F!XMBR exklusiv: Einreiseverbot für Rechtsrock-Band Frei.Wild

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Symbolfoto: kbs478, Creative Commons Licenses.

Nachdem die Rechtsrock-Band Frei.Wild vom Echo ausgeschlossen wurde, wird am Montag die nächste Hiobsbotschaft verkündet werden. Wie F!XMBR von einer Quelle aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) erfahren hat, wird für die Band ein Einreiseverbot nach Deutschland verhängt werden, die Platten werden indiziert. Die geplanten Konzerte in Aachen, Aurich, Schwerin, Landser und Geiselwind sind somit in Frage gestellt, sollte die Band keine rechten Mittel gegen die Entscheidung einlegen. Damit reagieren Politik und das BfV auf Veröffentlichungen von Wissenschaftlern und Rechtsextremismus-Experten. Diese hatten der Band wiederholt vorgeworfen, rechte Stereotypen zu bedienen.

Der Politikwissenschaftler Christoph Schulze argumentiert gegenüber der Zeit, wer einen Zusammenhang zwischen menschlicher Abstammung und dem Heimatboden behaupte, bewege sich auf «brandgefährlichem Terrain». Die Zeit folgert: Rechtsextrem und gleichzeitig Frei.Wild-Fan zu sein schließe sich keineswegs aus. Dirk Wilking, Rechtsextremismus-Experte und Geschäftsleiter des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung, formuliert es drastischer: Die Band ist eindeutig in der rechts­extremen Szene anzusiedeln, da sie über ihre Texte Nazi-Ideologien verbreitet. Die Webseite Netz gegen Nazis, eine Initiative der Amadeu Antonio Stiftung schreibt, dass Frei.Wild eine perfekte Schnittstelle zu mehr oder weniger rechtsoffenen Jugendlichen sei. Das Antifaschistische Infoblatt schrieb im Sommer 2011: Wie so oft: wer »unpolitisch« sagt, will betrügen. Denn andererseits verbreiten »Frei.Wild« ohne mit der Wimper zu zucken politische Botschaften. Die Band ist mithin eindeutig politischer, als es die »Onkelz« in den letzten 20 Jahren ihres Bestehens waren.

Das Fass zum Überlaufen gebracht haben aber nun anscheinend die Fans der Rechtsrock-Band. F!XMBR erreichte einen hochrangigen Mitarbeiter des BfVs auf der Rückfahrt ins Büro, als dieser gerade aus einer Sitzung mit Bundestagsabgeordneten zum NSU-Terror kam. Unsere Quelle, die ungenannt bleiben möchte: Wir waren erschrocken, als wir die vielen Facebook-Kommentare gelesen haben. Die Bands Kraftklub und MIA. werden verunglimpft, beleidigt und ihnen wird vereinzelt Gewalt angedroht. […] Die Meinungsfreiheit in Deutschland wird in Frage gestellt. […] Es wird dazu aufgerufen, die Echo-Verleihung zu stürmen. […] Zusätzlich werden in vielen Kommentaren typische Begrifflichkeiten aus der rechtsextremen und rechtspopulistischen Szene verwendet: Gutmenschen, linke Zecken, linkes Gesocks, linksversiffte Medien, Altkommunisten. […] Die Fans ziehen hanebüchene Vergleiche, bezeichnen Migranten als «Kulturbereicherer» [Anm. der Redaktion: bewusst in Anführungsstriche gesetzt] oder werden gleich als Salafisten benannt, wie der Sänger Bushido, über dessen Texte und ihn selbst durchaus gestritten werden kann. […] Zudem wird der Opfermythos perfekt ausgespielt. Hier schließt sich der Kreis: Nicht nur die Fans sehen sich und die geliebte Band als Opfer, die Band selbst spielt diese Klaviatur hervorragend, ganz wie die NPD, die offen für Frei.Wild Partei ergreift.

Am Montag veröffentlichen wir an dieser Stelle das komplette Interview, Stellungnahmen von Farin Urlaub (Die Ärzte), Campino (Die Toten Hosen), Mathangi Arulpragasam, (Sängerin der englischen Band M.I.A.) sowie vorrausichtlich ein Kurzinterview mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich.

Wie Frei.Wild mit der Entscheidung umgehen wird, ist noch nicht bekannt, die Band verweigerte gegenüber F!XMBR jeglichen Kommentar. Gegenüber der «Bild»-Zeitung sagte Sänger Philipp Burger, er verachte Nazis aufs Tiefste, man sei patriotisch sein, nicht mehr und nicht weniger. Es steht außer Frage, dass die Band Frei.Wild und ihre Mitglieder nun vor einer schwierigen Zukunft stehen. Einigen Fans dürften die Augen geöffnet werden, die Einnahmequelle Fans (Konzerte, Merchandising-Artikel) wird zum großen Teil versiegen, zumindest offiziell. In einer nicht repräsentativen Umfrage unter 1.933 Facebook-Nutzern und Frei.Wild-Fans antworteten immerhin 88%, sie würden weiter zu Frei.Wild stehen.

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2 Antworten zu “F!XMBR exklusiv: Einreiseverbot für Rechtsrock-Band Frei.Wild”

  1. Nils sagt:

    Schöne Zusammenfassung!

  2. sascha sagt:

    Ein Einreiseverbot ? Ich bin auch gegen Rechts das ist klar aber kann man einer Band das so einfach verbieten ? ich kann mir das kaum vorstellen da muss doch eine alternative geben sich hier gesetzliche stärke zu zeigen als ein Einreiseverbot, schaut mehr wie eine Panik Reaktion aus.


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