Grimme Online Award — Sie tun es wieder

GOA 2008Nach den Skandalen des letzten Jahres hatte man irgendwie die Hoffnung, dass sich der Grimme Online Award dieses Jahr fangen würde. Aber — wie das so häufig im Leben ist, wird man auch dieses Jahr (nicht) enttäuscht. Nach den offensichtlichen Mauscheleien des letzten Jahres, nachdem schon mehrere bekannte Blogs aus dem Berliner Blognetzwerk den Preis in Empfang nehmen durften, trifft es auch diesmal — völlig überraschend — wieder ein Mitglied des kleinen, aber elitären Bloggernetzwerkes. Die Privacy-Linkliste netzpolitik.org wird dieses Jahr den Preis in Empfang nehmen dürfen — bei diesem offensichtlichen Preise-Hin-und-Hergeschubse lässt man am besten die Nominierung weg. Die Preisübergabe gilt in gewissen Kreisen als sicher. Rechtlicher Hinweis: Natürlich kann es auch anders kommen — man ist ja kein Hellseher. Nach diesem Jahr fehlen dann kaum noch führende Yahoo-Werber in der Gewinner–Liste — richtig, auch netzpolitik.org, die sicherlich auch aufgrund ihrer angeblichen Chinakritik vom Adolf-Grimme-Institut nominiert wurde, hat für Yahoo geworben. Die Tatsache, dass nun diese Privacy-Linkliste nominiert wurde, muss man skandalös nennen — man darf nicht vergessen, dass in diesen jährlichen Spaß des Adolf Grimme Institutes und des Berliner Bloggernetzwerkes viele Steuergelder einfließen.

Dass netzpolitik.org nominiert wurde, zeigt im Übrigen wie groß offenbar die Inkompetenz vorherrscht — oder die Preise werden halt wie ein Wanderpokal in Berlin untereinander ausgetauscht. Wem eine andere Lösung einfällt, möge bitte unten einen Kommentar abgeben. netzpolitik.org ist zum großen Teil nichts Weiteres als eine Privacy-Linkliste, die in vielen Artikeln am Rande des Paragraphen 51 UrhG agiert — nach meiner Meinung sogar oft darüber hinaus. Das Niveau und die eigene, kreative Wertschöpfung der Perlentaucher ist meiner Meinung nach auf der kleinen Privacy-Linkliste nicht zu erkennen. Ich bin aber auch kein Anwalt, ich kann mich also auch irren. Dass netzpolitik.org im letzten Jahr zur PR-Außenstelle des AK VDS wurde, ist nicht das Verdienst der Macher von netzpolitik.org — vorratsdatenspeicherung.de hätte den Preis weitaus mehr verdient. Auch wenn man sich die Begründung durchliest, warum die Seite nominiert wurde, bleibt schallendes Gelächter nicht aus. So wird zum Beispiel geschrieben: Die Kommentar-Funktion wird durch die Leser rege genutzt. Da ist in wenigen Artikeln sicherlich richtig — wie der Autor dieser Zeilen aus eigener Erfahrung berichten kann. Da kann es schon mal vorkommen, dass diskreditiert, beleidigt, das Ganze dann per Twitter organisiert wird. Dumm nur, wenn es auffliegt. Wenn netzpolitik.org als Speerspitze der politischen Netzkultur angesehen wird, dann kann man F!XMBR als Außenstelle einer Klosterschule ansehen. Es ist nicht wirklich ein Wunder, dass es in Deutschland in der medialen Öffentlichkeit keine politische Blogosphäre gibt, wenn die Meinungsmacher auf der Suche als erstes netzpolitik.org aufschlagen. Wie man für sowas einen Grimme Online Award bekommen kann, ist und bleibt mir schleierhaft — aber okay, ich halte ja schon den Mund. Ich sehe schon die Antworten. Wir sind ja nur neidisch… 😀

Die Stadt Marl und das Land Nordrhein-Westfalen fördern das Adolf-Grimme-Institut. Da kann man schon mal fragen, wie viele Steuergelder Jahr für Jahr — meiner Meinung nach — für so eine Veranstaltung verschwendet werden. Deutschland muss sparen, die Menschen müssen harte Einschnitte hinnehmen — so hört man es überall. Da fragt man sich dann, ob die Förderung seitens des Steuerzahlers noch zeitgemäß ist. Ich behaupte: Sie ist es nicht. Besonders, wenn in dieser Art und Weise gearbeitet wird. Die Stadt Marl und das Land Nordrhein-Westfalen sollten und müssen das finanzielle Engagement überdenken. Alles andere wäre in meinen Augen unverantwortlich. Doch damit ist wohl nicht zu rechnen — und so werden Wetten angenommen, wer sich im nächsten Jahr aus dem kleinen Bloggernetzwerk über den Preis freuen darf. Vorschläge bitte auch in die Kommentare. Meine Vorstellungen darüber sind zum Beispiel ziemlich wirr. Warten wir ab, was in den nächsten Wochen noch alles passiert — nichts scheint unmöglich. :)

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6 Antworten zu “Grimme Online Award — Sie tun es wieder”

  1. steda_ sagt:

    thomas knüwer hat die kandidaten auch mal «übersichtet» wenn auch moderater…
    allerdings ging der auch davon aus, dass die irgendwelche quoten erfüllen müssen. und war deshalb nicht sonderlich überrascht…

  2. Chris sagt:

    Hab ich gelesen — wenn man sieht, wie Niggemeier in den Kommantaren dort auftritt, ist das IMHO Beweis für meine Thesen…

  3. XiongShui sagt:

    Dieser «Preis» ist inzwischen so peinlich, daß man den ganzen Rummel darum herum am besten totschweigt (wir hatten uns im letzten und vorletzten Jahr schon damit beschäftigt).

    Es wäre dem Grimme– Institut anzuraten, einmal fünf Jahre lang keine (Online-) Preise zu verleihen und diese Zeit zu nutzen, daß ganze auf eine akzeptable Basis zu stellen.

  4. Chris sagt:

    Und warum Knüwer so moderat auf einmal schreibt, ist nun auch klar — er hat da einen Nachtrag verfasst… *lol*

  5. Oliver sagt:

    Aber es ist doch immer so, wir machen uns da im allgemeinen mit solchen Veranstaltungen oder jenen ähnlicher Natur etwas vor. Preise werden vergeben, Ehrungen etc. und im Grunde genommen muß man diesen Seilschaften angehören, um davon auch zu profitieren. Selbst bei augenscheinlich honorigen Ehrungen für irgendwelche wohltätigen Zwecke, wird derjenige geehrt der mit massivem monetären Einsatz ein Zeichen setze. Letztendlich ein Schlag ins Gesicht für die Legionen tatsächlicher Helfer, die nicht steuerlich absetzbare Millionen investieren, sondern vor Ort helfen und auch tagtäglich etwas bewirken, selbstlos — leider aber bleiben diese anonym. Ähnlich verhält es sich auch bei derlei Preisen, bist du Mitglied im Club bekommst du irgendwann auch das Ehrenabzeichen der Mitglieder. In der Öffentlichkeit feilgeboten, ergeben sich die letzten Vertreter des Meinungsmonopols der öffentlichen Lobpreisung. Einer Lobpreisung, die von der irrigen Annahme der Kür von Leuten wie du und ich ausgeht.

    Eine tatsächliche Leistung ist im allgemeinen in der Öffentlichkeit weniger spektakulär, schon bekannte Namen oder quasi der longtail eines Clubs hingegen sorgt immer für Quote. Und die Quote ist erwünscht betrachtet man doch die umgebende Infrastruktur dieser Veranstaltungen. Kommerzgedudel kommt mir da in den Sinn und im Sinne der alten Medien, sprich den Vertretern des ehemaligen Meinungsmonopols, wohl eine Stärkung des letzteren.

  6. […] geworden. Die SPD wartet heute noch auf mich — da werde ich derzeit keinen Kommentar zu verfassen. Aber bald ist ja Grimme — dann hat man innerhalb des Netzwerkes wieder etwas zu feiern. Also kein Grund, den Sand in den […]

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