Grimme Online Award — Interview bei Trackback mit Friedrich Hagedorn — Irgendwer lügt offensichtlich

GrimmeFriedrich Hagedorn hat heute der Radiosendung Trackback zu den unrühmlichen Vorkommnissen rund um den Grimme Online Award ein Interview gegeben. Er hat meiner Meinung nach versucht, einfach nur abzulenken und Nebelkerzen zu zünden. Direkte Fragen zu der Nominierung von Mario Sixtus hat er versucht mit der Antwort nach der Nominierung von hausgemacht.tv zu beantworten. Und zudem muss man fragen, ob man im Adolf Grimme Institut dazu übergeht, die Öffentlichkeit zu belügen, der Eindruck kann zumindest entstehen. Ich habe ein Transcript erstellt. Ich werde ein paar Punkte anmerken, um es übersichtlicher zu gestalten, habe ich die Antworten nummeriert.

Holger Klein: Zur Korruptionsbekämpfung gehört zwingend dazu, dass man alles vermeidet, was auch nur den Eindruck der Korruption erwecken könnte. […] Ein Leitsatz der beim Grimme Institut vielleicht noch nicht angekommen ist. Die haben nämlich eines Ihrer Jurymitglieder für den Grimme Online Award nominiert. Mario Sixtus heißt der, den elektrischen Reporter stellt er da. Ein Schelm wer Arges dabei denkt, aber immerhin jemand der denkt. Ich begrüsse Friedrich Hagedorn, den Projektleiter des Grimme Online Awards. Hallo Herr Hagedorn.

Friedrich Hagedorn: Ja, hallo.

Holger Klein: Warum haben Sie nicht vor der Nominierung eines aktiven Jurymitgliedes an die Konsequenzen gedacht?

Friedrich Hagedorn: Die Konsequenzen sind ja auch immer Interpretationssache, was man daraus lesen will. Wir haben ja nun festgelegt und das glaube ich auch beachtet, dass es keine Überschneidung gibt zwischen dem, was die Jury entscheidet, und was Gegenstand der Entscheidung ist. Das heißt, es wurde vorher ein klarer Trennungsstrich gezogen. Was vielleicht zu Irritationen geführt hat, dass wir im Statut nicht alle Eventualitäten bedacht haben, das heißt nicht genau festgelegt haben, wann dieser Zeitpunkt der Entscheidung getroffen werden muss und da hat sich quasi die Jury im letzmöglichen Moment entschieden und das hat, glaube ich, in der Öffentlichkeit, zu einigen Irritationen geführt. [1]

Holger Klein: Naja, der Vorwurf der Günstlingswirtschaft ist da erhoben worden, aber das hätten Sie sich vorher doch denken können. Was ich tatsächlich nicht verstehe ist: Warum hat keiner daran gedacht, dass natürlich die Öffentlichkeit das so wahrnimmt und Günstlingswirtschaft unterstellt?

Friedrich Hagedorn: Ja, aber Günstlingswirtschaft heißt ja, dass jemand wirklich was davon haben muss. Ich weiß jetzt gar nicht, wer hier wen bestochen haben soll. Die Jurymitglieder haben doch jetzt überhaupt nichts davon. Dieser Preis ist nicht dotiert und so weiter. Also, da gibt es keinen, der von Seiten der Jury, die also da nachnominiert hat, irgendetwas davon haben könnte, jetzt hier irgendwen bevorteilt haben könnte.

Holger Klein: Aufmerksamkeit, die auf einen Freund gelenkt wird?

Friedrich Hagedorn: Ja gut, aber das könnte man ja immer unterstellen. Also da gibt es ja nun doch, kann man sicherlich auch Beziehungen herstellen zu verschiedenen Leuten ausserhalb der Jury. Insofoern könnte das immer zutreffen in diesem Netzwerk von Medienleuten, die sich zumindest um irgendwelche Ecken immer kennen. Also das ist, glaube ich, unabhängig von der Mitgliedschaft der Jury. [2]

Holger Klein: Na gut, um irgendwelche Ecken ist aber jetzt was anderes, als drinsitzen in der Jury.

Friedrich Hagedorn: Ja, Mario Sixtus saß ja zum Zeitpunkt, wo dieser Vorschlag gemacht wurde, saß er ja nicht mehr drin. Wir können natürlich nicht ausschließen, dass irgendein Kommissions– oder Jurymitglied auch an irgendeinem Webangebot beteiligt ist, was nun eingereicht wird. Dann könnten wir überhaupt keine Onlinexperten mehr in die Jurys berufen. Und in der Tat steht im Statut, dass ein Vorschlag, der zur Nominierung ansteht, dann nicht mehr vereinbar ist mit Entscheidungen und Diskussionen über diese Angebote. Das heißt im Zweifelsfall hätte laut Statut sogar ausgereicht, dass sich jemand enthält, bei einer Befangenheit in diesem Fall. Wir haben sogar gesagt, das geht nicht. Also, es muss eine Unvereinbarkeit her in der Mitgliedschaft in der Jury. Und wir werden dann im nächsten Jahr, das glaube ich, etwas eindeutiger auch im zeitlichen Ablauf definieren, dass wir sagen, das muss nun zeitlich vorher passieren, diese Feststellung, und nicht erst so knapp vor Beginn der Jurysitzung. [3]

Holger Klein: Es gibt da einen schönen Vorschlag aus der Nummer, weil die Botschaft ist versandt. Es gibt da einen schönen Vorschlag aus der Nummer wieder sauber rauszukommen. Der Blogger Don Alphonso hat den auf blogbar.de gemacht. Der hat sogar schon eine Presseerklärung gebastelt, die sie eigentlich nur noch veröffentlichen müssen. Ist Ihnen die bekannt?

Friedrich Hagedorn: Jaja, ich kenne sie, es ist nicht die einzige. Es gibt da verschiedene. [4]

Holger Klein: Wir haben nur die gefunden. Warum machen Sie es nicht einfach? Warum nehmen Sie nicht die Nominierung zurück, ändern Ihre Statuten so eindeutig dahingehend, dass ein solcher Fehler gar nicht mehr passieren kann, wie Don Alphonso vorgeschlagen hat?

Friedrich Hagedorn: Da müssten sie die Jury fragen, das ist ja auch eine Entscheidungshoheit der Jury. Wir haben ja bewusst im Statut das nicht alles so eng festgezurrt, dass nur noch jetzt irgendein Reglement abgehakt werden kann, sondern der Kommission und der Jury bewusst große Handlungsfreiheit zugebilligt. Also wir als Institut könnten gar keine Nominierung zurücknehmen, sondern das müsste die Jury selbst tun. Und das würde sie, glaube ich, nur aus begründeten inhaltlichen Entscheidungen tun und nicht weil hier irgendwie ein Zeitpunkt falsch getroffen worden wäre. Also was die Nachnominierung anbelangt. Also insofern müssten Sie da die Jury selbst fragen. Also nicht wir haben nominiert, deshalb sagte ich ja, wir sind zum Teil, wir könnten auch keine Nominierung, auch keinen Preis zurücknehmen, es sei denn, es gibt rechtliche Gründe weshalb das geschehen müsste. Aber jetzt aus inhaltlichen Entscheidungen könnten wir das gar nicht machen, sondern das könnte nur die Jury oder Nominierungskommission, eben das entscheidene Gremium. [5]

Holger Klein: Die Jury gehört nicht zum Grimme Institut? Wozu gehört sie denn dann?

Friedrich Hagedorn: Die Jury ist ein autonomes Gremium, was wohl vom Grimme Institut inkl. noch anderer Gremiun einberufen wird, aber sie entscheidet ganz autonom. Es ist keine Unterabteilung sozusagen des Grimme Instituts wo wir der Jury reinreden könnten, was sie zu tun oder zu lassen hat. Sie muss sich natürlich im Rahmen des Statuts des Grimme Online Awards bewegen, aber hat in diesem Rahmen absolut autonome Handlungs– und Entscheidungsfreiheit.

Holger Klein: Opfer der Statuten wird gerade das Grimme Institut, denn die Jury für den Grimme Online Award hat einen der ihren, ein Jurymitglied, nachnominiert. Das Ganze färbt jetzt ein bischen ab auf Grimme, obwohl die Jury eigentlich unabhängig vom Grimme Institut selbst sein sollte.

1. Gleich in der ersten Antwort versucht Friedrich Hagedorn abzulenken. Holger Klein fragt direkt nach der Nominierung Mario Sixtus’, Hagedorn versucht zu begründen, warum hausgemacht.tv nominiert wurde. Es ist traurig, dass Holger Klein dieses Spiel, welches an mehreren Stellen des Interviews gespielt wird, nicht erkennt (oder nicht erkennen will). Nebelkerzen wurden hier gleich zu Anfang gezündet und sie zeigen beim Moderator Wirkung. // Nachtrag: In einem gelöschten Kommentar (wer mit dem Satz beginnt, ich würde nerven, sollte einfach gehen, und tschüss…) ist man der Meinung, Friedrich Hagedorn meint tatsächlich Mario mit der Nominierung kurz vor Schluß (Nachnominierung). Für mich unwahrscheinlich, warum sollte man um den heißen Brei herumreden und nicht die «offizielle Sprachregelung» Nachnominierung nutzen. //

2. Natürlich bringt so eine Nominierung wirtschaftliche Vorteile mitsich, lieber Herr Hagedorn. Nachfolgende Aufträge, Klicks auf die Homepage, die klassischen Medien berichten, etc. pp. Man muss schon ziemlich naiv sein, um dies nicht zu wissen — aber vielleicht will man es ja gar nicht wissen, denn dann kann man sich ja gut mit der Ausrede, der Preis ist nicht dotiert, rausreden.

3. Hier kommen wir jetzt zu der Frage, wer da offensichtlich lügt, der Geschäftsführer des Adolf Grimme Institutes oder Friedrich Hagedorn? Uwe Kammann, Geschäftsführer, schreibt:

Als «wie üblich» zu Beginn der Jurysitzung mögliche Nachnominierungen erörtert wurden und dabei der Vorschlag gemacht wurde, auch den «Elektrischen Reporter» in die möglichen drei Nachnominierungen einzubeziehen, trat Mario Sixtus sofort von der Jury-Mitgliedschaft zurück.

Das heißt: Mario Sixtus war vollwertiges Jurymitglied während er nominiert wurde. Erst dann hat er — dampfend die Kaffeetasse stehen lassend — den Raum verlassen, so muss man es sich zumindest vorstellen.

Friedrich Hagedorn will es so drehen:

Mario Sixtus saß ja zum Zeitpunkt, wo dieser Vorschlag gemacht wurde, saß er ja nicht mehr drin.

Und da wundert sich das große Adolf Grimme Institut, wenn es heißt, hier wird massiv Vetternwirtschaft und Öffentlichkeitsmanipulation betrieben? Ach, hört doch auf mit Euren Spielen. Auch die mehr als peinliche Nummer, weil es ja anders im Statut stand, Euch zu Helden zu erklären, weil Mario aus der Jury ausgetreten ist, schlägt mal völlig fehl. Eine mehr als peinliche Nummer meiner Meinung nach.

Und auch hier nochmal der nette Hinweis vom kleinen F!XMBR an das große Adolf Grimme Institut: Jedes Käseblatt da draußen, welches ein Gewinnspiel anbietet, hat den Disclaimer Mitarbeiter und deren Angehörige dürfen nicht am Gewinnspiel teilnehmen. Was ist daran so schwer. Natürlich lässt sich das umsetzen. Man muss es nur wollen — wenn man es nicht will, gut, dann muss auch das Adolf Grimme Institut damit leben, dass die Leute denken, dort gibt es ganz üble Vetternwirtschaft.

4. Eigentlich wollte ich zum Schluß etwas zu Trackback und die journalistischen Qualitäten des Holger Klein schreiben — aber jetzt passt es hier besser. Es ist jetzt das zweite Mal der Fall, dass eine initiale Information, Kritik von F!XMBR aufgegriffen wurde und bei Trackback verarbeitet wurde. Das zweite Mal wurde F!XMBR nicht erwähnt. Das lässt zwei Schlüsse zu: Erstens, Holger Klein ignoriert F!XMBR — das glaube ich nicht, schließlich passt das doch nicht in die offene und transparente Blogosphäre sowie in den Journalismus. 😉 Zweitens, Holger Klein hat wohl journalistische Probleme, zu recherchieren, Informationen zu verarbeiten. Das kommt meiner Meinung nach dann schon eher in Betracht. Und das ist verdammt traurig — wenn man nichtmal in diesem Fall die initalen Informanten, das Blog, welches die Kritik öffentlich gemacht hat, in Erfahrung bringen konnte. Ich bin versucht, das Ganze einfach mit dem Hinweis öffentlich-rechtlich den Kommentatoren zu übergeben. Eine nette Nummer, die Du da abziehst, Holger. 😉

5. Und der nächste Punkt in Krisen-PR: Man schiebt die Schuld einfach auf andere, in diesem Fall auf die Jury, die ja sowas von autonom ist. Einen Witz über Vermummung und schwarzer Kleidung spare ich mir jetzt. Wenn dem wirklich so ist, hat sich das große Grimme Institut in die Hände Weniger begeben — der pure Wahnsinn. Das wäre ungefähr so, als würde ich ohne jegliche Kontrolle Fremden [sic!] erlauben, Artikel auf F!XMBR zu veröffentlichen. Es würde unter meinem und Olivers Namen geschehen, wenn auch wer anderes tippt. Gehts noch?

Dass Holger Klein zum Schluß das Grimme Institut zum Opfer machen will, geschenkt, zum dem Herrn Journalisten habe ich oben etwas geschrieben. Friedrich Hagedorn präsentiert sich das ganze Interview über, wie man es hätte erwarten können: Unsicher, nach Ausreden suchend, die Schuld auf Andere schiebend — wenn ich nicht wüsste, dass dort ein Mitarbeiter des großen Adolf Grimme Institutes sitzen würde, Projektleiter vom Grimme Online Award, könnte man fast Mitleid haben. In meiner Exit Strategie habe ich den Herrn in Marl nahegelegt, die ganze Show abzusagen. Nach dem heutigen Interview muss man sagen: Besser heute als morgen.

Der Grimme Online Award auf F!XMBR:

Grimme Online Award — Wie man sich gegenseitig die Preise zuschiebt

Grimme-Mauscheleien nun schon bei Heise angekommen

Grimme Online Award — Augen zu und durch Grimme Online Award — Mauscheleien und Öffentlichkeits-Manipulationen setzen sich fort

Grimme Online Award — Reaktionen, u. a. von DWDL und Stefan Niggemeier

Grimme Online Award — Exit Strategie

Grimme Online Award — Post aus Marl

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8 Antworten zu “Grimme Online Award — Interview bei Trackback mit Friedrich Hagedorn — Irgendwer lügt offensichtlich”

  1. Pottblog sagt:

    Grimme Online Award: Trackback und nicht-Trackback…

    Das in Marl ansässige Adolf-Grimme-Institut zeichnet jährlich Fernsehsendungen mit dem Grimme-Preis aus und seit einiger Zeit gibt es auch den Grimme-Online-Award, mit dem Internet-Inhalte prämiert werden.
    Da ich indirekt mit einem Preis…

  2. Tontechniker sagt:

    Da Holger sich ab und zu auch schon negativ geäußert hat wäre ein Kommentar dazu durchaus interessant. Ich glaube allerdings nicht, dass er nicht wusste von wem die Sache aus ging, da donalphonso Fixmbr verlinkt hat.

  3. maternus sagt:

    Aha, vom GOA «hat keiner was». Das nenne ich wirklich eine originelle Problemlösung. Der Preis wird mal eben für irrelevant erklärt und schon ist alles wieder in Ordnung.

  4. ralphs sagt:

    Was ist eigentlich so wichtig daran, dass man es zur Volksaufklärung hochstilisieren muss? Die Nominierungen sind eh Glückssache und haben nur durch Zufall etwas mit der Qualität bevorzugten Sites zu tun. 😉

  5. Grainger sagt:

    Wenn vom GOA «keiner was hat» kann man die Veranstaltung ja auch ersatzlos streichen.

    OK, die Jury und alle anderen Beteiligten werden wohl doch wenigstens ein paar Spesen, Sitzungsgelder und Aufwandsentschädigungen bekommen, dann ist die Veranstaltung wenigstens nicht ganz sinnlos. 😀

  6. […] (via fixmbr, dort findet sich auch das vollständige Transkript) […]

  7. […] wurden wie so häufig an anderen Stellen geschehen, als Nestbeschmutzer abgebügelt. Auch war die journalistische Qualität nicht wirklich überragend — man schaffte es z. B. schlicht und einfach nicht, die Blogs zu recherchieren, die diverse Themen […]


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