Gestern warst Du der Guardian — heute bist Du Web-2.0-Klitsche

guardian_garbage

English translation below.

Mercedes Bunz hat, nachdem sie vom Tagesspiegel gegangen wurde beim Tagesspiegel gekündigt hat, beim Guardian angeheuert. Dort hat sie dann auch gleich ihr Meisterstück abgeliefert. Sie hat einen Artikel geschrieben, wie soll es anders sein, über das über weite Grenzen hinweg zerrissene so genannte Internet-Manifest. Journalistischen Grundsätze werden in dem Artikel außer Acht gelassen. Er lässt jegliche Distanziertheit vermissen und will nicht einmal den Anschein erwecken, als wäre er objektiv. Wie sollte es auch anders sein — gehört Mercedes Bunz doch zu den Mitautoren und Initiatoren des Bewerbungsschreibens in die Talkshows und Meetingräume unserer Republik. Und auch wenn sie in einem kleinen Halbsatz erwähnt, dass sie zum Teilnehmerkreis gehört, ist der Artikel von einer ganz besonderen Chuzpe.

Sie lässt Sascha Lobo zu Wort kommen, schreibt über Mario Sixtus und Thomas Knüwer, als würde sie all diese Personen nicht kennen. Über die Autoren des so genannten Manifestes schreibt sie in der dritten Person. Ich glaube, tiefer kann man als Journalist nicht sinken. Das ist so ungefähr das gleiche, als würden Unternehmen ihre Artikel im SPIEGEL oder im STERN platzieren, ohne dass diese vor Veröffentlichung redigiert werden. Sogar Jeff Jarvis muss als Feigenblatt herhalten — wenn er nur wüsste, mit wem er sich da eingelassen hat. Vielleicht sollte man ihm mal einen Hinweis geben, wem er da applaudiert und was mit und in seinem Namen angestellt wird.

Sie philosophieren angeblich über die Zukunft des Journalismus. Wenn zu dieser Zukunft aber dieser unglaubliche Fail Internet-Manifest gehört, wenn solche Artikel nicht als Werbung gelten, mit der der Guardian rein gar nichts zu tun hat, sondern als Journalismus, dann habe ich Angst, große Angst. Das ist kein Journalismus, das ist PR pur, Werbung in eigener Sache. Und das ganze unter dem Dach des Guardian, welcher höchstmögliche Seriosität zusichert. Dagegen verdienen die Online-Auftritte vom SPIEGEL und der BILD den Pulitzerpreis. Sehr leid tut es mir dabei um den Guardian. Gestern noch war er der Guardian, heute ist er Web-2.0-Klitsche. Erschreckend. Ich bin fassungslos.

English translation:

Yesterday you still were the Guardian — today you’re just another little web-2.0 rat-shop

Mercedes Bunz has, after having been given the push having quit her position at the Tagesspiegel, got a new job at the Guardian, where she instantly created her masterpiece. She wrote an article, as expected, about the so-called Internet Manifesto, which has been pulled to pieces by big parts of the community. Basic journalistic principles are being ignored by the article which completely lacks any detachment of the author and which doesn’t even pretend to be objective. But what did we expect considering that Mercedes Bunz is one of the coauthors and initiators of said application form for the talk shows and meeting rooms of our republic. And even though she casually mentions her participation in the article, the whole piece proves a lot of chutzpah on her end.

She quotes Sascha Lobo, writes about Mario Sixtus and Thomas Knüwer like she wouldn’t know these people. About the authors of the so-called manifesto she writes in third person. I believe that as a journalist you can hardly go any lower. The whole situation is as if companies would place their articles in the English Times or the Independent without them being copyedited. Even Jeff Jarvis had to serve as a fig leaf — if only he knew with what kind of a crowd he is messing around with. Maybe someone should point out to him whom he’s applauding and what is being done with and in his name.

They claim to philosophize about the future of journalism but if the incredible fail called Internet Manifesto is part of that future, if articles like this one are not considered to be an advertisement instead of journalistic output of the Guardian, then I am scared, very scared. This is no journalism, it’s pure PR, pure self-promotion. And all this under the Guardian’s label offering the maximum of respectability. In comparison to this the online spinoffs of the Sun and the Daily Mirror deserve a Pullitzer Prize. I feel very sad for the Guardian. Yesterday it still was the Guardian, today it’s just another little web-2.0 rat-shop. Terrifying. I am stunned.

Translation: tante. Thanks a lot. :)

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12 Antworten zu “Gestern warst Du der Guardian — heute bist Du Web-2.0-Klitsche”

  1. caschy sagt:

    Asig ist sowas. Ganz einfach.

  2. Joachim Blum sagt:

    Als ich den Blog-Beitrag gelesen habe, war ich zunächst auch schockiert. Bei der Lektüre des Originaltextes ist mir allerdings der Zusatz in Klammern aufgefallen: «I was among them» im dritten Absatz. Das lässt den Beitrag in anderem Licht erscheinen, weil sich die Autorin klar bekennt.
    Nun kann man zwar sagen, dass diese Klammer reichlich spät kommt und auch überlesen werden kann. Aber formal hat Frau Bunz nicht unseriös bzw. journalistisch unredlich gehandelt, wenn es auch grundsätzlich höchst fragwürdig ist, so einen Beitrag in eigener Sache zu publizieren.

  3. Tach auch sagt:

    Eines haben sie damit geschafft: Sich jeglichen Ansehens seitens auch nur halbwegs informierter Personen zu entledigen.

    Narzissmus dieser Couleur ist peinlich, dumm und für die Diskussion um das Internet schädlich. Wer werbewirksam mit einem roten Hahnenkamm herumläuft und sich dann als eine der Hauptstimmen der «Blogger» ausgibt, wer immer das sein soll, braucht sich über Gelächter seitens unserer Politiker (und ja, die bestimmen die Politik in unserem Lande) nicht zu wundern.

    Hier wird also offenbar Selbstdarstellung und PR auf dem Rücken der wirklich für Bürgerrechte aktiven Ehrenamtlichen und mündigen Bürger betrieben. Schäuble und von der Layen werden es danken.

    Großes Kino.

  4. tante sagt:

    Ja, sie hat «I was one of them» in einen Halbsatz gepackt. Rein formal hat sie also ihre Pflicht erfüllt.

    Betrachtet man das ganze hingegen mal weniger «formal» bleibt festzuhalten:

    - Ihr Disclaimer steht nicht exponiert am Beginn oder Ende des Artikels. Er ist verwoben (gehässigere Menschen würden sagen: «versteckt»)
    – Sie «berichtet» durchgängig in der dritten Person und erweckt so ganz klar den Eindruck eben nicht Teil des Berichteten zu sein.
    – Sie nimmt keinen Bezug darauf, dass es massive Kritik aus diversen Ecken gab

    Es gibt genug Beispiele, wie man sowas transparenter macht. Cory Doctorow berichtet auf Boingboing häufiger über Projekte oder Firmen, mit denen er irgendwie «zu tun» hat. Und jedes Mal steht seine exakte Position bzw seine exakte Beziehung zur Firma exponiert beim Artikel.

  5. Chat Atkins sagt:

    Das ist doch die bekannte ‘Chicken Strategy’, bekannt aus PR und Werbung: Erst ein Ei legen, und dann nach Leibeskräften den ganzen Hühnerhof zusammengackern …

    😉

  6. […] Gestern warst Du der Guardian – heute bist Du Web-2.0-Klitsche » F!XMBR (tags: johournaille) […]

  7. Anonymous sagt:

    Dass Jeff Jarvis hier so hoch eingeschätzt wird, überrascht mich. Der korrigiert bei Hinweisen in den Kommentaren auch einfache eigene Sachfehler nicht. Voller triumphaler Rhetorik, dieser Mann, die er nicht in seinen Handlungen einlöst.

  8. Oliver sagt:

    >Der korrigiert bei Hinweisen in den Kommentaren auch einfache eigene Sachfehler nicht.

    Hat vielleicht noch anderes zu tun, könnte ich mir jedenfalls vorstellen.

  9. faustino sagt:

    Internet — Manifest..

    Es geht um Geld.
    Wie schon zu oft.

    Natürlich versucht eine bestimmte Gruppe von Bloggern, sich mehr zu professionalisieren.
    Sollnse machen — wird auch irgendwann klappen.
    Gönn ich sogar manchen — vielen Dank für jene, die via Internet mein Leben bereichert haben, vielen Dank für eure Arbeit!

    Bloggen aus Leidenschaft finde ich jedoch besser.

    Es gibt schon genug Kapitalismus.

  10. […] Gestern warst Du der Guardian – heute bist Du Web-2.0-Klitsche » F!XMBR (tags: via:mento.info) Abgelegt unter: belesenes Kein Kommentar | 1 Leser  Zur Druckversion dieses Artikels […]

  11. […] nun findet die ersten Bruchstellen in der Ideologie der Manifestierer: So hatte die ehemalige Tagesspiegel.de-Chefin und jetzige […]

  12. Slam sagt:

    Der Guardian hat sie wohl endgültig nicht mehr alle. Ich habe die Seite gerade aus meinen Bookmarks gelöscht und werde auch mein Abo kündigen. Mercedes Bunz? Dann könnte man auch gleich Nathan Barley als Journalisten anstellen. Das ist ganz traurig und wird von den Engländern auch folgerichtig in den Kommentaren zum erwähnten Artikel mit Verwunderung und Häme (typical German navel-gazing) bedacht. Recht haben sie.

    Eine Welt, wo Scam-Artists wie Mercedes Bunz und Sascha Lobo es so weit bringen können, sollte vielleicht wirklich 2012 untergehen.

    Mercedes Bunz hätte für immer bei de-bug bleiben sollen. Das war genau ihr Niveau.

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