Geniales Viralmarketing von Union und FDP

Chris maltManchmal muss man ja die Union und FDP loben — ich tue es sehr ungern, aber, wat mut, dat mut, hat mein Großvater schon immer gesagt. Der musste es wissen, er war ein ganz wunderbarer Mensch, der leider viel zu früh Harfe spielen gegangen ist. Ausgehend vom Zensurblogger und Vodafone-Testomonial Sascha Lobo geistert zurzeit in angeblicher Werbespot der SPD durch die Blogosphäre und die Twitter-Welt. Er soll zeigen, was von Schwarz-Gelb zu erwarten wäre, während die SPD sich um die schwächeren Menschen kümmert und sich um die Soziale Gerechtigkeit bemüht. Gerüchte sprechen davon, dass das Video von einer Werbeagentur im Auftrag der SPD kopiert wurde. So weit, so gut — doch ist das Video vielmehr eine Zusammenfassung dessen, was die SPD in den letzen Jahrzehnten politisch umgesetzt und den Menschen zugemutet hat. Man muss zu dem Schluss kommen, dass der Spot feines Viralmarketing von Union und FDP ist.

Unser Land kann es sich nicht mehr leisten, sozial zu sein. Mit diesem Satz beginnt das Video und man wird daran erinnert, mit welchen Begründungen die SPD Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung und Rentenversicherung — man muss es fast so sagen — zerstört hat. Ulla Schmidt ist immer für einen Witz gut, die Agenda 2010 wurde damit begründet, unser Land könne sich den bisherigen Sozialstaat nicht mehr leisten, und auch die Erklärung Münteferings zur Rente mit 67 reiht sich in die SPD-Politik der letzten Jahrzehnte ein. Schlau weisen Union und FDP hier darauf hin, was uns die SPD-Granden in den letzten Jahren immer wieder weismachen wollten.

Es ist eine Lüge, wenn man behauptet, dass wir keine Studiengebühren brauchen. Auch dieser Satz entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es war die SPD in den letzten Jahrzehnten, die den Weg für die Studiengebühren an unseren öffentlichen Hochschulen frei gemacht hat. Ebenso hat sie die Büchse der Pandora geöffnet und der Privatwirtschaft das Tor zu den staatlichen Universitäten geöffnet. Sehr schlau, von Union und FDP, die Betrachter des Videos darauf hinzuweisen.

Es ist eine Lüge, dass Deutschland auf Atomkraft verzichten muss. Union und FDP werden insbesondere von der jungen und ökologischen Generation ob ihrer Pläne zur Laufzeitverlängerung unserer Atomkraftwerke angegriffen. Es ist ein besonderer Scoop, den Wählern ins Gedächtnis zu rufen, dass die SPD nun 11 Jahre Teil der deutschen Bundesregierung ist. Deutsche Atomkraftwerke stehen immer noch, sind weiterhin in Betrieb, Asse und Gorleben wurden jeweils von SPD-Regierungen in Niedersachsen in Betrieb genommen.

Es ist eine Lüge, dass Mindestlöhne sinnvoll sind. Beim Thema Mindestlöhne, so scheint es zumindest, sind  Union und SPD unterschiedlicher Meinung. Während die Union einen flächendeckenden Mindestlohn ablehnt, fordert ihn die SPD. Nicht nur die Union weiß, dass auch in diesem Fall die SPD die Wurzel allen Übels ist. Erst die Agenda 2010 und deren Folgen, die Ausweitung der Leiharbeit, erpressbare Arbeitnehmer, etc. pp., haben zu der fatalen Entwicklung geführt, dass Mindestlöhne für viele Menschen in Deutschland von existentieller Bedeutung sind. Doch will die SPD wirklich einen flächendeckenden Mindestlohn? Nein. Im Juni diesen Jahres hat die SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag (bis auf vier Ausnahmen) einen Antrag zur Einführung von flächendeckenden Mindestlöhnen abgelehnt.

Die Wähler müssen begreifen, in der Krise sind Opfer von den Schwächeren gefragt. Das haben die Wähler bereits begriffen. Während Konzern-Chefs und –Manager, nachdem sie Unternehmen an die Wand gefahren werden, mit einem goldenen Handschlag die Unternehmen verlassen, Abfindungen in Millionenhöhe sind keine Seltenheit, sondern gang und gäbe, müssen unzählige Mitarbeiter um ihren Job bangen, Lohnkürzungen hinnehmen und nicht nur sprichwörtlich hungern. Die Banken haben vom deutschen Steuerzahler 500 Mrd. Euro bekommen, während der Kleinanleger sich um sein Zubrot zur Rente gebracht sieht. Auch das geschah alles unter Beteiligung der SPD. Es ist gut und richtig, dass Union und FDP darauf hinweisen.

Es ist gefährlicher Unsinn zu sagen, der Finanzmarkt muss reguliert werden. Hier weisen Union und FDP subtil darauf hin, dass es die SPD war, die die Heuschrecken ins Land geholt hat. Auch hat der Wähler sicherlich nicht vergessen, wie publikumswirksam Finanzminister Peer Steinbrück die Schweiz und andere so genannte Steueroasen angegriffen hat. Was ist danach unter Beteiligung der SPD in der Regierungskoalition passiert? Nichts. Die Auswüchse des Finanzmarktes sind ein Spiegelbild der heutigen Sozialdemokratie.

Es ist gefährlicher Unsinn zu sagen, reiche Menschen müssen sich stärker beteiligen. Union und FDP wird ja immer vorgeworfen, dass den Armen genommen wird, um den Reichen zu geben. Mit diesem Satz wird gekonnt erklärt, dass der Spitzensteuersatz von 53% unter der damaligen Schwarz-Gelben von Helmut Kohl geführten Regierung bis heute bis auf 42% gesenkt wurde. Die SPD spielt Robin Hood, nur umgekehrt. Klasse, dass auch das geklärt wird.

Jeder ist nur für sich selbst verantwortlich. Natürlich hat auch dieser Satz, den Union und FDP ins Feld führen, eine tiefgehende Bedeutung. Die SPD selbst spricht nicht mehr von Sozialdemokratie, sondern von sozialer Demokratie. Immer und immer wieder weisen SPD-Politiker darauf hin, dass Deutschland kein Schlaraffenland mehr sein darf. Es war Wolfang Clement, der Arbeitslose als Parasiten bezeichnete. Mit der Union kann man zumindest noch gemeinsam beten, mit der FDP Spaß haben, während die SPD das soziale Miteinander aufgekündigt hat.

Hier nun der feine virale Spot von Union und FDP:

Disclosure: Selbstverständlich ist mir bewusst, dass der Spot wirklich von der SPD kommt. Diese Chuzpe, mit der hier Dinge gefordert und beschrieben werden, die man seit Jahrzehnten gegenteilig umsetzt, macht mich fassungslos. Das ist alles nur noch mit einer großen Portion Ironie und Sarkasmus zu ertragen. Heute Abend Gangbang im Vatikan mit Papst Benedikt XVI. in der Hauptrolle. Diese Ankündigung hat genauso viel Glaubwürdigkeit, wie die SPD unter Führung von Franz Müntefering, Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und Andrea Nahles. Wer rettet die SPD vor sich selbst, fragt, in einer seiner sehr guten Analysen, Michael Spreng. Niemand mehr. Die SPD ist nicht nur von den Wählern verlassen worden, sie ist von allen guten Geistern verlassen. Sie ist schlicht und ergreifend fertig. Sie hat fertig.

, , , , , , , , , , , , , ,

9 Antworten zu “Geniales Viralmarketing von Union und FDP”

  1. dissenter sagt:

    «Die Wähler müssen begreifen, dass Mindestlöhne sinnvoll sind.» Das ist wirklich der Gipfel der Verlogenheit. In Thüringen zeigt sich gerade, dass die Wähler so oft für Mindestlöhne u. a. votieren können, wie sie wollen. Wenn es darum geht, Politikwechsel zu verhindern, ist die SPD stets an vorderster Front mit dabei.

  2. […] Geniales Viralmarketing von Union und FDP » F!XMBR. […]

  3. Oliver sagt:

    Mindestlöhne sind aber auch nur dann sinnvoll, wenn sie den Niedriglohnsektor ausmerzen anstatt diesen mit absurden Bruttolöhnen zementieren. Den Grundsatz gleiches Geld für gleiche Arbeit beispielswiese würde ich gerne auch den Gewerkschaften einbleuen, dieses Mißverhältnis sorgt immer noch für die massivsten Ungerechtigkeiten. Die Bevölkerung bejubelt zu schnel Worthülsen, ohne deren Wirkungsgrad vor Ort überhaupt zu realisieren.

  4. anon sagt:

    «Es war die SPD in den letzten Jahrzehnten, die den Weg für die Studiengebühren an unseren öffentlichen Hochschulen frei gemacht hat.«
    Kann ich mir nicht ganz erklären, soweit ich weiß, ist kein SPD-geführtes Bundesland mit Studiengebühren versehen. Wär schön, wenn du das genauer erklären könntest.

  5. Chris sagt:

    Das war eines der typisch-löchrig-unfähigen Gesetze von Rot-Grün. Bitte selbst Google nutzen…

  6. Oliver sagt:

    >Kann ich mir nicht ganz erklären, soweit ich weiß, ist kein SPD-geführtes Bundesland mit Studiengebühren versehen.

    Rheinland-Pfalz (SPD; Kurt Beck): Langzeitstudiengebühren sind auch Studiengebühren und ebenso asozial; Studiengebühren nur für nicht-Landeskinder sind ebenso Studiengebühren: wir leben gemeinsam in einem Land und dies wiederspricht dem Prinzip der Universität. Sachsen-Anhalt: Langzeitstudiengebühren (CDU/SPD)

    Btw. Semesterbeiträge (z.B. Hamburg 252€; CDU/GAL) sind getarnte Studiengebühren und werden seit den 90ern stetig angehoben. Eventuelle zwangsverordnete Semestertickets (Saarland u.a.) sind bei der Rechnung mal außen vor.

  7. Phil sagt:

    Schön zu wissen, dass andere genau dasselbe beim Sehen dieses «Prunkstücks» denken!

  8. Peterle sagt:

    Hehe, vielleicht gehen die davon aus dass dieser Clip überwiegend von ahnungslosen Erstwählern angesehen wird wg. Youtube und Internet und so. ;)
    Irgendwie war das bei jeder Zeile (mit Blick auf das von Rot-Grün und Rot-Schwarz in der Praxis geleistete) sofort
    Ack
    Ack
    Ack

    Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das den Machern nicht aufgefallen sein soll.

  9. peer sagt:

    Immer noch besser SPD, Grüne und Linke als das schlimmste Übel CSU, FDP und CDU. Ich werde nie vertstehen wie mann die Atomkraft wieder stärker fördern will. Eigentlich reicht alleine das schon als Wahlhilfeentscheidung — Austieg aus der Atomenergie — Ja oder Nein.


RSS-Feed abonnieren