geistiges Eigentum

Ein Begriff den man heutzutage immer wieder gerne hört als Argument, um die eigene Arbeit zu schützen. Dem kann ich nur entgegenhalten, wer von geistigem Eigentum fabuliert, hat nichts, aber auch überhaupt nichts von Kultur verstanden. Kultur ist ein fortlaufender Remix. Der sogenannte Eigenanteil, den viele großspurig mittels geistiges Eigentum titulieren, ist nicht mehr als ein neu zusammengestelltes Gemenge von althergebrachtem Wissen, darauf aufbauend, ohne jenes völlig undenkbar.

Die Nuancen die da Neuigkeit und Erfindungsreichtum vorgaukeln, können den Pool an dafür verwendetem Wissen nie übertreffen, ja nicht einmal aufwiegen. Es ist schlicht eine Art Anpassung an einen neuen Kontext, will man ergo geistiges Eigentum schützen, beraubt man die Kultur ihrer Güter! Und eben gegen diese kulturelle Ausbeutung muß man vorgehen, indem man selbst seinen Teil zu einer freien Kultur beiträgt. Wer Anspruch auf geistiges Eigentum hegt, bestiehlt die Kultur, vergeht sich an der Gemeinschaft …

13 Antworten zu “geistiges Eigentum”

  1. rene sagt:

    Sag ich doch!

  2. phoibos sagt:

    danke oli, großartiger kommentar!

  3. mark793 sagt:

    Nennen Sie mich meinetwegen einen Berufs-Egoisten, der von Kultur nichts verstanden hat. Aber es ist nun mal meine materielle Existenzgrundlage, als freiberuflicher Autor Zeitschriften und Online-Diensten gegen entsprechendes Honorar zeitlich begrenzte Nutzungsrechte an meinem geistigen Eigentum (sprich: den Riemen, die ich so zusammenschreibe) einzuräumen.

    Worin liegt denn da genau der Diebstahl an der Kultur, der Gemeinschaft, dem Schönenwahrenguten?

    Ich denke, man kann die Begrifflichkeit «geistiges Eigentum» durchaus in den Sinne kritisieren oder dekonstruieren, wie Sie es hier versuchen. Natürlich stelle ich mich beim Kompilieren von Material oft genug als Zwerg auf einen Riesenberg von Wissen, den andere schon vor mir zusammengetragen haben. Meine Eigenleistung, die mein sogenanntes geistiges Eigentum konstituiert, ist immer nur Bearbeitung, Neuzusammenstellung, also ein kleiner Teil von dem, was das Endprodukt alles ausmacht. Den meisten, die kreativ tätig sind, ist das auch bewusst.

    Wie sähe denn, wwnn mal mal fragen darf, Ihr Verwertungs– und Vergütungsmodell aus, das ohne den problematischen Begriff des geistigen Eigentums auskommt?

  4. Oliver sagt:

    Es hat keiner etwas dagegen für die Dienstleistung an sich entlohnt zu werden. Opensource funktioniert auch derart, damit sollte man sich beschäftigen, dann versteht man auch die Vergütungsmodelle. Es gibt genügend funktionierende Beispiele, einziges Problem: Millionär kann man damit nicht werden. Übrigens wir Duzen uns hier …

    >Worin liegt denn da genau der Diebstahl an der Kultur, der Gemeinschaft, dem Schönenwahrenguten?

    Es wird etwas geschützt, das einem nicht gehört. Ohne die kulturellen Errungenschaften wäre das eigene, schützenswerte Gut überhaupt nicht denkbar. Und eben diese kulturellen Errungenschaften gab und gibt es (noch) kostenlos. Künstler nennen dieses 1a Plagiat z.B. wohlwollend Beeinflussung, ebenso wie Autoren usw. Der Grad der Beeinflussung wird dabei dann oft gerichtlich entschieden … dabei wäre es so einfach.

  5. mark793 sagt:

    Tja, es wäre in der Tat so einfach — wenn es tatsächlich so einfach wäre. Was es aufgrund der normativen Kraft des Faktischen aber nun mal nicht ist. Das einzige oder größte Problem besteht ja nicht darin, dass man damit kein Millionär wird — sondern vielmehr, dass die real existierenden Millionäre (nämlich die Profiteure der Verblödungsindustrie) erst mal zu enteignen wären.

    Das gelobte Land, dass Du beschreibst, sehe ich durchaus. Ich würde aber nicht drauf wetten, dass es unserer Generation vergönnt sein wird, dort noch lebend anzukommen. Die letzte Urheberechtsreform zielte ja wohl eher in die entgegengesetzte Richtung…

  6. DieterK sagt:

    Der Begriff «Geistiges Eigentum» ist ein Kampfbegriff, den z.B. die Medienindustrie dazu benutzt, den Grundgedanken des Urheberrechts — einen Ausgleich zwischen den Interessen der Allgemeinheit und den ökonomischen Interessen der «Kreativen» zu finden — in den Hintergrund zu drängen, um angebliche (absolute) Eigentumsrechte zu betonen.

    Aber das heißt noch lange nicht, das z.B. Urheberrechte grundsätzlich zu verdammen sind. Ohne Urheberrecht gäbe es auch keine Creative Commons-Lizenzen: Um auf gewisse Rechte verzichten zu können, muss man diese erst einmal haben.

  7. Oliver sagt:

    >Ohne Urheberrecht gäbe es auch keine Creative Commons-Lizenzen

    Seltsame Logik. Ich brauche gar keine Creative Commons, weil mir egal ist was jemand mit diesen Dingen macht.

    >Um auf gewisse Rechte verzichten zu können, muss man diese erst einmal haben.

    Kompletter Denkfehler, ich brauche diese Rechte nicht, muß also auch nicht auf diese verzichten.

  8. mark793 sagt:

    Oliver, wenn Du Dir den Luxus leisten kannst, vorauseilend und pauschal auf die Wahrnehmung von Rechten zu verzichten, ist das doch voll supi. Für Dich.

    Ich und vielleicht noch ein paar andere könnens aus verschiedenen Gründen nicht so ohne weiteres, und das hat nichts mit «Denkfehler» zu tun. In aller Verkürzung bringt DieterK den grundlegenden Interessenskonflikt schon richtig auf den Punkt. Man könnte das noch weiter ausdifferenzieren mit dem Hinweis, dass das anglo-amerikanische copyright im Unterschied zu unserem Urheberrecht mehr die Verwertungsrechte von Verlagen schützt als die Leistung des Autors/Künstlers/Interpreten und dass hier sehr viel Begriffsverwirrung unterwegs ist, die von interessierten Kreisen weiter geschürt wird, um zu verschleiern, was hier eigentlich gespielt wird.

    Natürlich kann man sich hinstellen und sagen, interessiert mich alles nicht, ich mach mir die Welt widewittdewitt sie mir gefällt, ich brauch das alles nicht. Als ernstzunehmender Gesprächspartner zum Thema qualifiziert man sich damit nicht unbedingt.

  9. Oliver sagt:

    >Oliver, wenn Du Dir den Luxus leisten kannst, vorauseilend und pauschal auf die Wahrnehmung von Rechten zu verzichten, ist das doch voll supi. Für Dich.

    Mach ich. Und mir ist es sogar egal das jemand später das ganze nehmen kann und scheinheilig als geistiges Eigentum tituliert.

    Uns trennen eben Welten …

    >Als ernstzunehmender Gesprächspartner zum Thema qualifiziert man sich damit nicht unbedingt.

    Möchte ich auch gar nicht (zweiter Denkfehler), ich habe dazu in diesem Blog schon diverses geschrieben und muß mich nicht pausenlos wiederholen. Um überhaupt den Status eines Gesprächpartners zu erlangen, müßte man sich zuvor also eingehender informiert haben (Blog-Suche).

    Das Problem bei den Verwertern, von Kultur hat man meistens recht wenig Ahnung oder allenfalls im Zusammenhang von einem buzzword. Ich komme aus diesem Bereich und habe mir meine Meinung gebildet, ich lebe diese und propagiere diese auch, nicht erst heute in dieser neuen bunten Blog-Welt.

    >Oliver, wenn Du Dir den Luxus leisten kannst,

    Ja dem muß es gut gehen usw. Die alten Plattheiten um sich zu rechtfertigen. Man sieh es ein das es einfach Menschen gibt die darauf keinen Wert legen und eben anders leben. Ich verzichte auch auf genügend Dinge. Meine Meinung eben …

    >was hier eigentlich gespielt wird.

    Da du ja auch oben von Verkürzungen in der Darstellung redest. Was gespielt wird? Die Gesellschaft ist shayze und ergibt sich zahllosen Denkfehlern, um den Trieb des eigenen Egos zu rechtfertigen.

    Der Denkfehler beginnt mich hier mit dem Mikrokosmos einiger zuzuwerfen. Es interessiert mich schlicht und ergreifend nicht. Ich gestehe ein, das es nicht leicht ist — aber den bloßen Versuch schon zu verneinen ist eben falsch und ich hoffe das viele Menschen dies zukünftig erkennen.

    Btw. es wäre ebenso sinnfrei, würde man denn den Blog lesen, mit mir über die Sinnhaftigkeit von Windows zu diskutieren … nur mal so nebenbei bemerkt. Lesen bildet.

  10. Falk sagt:

    Ohne Urheberrecht gäbe es auch keine Creative Commons-Lizenzen

    Wenns die nicht mehr bräuchte und Urheber von der Gesellschaft für das Schaffen von Werten unabhängig von irgendwelchen Verwertern(sic!) entlohnt werden würden, dann bräuchten wir über solche Dinge gar nicht diskutieren. Solang aber der schnöde Mammon über Kultur und Kunst gestellt und mit diesem verbunden wird, wird es immer auch Menschen geben, denen das schlicht einfach stinkt. Dies dann zu äußern, dazu gehört einfach mal auch mehr, als immer wieder zu Relativieren und zu Rechtfertigen. Kunst/Kultur und Kommerz gehören für mich nicht zusammen — Punkt! Alles andere ist der elitäre Anspruch an diese Dinge, die es schon vor Urzeiten gab und immer noch gibt.

  11. mark793 sagt:

    > Das Problem bei den Verwertern, von Kultur hat man meistens recht wenig Ahnung oder allenfalls im Zusammenhang von einem buzzword.

    Ja, stimmt. Genauso wie in der Kultur viele unterwegs sind, denen es an elementarem ökonomischem Grundwissen fehlt. Aber ich will das gar nicht gegeneinander ausspielen. Von mir aus kann auch jeder anders leben wie er will — solange er mir nicht erzählt, anders wäre das neue so.

    @Falk: Die Trennung von Kunst/Kultur und Kommerz ist doch ziemlich willkürlich, da auch an der Met-Kasse Eintrittsgeld genommen wird und der Bühnenbetrieb nicht von Luft und Liebe lebt. Wo willst Du da eine sinnvolle Trennlinie ziehen?

  12. Falk sagt:

    Klar ist die willkürlich und imho auch momentan schlicht nicht machbar. Allerdings ist eine Vermischung auch nicht das Gelbe vom Ei. Mir wärs am liebsten, ein Künstler müsste sich um Geld keine Gedanken machen und allein als Urheber partizipieren. Und davon reden darf man schliesslich, ob und wie man sich dem annähern kann, steht ja hier nicht geschrieben.

    Und dort, wo derzeit die Grenzen verlaufen, empfind ich es eben als selten dämlich.

  13. Oliver sagt:

    >Ja, stimmt. Genauso wie in der Kultur viele unterwegs sind, denen es an elementarem ökonomischem Grundwissen fehlt.

    Das eine hat auch mit dem anderen nichts zu tun. Das eine schließt das andere eben aus. Du kannst es gerne gegeneinander ausspielen, hättest du hier schon desöfteren gelesen, wäre meine Meinung — in aller Ausführlichkeit — da zu bekannt.

    @Falk

    >Mir wärs am liebsten, ein Künstler müsste sich um Geld keine Gedanken machen und allein als Urheber partizipieren.

    Das Problem ist das völlige Ungleichgewicht in der Verteilung, einige bekommen nahezu alles, andere kaum etwas bis gar nichts. Weniger Millionäre würden eine gerechtere Verteilung bedeuten, mehr Künstler könnten von ihrer Kunst wirklich leben, ohne sich stattdessen in die Abhängigkeit von Kulturbanausen zu begeben, die mit dem BWL-Brevier umherfuchteln.

    Ich kann die Scheiße die da läuft nicht ändern, ich kann sie anprangern und darauf hoffen das sich genügend Mensch diesem Ideal annähern — nur gemeinsam kann man etwas ändern. Ich kann mit gutem Beispiel voran gehen und die ewig Gestrigen mit Verachtung strafen … mehr will ich gar nicht, mehr kann ich gar nicht — damit bin ich zufrieden. Und ich amüsiere mich köstlich über diejenigen, die sich da in ihrer Scheinwelt bewegen.

    Für den tatsächlichen Künstler, da habe ich außerordentliches Mitleid — das er in dieser grenzwertigen Welt, zw. Kunst und Ökonomie gefangen ist. Das ist nicht Kultur, es ist irgendetwas, dennoch bewahren sich viele Künstler noch ihre Würde, indem sie nicht immer nach der Pfeife der Kulturbanausen tanzen. Das kann man ja bei dir z.B. im Blog bei diversen Musikern beobachten. Und genau dieser Punkt straft jeden «Ökonomen» hier Lügen.

    Wobei man bemerken muß, das gerade Maler/Musiker mitunter die größten Probleme haben werden sich als reiner Dienstleister zu betätigen und dieses «geistige Eigentum» zurückzuschrauben. Das sind andere Bereiche passender, das sehe ich ein und wer meine Texte kennt weiß das ich auch derartig differenziere.

    Wer mir jedoch hier mit dem BWL-Brevier winkt und von Kultur faselt, holt sich verbal auch eine blutige Nase.

  14. Oliver sagt:

    Addendum: Der Ökonom ist der Tod von jedweder Kultur, Bildung, Gesundheit — das sind Hoheitsgebiete in denen die Krämerseelen nichts zu suchen haben. Btw. ist die gesunde Gesellschaft erst einmal zerstört brauchts auch keine Zahlenschieber mehr …

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