Grimme Online Award — Augen zu und durch

GrimmeHier hatte ich darüber geschrieben, dass ein Jury-Mitglied von der Jury des Grimme Online Awards nachträglich für den eigenen Preis nominiert wurde. Und nein, ist ist immer noch kein Schreibfehler — die Jury hat ein Mitglied der Jury nachnominiert. Dass dies in der opportunistischen Blogosphäre kaum zu Berichten geführt hat (ausser zu Angriffen auf meine Person), war klar — man will ja selbst auch mal. Positive Ausnahmen waren da Martina, Chat Atkins, Don und der Weltherrscher. Nachdem der gute Herr Hagedorn nicht auf meine Mail geanwortet hat, es keine Reaktion auf den Heise-Artikel gab, der Geschäftsführer des Adolf Grimme Institutes, Uwe Kammann, ebenso nicht auf eine Mail von mir geantwortet hat, habe ich ganz im old Style einen Brief per Post an die Geschäftsführung des Institutes geschickt. Wahrscheinlich wird es noch mehr Anfragen gegeben haben, aber der von mir explizit angeschriebene Uwe Kammann hat sich nun mit einer Klarstellung geäussert:

Die Berufung der Nominierungskommission und Jury aus Online-Experten, welche als Berater oder Autoren vielfältig tätig sind, birgt unvermeidlich das Risiko, dass sie in unterschiedlicher Form für Web-Angebote, die auch für den Grimme Online Award vorgeschlagen werden, verantwortlich sein können.

Wahrscheinliche Übersetzung: Wir wissen, dass es ein Sumpf ist, können aber im Moment nichts dagegen tun.

Als «wie üblich» zu Beginn der Jurysitzung mögliche Nachnominierungen erörtert wurden und dabei der Vorschlag gemacht wurde, auch den «Elektrischen Reporter» in die möglichen drei Nachnominierungen einzubeziehen, trat Mario Sixtus sofort von der Jury-Mitgliedschaft zurück. Weder hat er seinen «Elektrischen Reporter» vorgeschlagen, noch hat er an einer Diskussion und Entscheidung der Jury teilgenommen.

Aha, Mario hat also zumindest an der Sitzung teilgenommen, in der er selbst nominiert wurde. Soll ich das nächste Mal vielleicht Kaffee und Kuchen reichen, oder gehts so? 😉

Insofern hat es auch keinerlei Interessensverquickung, Doppelfunktion oder Günstlingswirtschaft gegeben.

Das sehe ich immer noch anders — Im Gegenteil, es sind neue Erkenntnisse aufgetaucht. Wie oben geschrieben, hat Mario selbst an der Sitzung teilgenommen, die ihn nominiert hat — wenn das keine Vetternwirtschaft ist, dann weiß ich es auch nicht.

Da gleichwohl der für Außenstehende so nicht einsehbare Entscheidungsprozess zu kritischen Vermutungen und zu falschen Schlussfolgerungen geführt hat, wird das Grimme-Institut für den Wettbewerb 2008 eine Änderung des Statuts erörtern, im Sinne einer auch öffentlich nachvollziehbaren Klarheit des Verfahrens.

Mögliche Übersetzung: Wir wissen, alles ist scheiße gelaufen, es gab Vetterwirtschaft, im nächsten Jahr wird alles anders, besser — versprochen. Wir hoffen nur, dass es bis dahin alle vergessen haben — wieso sonst sollte man es ändern, wenn alles gut ist? 😉

Die Erklärung ist meiner Meinung nach kaum haltbar. Gut, ausser F!XMBR wird kaum jemand kritisch nachfragen, deswegen wird auch dieser Artikel nicht die große Resonanz nach sich ziehen. Nichtsdestotrotz sollte Mario hier von sich aus die Notbremse ziehen und einfach zurückziehen — im nächsten Jahr, wenn alles offen und transparent entschieden wird, kann er es ja auf ein Neues versuchen. Denn dass der elektrische Reporter aus dem Blödsinn-Videos von YouTube, Sevenload und Konsorten heraussticht, steht ausser Frage.

Klarstellung vom Geschäftsführer des Adolf Grimme Institutes, Uwe Kamman

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13 Antworten zu “Grimme Online Award — Augen zu und durch”

  1. Ach, nun sei doch nicht so hartherzig zu dem Mann, der vermutlich immer noch auf seine der «Calvin Klein-Agentur» in Rechnung gestellten 14.280 Euro wartet. Vgl. http://37sechsblog.de/?p=.….1585

    Übrigens! Habe gar nicht mitbekommen, dass es hier jetzt gegen die sogenannten A-Blogger zur Sache geht.
    Ich habe irgendwie die Lust daran verloren und «amüsiere» mich mit anderen Dingen als mit Sixtus, Vetter oder Knüwer.
    Aber wer mich zum Blogockel vorgeschlagen hat, würde mich ja schon interessieren?
    Halt die Ohren steif!

  2. Chris sagt:

    Andreas, ich hab Dich schon mal gebeten, Deine penetrante Werbung zu unterlassen. Und den Blödsinn mit dem A-Blogger-Bashing kannst Dir sparen, einfach mal die erste Seite des Blogs angucken, verstehen. Ich hoffe, das ist noch drin. Und wer Dich da zum Gockel machen will, da stellst Du die Frage auf der falschen Plattform. 😉

  3. Grainger sagt:

    Wenn ein Jury-Mitglied von der Jury nominiert wird hat das schon ein Geschmäckle (wie die Schwaben sagen).

    Eigentlich sollte die Satzung oder die Statuten (oder wie man das auch immer nennen will) Jury-Mitglieder ausschließen (auch von der Nominierung und von einer nachträglichen Nominierung gleich dreimal).

  4. ich hab Dich schon mal gebeten
    Ach, wirklich? Muss mir irgndwie entgangen sein. Haste mal nen Link zu dem Posting?

  5. Chris sagt:

    Danke und tschüss — in diesem Artikel geht es jetzt um andere Dinge…

  6. Alexander | Zielpublikum sagt:

    Natürlich (!) hat das ein Gschmäckle. Aber für mich wäre das auch nicht anders gewesen, hätte Mario nicht im Gremium gesessen. … Vielleicht sind wir das einfach schon zu sehr aus dem politischen Alltag gewohnt, um uns aufzuregen.

  7. «die Jury hat ein Mitglied der Jury nachnominiert.»

    Ich meine es gäbe einen Unterschied zwischen der Nomminierungskomission und der Jury. Hier liest sich das seltsamerweise aber anders. Hmmm.

  8. Grainger sagt:

    Natürlich gibt es auch eine Nomminierungskommission.

    Aber soweit ich die Zusammenhänge verfolgt ist die strittige Nachnomminierung nicht durch diese erfolgt (wobei aber auch das bei der Nachnomminierung eines Jury-Mitglieds nur graduell besser ausgesehen hätte).

    Tatsächlich hat wohl die Jury selbst eines ihrer Mitglieder nachnomminiert.

    Also ungefähr so als ob bei einem Preisausschreiben ganz zufälligerweise der Juniorchef den Porsche gewinnt, da wird es mir auch nur schwer zu vermitteln sein das da alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll. 😀

  9. Chris sagt:

    Perfekt zusammengefasst…

  10. […] nicht auf F!XMBR, er darf ohne kritisches Nachfragen seine Botschaft via DWDL verbreiten. Nachdem also der Geschäftsführer des Adolf Grimme Institutes auf F!XMBR eingegangen ist, wird dem Projektleiter des Grimme Online Awards eine Plattform zur Verfügung gestellt — […]

  11. […] traurige Geschichte um den Grimme Online Award setzt sich fort. Heise hat nicht geholfen, nach der Klarstellung des Adolf Grimme Insitutes konnte man es fast ahnen — die Manipulationen setzten sich fort und fanden ihren […]

  12. […] sie mit den Worten Augen zu und durch übersetzt. Es war sehr interessant zu lesen, dass laut Ihren Worten Mario Sixtus an der Jurysitzung teilgenommen hat, die ihn schließlich nachnominiert […]

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