Gewinnt die Piratenpartei die Bürgerschaftswahl 2008 hier in Hamburg?

Wahlstift HHIn Hamburg wurde kürzlich ein weiterer Landesverband der Piratenpartei gegründet. Und wenn man heute so beim CCC liest, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die Chancen für die Bürgerschaftswahl 2008 nicht schlecht stehen.1 Der Musikdieb Als Nachfolger für unseren nicht wirklich geliebten Ole von Beust? Nichts ist unmöglich — Politker. Wie ich darauf komme? Nun, 2008 soll in hier in Hamburg der digitale Wahlstift eingeführt werden. Das heißt: Die Hamburger werden in die Wahlkabine geschickt und müssen per Wahlstift ihr Kreuz auf dem Stimmzettel machen. Wie das Kreuz des Wählers ausgewertet wird, beschreibt der CCC sehr gut:

Der elektronische Stift zeichnet über ein für Menschen kaum sichtbares Muster auf dem Stimmzettel auf, wo auf dem Papier der Wähler seine Kreuze macht. Der Stift wird anschließend in eine Auslesestation gesteckt, um das digitale Kreuz vom Stift über ein Kabel auf einen Laptop zu übertragen. Im Laptop werden dann die Kreuze zu Stimmen umgerechnet. Am Wahlende wird aus den gespeicherten Kreuzen ein Ergebnis errechnet, welches dann über einen Drucker ausgegeben wird. Aus Gründen der Ausfallsicherheit werden alle Stimmen zusätzlich auf einem USB-Stick gespeichert.

Die Zählung soll dabei voll automatisiert von statten gehen — nur in 17 der 1.300 [sic!] Wahllokale soll zur Überprüfung nachgezählt werden. Sollte jemand auf die Idee kommen, sein demokratisches Grundrecht per Kugelschreiber auszuüben, gilt die Wahl als ungültig. Selbst bei der Briefwahl kommt diese Technik zum Einsatz — Wahlhelfer sollen sollen die abgegebenen Stimmen per Wahlstift nachmalen, damit diese in den Rechner übertragen werden. Und nein, das ist alles kein Scherz. High-Tech, so mancher Nerd bekommt nun feuchte Augen, Politiker aller (etablierten) Parteien können sich fortschrittlich geben, das war schon bei den Wahlcomputern nicht anders. Ist es so einfach? Natürlich nicht. Der CCC hat nun einen Trojanischen Wahlstift entwickelt, der sich äußerlich nicht vom Digitalen Wahlstift unterscheidet und soimit jederzeit unbemerkt von Wahlhelfern und anderen Personen ausgetauscht werden kann.

Der manipulierte Stift überträgt dann nicht nur digitale Stimmkreuze zum Auswertungscomputer, sondern agiert als ein sogenanntes Trojanisches Pferd zum Einschleusen von Schadsoftware. Sobald der Stift in die Auslesestation gesteckt wird, aktiviert sich ein Manipulationsprogramm, welches automatisch auf das Zielsystem übertragen und dort ohne Zutun des Bedieners ausgeführt wird. Das Programm kann nun problemlos Manipulationen auf dem Auswertungslaptop vornehmen, indem es z. B. die Position der digital gespeicherten Stimmkreuze verändert, das Endergebnis verfälscht, speichert und ausgibt.

Politiker werden solche Meldungen natürlich den Menschen verschweigen, weiter Lobbyismus für die Hersteller dieser Technologien machen. Ich bin mir sicher, dass dieser Digitale Wahlstift ebenso kommen wird, wie in naher Zukunft auch die Wahlmaschinen. Vielleicht sollte man wirklich mal als Warnschuß die Piratenpartei gewinnen lassen — auf Jahre hinaus wäre dann das Thema Wahlcomputern oder Wahlstift erledigt. Politiker muss man etwas anschaulich erklären, Presseerklärungen des CCCs hören sich schön und gut an, bewirken aber nicht wirklich ein Umdenken, was fatal ist und absolut notwendig wäre. Die Profis für derartige Technologien sitzen nicht in den Büros der Rathäuser oder im Deutschen Bundestag. Wissen hat in unserem Land keine Lobby — so schlimm das ist, muss sich das doch irgendwie nutzen lassen. 😉

Chaos Computer Club hackt Hamburger Wahlstift

  1. Natürlich hat der CCC mit der Piratenpartei (vielleicht bis auf die Sympathie) nichts zu tun, sie soll als exemplarisches Beispiel dienen. []

7 Antworten zu “Gewinnt die Piratenpartei die Bürgerschaftswahl 2008 hier in Hamburg?”

  1. Falk sagt:

    Und die Wahlergebnisse werden dann via Internetz ans Wahlbüro übermittelt, 6 Monate auf Vorrat gespeichert und aufgrund von Amtshilfe können die dann in Sibirien in Ruhe ausgewertet werden. Heilige Scheisse, vor paar Jahren hätt ich solche Gedanken noch als nördige Spinnerei abgetan…

  2. Callinator sagt:

    Hmm, ich hoffe das jemand die Wahlergebnisse EXTREM verfälscht… zB 100% für die SPD im einem Wahlbezirk, im anderem 100% für die PP usw…
    Hoffentlich fällt diesen Spinnern dann mal auf was für eine Scheisse sie da auf die Beine gestellt haben…

  3. Musikdieb sagt:

    Mit freundlicher Unterstützung fähiger Experten könnte das gelingen. Auf die Idee bin ich ja noch gar nicht gekommen. Vielleicht sollte ich mal ‘ne Stellenanzeige raustun 😀

    Aber das eigentlich ja nicht so lustig. Da haben wir auch schon in der Piratenpartei schon überlegt, ob wir dazu im Wahlkampf aufklären.

  4. Musikdieb sagt:

    Den CCC können wir natürlich auch mal fragen, ob die uns den Hack verraten. Aber ehrlich gesagt kenne ich die trotz Sympathie (die mit dieser Aktion noch gestiegen ist) nicht so gut.

  5. henteaser sagt:

    Und was geschieht, wenn die Wahlstifte allesamt durch unsachgemäße Handhabung kaputtgehen sollten?

  6. Callinator sagt:

    @ henteaser
    angeblich wurden 12.000 Stifte bestellt.. Ich denke das wird vorne und hinten mehr als nur einmal reichen… 😉

  7. […] online ist. Die kürzeste Erklärung zum Wahlstift findet sich hier (CCC Berlin) und bei Fixmbr wird schon gemutmaßt, die Piratenpartei könnte sich des Hacks bedienen, um die Wahl zu […]

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