GNU/Linux: Slackware

Slackware ist eine der ältesten noch existierenden GNU/Linux-Distros — und war bzw. ist auch die meinige seit den frühen 90ern, damals noch mittels der bekannten Walnut Creek CDRömer1 geordert. Die UNIX-ähnlichste, jene die auch BSD–Usern mehr Spaß bereitet als sonst irgendeine GNU/Linux-Distro. Patrick Volkerding ist der benevolent dictator for life, Stein des Anstoßes für viele Kritiker. Letztere übersehen zwar dabei gerne, daß Torvalds eine identische Funktion einnimmt, aber ein rant um des rants Willen ist immer gerne gesehen ;-) Tatsache ist jedoch auch, daß nicht nur Pat alleine werkelt, sondern eine Vielzahl fleißiger Helfer. Qualität und Beständigkeit dieser Distro sprechen für sich und insbesondere für Pats Führungsstil.

Wenn wir uns schon in den Gefilden der Vorurteile befinden, wäre auch das fehlende Paketmanagement zu nennen. Was per se zwar nicht korrekt ist, da das Gros in der Regel die fehlende Auflösung von Abhängigkeiten meint, denn ein Paketmanagement selbst ist natürlich vorhanden. Die fehlende Auflösung von Abhängigkeiten mag ein Nachteil sein, insbesondere wenn man den Versionsjunkies der Windows-Gefilde nacheifert, tatsächlich aber liefert Slackware genügend mit, so das für viele selten ein Mangel auftritt oder ein erhöhtes Maß an Arbeit. Den Rest kann man in der Regel recht simpel kompensieren, es existieren Mittel und Wege Dritter, die üblichen Buildscripts etc. — nichts für den blutigen Anfänger, aber auch nichts was den einigermaßen geübten Linux-Anwender überfordern würde. Ein Manko also? Nicht wirklich, Slacker sehen dies als Vorteil, als K.I.S.S.

Nach der recht flinken Installation mittels ncurces-Interface sind nur wenige Handgriffe nötig um ein lauffähiges System, welches den persönlichen Bedürfnissen angepaßt ist, umzusetzen. Wem dies immer noch zu kompliziert erscheint kann auch zu einer der vielen Slackware-Derivate greifen: Zenwalk, Vector Linux, easys usw. Mit Slackware kann man ebenso wie mit den BSDs UNIX lernen, d.h. nicht konfuse Frickelei die mehr der Tätigkeit eines MacGyvers gleichkommt, sondern eine effektive Herangehensweise mit Bestand.

Ansonsten findet man so gut wie kein Code-Gefrickel vor, welches leider bei einigen Distros Einzug gehalten hat. D.h. der Kernel beispielsweise ist, wie auch von Torvalds empfohlen, weitesgehend Vanilla — in der Praxis hat es schon seine Gründe, warum diverse Patches/Treiber etc. noch nicht im Kernel vorzufinden sind. Überhaupt wird man innerhalb Slackwares auch in der Regel auf gar keine bis nur äußerst wenige Probleme stoßen Software zu kompilieren. Stabilität ist trumpf und Spielereien bleiben außen vor. Hilfen findet man dennoch en masse: dort, dort und auch dort usw.

Sourcecode ist wie gesagt trumpf, Binärpakete würde ich bei Slackware nur jene einsetzen, die man selbst kompilierte und auf der heimischen Rechnerlandschaft verteilen möchte. Ausnahmen gibt es natürlich auch, wie z.B. jene offiziellen Pakete von Pat oder auch jene größerer Natur: beispielsweise OpenOffice. Man versagt sich ansonsten auch einen der essentiellen Vorteile Slackwares: K.I.S.S. und die damit einhergehende Kontrolle und Qualität des Systems.

Lange Rede kurzer Sinn, wo also steht Slackware heute? Dort wo es immer stand, auf der qualitativen Seite der freien Systeme. Überhaupt bleiben imho heutzutage nicht viele Systeme über die es wert sind genutzt zu werden, ohne Redundanz bzw. Kosmetika zu wirken. Gentoo, Debian, Slackware und die BSDs sind da die Eckpfeiler der freien Community. Der Rest der Derivate oder auch Neueinsteiger kann Einstiegshilfe sein, oftmals jedoch nur wie erwähnt gewirkte Redundanz oder Blendwerk in Form von oberflächlicher Kosmetika.

Das hört sich nach einem Rant an, soll es aber gar nicht sein. Viele erkennen dies ohnehin erst nachdem sie Jahre als Distro-DJ verbrachten und kurzatmig allerlei leeren Versprechungen hinterliefen ohne jemals echte Qualität zu schauen. Das gute an Opensource ist, man muß es nicht nutzen und man hat die Wahl — die Wahl kann jedoch auch zur Qual mutieren. Dagegen helfen dann keine Gesetze wie von einigen gerne gefordert (aka weg mit dem Müll, wenn ich da was zu sagen hätte), sondern nur gelegentliche Hinweise — manchmal bedarf es auch nur der Aufklärung, um die Hype-Wolken einiger kommerzialisierten Communities aufzulösen. Neu == innovativ ist die größte Seuche in freien Gefilden, wenn eine Sache gut funktioniert, warum diese ersetzen? In den wenigsten Fällen ergeben sich tatsächliche Vorteile und so wirkt auch Slackware heute noch immer gewohnte Qualität, die man mehr und mehr vermißt. Windows ist eine passive Gefahr, da man sich auch in freien Gefilden mehr und mehr den Redmondschen Praktiken annähert.

  1. auch mein Amiga wurde schon mit diesen und Aminet-Auszügen bedient []

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