Gemischte Gefühle

… schreibt Oliver hier zu der RIAA-Klage gegen Usenet. Das kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Gestern Abend hatte ich einen Artikel geschrieben, der fast die gleiche Thematik zum Inhalt hatte. Ich habe ihn dann nicht veröffentlicht, weil ich bei solchen Klagen auf der einen Seite durchaus eine massiven Zensurversuch sehe — auf der anderen Seite jedoch auch nicht so blind bin, dass eben solche Plattformen, wie zum Beispiel diverse Torrent-Seiten oder auch das gulli:board hier in Deutschland diese sogenannte Freiheit (die sie meinen zu haben) zu unser aller Schaden missbrauchen. Zu guter Letzt stellen sich diese Herrschaften dann noch als Weltverbesserer hin, das geht gar nicht. Ich vergleiche es mal wieder mit dem berühmten Bulldozer: Auf der einen Seite die Contentindustrie, auf der anderen die maßlosen Filesharer, deren Freiheit darin besteht jegliche neue Windows-, Office– oder Adobe-Version als Raubkopie auf dem Rechner zu haben. Beide Seiten fahren mit wahnsinniger Geschwindigkeit [dedicated to Spaceballs] aufeinander zu — mittendrin der normale User, der wird zerdrückt. Mein Artikel von gestern Abend:

Nach so vielen Jahren kennt man mittlerweile seine Pappenheimer

Ein Eigenzitat gerade aus dem Jabber. Worum es geht? Bei Dr. Bahr hatte ich gelesen, dass einem bekannten Telekommunikations-Unternehmen vom LG Frankfurt verboten worden ist, Werbung auf einer P2P-Plattform zu schalten. Mein Tipp war ja Arcor und Usenext. Fast richtig — wie es aus der Pressemitteilung zu entnehmen ist, handelt es sich um Arcor und Bitreactor.to.

Die Meldung Dr. Bahrs ist ein wenig knapp gehalten — es handelt sich erstmal um kein Urteil oder Prozess, es handelt sich um eine Einstweilige Verfügung, die der Interessenverband des Video– und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) e. V. gegen Arcor erzielt hat. Im Normalfall wird der Antragsgegner, hier also Arcor gar nicht angehört, manchmal weiß dieser gar nichts von seinem Glück, der Einstweiligen Verfügung wird oft per se stattgegeben und der Antragsgegner wird dann gegen die Verfügung vorgehen müssen. (Habe ich jetzt schrecklich viel dummes Zeug erzählt, bitte ich um Korrektur.) Ob dem hier auch so war, geht nicht aus der Pressemitteilung hervor, ich nehme es aber an.

In dem zu erwartenen Prozess hat Arcor meiner Meinung nach gute Chancen gegen diese Zensur des Interessenverband des Video– und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) e. V. und des LG Frankfurts vorzugehen — denn nichts anderes ist es im Prinzip. Es ist unbestritten, dass es auf Bitreactor.to auch zweifelhafte Angebote gibt — jedoch wird über Torrent auch fast die gesamte Opensource-Software verteilt. Nur weil ein Teil der User diesen Bereich missbraucht, kann es meiner Meinung nach nicht sein, dass hier einem Unternehmen verboten wird, zu werben. Das geht mal wieder gar nicht — Hamburg live in Frankfurt. 😉

Wie gesagt, er ging nicht online — eben aufgrund des Verhaltens vieler, nicht weniger, vieler Filesharer in unserem Land. Diese Maßlosigkeit, diese Sammelleidenschaft, diese Sucht, jegliches Programm auf dem Rechner haben zu wollen — während per Torrent wieder die neueste Office-Version gezogen wird, läuft oben rechts im Fenster der Kinofilm, der erst nächste Woche anläuft — oder man hat ihn gleich gebrannt und er läuft im Wohnzimmer, Kinder und Frau sind ruhig zufriedengestellt. Die Contentindustrie zerstört sich selber — Filesharer gehen zu unser aller Schaden ihrem Handwerk nach. That’s it.

Oliver hat das mal hervorragend in einem Artikel zusammengefasst:

Ganz heißes Eisen

Eine Antwort zu “Gemischte Gefühle”

  1. Oliver sagt:

    Das Problem ist ja, man hat sich da schon teils in ein einziges S/W Denken hineingesteigert, entweder man ist pro omnipotenten Teilen oder man ist dagegen und mimt den Klosterbruder. Das dazwischen vielerlei Abstufungen existieren realisiert die Majorität jener überhaupt nicht und will es auch gar nicht, denn das würde heißen *nachdenken* oder simpel fair use. Fair use ist so ein Schlagwort das gerne als Einbahnstraße genutzt wird, die Industrie soll geben, der «Kleine» nimmt. Einfach nehmen ist auf Dauer und alleinig keine Lösung und manifestiert sich in einer fortschreitenden Respektlosigkeit gegenüber allem und jedem. Fair use ist ein geben *und* nehmen.

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