Grimme Online Award 2008 — offensichtlich alles beim Alten

GOAIm letzten Jahr, und nicht nur im letzten Jahr, war der Grimme Online Award — diplomatisch ausgedrückt — ein Hort des Miteinanders weniger Netzwerker, ein Hort seltsamer Entscheidungen. Direkter: der Grimme Online Award war augenscheinlich ein Hort der Mauscheleien, der Vetternwirtschaft und der Pleiten, Pech und Pannen. Nachdem F!XMBR im letzten Jahr maßgeblich auf die Unzulänglichkeiten und Freundschaftsdienste hingewiesen hat, sollte man eigentlich meinen, wenn ein schon einem kleinen Privatblog diese Merkwürdigkeiten auffallen, sollte man in Marl doch alles daran setzen, dieses Jahr einen kompletten Neuanfang zu wagen. Es hätten ja nicht gleich meine Tipps aus der Exit Strategie im letzen Jahr sein müssen — aber zumindest hätte man doch darauf hoffen können, dass im diesem Jahr zwar nicht alles anders wird, vieles aber besser. Doch wie das so ist, das Netzwerk scheint stärker, als das Ansehen in der Öffentlichkeit, die Öffentlichkeit selbst — und so bleibt, bis auf wenige Änderungen, alles beim Alten.

Wir erinnern uns. Der elektronische Reporter Mario Sixtus saß letztes Jahr in der Jury zum Grimme Online Award. Prompt wurde er für den Grimme Online Award (nach)nominiert. Natürlich wurde er von einem anderen Jurymitglied nominiert, und er trat selbstverständlich gleich aus der Jury zurück. So macht man das unter Amigos. Schon zu dem Zeitpunkt habe ich zugegeben leicht gegrinst über die Veranstaltung und alle Webseiten, die sich stolz den Banner auf die Seite gepackt haben. Nachdem F!XMBR und andere Medien folgten, wurde selbstverständlich der Druck auf das Grimme Institut immer größer — doch da hielt man es mit dem Sprichwort Augen zu und durch. Die Vorwürfe der Vetternwirtschaft hat man natürlich zurückgewiesen, und doch wurde erst in der eigenen Bekanntmachung veröffentlicht, dass Mario Sixtus an der Sitzung, in der er nominiert wurde, selbst teilgenommen hat. Eine meiner Meinung nach kaum zu übertreffende, extrem peinliche Nummer.

Peinlich das Verhalten DWDL’s im letzten Jahr zu nennen, wäre auch diplomatisch ausgedrückt. Der Redakteur Jochen Voss hat dem PR-Fachmann Friedrich Hagedorn vom Grimme Institut unkritische Fragen gestellt, wobei Fragen noch positiv ausgedrückt ist, eher Stichworte sollte man es nennen. Ich habe da im letzten Jahr von PR-Stunt gesprochen. Warum dies geschah, wurde auch schnell klar — der Redakteur, der eigentlich dafür da sein sollte, ein kritisches Interview für DWDL zu führen, hat früher in der Presseabteilung des Grimme Institutes gearbeitet. Es folgten ein paar weitere Reaktionen, wie das immer so ist, wird verharmlost, relativiert, nichts Großes, wo man heute noch drauf eingehen muss.

Es folgte ein Interview in der Radiosendung Trackback vom Grimme-Mann Friedrich Hagedorn. Auch zu dem PR-Stunt muss man heute nichts sagen — wenn aber schon Geschäftsführer und Presseabteilung des Grimme Institutes den Sachverhalt unterschiedlich darstellen, ist viel geschehen. Die Peinlichkeit des Jahres 2007 war dann auch am Tag der Preisverleihung perfekt. Wegen einem Fehler im Hause Grimme, wurden die Preisträger vorher bekannt — es waren dann unter anderem der ehemalige Yahoo-Werbeträger Stefan Niggemeier und natürlich Mario Sixtus. Und sie haben es in Marl tatsächlich getan. Sie haben sich gegenseitig die Preise zugeschoben — so schrieb ich im letzten Jahr. Aber wie das in solchen Kreisen so ist — via Spiegel ließ man verlauten, alles sei korrekt verlaufen. Zum Schluss schrieb ich einen Artikel allgemein über das Grimme Institut, und stellte die Frage:

Wie finanziert sich das Adolf Grimme Institut genau, gibt es da Zahlen und muss man nicht überlegen, ob andere Projekte diese öffentlichen Gelder dringender benötigen?

Wenn man sich die Ankündigung im Hause Grimme über den diesjährigen Grimme Online Award anschaut, dann sieht, dass der letztjährige Preisträger des Grimme Online Awards, Stefan Niggemeier, in der Jury des Grimme Fernsehpreises (wieder einmal) sitzt, dann muss man konstatieren, dass die Frage aus dem letzten Jahr aktueller denn je ist. Man hat offensichtlich nichts, aber rein gar nichts dazu gelernt — die alten Netzwerker, Freunde, whatever sind wieder im Dienst — und so muss man die Befürchtung haben, dass alles so wie im letzten Jahr läuft. Man wird sich untereinander auch dieses Jahr einig werden und den finanziell durchaus ertragreichen Preis (für die, die Werbung schalten) an den nächsten auf der Liste weiterreichen.

Dass nun die Öffentlichkeit selber Projekte vorschlagen kann — okay, die Jury wird sich schon die passenden Vorschläge raussuchen. Am Beispiel des Publikumpreises ist ersichtlich, dass sich nichts ändert. Im letzten Jahr war ein Kritikpunkt, dass hausgemacht.tv nominiert war (die Nominierung selbst war schon fragwürdig genug), dieses Projekt aber die finanziellen Mittel hatte, einen Laptop unter den eigenen Usern zu verlosen, damit diese für das Projekt stimmen, plus eine gesamte Sendergruppe im Hintergrund. Kurz gesagt: hausgemacht.tv mit ProSiebenSat.1 hat sich den Preis offensichtlich gekauft. Kein anderes Projekt, welches nominiert war, hatte diese Möglichkeiten. Was die Nominierungskommission und die Jury angeht, sieht man durchaus ein paar bekannte Namen, aber auch Namen, die über jeden Zweifel erhaben scheinen — warten wir es ab, wenn ich gleich beim ersten Jury-Mitglied etwas über SEO lese, kann ich mir auch dieses Jahr das Lachen nicht verkneifen. Naja, wenigstens versteigert das Grimme Institut unter allen, die Projekte vorschlagen dieses Jahr auch ein Laptop. Wenigstens etwas. Ich bin ja mal gespannt. :D

Eigenlob stinkt — aber in diesem Fall bin ich der Meinung, den Grimme Online Award verdient zu haben. F!XMBR hat im letzten Jahr den Grimme Online Award per Berichterstattung über Wochen begleitet. Kritisch begleitet, und mehrere «Merkwürdigkeiten» aufgedeckt. Initialer Ausgangspunkt der kritischen Berichterstattung über den Grimme Online Award war F!XMBR, da führt kein Weg dran vorbei. Die nachfolgenden kritische Berichterstattung in den etablierten Medien, seien es nun der SPIEGEL oder auch Heise und wie sie alle heißen, war direkte Folge unserer Recherchen.

Selbst bei der Preisverleihung selbst war F!XMBR, wenn auch nicht direkt vor Ort, doch anwesend. Man konnte es direkt fühlen — man muss sich nur noch einmal die Videos aus dem letzten Jahr anschauen. Über dem gesamten Grimme Online Award schwebte die kritische Berichterstattung F!XMBR’s. Darauf darf man schon stolz sein.

Ohne F!XMBR hätte es im Hause Grimme keine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun gegeben, ohne F!XMBR wären diverse «Merkwürdigkeiten» nicht öffentlich geworden. Ohne F!XMBR hätte der Grimme Online Award 2007 lange nicht die Öffentlichkeit bekommen, den er bekommen hat. Bad news is good news.

Das Grimme Institut weiß das sicherlich besser, als der Autor dieser Zeilen. Aus diesem Grund bin ich der Überzeugung, dass F!XMBR den Grimme Online Award 2008 mehr als verdient hat.

Mit freundlichen Grüßen

Chris

Logo: Grimme Institut

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2 Antworten zu “Grimme Online Award 2008 — offensichtlich alles beim Alten”

  1. Chris sagt:

    Abschließend: Ich habe hier gerade alle Kommentare gelöscht. Wenn ich sehe, dass nebenan sogar die Dialer-Mafia ins Boot geholt wird, dann muss ich wie es schon mal der Fall war, um mein RL fürchten. Was für eine Gesellschaft sich doch manche aussuchen…

  2. […] erbeten — und ob es the same mess procedure as last year werden wird … mögen die Auguren ahnen . […]


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