Geschäftsmodell Abmahnung – New Chicks Cum First

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Dass sich das Abmahnwesen in Deutschland zu einem fragwürdigen Geschäftsmodell entwickelt hat, wird nicht erst seit gestern vermutet. Schon zu C64-Zeiten machten freundliche Tanja-Briefe die Runde. Ein Rechtsanwalt aus München machte sich als Abmahnanwalt einen Namen und war sicherlich eine Zeit lang berühmt und berüchtigt. Heute hat sich das Kopieren urheberrechtlich geschützter Software, Filme und Musiktitel, wie soll es auch anders sein, ins Internet verlagert. Per Mausklick sind nicht nur Opensource-Perlen zu finden, sondern jeder aktuelle Kinofilm und die neueste Software, meist noch vor dem jeweiligen Release. Für unbedarfte User sind diese einfach ausgeführten Klicks in den letzten Jahren immer wieder mit dramatischen Folgen verbunden: Es folgte eine Abmahnung mit nicht unerheblicher Kostennote. Oder:

Wer mit dem Feuer spielt, kommt darin um.

Diverse Anwaltskanzleien und die Contentmafia haben in den letzten Jahren den Bogen weit überspannt. Es schien, als wolle man nicht wirklich gegen die Urheberrechtsverletzungen vorgehen – in Zeiten des Internets ist dies sowieso ein schier unmögliches Unterfangen – bei diversen Medienberichten und wann immer Internas an die Öffentlichkeit gelangten hatte man das Gefühl, als hätte sich hier ein neues Geschäftsmodell etabliert. Es scheint so, als ginge es der Contentmafia und den angeschlossenen Anwaltskanzleien nicht um das Urheberrecht, sondern um eine neue Einnahmequelle. Vor wenigen Wochen erst wurde eine Präsentation eines in der Branche bekannten Unternehmens auf Wikileaks veröffentlicht. Der vielsagende Titel: Gewinnverbesserung durch Abmahnverfahren. Udo Vetter kam zu dem Schluss: Filesharing-Überwachung als Rundum-Sorglos-Paket ohne jedes Kostenrisiko. Zwar weiß jeder, dass es so ist. Aber schwarz auf weiß bekommt man es doch eher selten.

Nun ist ein weiteres Dokument bei Wikileaks veröffentlicht worden: Das Fax einer Anwaltskanzlei, die durch ihre Abmahnungen bundesweit bekannt ist. Dieses Fax, welches Kollegen in England das Geschäftsmodell erläutert, bestätigt die durch die Präsentation gewonnenen Erkenntnisse. Thomas Stadler fasst zusammen: Die Kanzlei […] fordert Anwaltskosten, von denen sie weiß, dass sie nicht entstanden sind. Dieses Verhalten wird man zivilrechtlich als unerlaubte Handlung qualifizieren können und strafrechtlich als (versuchten) Betrug. […] Derartige Geschäftsmodelle […] sind nur deshalb möglich, weil der Gesetzgeber durch eine Neuregelung des Urheberrechts einen fragwürdigen Auskunftsanspruch […] geschaffen hat, dem einige Gerichte […] im Wege automatisierter Massenverfahren nachkommen.

Wer mit dem Feuer spielt, kommt darin um. Das gilt nicht nur für Massendownloads ohne Sinn und Verstand – dazu hat Oliver schon vor knapp drei Jahren einen immer noch aktuellen Artikel geschrieben, sondern ebenso für unsere Abmahnanwälte. Der bekannte Anwalt aus München, der durch die Tanja-Briefe bekannt wurde, steht vor den Trümmern seiner Karriere. Und so bin ich sehr zuversichtlich, dass es in Zukunft andere Abmahnanwälte und die beteiligten Unternehmen treffen wird. Man kann Feuer nicht mit Benzin bekämpfen – irgendwann ist der Flächenbrand nicht mehr aufzuhalten. Wer gegen geltendes Recht verstößt — und sei unser Urheberrecht durch die unfähige Politik noch so pervertiert — muss sich über die Folgen nicht wirklich wundern. Das gilt fürs Filesharing ebenso wie für die Abmahnindustrie. Mein Mitleid hält sich auf beiden Seiten sehr in Grenzen. (via)

Disclosure: Nicht falsch verstehen, wir haben alle schon einmal den Downloadlink angeklickt, ein Mittelchen zur Testzeitverlängerung genutzt. Wer aber seine monatliche Flatrate mit Geschwindigkeiten von bis zu 100.000 kbit/s ausnutzt, überschreitet ebenso Grenzen, wie die Contentmafia. Da geben sich dann beide Seiten nichts. Und wenn diese beiden Seiten aufeinanderprallen, wird die normale und ehrliche Nutzer und Kunde erdrückt.

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6 Antworten zu “Geschäftsmodell Abmahnung – New Chicks Cum First”

  1. superguppi sagt:

    »Wer aber seine monatliche Flatrate mit Geschwindigkeiten von bis zu 100.000 kbit/s ausnutzt, …«
    Ich hätte gern auch so eine schnelle Leitung. :-(

  2. Oliver sagt:

    >Ich hätte gern auch so eine schnelle Leitung.

    Warum? Nicht einmal DSL16000 kann man wirklich ausreizen, von dem was reguläre Server hergeben ganz zu schweigen.

  3. der wanderer sagt:

    Naja, aber es ist doch ganz nett, wenn man z.B. via PXE LiveCDs von beliebigen Distributionen direkt live booten kann.

    Und es gibt ja inzwischen auch genügend legale Videoportale, bei denen man sich Filme als Stream anschauen kann.
    (Gut, da hab ich natürlich bedenken wegen des netten Kerls der in der Videothek arbeitet und natürlich kanns ich als Linuxer eh nicht nützen, Gnash ist nicht so weit und das ganze wird natürlich per RTMPE geschützt)

    Also man kanns zeitweise brauchen. Nicht immer, aber darauf bezieht sich ja das Kalkulationsmodell der Telekommunikationskonzerne.

  4. Wolf-Dieter sagt:

    Ohne die Filesharer in Schutz zu nehmen — Gesetze sind schlicht zu befolgen — rufe ich aber in Erinnerung, dass das Verfügbarmachen urheberrechtlich geschützter Dateien nicht «von sich aus naturrechtlich böse» ist, sondern dass dazu eigens ein Gesetz geschrieben werden musste. Und dass es immer noch Kids gibt, denen das einfach nicht in die Birne will.

    Nach einigen Berichten aus der Zeitung zur tatsächlichen Schädigung der Rechteverwertungsindustrie Ich erlaube mir, außer dem ökonomischen Aspekt auch den sittlichen Nährwert dieses Gesetzes anzuzweifeln. Auch wenn es mich nicht unmittelbar betrifft.

  5. Phil sagt:

    Gesetze sind schlicht zu befolgen

    Moment, in einer Demokratie, wie es die BRD sein will, ist der Souverän das Volk. Sprich, Gesetze sind letztlich nur solange bindend, wie das Volk diese respektiert.

  6. Seraphyn sagt:

    Der letzte Absatz ist spricht mir sehr aus der Seele. Vor allem, dass auch andere unter diesem Verhalten leiden könnte. Flohmarkt? Ich dachte eher an die «Swapping»-Parties;)
    Gruss

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