Glaubwürdigkeit, Contentklau und andere Seltsamkeiten

Es gibt ein Plugin für WordPress, das nennt sich WP — ©Feed. Über Sinn und Zweck generell mag ich nun nicht diskutieren wollen — für Seiten wie die vom Macher selbst oder literarisch hochwertige Seiten ist es meiner Meinung nach sogar ganz sinnvoll. Wir hier stehen auf dem Standpunkt, wer von uns möchte, der soll sich nehmen, uns dabei erwähnen und gut — achja, und sollte irgendwann das Unglaubliche eintreten, und Geld mit unserem Getippselten verdient werden, möchten Oli und ich durchaus unseren Obolus abbekommen. 😀

Auf der anderen Seite ist unser Feed jedoch aus einem einzigen Grund kein Vollfeed: Da wir manchmal auch Privates veröffentlichen, möchten wir einfach nicht, dass auch diese Sachen automatisch abgegriffen werden und woanders veröffentlicht werden — auch wenn wir da wegen unserer verwendeten Lizenz nichts gegen tun können. Nur müsste das halt händisch passieren, und das machen dann die wenigsten. Die Hemmschwelle, alles per Hand zu kopieren und irgendwo einzustellen, das ist dann doch etwas anderes, als es per Feed automatisch laufen zu lassen. Doch darum soll es hier nicht gehen.

Es gibt Menschen da draußen, die verwenden einen Vollfeed und ergänzen ihn mit o. g. Plugin und folgenden Worten:

Dieser Feed ist nur für den persönlichen, nicht gewerblichen Gebrauch bestimmt. Eine Verwendung dieses Feeds auf anderen Webseiten verstößt gegen das Urheberrecht. Wenn du diesen Inhalt nicht in deinem News-Reader liest, so macht sich die Site, die du gerade betrachtest, der Urheberrechtsverletzung schuldig. In diesem Falle gib mir bitte unter contentklau@peinliche-webseite.com bescheid. Danke.

Nun mag man mir entgegenwerfen, das möge doch bitte jeder selbst entscheiden. Soweit sicherlich richtig, nur wenn die betreffenden Person(en) — den Text gibt es in mehreren Varianten, auch mit Hinweis auf CC-Lizenz — Moderator oder Administrator auf einem der größten Warez-Foren Deutschlands ist, dann wirds extrem peinlich, lächerlich und dann ist es gänzlich vorbei mit der Glaubwürdigkeit. Das hat dann ungefähr die gleiche Qualität, wie die jungen Leecher, die ins Feedback-Forum des betreffenden Forums stürmen und da ein Copyright, welches es im Übrigen in Deutschland nicht gibt, hier haben wir ein automatisches Urheberrecht, für die eigenen lol– und Danke für den Upload-Beiträge beanspruchen. Ladies and Gentleman — Ihr phantasiert jeden Tag von Fair Use und einer Filesharing-Flatrate — kleiner Tipp am Rande: Verwendet einfach die BSD-Lizenz, wie es andere schon tun — aber nein, das wird nicht passieren, warum wohl?

Naja, omg schreien und mit dem Kopf schütteln, kann man dann nur noch, wenn betreffende Seite bei Metaowl angemeldet ist. Das Projekt ist eine grandiose Initiative rund um die Themen Privatsphäre, Überwachung, Datenschutz, etc. pp. — schaut es Euch einfach mal an. Es greift den Content — nach vorheriger Anmeldung der Seitenbetreiber auch per Feed ab — und Ihr ahnt es vielleicht schon: So erscheint auch bei Metaowl dieser nette Urheberrechtshinweis. Unglaublich.

Hm, soll ich nun Metaowl verpetzen? Eine kleine Idee hätte ich ja noch, um die Persiflage auf die angeblichen eigenen hohen Ziele perfekt zu machen: Anstelle des Wortes contentklau könnte man wie die Großen der Branche das Wort piracy als Mailaddy für die Meldung von Urheberrechtsverstößen nehmen. Dann wäre es perfekt — und wer weiß, vielleicht können die betreffenden Personen dann noch Usenext– und Flatster-Werbung in den Feed einbauen. Dann würde man das eigene Handeln wenigstens konsequent fortführen.

18 Antworten zu “Glaubwürdigkeit, Contentklau und andere Seltsamkeiten”

  1. Stefan H. sagt:

    Sowas liest man nur bei euch. Klasse. Gruß von einem Silent Reader und einem Silent Genießer. :-)

  2. Markus sagt:

    Denkt einfach nicht darüber nach und sendet den Vollfeed. Ich hab bei netzpolitik.org auch öfters die Situation, dass mein Feed von anderen aggregiert wird, nur um mit Google Ads Geld zu verdienen. Ich schick dann immer eine Mail und weise auf die Urheberrechstverletzung hin. Problem wird dadurch meist gelöst. Ist zwar nervig, aber nerviger empfinde ich es, wenn ich deswegen meinen Vollfeed kastrieren müsste.

  3. Kamuflaro sagt:

    Man soll sich nehmen, aber nicht klauen? Ich versteh das nicht. Es hakt an der Namensnennung oder wie? Oder daran, dass der Feed anders verlizenzt ist?
    Kamu + Schlauch. Hilfe!

  4. Oli sagt:

    Ich schick dann immer eine Mail und weise auf die Urheberrechstverletzung hin.

    Von *meiner* Warte aus ist mir selbst das egal. Wer was für sich wertvolles findet kanns von mir aus drucken lassen etc., nur die Quelle sollte genannt werden. Der Rest ist nicht Freiheit, sondern eine Vorstellung von irgendetwas abseits davon.
    Hier ist es eine Gemeinschaftsproduktion, wir einigten uns nunmal auf die CC — persönlich bin ich da weitaus liberaler. Aber ich würde auch bei der CC keinem hinterhersteigen weil er Google Adsense auf dem Blog hat, zumindest dann nicht, wenn dieser auch selbst Beiträge liefert und nicht nur nimmt.
    Aber selbst das ist mir schon zu blöd.

  5. Falk sagt:

    Mal anders gefragt, weil der Markus grad auch hier ist: Wenn ich ein Blog und dessen Inhalte unter Creative Commons stelle, diese aber im Feed weder erwähne, sondern sogar im Gegenteil dort *nur* auf das Urheberrecht Bezug nehme, ist das im Sinne der CC-Lizenz? Darauf lief das doch oben hinaus oder hab ich es falsch verstanden?

  6. Oli sagt:

    Du kannst als Urheber mit deinem Zeugs ja erst einmal machen was du willst, auch eine doppelte Lizenzierung ist möglich. Wird z.B. bei einigen Open Source Projekten so verfahren. Dort CC und dort © wenn mans mag — widersinnig für private Normalos wäre es.
    Aber deswegen nennt man sich auch Urheber um selbst zu entscheiden.

  7. Falk sagt:

    Ja, nur hab ich da jetzt gedanklich ne Barierre — denn der Feed ist ja quasi eine Kopie des CC-lizensierten Werkes. Das meint ich jetzt. Klar kann man das trennen, mach ich ja selbst bei der Musik auch (hier CC, dort Verkauf bei iTunes), aber da sinds eben 2 *verschiedene* Quellen.

  8. Finkregh sagt:

    hmm.. diese doppelte Lizensierung ist imo dann doch sinnfrei in dem Sinne dass ich den Inhalt vom geschützen Feed nicht im Sinne der sonst verwendeten CC abgreifen darf. Aber wer kontrolliert welchen Text ich gelesen/kopiert habe?

  9. Oli sagt:

    Es gibt viele Dinge im Open Source Bereich oder anderen Bereichen, die doppelt lizensiert sind.

    aber da sinds eben 2 *verschiedene* Quellen.

    Eben nicht, die Quelle ist die gleiche, es sind zwei verschiedene Vertriebswege — die Quelle ist der/die Musiker an sich. Ebenso könnte man es bei Feed und Blog sehen. Außerdem sagte ich ja nicht das es besonders logisch rüberkommt, das überhaupt so zu handhaben 😉

    Vielleicht würde es Sinn machen, wenn jemand nicht mag das der Feed einfach irgendwo eingebunden wird, es dennoch aber erlaubt ist den ganzen Text zu kopieren. Einfach um den Automatismus bei einer Feed-Übernahme auszuschließen.

    Aber ich bin auch kein Anwalt und um solchen Käse von Anfang an auszuschließen nutze ich erst gar nicht CC, GPL etc. jeder darf damit machen was er will 😉

  10. Falk sagt:

    Streng genommen hast du recht, dass es die selbe Quelle als solche ist. Aber der Ursprung für die Vervielfältigung ist dann unterschiedlich. Das meinte ich damit.

  11. Oli sagt:

    Es ist doch nur ein Weg oder? Denn letztendlich bist du ja der Ursprung der Vervielfältigung. Ob ich z.B. jemandem etwas per Post, Mail oder Kurierdienst schicke, macht ja letztendlich keinen Unterschied für den Ursprung der Sendung, oder?

  12. Falk sagt:

    Ohje, das geht jetzt richtig ins Detail. Als Ursprung für mich gilt das Master. Das verbleibt ja in der Regel beim Urheber und von diesem werden dann Verfielfältigungsstücke angefertigt. Sei es CDs oder MP3. Und die wiederum betracht ich dann hier als Quelle für weitere Vervielfältigung. Denn beispielsweise kann ja auf der CD der Hinweis auf die Lizenz kommen — diese ist dann nicht übertragbar auf das ursprüngliche Master oder eine andere Kopie, wo diese Lizenz eben *nicht* ausgewiesen wird.

    Oder ums anders zu machen — die Kopie bei Jamendo ist für mich eine andere Quelle für Vervielfältigungen, als die Kopie bei iTunes, die eben nicht öffentlich weiterverbreitet werden darf.

  13. Oliver sagt:

    Ist doch nicht schwer der Urheber ist die Quelle des Inhalts und du bist die «Quelle» des Vertriebs. Sofern die Urheber also nicht nebenher noch über andere Wege vermarkten, bist du wohl der Ansprechpartner, egal über welches Medium ich nun dem Inhalt habhaft wurde (legal natürlich :D).
    Okay iTunes arbeitet ja mit DRM, aber ohne diese — würdest du wohl auch bei der Frage von Finkregh angelangen — wie kontrolliert man woher der Inhalt stammt 😉

  14. Falk sagt:

    Gar nicht, wir hatten das doch bei der anderen Diskussion erst. Warum soll man versuchen, etwas kontrollieren zu wollen, was nicht kontrollierbar ist. Das hier war ja jetzt eher theoretischer Natur und wenn ein und das selbe Werk unter 2 Lizenzen angeboten wird, wirst du niemals erkennen können, welche der beiden Lizenzen jetzt genutzt wird, um es weiterzuverbreiten. Das die Nicht-Nennung der CC dabei nicht nur unschön ist, sondern auch gegen die Lizenz verstösst, ist ja wiederum ein anderes Thema.

  15. Oliver sagt:

    Deswegen frage ich dich doch — du mußt nicht immer aus theoretischen Fragen meinerseits, die die Realität betreffen auf meine Meinung schließen ;). Und ich kontrolliere überhaupt nichts, erläuterte ich ja schon — selbst CC ist für mich eine Einschränkung der Freiheit. 99% der Inhalte taugt doch nicht einmal ansatzweise, um damit Geld zu verdienen und ich schließe meine nicht davon aus.

    Aber mal davon abgesehen, kann jemand mit einer Doppellizensierung überhaupt, als *Urheber*, gegen die CC verstoßen? Der Urheber kann auch die Lizenz wieder zurückziehen und nur der sich im Umlauf befindende Inhalt fällt noch unter diese, nicht jedoch ein neuerlicher, veränderter (update etc.) Inhalt.

    http://de.wikipedia.org/w.….nzsystem

    Aber wenn du mich schon drauf ansprichst,

    Warum soll man versuchen, etwas kontrollieren zu wollen,

    Warum dann iTunes als Vertriebsweg? Okay der Weg an sich, um Leute zu erreichen — allerdings trägt man mit der Verbreitung dort auch sein Scherflein zu DRM bei. Zudem hat sich iTunes in der Vergangenheit auch keineswegs mit Datenschutz ins Rampenlicht gesetzt.

  16. Falk sagt:

    Warum dann iTunes als Vertriebsweg?

    Aus rein kommerziellen Interessen und weil danach gefragt wurde und die Alternativen leider allesamt nicht *so* überzeugen. Mir wärs anders auch lieber. Und da sind wir dann eben bei der Krux an der Sache, dass man die Wahl zwischen Teufel und Belzebub hat oder eben gar nichts dran verdient, außer Aufmerksamkeit.

    kann jemand mit einer Doppellizensierung überhaupt, als *Urheber*, gegen die CC verstoßen?

    Nein, kann man nicht. Nur siehe oben, die Frage bezog sich eher darauf, wenn eine Quelle CC-lizensiert ist, ob man dann eine technische Kopie anders lizensieren kann bzw. darf. Wenn man es streng betrachtet, sollte es gehen — aber da hab ich halt gedanklich ein Problem bei. Oder ums mal wieder aus meinem technischen Geplänkel heraus zu fragen, wenn ich ein CC-lizensiertes MP3 im Radio spiele, ist dann der Stream unter einer anderen Lizenz oder wieder CC?

  17. Oliver sagt:

    wenn ich ein CC-lizensiertes MP3 im Radio spiele, ist dann der Stream unter einer anderen Lizenz oder wieder CC?

    Natürlich unter der Ursprungslizenz.

    Aber gehe ich mal diesen Beispielen nach die Chris da umreißt — wirklich Inhalt kopieren für einen Blog tut doch ohnehin jemand, oder?
    Klar ich zitiere, dann wiederum hat das aber nichts mit irgendeiner Lizenz zu tun, sondern der Text mit dem Zitat fällt unter meine Lizenz.
    Aber siehst du irgendwo Leute, außer Blogspammern, die tatsächlich Texte komplett übernehmen? In der Theorie denkbar, aber so — ergo ist imo auch, unter dieser Voraussetzung, eine Doppellizensierung möglich.

    Zu deinem Beispiel, du gehst ja da wiederum von fremdem Eigentum aus — du kannst es sicherlich hier als CC anbieten und dort im Radio unter einer anderen Lizenz abspielen. Der Radiosender kann natürlich nicht das Lied unter CC nehmen und unter seiner Lizenz weitervermarkten.

  18. Falk sagt:

    Das Zitatrecht berührt die CC ja auch nicht. Da sind wir uns ja einig. Und ja, ich hab schon (auf Nachfrage sogar) einen kompletten Text übernommen, welcher unter CC veröffentlicht wurde. Weil er thematisch gut passte und reines Zitieren nicht dem Zweck genügt hätten. Also den Fall gibts sehr wohl.

    du kannst es sicherlich hier als CC anbieten und dort im Radio unter einer anderen Lizenz abspielen.

    Aber auch nur, wenn es Doppellizensiert ist. Ansonsten darf ich auch nicht mal eben eigenmächtig eine andere Lizenzform wählen. Denn um es im Radio zu spiele, bedarf es des Einverständnisses aller Urheber. Dies erkauf ich mir entweder bei GEMA/GVL oder aber, ich hab Songs, die unter CC die entsprechende Verwertung erlauben. Nur — beides würde da hierzulande schon wieder nicht mehr gehen. Und du tust ehrlich gesagt gut daran, wenn du da auch die CC ablehnst für deine Inhalte, weil es da noch viel Unsicherheiten gibt. Geht mir ja mit meinem Geschreibsel drüben oder beim Radio nicht anders. Sollen’s halt kopieren, who cares 😀

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