Google ist das Böse

GoogleIch glaube, dieser Aussage kann man mittlerweile mit großer Sicherheit zustimmen. Der breiteren Öffentlichkeit wurde dies spätestens mit dem Chrome-Desaster bekannt. Nun hat der Suchmaschinengigant heimlich still und leise seine Datenschutzbestimmungen geändert. Neben den normalen Daten wie Suchanfrage, IP-Adresse sowie Browser-Typ speichert Google in Zukunft auch die Informationen ob und wie der User Google-Dienste nutzt. Sprich: Gerade noch nach YouPorn YouTube gesucht, danach am Excel-Sheet gearbeitet an am Abend noch Bilder zu Picasa hochgeladen. Google speichert damit ein genaues digitales Abbild seiner Anwender. Google ist spätestens damit zum Big Brother der Neuzeit mutiert. Die Techniken Orwells waren ein Witz gegenüber den Möglichkeiten, die Google hat und offensichtlich auch nutzt. Als wenn wir uns täglich Minute für Minute von einer Kamera filmen lassen würden. Und ganz im Neusprech solch großer Politiker wie Wolfgang Schäuble und George W. Bush wird es mit der Sicherheit der User begründet. Die komplette Überwachung zu Deiner eigenen Sicherheit. Das hat schon verdammt viel Chuzpe. Ich möchte jetzt nicht großartig Dienste wie Scroogle oder das Firefox-Plugin Customizegoogle vorstellen, das ist schon oft genug passiert. Auch verweise ich nicht mehr darauf, dass Google Mail alle E-Mails seiner Nutzer scannt. Auf dieser und auf anderen Publikationen ist da genug zu finden. (via)

Das nächste Google-Desaster kündigt sich im Übrigen auch an: Das G1, das sagenumwobene Google-Handy. Ich hatte am Wochenende die Möglichkeit, das gute Stück länger zu testen. Das iPhone braucht sich nicht im Ansatz Gedanken machen – dieses Ding völlig überteuerter Hardware ist die Schrauben nicht wert, mit denen es zusammengehalten wird. Mal abgesehen von der grottigen Usability – es ist für Menschen, die keine kleinen Finger haben, fast unbenutzbar, die ausziehbare Tastatur dürfte spätestens nach 6 Monaten abgebrochen sein – schreibt Golem hier schon einiges zum Google-Zwang des G1.

Bei der Einrichtung des G1 muss sich der Käufer mit einem Google-Konto anmelden. Ohne ein solches Konto ist das Mobiltelefon nicht einsetzbar. Dadurch sind alle Google-Suchanfragen, alle Google-Maps-Aufrufe, alle Google-Mail-Nachrichten, alle Google-Kalender-Termine und alle Google-Talk-Botschaften für den Internetgigangten einem Konto zugewiesen. Der Nutzer kann sich also nicht dagegen wehren, dass sein Nutzerverhalten von Google protokolliert wird.

Den restlichen Test des G1 von Golem kann ich so überhaupt nicht nachvollziehen. Dieses Urteil im Übrigen, habe ich mir auch durch Gespräche mit anderen Leuten gebildet, welche das G1 ebenfalls getestet haben. Golem tanzt da wohl auf einer Jubelperserwolke.

Zusätzlich möchte ich noch auf eine andere heikle Sache hinweisen: Ältere F!XMBR-Leser wissen, dass Besucher, die über Google auf F!XMBR kommen, einen kleinen Banner unseres Hosters sehen. Aus alter Verbundenheit und weil er uns jahrelang kostenlos einen kostenlosen vServer für unsere Jabber– und Laconica-Ausflüge zur Verfügung gestellt hat. Diesen kleinen Banner sehen ausschließlich Besucher, die den Referer Google mit übertragen. Sonst niemand. Hiermit wird das Ganze realisiert. Wie sollte es anders sein, natürlich hab ich mit dem G1 als erstes F!XMBR aufgerufen – und was sehe ich rechts in der Sidebar? Richtig, den kleinen Banner. In aller Deutlichkeit: F!XMBR wird direkt mit dem G1 aufgerufen und der Banner wird angezeigt. Schlussfolgerung: Das G1 überträgt grundsätzlich den Referer Google – es ist somit dreister und ekelhafter Referer-Spam. Die zweite Lösung: Google schickt alle Anfragen erst über die eigene Suche, um dann das passende (erste?) Suchergebnis aufzurufen. Auch hier gilt die Schlussfolgerung wie schon unter Punkt 1: Es ist mieser Referer-Spam.

Leider hat sich neben Google keine wirkliche Alternative entwickelt. Scroogle nutzt die Google-Daten und unterstützt somit den Suchmaschinenriesen. Google ist der Datenschutz seiner User völlig egal, zumindest scheint es so. Personenbezogene Daten sind die Währung der Zukunft, des digitalen Zeitalters. Google wird seine Nutzer ausschlachten, wann immer es möglich ist. Das Chrome-Desaster, jetzt die geänderte Datenschutzbestimmungen, das G1 sind kein Zufall. Es ist Firmenphilosophie. Google ist eine große Datenschutzkrake und bei sorglosem Umgang gefährlich für seine Nutzer. Ich persönlich nutze Google – gezwungenermaßen – als Suchmachine und Rechtschreibkorrektur. Andere Dienste werden evtl. genutzt, um auf F!XMBR davon zu berichten. Nicht aber im Alltag. Und wer jetzt noch Google Analytics nutzt, muss mit Google in einen Topf geschmissen werden – mal völlig abgesehen von der Rechtslage. Diesen Webseitenbetreibern muss klar gemacht werden, wie sie zum Erfüllungsgehilfen Googles werden. Don’t be evil. Selten so gelacht. Das obige Doodle im Übrigen ist zu Ehren des Martin-Luther-King-Tages von Google kreiert worden. Die Doodles sind wirklich der einzige Hingucker, den Google derzeit noch zu bieten hat.

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22 Antworten zu “Google ist das Böse”

  1. Thorsten sagt:

    zunächst einmal: sehr schöner Artikel!
    Noch vor wenigen Wochen stand ich vor einem Mail-Anbieter-Wechsel und es drang sich mir auch GMail in den Sinn. Da ich aber selbst einwenig Bedenken habe was die Datensicherheit bei Google angeht bin ich dich woanders hin.
    Wie auch immer: auf jeden Fall stieß ich bei der Recherche über einen Fakt der mir zu denken gab. Und zwar, dass im Endefekt bei jedem Mailprovider die Mails durchsucht werden, auf Grund von Spamfiltern. Mir leuchtet dieser Fakt durchaus ein, aber ich wollte mal wissen wie deine/eure Meinung dazu ist…

  2. Thorsten sagt:

    Ok, ich hatte mich ein wenig unverständlich ausgedrückt: Ich wollte damit sagen, wer garantiert mir denn, dass andere Anbieter nicht auch diesen Scan für weitere Zwecke nutzen? Der Punkt ist vielleicht nur, dass Google damit publik umgeht.

  3. Steffen sagt:

    Das Problem liegt wohl auch in der Fülle der Funktionen. Solange andere Anbieter nicht gleichziehen und ebenso viele Funktionen kostenlos anbieten wird wohl keiner Google den Rücken kehren.
    Als Beispiel sei nur mal das kostenlose Mail für Domains («Google Apps») genannt. Aber schöner Artikel — führt einem vor Augen, wie unverzichtbar Google heutzutage ist.

  4. steda_ sagt:

    Gerade eben (19.15h) hat im Deutschlanfunk eine Sendung dazu begonnen.
    Das Kulturgespräch, Die dunkle Seite der Macht — Suchmaschinen im Internet.
    http://www.dradio.de/dlf/.…./907693/

  5. steda_ sagt:

    Nachtrag: hier die mp3 der Radiosendung.
    Mp3
    Die geänderten Datenschutzbestimmungen sind noch nicht bei den Herren angekommen, ansonsten war es eine durchaus gelungene Sendung. Nicht nur kritisches, aber ein paar Gefahren kamen durchaus zum Ausdruck.

  6. Oliver sagt:

    Unverzichtbar … weil konditioniert auf Jäger– u. Sammler-Mentalität? Erinnert mich an die absurde Argumentation einer anderen Gruppe, die von ähnlichen Dingen faselt und die generelle «Mitnahme-Mentalität» rechtfertigt. Fülle der Funktionen? Faulheit par excellence, weil eben alles aus einer Hand kommt, das lädt natürlich ebenso zum Mißbrauch ein. Ihr gebt euch freiwillig dem potentiellen Mißbrauch hin, im Nachhinein klagen weil man halt ob der Bequemlichkeit nicht mehr davon los kommt ist infantil. Alternativen gibt es, gab es schon immer — einzig die PR-Maschienerie («hey GMail besitzt aber 1Gb mehr Speicher») macht blind oder besser verblödet.

  7. Florian sagt:

    Ich war ehrlich gesagt (in Unkenntnis der bisherigen Datenschutzbestimmungen) bereits in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass diese angebotsübergreifende Aufzeichnung stattfindet und habe ich mich von Anfang an auf die Nutzung der Suche und des Readers beschränkt. Ich finde diese Neuigkeit — wenngleich brisant — insofern eher minder überraschend.

    Sicherlich sind einige Angebote aus dem Hause Google verlockend (so stellt der Reader derzeit für mich die sinnvollste Feed-Lösung dar, wenngleich er sicherlich ein umfangreiches Interessenpofil ermöglicht) wie man seine eigenen Dateien (und nicht nur die Nutzungsdaten) nach draußen auslagern kann (Calendar, Docs) kann ich einfach nicht nachvollziehen, egal ob nun bei Google oder andernorts.

    Ich würde die umfassende Nutzung der Google-Angebote ebenfalls als naiv bezeichnen, würde das allerdings höchstens bei Nutzern mit «größerem» technischen Verständnis als Vorwurf formulieren. Mehr allgemeine Aufklärungsarbeit in diesem Sinne (wie Ihr sie hier betreibt) würde sicherlich der Idee von Privatsphäre nicht schaden.

  8. Oliver sagt:

    Man benötigt kein großartiges techn. Verständnis, um zu verstehen das man sich ob der Nutzung diverser Dienste ein und deselben Anbieters in eine Abhängigkeit begibt. Und das Daten mißbraucht werden ist keine Erfindung des Internets und somit knowhow von Nerds und anderen techn. affinen Menschen. Es wird mitunter von diversen Gruppierungen auf technischem Niveau kommuniziert, aber außer techn. affinen Menschen hört diesen ohnehin kaum jemand zu. Der Rest aber ist gesunder Menschenverstand.

  9. Florian sagt:

    Keine Frage, im Grunde sollte ein wenig gesunder Menschenverstand (was auch immer man alles unter diesem Hut zusammenfasst) einen schon davor warnen, da kommt dann sicherlich aber auch die von Dir (zurecht) kritisierte Bequemlichkeit ins Spiel. Ich würde aber auch die Behauptung aufstellen, dass so manchem gar nicht bewusst ist, welche Art von Daten überhaupt anfallen kann und welche Bedeutung sie haben können. Ich würde mich da keinesfalls ausschließen.

  10. […] F!XMBR: Google ist das BöseWie war das noch gleich mit don’t be evil? Der Haken ist allerdings nur, dass es wohl kaum jemanden interessieren wird… […]

  11. Yuri sagt:

    Also ich nutze Google eigentlich kaum bis gar nicht… nicht mal mehr meine Hauptsuchmaschine ist es [nur ganz selten bemuehe ich noch mal Scroogle, wenn Ixquick mir keine brauchbaren Ergebnisse liefert — oder aber um mal wieder mein eigenes «Google-Profil» zu ueberpruefen]. Und fuer anderes habe ich tante Gu eh nie verwendet…

  12. Oliver sagt:

    @Florian, nun gut das ist mangelnde Fantasie — dagegen ist auch kein Kraut gewachen. Jedoch stellt sich Mensch auch nicht gerade derart dumm an, wenn er einen persönlichen Nutzen aus etwas ziehen kann. Wie man diesem «Problem» begegnen kann weiß ich nicht, eine Patentlösung existiert definiert nicht. Auch hilft es nicht auf «einfachere Sicherheit» zu warten, diese wird es nie geben, denn die zu bekämpfenden Problematiken sind von komplexer Natur. Sobald irgendwo ein Iota Sicherheit Anwendung findet, sucht man stante pede nach Wegen diese zu Umgehen ob der Bequemlichkeit — siehe Vista (nicht Microsoft gab sich der Lächerlichkeit preis, sondern der werte User), Pin-Nummern etc. pp. Automatismen sind gefragt und doch der Anfang vom Ende jeglichen Hauchs von Sicherheit.

  13. flo sagt:

    Ich verzichte weitgehend auf Google. Was mich allerdings wurmt: der Google Reader wurde für mich fast unverzichtbar. Ich lese RSS Feeds zum Frühstück auf dem Standrechner. In der Arbeit schau ich mit dem Notebook mal rein und unterwegs check ich die Feeds mit dem Handheld. Hat jemand eine alternative zum Google Reader? Wäre wirklich dankbar für Tipps!

  14. Oliver sagt:

    In puncto Handhabe geht nichts über Google Reader, natürlich nach den lokalen Readern ( newsbeuter in meinem Fall ). So eine Liste der persönlichen Lesegewohnheit gibt natürlich immer scho ein recht nettes Profil ab.

  15. Steffen sagt:

    Ein Schelm, wer böses dabei denkt… (Filtern ist ausgeschaltet!)

    Interessant, dass Google sogar seine eigenen Seiten (2. Ergebnis) für böse hält.

  16. Gelinkt VI: Obama, Google, Nah Ost, VerfSchutz, Lichtbilder…

    1) USA im Wandel — Wer ist Barack Obama?
    Ein Interview mit dem amerikanischen Sprachwissenschaftler Noam Chomsky. Endlich keine Lobgesänge sondern Realismus.
    2)Einige Aktivitäten von Google:
    2.1) Unterläuft Google die Netzneutralität? (Update…

  17. paterbrown sagt:

    @flo
    Ich habe vor einiger Zeit auch eine Alternative zum Google Reader gesucht. Gefunden habe ich Tiny Tiny RSS. Einfache Installation und angenehme Benutzervührung. Also ich vermisse den Google Reader nicht mehr…

  18. […] “Cloud Computing” ist der nächste Schritt: Nicht der Rechner zählt, sonder die Dienste, die man sich vom Rechnenetz holen kann. Die Handys “Sidekick” und “G1″ gehen eindeutig in diese Richtung. Selbstverständlich verfügt de Einrichtung oder das Unternehmen über eine große Macht, die doer das den Zugang dazu vermittelt. So ist es vielen zu Recht mulmig, wenn sie sehen, das derzeit Google ziemlich allein diesen Zugang aufbaut. Ein Beispiel dieser Befürchtungen ist der Blog-Artikel “Google ist das Böse“. […]

  19. Wenn das mit dem Referer kein übler Bug ist, könnte ich mir vorstellen, daß sie auf dem Umweg über den ersten Treffer diesen Stopbadware-Kram zwangsimplementieren wollen. Unschön in jedem Fall.

  20. max sagt:

    gerade mit dem android browser auf auslieferungszustand des t-mobile g1 getestet — keine banner weit und breit. sicher dass du nicht die url in die suchfunktion mit i feel lucky getippert hast?

  21. Chris sagt:

    Sicher kann man sich bei so einem Spielzeug nie sein, wenn man es das erste Mal in der Hand hält. Ich habe einfach losgetippt, Adressfeld «poppte» auf, Enter-Taste und F!XMBR wurde aufgerufen.


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