mauer? Das alles gepaart mit eine omnipotenten Amnesie diverser Links-Wähler.

    Lieber Wolf-Dieter bitte mitschreiben: diverse Leute in der Linken sind als Kommunisten, ehemalige SPDler und auch SEDler für unzählige Dinge verantwortlich, aber nicht nur als Juniorpartner wie beispielsweise die Grünen. Diese Partei beherbergt unzählige die sich neuerdings mit der Wandlung vom Saulus zum Paulus profilieren möchte, Realpolitik missen lassen und sich teils absurden Dogmen hingeben. Je größer die Not bei einigen, umso mehr an Glauben — das sorgte schon seit dem Mittelalter für allerlei obskure Verhältnisse und auch Zäsuren insbesondere in diesem Land.

    Btw. lass dich nicht abhalten hier auf dieser Publikation nach Artikeln in puncto Grüne zu suchen. Ich denke du wirst mehr gehaltvollere Argumente dagegen finden, als diese stoische undurchdachte Litanei von HartzIV und Krieg.

    Ich bin nur einer Meinung und diese fußt auf der Erfahrung, daß eine Koalition zw. Linken und Grünen beiden gut tun würde. Die einen würden Fuß in der Realität fassen und die eigenen Grenzen besser ausloten, die anderen würden noch einmal korrekt auf _links_ geeicht.

    >begründest du mit Interpretation deren Mitgliedern.

    Das begründen wir mit deren Politik und den massiven Altlasten in dieser Partei.

  24. Rubber Bot sagt:

    @ Frank Benedikt

    Zweigleisig i.d.S. ist wohl OK in einer Demokratie, aber wirklich ändern tut sich dadurch gar nichts, dazu muss man konsequenter sein, wie beschrieben, denke ich. Starte daher jetzt eine Aktion auf meinem Blog (den fast keiner liest und dessen Inhalt auch fast keinen interessiert :-)

    @ Oliver

    >DU kannst dich auch aktiv beteiligen.

    Ich tue doch was, heute kommt deshalb zudem noch eine Aktion auf meinem BlogBashflash.
    In eine bestehende Partei würde ich nicht eintreten, lies meinen Blog, unabhängig von der Sinnlosigkeit, könnte ich mir die Mitgliedschaft z.B. in der «Linken» nicht leisten, von der Piratenpartei als Themenpartei halte ich schon deshalb nicht allzu viel und eine Partei zu gründen fehlt mir sowohl das Geld, als auch die Energie und die Kontakte, sonst würde ich dies schon, sofort :-))

  25. Wolf-Dieter sagt:

    @Oliver

    Ich denke du wirst mehr gehaltvollere Argumente dagegen finden, als diese stoische undurchdachte Litanei von HartzIV und Krieg.

    HartzIV und Krieg: Stoisch? Undurchdacht?

    begründest du mit Interpretation deren Mitgliedern.

    Das begründen wir mit deren Politik und den massiven Altlasten in dieser Partei.

    Welche Politik außer Opposition? Altlasten — betreffend vielen Mitgliedern: gerne. Aber Altlasten betreffend die Partei? Seit wann, bitte? Die Linke besteht nicht nur aus Ex-PDS, sondern aus sehr vielen zur Besinnung gekommenen Sozialdemokraten.

    Ich respektiere deine Meinung, aber es bleiben Verständnisfragen.

  26. Wolf-Dieter sagt:

    @Oliver

    sorry, ich konnte nicht anders. Ich musste nachtreten:

    Ich bin nur einer Meinung und diese fußt auf der Erfahrung, daß eine Koalition zw. Linken und Grünen beiden gut tun würde. Die einen würden Fuß in der Realität fassen und die eigenen Grenzen besser ausloten, die anderen würden noch einmal korrekt auf _links_ geeicht.

    Lieber Oliver, dass die Linken Fuß in der Realität fassen, begrüße ich zwar.

    Aber, mit allerm Respekt. Grün und Links? Zwei Welten begegnen sich!

  27. Oliver sagt:

    >Grün und Links? Zwei Welten begegnen sich!

    Warum? Zieht es viele Ex-Genossen lieber traditionell zu der SPD? Ich glaube mit einem Gysi an der Spitze — auch wenn er Ex-SED ist — ließe sich mehr anfangen und bewegen.

    >Aber Altlasten betreffend die Partei? Seit wann, bitte? Die Linke besteht nicht nur aus Ex-PDS, sondern aus sehr vielen zur Besinnung gekommenen Sozialdemokraten.

    Ex-PDS und somit teils auch Ex-SED, schrieb ich oben übrigens. Altlasten betreffen nicht die Partei? Gut, was spricht gegen die Grünen? Meine Altlasten dort sind beispielsweise Künast und Fischer. Letzerer insbesondere. Du sprichst von den Fehlungen der Grünen und was ist mit den Fehlungen der SPD, der SED usw.? Sind diese alle geläutert, weil sie in eine «linke» Partei eintraten. Wir heben ein neues Transparent und alles ist gut? Die Mutation vieler dort vom Saulus zum Paulus müssen diese erst einmal unter Beweis stellen, ansonsten ist das schlechtes Karma für die Linke. Eine Partei setzt sich nun einmal aus Einzelnen zusammen.

    Ich halte mehr von echten Linken in der SPD, als Dogmatikern in der Linken die sich mit Dampfgeplaudere beinahe als Demagogen verdingen.

    @rubber bot

    >In eine bestehende Partei würde ich nicht eintreten, lies meinen Blog,

    Ich lese so gut wie keine Weblogs, allenfalls ein Handvoll und dort bin ich seit vielen Jahren Stammleser. Zuviel Redundanz …

  28. Rubber Bot sagt:

    @Oliver

    >Zuviel Redundanz …

    Stimmt wohl, auch gibt es zuviele Blogs, aber zu begründen, weshalb ich von den etablierten Parteien nichts halte, ja auch nichts halten kann, wäre die Kommentarfunktion hier falsch verwendet. Daher bleibt nur der Hinweis auf meinen Blog. Diesen muss man natürlich nicht lesen, insbesondere wird man ihn nicht lesen wollen, wenn man glaubt, bestehende Parteien und das derzeitige System mit ihren eigenen Mitteln bzw. einer normalen Wahl reformieren zu können, was hier anscheinend etliche (immer noch) tun, welchen Sinn hätte sonst eine hier von vielen geführte inhaltliche Diskussion über Parteien und Themen wie «wen kann/sollte man wählen» bzw. «wen nicht» usw.

  29. Oliver sagt:

    >wenn man glaubt, bestehende Parteien und das derzeitige System mit ihren eigenen Mitteln bzw. einer normalen Wahl reformieren zu können

    Ich glaube daran das jegliche massive Änderung erst dann kommt, wenn sich die Gesellschaft durch und durch ändert. Ich kann mich natürlich auch Utopien hingeben, aber warum? Ich lebe hier und jetzt und selbst wenn irgendein Ziel erstrebenswert ist, muß man auf dem Weg dorthin viele kleine Schritte gehen. Ansonsten ändert man nämlich überhaupt nichts, läßt den Tag verstreichen und träumt von einer besseren Welt.

  30. Rubber Bot sagt:

    Genau, kleine Schritte, der erste wäre dieser:

    Aktion «Geht wählen, streicht ihn durch»

    Vielleicht doch einmal lesen, diesen einen Artikel, und dann darüber schlafen, man muss ja nichts überstürzen 😉

    In diesem Sinne einen schönen Abend.

  31. Chris sagt:

    @Rubber Bot: Höre bitte auf, in fast jedem Kommentar auf Dein Blog zu verweisen. Das nervt und nennt sich Spam. Wenn Du kommentieren willst, bitte, aber nicht als Dauerwerbesendung für ein meiner Meinung nach langweiliges Blog.

  32. Stefan sagt:

    Im Kreistag von Demmin bilden Linke und Gründe jetzt übrigens eine gemeinsame Fraktion. Davon hätte vor 19 Jahren wohl niemand geträumt.

  33. Oliver sagt:

    In den Provinzen herrscht «Realpolitik», man muß sich mit der Realität vor Ort beschäftigen, auf Bundesebene Dogmatik und Utopien.

  34. Pierrot sagt:

    Sehr guter Artikel!

    Vielleicht hilft Pispers… 😉

    Volker Pispers — Das politische Elend in Deutschland

  35. aloa5 sagt:

    >große Parteien lernen am Besten (nzw. ausschließlich) von der Oppositionsbank aus. Diese Logik krankt an dem gleichen Problem wie “wir müssen etwas gegen die Reichen tun”

    Sehe ich nicht so. Parteien mit eingefahrenen Strukturen und Personalien sind schwerfällig. Sie bewegen sich erst, wenn der Bürger sie abstraft. Erst dann ist der Wille da sich auf die Meinung des Bürgers einzulassen.
    Sicher — man war ja davor (vermeintlich) gewählt worden für seine Meinung.… wieso sollte man also von dieser abrücken. Das ganze speist sich aus dem Unterschied zwischen Erwartungshaltung und dem was man am Ende heraus bekommt.

    Grüße
    ALOA

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