Gottfried Ludewig, die CDU und die Menschen zweiter Klasse

CDUDer Name Gottfried Ludewig ist seit dem Wochenende in aller Munde. Dieser Mensch wird in der CDU große Karriere machen — das heißt, er ist schon fleissig dabei. Es gibt sogar Medien, die ihn und seinen verfassungsfeindlichen, deutschlandfeindlichen, grundgesetzfeindlichen, menschenfeindlichen Vorschlag, Rentner und Arbeitslose zu Wählern zweiter Klasse zu machen, als originell feiern. Ihn als Bengel zu bezeichnen, wie es der Spiegelfechter tut, ist da noch diplomatisch ausgedrückt. Wie auch Feynsinn wollte ich eigentlich nichts zu dieser braunen und hetzerischen Brühe schreiben — die Energie wollte ich mir eigentlich aufsparen. Doch die Erfahrung des Wochenendes zeigt, dass in Deutschland quasi Bürgerkrieg herrscht. Die Oberen führen Krieg gegen die Unteren. Anstelle ihren Verpflichtungen nachzukommen, Eigentum verpflichtet, wird in immer größerem Ausmaße gegen Schwächere gehetzt, verschiedene Interessengruppen gegeneinander ausgespielt. Wohlwissend, dass man in der breiten Bevölkerung Zustimmung erhält. Die Spaltung der Gesellschaft wird vorangetrieben, die Schere gewollt weiter geöffnet. Die Äusserungen Ludewigs, wie auch die des Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder, der Älteren Hüftgelenksoperationen verweigern wollte, lohnt sich nicht mehr, drücken dabei aber nur einen Zeitgeist aus, die die breite Meinung der Union, der FDP sowieso und auch weite Teile der SPD widerspiegeln. Es sind die Geister, die wir alle riefen.

Gottfried Ludewig weiß es nicht besser, er ist in dieser Welt aufgewachsen und hatte allem Anschein nach das Pech, Eltern zu bekommen, die ihm kein soziales und gesellschaftliches Miteinander beigebracht haben. Er hat wohl außer der Schule, der Uni und der CDU nichts kennengelernt. Zudem scheint es, als würde er bereits in jungen Jahren für unsere Demokratie, für die unsere (Ur)Großväter teils gestorben sind, nichts übrig haben: Es ist ein Skandal der seinesgleichen sucht: der bereits abgewählte RCDS-AStA der TU Berlin bleibt trotz verlorener Wahl einfach weiter im Amt. Zudem scheint er Probleme mit der Logik und dem Einen-Schritt-weiter-denken zu haben. Wenn er Rentner und Arbeitslose zu den Transferempfängern, zu den Belastungen unseres Landes zählt, zu was zählen dann wohl in seinen Augen Studenten? Man muss konstatieren, dass der gute Herr neben der Verfassungsfeindlichkeit eine für den Vorsitzenden eines Studentenverbundes gewagte These aufgestellt hat. Würde man den Gedanken die Hetze zu Ende denken, würde er sich in einer Reihe mit Rentnern, Arbeitslosen, und anderen Bevölkerungsgruppen befinden, wie zum Beispiel jungen Eltern, die sich gerade in ihren Erziehungsurlaub befinden. Knapp 30. Mio Menschen in diesem Land gehören zu den von Herrn Ludewig angesprochenen sogenannten Leistungsträgern. Bei einer Bevölkerungszahl von gut 82. Mio Menschen offenbart sich hier ein elitäres und faschistisches Denken sondergleichen. Wie gesagt — er weiß es offenbar nicht besser. Wenn über das Wahlrecht mit 16 diskutiert wird, ist Gottfried Ludewig der lebende Beweis für genau das Gegenteil.

Viel schlimmer ist, ich erwähnte es bereits, dass der nette Herr nicht alleine mit dieser Meinung steht. Früher durfte die junge Union, durften die jungen Wilden ruhig links der Partei stehen und dieser das Leben schwer machen. Heute darf es stramm rechts der konservativen Hardliner der Union sein — wohlwissend, dass es genügend Menschen gibt, die eben genauso denken, sich aber aus politischen und gesellschaftlichen Gründen (noch) nicht trauen, sich so zu äussern. Stimmen von Jungpolitikern wie Mißfelder oder Ludewig finden ihre Gründe in dieser Gesellschaft. Diese Gesellschaft hat ihre Jugend genauso erzogen — die Eltern kennen teilweise selbst kein Miteinander mehr. Dieses Land wurde mit allen Konsequenzen zu einer Ellenbogengesellschaft umerzogen — um es positiv auszudrücken. Anderen Leute zu helfen, heißt Hohn und Spott zu ernten. Links zu sein, bedeutet als Kommunist verunglimpft zu werden. Nicht zur arbeitenden Bevölkerung zu gehören, heißt, ein Mensch zweiter Klasse zu sein. Das Problem Gottfried Ludewig ist kein alleiniges Problem der CDU, der Union — es ist unser aller Problem. Zu Anfang dieses Artikels schrieb ich, dass Ludewig bereits große Karriere innerhalb der CDU macht. Wie ich darauf komme? Nun, er ist Mitglied des CDU-Bundesvorstandes. Hat diese nicht wirklich uninteressante Information irgendwer am Wochenende in den etablierten Medien gelesen? Nein? Eben — weil seine Äusserungen viele Anhänger gefunden haben, auch in den Medien. Dort zeigt sich dieses Zweiklassendenken ebenso in den Artikeln über Hartz IV-Empfänger oder ganz profan wenn über Blogger geschrieben wird. Eigentlich hat er ja recht, nur offen durfte er das nicht sagen. Dieses Land befindet sich quasi im Bürgerkrieg — Philipp Mißfelder und Gottfried Ludewig sind dabei nur Kinder dieser Gesellschaft. Und sie sind die Vorboten auf dem Weg in die Hölle.

Bild: Spiegelfechter unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

17 Antworten zu “Gottfried Ludewig, die CDU und die Menschen zweiter Klasse”

  1. Martina sagt:

    ah geh.. selbst als Mitglied des CDU-Bundesvorstandes ist er ein Transfer-Empfänger… nur, er hat dies noch nicht begriffen. Mich stört es nicht, dass er so begriffsstutzig ist, denn er beleidigt sich selbst nun noch weiter. 😉

  2. Oh Ludewig, oh Ludewig.…..

    Sag’ mir, wann der Wagen bricht!

    Und wieder mal so ein Hinterbänkler, der mit populistischen Thesen versucht, Aufmerksamkeit zu erheischen, um sich zu profilieren.
    Der Vorsitzende des CDU-nahen Studentenverbands RCDS, Gottfried Ludewig, will die…

  3. Marcel sagt:

    dich stört es vielleicht nicht, aber hetzer wie er finden immer ihre zuhörer und zustimmer. leute, die sich aus dem guten grund bisher schämten, ähnliches von sich zu geben. er gibt ihnen das signal «ihr habt recht» und weckt damit schlafende hunde. das spiel der demagogen eben. heute, gestern, vor 80 jahren. natürlich darf er gerne seine meinung zum besten geben, erstaunlicher ist die geringe gegenwehr.

  4. […] — Die CDU, ein dummer Bengel und das Klassenwahlrecht Oeffinger Freidenker — Auf in den Geldadel! F!XMBR — Gottfried Ludewig, die CDU und die Menschen zweiter Klasse Geschrieben von Rouven am Dienstag, 27. Mai 2008 Abgelegt unter Presse, […]

  5. […] Ende seines Beitrags schreib f!xmbr: […] Es sind die Geister, die wir alle riefen. […]

  6. klml sagt:

    Was mich am meisten aufregt ist der Begriff Leistungsträger.

    Für mich bringt jemand Leistung der an etwas schafft, wovon ich runterbeißen kann, darin wohne oder meine Freundin beeindrucken kann.

    Die «Leistungsträger» dieser Fatzkes, die sich die Welt anhand einer Cornflakespackung erklären, sind Investmentbänker die PacMan mit echtem Geld spielen, aber sich keiner fragt was es bringt.

    Aber das allerschlimmst ist ja ich glaube so Typen glauben ihr Gefassel selber. Der Mediziner sagt dazu kognitive Dissonanz.

  7. Bogus sagt:

    Ich weiss nicht, ob es sich lohnt darüber aufzuregen. Solche Leute gehören nach meinen empfinden nicht in die Politik.

    Da braucht die CDU über die Linke sich nicht aufregen, wenn sie solche Leute in ihren Reihen haben.

    Anderseits ist es vielleicht nicht schlecht, das es solche leute, weil da sieht man eher wie Basis in der CDU tickt. Obwohl man da nicht alle über einen Kamm scheren darf. Das die CDU mit den Grünen sich zusammentun, nur um an die Macht zukommen, zeigt doch schon das sie dazugelernt hat.

    Nächstes Jahr ist ein Heisses Wahljahr und dann wird es sehr lustig für die Koalition werden bzw. für uns «normalos»

  8. […] Geschrieben von Thomas Trueten in Geschmackloses um 16:07 Ich muss mal wieder Werbung für die CDU machen: Noch keine Kommentare | Keine Trackbacks Tags für diesen Artikel: […]

  9. Juzam sagt:

    Also erst einmal hat sich der Junge mehrfach von seiner Aussage bzgl. des Wahlrechts distanziert. Und seine Grundthese: «Erstmal gucken wo man das Geld her nimmt, bevor man etwas verteilt» finde ich gar nicht so dumm.

    Deinen Satz mit dem Wahlrecht ab 16 verstehe ich nicht ganz, aber falls das auf ihn gemünzt war, finde ich das etwas überflüssig, da er zum einen 25 ist und seine politischen Thesen auch nicht unbedingt mit seinem Alter zu tun haben müssen.

    Frau Will hat übrigens, bevor sie sich ein Wort von Ludewig angehört hat, ausdrücklich gesagt, dass dieser mit der CDU zu tun hat.

    Ich fand es ehrlich gesagt beschissen, wie mit dem Jungen umgegangen wurde in dieser Sendung. Obwohl er sich sofort von der Wahlrechts-Sache distanziert hat, haben ihn alles ausschließlich darauf reduziert, Frau Will wollte auch von ihm gar nichts anderes hören. Und dafür wurde er von den anwesenden Politikern nur ausgelacht — nicht weil sie anders denken, sondern nur weil sie sich nichts anderes leisten können und an dieser Stelle natürlich den Jungen nur bashen *konnten*.
    Er wurde also nur eingeladen, um ihn fertig zu machen, ein bisschen was reißerisches in der Show und außnahmsweise mal Einstimmigkeit unter den Gästen zu haben.

  10. Oliver sagt:

    Diese absurde Idee geht wohl eher in die Richtung Zensuswahlrecht eines Solon, der mit seiner Attischen Demokratie in irgendwie freiheitliche Gefilde aufbrach. Zumindest muß man diesem Solon zugute halten, daß er den Anfang machte. In der Kaiserzeit beispielsweise galt im Prinzip das Wahlgesetz des Nordeutschen Bundes, allgemein gab es Wahlen für alle ab 25, Frauen durften jedoch nicht wählen (erst ab 1918), Bezieher von Armenunterstützung, respektive angehörige der Armee ebensowenig. Da damals das Parlament eher als Widersacher der Monarchie zu sehen war, war letztere wohl der Ansicht man dürfe nicht gegen die nährende Hand stimmen. Es entsprach mehr oder weniger dem Zeitgeist, es waren Anfänge. Anfänge die die Basis bildeten und auf denen man später, trotz unsäglicher Zensuren, aufbauen konnte. Was diesen CDU-Menschen nun zu dieser Idee getrieben hat weiß nur Gott und wo sich dieser in der Christlich-sozialen Union vertreten sieht, wird wohl auch nur dieser wissen, falls er denn existiert. Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Denn ich errettete den Armen, der da schrie, und den Waisen, der keinen Helfer hatte. Ich war des Blinden Auge und des Lahmen Fuss. Tu deinen Mund auf und richte recht und räche den Elenden und Armen.

    Ein Selbstzitat, schrieb ich anderswo diesbezüglich.

    >Und seine Grundthese: “Erstmal gucken wo man das Geld her nimmt, bevor man etwas verteilt” finde ich gar nicht so dumm.

    Du darfst dich gerne in der nächsten Bananenrepublik melden und el presidente spielen. Wir sind hier in einer Demokratie und wer das nicht kapiert sollte besser noch einmal die Schulbank drücken.

    @Juzam

    für dich ist hier ohnehin Schluß, da wir auf unserer Publikation keine demokratiefeindlichen Äußerungen tolerieren!

  11. DDM_Reaper20 sagt:

    Herr Ludewig sollte mal einen verschämten Blick ins Grundgesetz werfen. Art. 38GG sagt eindeutig, dass Abgeordnete in freier, GLEICHER und geheimer Wahl zu wählen sind. Gleich heißt, dass keiner bevorzugt oder benachteiligt werden darf.

    Jegliche solche Forderung ist daher zum Scheitern verurteilt.

    Stellt sich mir die Frage, ob Herr Ludewig das GG wirklich so schlecht kennt (was tief blicken lassen dürfte), oder ob er ausloten wollte, wieviele sich wohl auf diesen «Vorschlag» einlassen würden.

    Nun

  12. Streifzug sagt:

    Wie kommt es, dass manche Politiker Vorstellungen äußern, die mit dem Grundgesetz (Deutschland) nur schwer vereinbar sind? Es wäre zu einfach sie als dumm abzutun. Unterschätzen ist immer gefährlich.

    Der Knackpunkt ist das Grundgesetz. Momentan gibt es eine Verfassungsklage, die das Inkrafttreten des EU-Reformwerks verhindern soll. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bedeutet auch ein Urteil über die eigene mögliche Entmachtung. Dann wäre das Grundgesetz schutzlos.

    Sollte daher der Wind wehen? EU-Gesetz geht bald über Grundgesetz?

    So würde es Sinn machen. Während sich nationale Kleingeister noch an das Grundgesetz klammern, werden auf EU-Ebene die Weichen neu ausgerichtet.

    Dann endlich wird 68 rückabgewickelt. Warum nicht gleich die Errungenschaften der Französischen Revolution auch noch einsacken? Wer das für Blödsinn hält, hat das EU-Reformwerk noch nicht richtig gelesen.

  13. Oliver sagt:

    >die Errungenschaften der Französischen Revolution

    Das packen die Franzosen seit Jahren auch schon ganz alleine.

  14. Streifzug sagt:

    Wollen wir ihnen helfen?
    Klein Sarko schwächelt momentan.
    Sarkozy für billigeres Benzin und kürze Arbeitszeiten

  15. […] Leider kein Einzelfall, der nette Herr Hufeisennase. Nicht nur die Äusserungen der Herren Ludewig und Mißfelder zeugen von dieser Mentalität — auch die Mitgliedschaften in entlarvenden StudiVZ-Gruppen […]

  16. […] für die Umwelt, schlecht für den Menschen — aber gehts nach der CDU sind Menschen ohnehin zweitranging Bei diesen und jenen Fakten, wie dem Grundsatzpapier der Union: Bewahrung der Schöpfung: […]

  17. […] bekommen, demzufolge würden deren Eltern im Auftrag ihrer Kinder wählen. Neben den Ideen um diverse Ausartungen des Zensuswahlrechts, die desöfteren die Runde machen, ist dies ebenso ein Ausbund an Grenzdebilität wie er […]

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