Grimme Online Award — Exit Strategie

Lieber Grimme Online Award,

Grimmewir haben festgestellt, wie bei Dir offensichtlich die Preise hin– und hergeschoben werden. Hal hatte dies auch angemerkt, das hätte eigentlich Fingerzeig genug sein sollen. Doch irgendwie scheint der Sachverhalt nicht bei Dir angekommen zu sein, die Manipulationen setzten sich fort. Last but not Least fand sich der bisherige Höhepunkt in den Reaktionen einiger Beteiligter — es hat den Anschein, als hätten da diverse Leute kein Rückgrat oder einfach Angst vor der eigenen Courage. Weißt Du, lieber Grimme Online Award, ich bin gar nicht so ein schlechter Mensch, wie Du und Deine Kollegen vielleicht denken. Darum habe ich mal Eure Presseerklärung von morgen verfasst (Kudos an Don für die Idee, nur sehe ich das Ganze nicht so positiv). Diese Pressemitteilung darf gerne Eins zu Eins übernommen werden — die Creative Commons-Lizenz gilt in diesem Fall nicht. Ein faires Angebot, oder? :)

Grimme Online Award 2007 abgesagt
Erklärung des Adolf Grimme Institutes

In den letzten Tages gab es harsche Kritik am Grimme Online Award und dessen Nominierungen in diesem Jahr. Wir danken Don Alphonso und der Blogbar sowie in besonderem Falle F!XMBR für die kritische Begleitung und die verschiedenen Hinweise. Wir haben uns innerhalb unserer Institution intensiv mit den verschiedenen Vorwürfen auseinandergesetzt und müssen leider zu dem Schluß kommen, dass die Vorwürfe im Kern zutreffen. Wir hätten uns allerdings gewünscht, dass unsere Kritiker manchmal weniger polemisch argumentiert hätten.

Das Adolf Grimme Institut hat aus diesem Grund den Grimme Online Award 2007 schweren Herzens abgesagt. Wir bedauern sehr die Irritationen, die durch unser Fehlverhalten entstanden sind. Insbesondere möchten wir uns bei unseren Partnern entschuldigen, die sehr viel Einsatz und Energie in den diesjährigen Award gesteckt haben.

Im nächsten Jahr wird das Adolf Grimme Institut einen Neuanfang wagen. Um diesen Neuanfang auch personell Rechnung zu tragen, ist Friedrich Hagedorn, Projektleiter des Grimme Online Awards, von seinem Posten zurückgetreten. Er wird seine Stärken an anderer Position im Adolf Grimme Institut einbringen können. Die Jury und die Nominierungskommission sind ebenfalls aufgelöst worden. Die neue Projektleitung sowie Jury und Nominierungskomission werden in aller Ruhe in den nächsten Monaten neu besetzt. Für diese Neubesetzung werden in den nächsten Monaten neue Richtlinien erarbeitet. Wir werden die interessierte Öffentlichkeit bitten, uns Vorschläge für die neuen Mitglieder zu unterbreiten.

Zum Herbst diesen Jahres werden wir mit allen interessierten Kritikern, Helfern und Freunden neue moralische und ethische Grundsätze ausarbeiten, nach denen in Zukunft Online-Publikationen nominiert und schließlich auch ausgezeichnet werden. Zu diesem Zweck werden wir zukünftig jedes Jahr ein Weblog online stellen, auf dem wir Nominierungen gemeinsam diskutieren bis zum abschließenden Höhepunkt des Jahres, der Preisverleihung. Wir sind uns bewusst, dass wir nur durch diese Offenheit und Transparenz das Vertrauen für den Grimme Online Award zurückerlangen können. Wir denken aber, dass uns dies durch den gemeinsamen Weg mit allen Interessierten gelingen wird.

Das Adolf Grimme Institut möchte sich nochmals bei allen Beteiligten entschuldigen. Bei den Nominierten, nicht nur aus diesem Jahr, bei den bisherigen Preisträgern, dass der Award einen so großen Schaden genommen hat. Wir möchten uns bei unseren Partnern entschuldigen, die uns in jeder Phase bedingungslos unterstützt haben. Und nicht zuletzt bei den Kritikern, wir hätten viel früher zuhören müssen.

Wir hoffen, dass durch diese Maßnahmen der Ruf des Adolf Grimme Institutes wieder hergestellt wird. Die Fragen der Medienpolitik, der Kommunikationskultur müssen wieder in den Vordergrund gerückt werden, und nicht das vermeintliche Hin– und Herschieben unserer Preise. Der gute Ruf des Adolf Grimme Institutes ist unser größter Wert, wir müssen und werden alles tun, diesen wieder herzustellen. Wir wünschen uns, dass wir auf diesem Weg von Freunden, Helfern und Kritikern begleitet werden.

Marl, 05. Juni 2007

Uwe Kammann
Direktor Adolf-Grimme-Institut

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8 Antworten zu “Grimme Online Award — Exit Strategie”

  1. Sammy sagt:

    Eindrucksvoll. Echt super (Bis auf das Eigenlob. Da geht der Realismus flöten 😀 ). Zwischendurch gerät man schon ins Schwärmen, ach was ist die Welt schön, wird dann aber wieder von der harten Tatsache auf den Boden geholt, dass dieser Text an der falschen Stelle steht.

    Und mal ganz vom Thema des Textes abgesehen, da stecken wahnsinnig viele Werte, Einstellungen drin, an denen mir sehr viel liegt, die ich aber überall vermisse. Das ist dir selbst vielleicht gar nicht bewusst.

    Der Text gibt sehr viel her. Danke.

  2. Oliver sagt:

    Ja sicher Eigenlob stinkt, aber wer wüßte bei dieser Schmierenkomödie denn sonst etwas davon? Wo sind die sonstigen Blogpfeifen, die sich mit ihren 3-Zeilern über Gott und die Welt echauffieren? Man wartet geflissentlich ab, kommt was bei rum fügt man eventuell sein «full ack» hinzu, ob der Gewißheit das andere schon die Scheiße abfingen.
    Ganz Bloggersdorf ist ein gewaltiger, stinkender Sumpf, wo man sich mit Linkgeficke und gepflegten Eitelkeiten gegenseitig den Hof macht. Da ist kein Bürgerjournalismus, da ist nichts Neues, da existiert nur ein Zerrbild der Gesellschaft, das in solcherlei Dingen kulminiert.
    Die digitale Bohème existiert nicht, da ist kein schillerndes Leben, da ist kein Wildheit. Da ist die Konservative versammelt, das profane Spießertum, die … ach, vergiß es. Worthülsen en masse, wobei die meisten noch nicht einmal in der Lage sind mehr als diese drei Zeilen zum Besten zu geben. Aber in grenzenloser Arroganz verlangt man, das man auf diesen Rotz eingeht.

    Ergo ist auch diese Selbstbeweihräucherung angebracht, weil da ist sonst nichts draußen. Wen die Texte hier stören, der sollte wenigstens den Anstand haben eine ebenso wortlastige Kritik hinauszuschmetter, um überhaupt ernst genommen zu werden.

    Mein full ack, haben die Texte — einfach weil wir schon zuviele Amigos in der Gesellschaft haben und nur auf der Stelle treten.

  3. Chris sagt:

    Danke Sammy. :) An der einen oder anderen Stelle im Text habe ich mir durchaus etwas gedacht. 😉

  4. Grainger sagt:

    Die digitale Bohème existiert nicht, da ist kein schillerndes Leben, da ist kein Wildheit.

    Die in Bloggersdorf vorherrschende Vorstellung (mit der man isch imho zu einem guten Teil selbst schmeichelt), das der brave deutsche Spießbürger zu einem glutäugigen Revolutionär mutiert sobald er mit dem bloggen anfängt, hat ja auch etwas erfrischendes. 😉

    Das Problem liegt aber woanders: sobald irgend etwas auch nur den Anschein erweckt, es könnte trendy sein, stürzen sich sofort alle darauf, kurze Zeit später entdeckt die Wirtschaft den neuen Trend und spätestens dann beginnt die strikte Durchkommerzialisierung.

    Anschließend wird die Kuh trocken gemolken, dann geschlachtet (oder am Straßenrand ausgesetzt) und der Heuschreckenschwarm zieht weiter.

  5. Weltenweiser sagt:

    Meine Idee fand ich noch besser. Wie das halt so ist mit eigenen Ideen.

  6. […] Weltenweiser: Meine Idee fand ich noch besser. Wie das halt so ist mit eigenen Ideen. […]

  7. […] den Grimme Online Award wurde in den letzten Tagen vermehrt berichtet. Vor Allem die Geschichte um nominierte Jury Mitglieder brachte dem Institut eine Menge […]

  8. […] Jahr wieder nach Mauschelei Vetternwirtschaft duftet . Ich bin ja mal gespannt, ob einige Ideen von mir oder den Kollegen von medienpiraten.tv (Foren sind ja sowas von Web 1.0 *g*) umgesetzt werden. […]

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