Groupon: Nur noch ein Ramschladen?

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Logo: Groupon. Satirische Verfremdung: F!XMBR.

Die letzten Wochen nähren den Anschein, als würde sich Groupon von einem echten Deal zu einem Ramschladen entwickeln. Der Aktienstart war schon holprig, positiv konnte man von kreativer Buchhaltung sprechen, der Aktienkurs selbst ist seitdem eingebrochen — und in den letzten Wochen haben sich die Meldungen gehäuft, dass Unternehmen, die sich auf einen Deal mit Groupon eingelassen haben, nicht die beste Erfahrungen gemacht haben (suche nach Groupon bei @egghat). Alles in Allem macht es derzeit den Anschein, als wäre Groupon der noch lebende Beweis für die Web-2.0-Blase. Vergleiche mit der New Economy bitte hier einfügen.

Als Blogger findet man täglich lustige, fragwürde und schlicht nervige Post in seinem E-Mail-Postfach. Das Gold, welches mir bereits versprochen wurde, könnte Fort Knox füllen, die blauen Pillen könnten mir bis zum Ableben eine Dauererektion verschaffen. Dazu kommen Social-Media-Luftpumpen (danke @caschy für den Ausdruck) und die unterste Stufe, SEO-Seelenverkäufer. Nicht huscht ein Lachen über mein Gesicht, wenn ein Social-Media-Profi mit 200 Followern mir erklären will, wie Google+ funktioniert. Oder die ganzen Linkanfragen, die unserem kleinen Privatblog noch etwas Gutes tun wollen. Laut meinem E-Mail-Postfach sind wir bald die reichsten Menschen der Welt, Heidi Klum und Megan Fox möchten uns heiraten, das Ganze geben wir dann auf F!XMBR mit Pagerank 47 bekannt, während uns Fantastilliarden von Leser liken, lesen und weiterempfehlen. Das Web 2.0 ist schon toll.

Was hat das Alles mit Groupon zu tun?

Es hat den Anschein, als sei Groupon auf der untersten Stufe im Netz angekommen. Heute Morgen flatterte folgende E-Mail in unseren Briefkasten (das Beste vom Besten vom Besten, Sir als Hervorhebung von mir):

Hallo Christian, Hi Oliver,

ich bin gerade auf Euren Blog aufmerksam geworden und habe mich direkt mal umgeschaut. Ich finde Euren Blog sehr interessant und ansprechend.

Als weltweit aktives Unternehmen im Bereich Lifestyle und Citydeals sucht Groupon ständig nach Kooperationsmöglichkeiten und innovativen Partnerschaften. Dabei ist mir wichtig, dass beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren.

Solltet Ihr interessiert sein so freue ich mich über eine Rückmeldung, auch wenn Ihr kein Interesse hegen solltet, freue ich mich wenn Ihr mir ein Feedback geben könntet.

Mit besten Grüßen,

Da fühlt man sich ja gleich gebauchpinselt, wenn ein weltweit aktives Unternehmen im Bereich Lifestyle sich für ein kleines Privatblog interessiert und eine profitable Zusammenarbeit vorschlägt. Dollarzeichen in den Augen bitte hier einfügen. Ich bin fast sicher, dass es zu einer Kooperation mit Groupon kommen wird — und so habe ich unsere Standardmail verschickt:

Sehr geehrter Herr,

wie schön, dass Sie sich mit den Blogs auseinandergesetzt haben, die Sie angeschrieben haben. Das gibt mir große Hoffnung, dass wir bald zu Geschäftspartnern werden. Selbstverständlich sind nachfolgende Angaben Praxisbeispiele, Individualität ist bei uns Trumpf, das gilt auch für unsere Partner. Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam entwickeln wir die passende Kampagne für Sie und Ihre Kunden!

Banner oberhalb Header, sichtbar auf allen Seiten: 4.000 Euro
Banner Sidebar, Frontpage: 2.000 Euro
Banner Sidebar, Artikel: 3.000 Euro
Einbindung (Viral-) Video: 1.500 Euro
Exklusivvermarktung; Werbebanner und Kooperation nach Absprache: ab 15.000 Euro

Die Preise verstehen sich monatlich. Mindestvertragslaufzeit: 24 Monate. Kündigungsfrist: 6 Monate zum Vertragsende, sonst verlängert sich der Vertrag automatisch um 12 Monate.

In Erwartung Ihres Auftrages verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Christian Sickendieck

Mal im Ernst: Wie schlecht muss es Groupon gehen, wenn man nun auf windige E-Mails im Stile von Linkhuren und anderem Gedöns zurückgreift? Was läuft in einem milliardenschweren Unternehmen falsch, wenn solche E-Mails an kleine Privatblogs verschickt werden? Wann platzt die Blase? Wann kommt es zum Knall?

Wäre ich Aktionär, bliebe fast nur eine Möglichkeit: erschießen. Oder man schreibt die Verluste ab und verdingt sich zukünftig als Gold– und Viagra-Händler im Internet. Vielleicht ist dieses Standbein sogar zukunftssicherer. Im Gegensatz zu Groupon selbst.

Un.fass.bar.

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4 Antworten zu “Groupon: Nur noch ein Ramschladen?”

  1. bjoernMaHe sagt:

    Inzwischen laufen dort relativ viele «Jobs» (in seiner billigsten Bedeutung) nur noch auf Provisionsbasis. Zuerst natürlich die, die sich mit den Geschäften beschäftigen. Allerdings werden diverse Stellen auch als «Praktikum» ausgeschreiben — besonders auffällig beim Bereich «Online Marketing». Und nein, das ist nicht der «Kunden-/ Partner-Support» sondern soetwas wie oben beschrieben.

    PS: Netter Antwortbrief ;-)

  2. egghat sagt:

    Menno, die großen Blogger bekommen immer die tollen Angebote. Und ich nur was vom Handelsblatt (vertickern sie Abos und es gibt ganz doll Prämie) ;-)

    Naja, Groupon ist eh schon ganz unten angekommen. Was die mit ihren «Partnern» treiben, ist eher noch schlimmer als diese «unseriöse» Werbung. Wenn man die «Partner» in unlimitierte Gutscheinaktionen treibt, kann das einen kleinen Frisör oder ein Restaurant schnell an den Rand des Ruins bringen. (siehe z.B. hier: http://www.wiwo.de/untern.….832.html )

    Was die Angebote angeht: DailyDeal scheint mir minimal besser zu sein, QypeDeals schafft es sogar, noch dämlicheren Schrott zu verkaufen als Groupon. Vieles dort ist einfach Schrott, den keiner haben will. Im besten Fall ist es ein halbwegs vernünftiges Produkt, auf das es dann einen Riesenrabatt gibt, der von einem Preis aus berechnet wird, den NIEMALS jemand bezahlt hat. Mein Liebling war mal ein Adapter für das iPhone, der mit einem höheren Richtpreis angegeben war als ihn Apple für das Original verlangte. Davon wurden dann etwa 65% abgezogen (Uh, Rabatt, kaufen kaufen), das Produkt war aber immer noch gut 50% teurer als beim billigsten Geizhals-Händler …

    Groupon kostete übrigens gestern 5$ pro Aktie. Das ist exakt ein Viertel des Preises, den Groupon beim Börsengang haben wollte. Krasser Verfall in so kurzer Zeit …

  3. Lelala sagt:

    Von einer ehemaligen Führungskraft aus dem «Groupon Universum» kann ich bestätigen, dass einige der Leute nur noch auf einen einzigen Punkt warten:
    Den Tag, an dem sie ihre Optionen zu Geld machen können — Anfangs ein interessantes Unternehmen ist es mittlerweile zu einem absolute Sweatshop verkommen (wie bei fast allem, wo gewisse Investoren-Brüder eingestiegen sind)

    Die Frage ist nur: Bei den meisten Führungskräften laufen die Fristen frühestens in 1 Jahr aus — wieviel die Groupon Aktien dann wohl noch wert sein wird? (Alternativ bietet sich da dann ein interessanter Einstiegspunkt *g*)

  4. Berlin Blog sagt:

    Bei mir schwingt noch ein Gedanke mit, ein Produkt (hier Groupon als Dienstleister ist (erst mal) so erfolgreich wie es nachgefragt wird. Und die Nachfrage war anfangs sehr extrem und der Hype scheint diesbezüglich vorbei zu sein. Zudem gibt es jetzt viele weitere Anbieter die ähnlich wie Groupon agieren und die Gesellschafter warten natürlich auf die nächste Renditensteigerung.

    In diesem Sinne, bin ich mal gespannt, was als nächstes kommt!


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