Für den Inhalt des Spots sind ausschließlich die Parteien verantwortlich

WahlurneAm 07. Juni schreiten wir mal wieder zur Wahlurne. Die Europawahl steht an. Auch wenn es niemand so recht glauben mag, ist sie die zweitwichtigste Wahl nach der Bundestagswahl, es gibt sogar Stimmen, die halten die Europawahl für die wichtigere Wahl, da 2/3 aller Gesetze die vom Bundestag verabschiedet werden, auf Entscheidungen aus Brüssel fußen. Nur die Menschen interessiert es nicht. Nicht, weil sie Europa als Ganzes, mit den unterschiedlichen Kulturen und Menschen ablehnen, sie lehnen dieses intransparente, undurchsichtige, von Lobbyisten bestimmte politische Europa ab. Brüssel steht zumindest in Deutschland für Abzocke und Gesetze, die niemand hier sehen möchte. Da passt es ganz gut, dass vor wenigen Tagen die Meldung die Runde machte, dass Friedrich Merz Nachfolger von Günter Verheugen als EU-Kommissar werden soll. So reimportiert man den neoliberalen Marktradikalismus, den man vorgibt, abgelegt zu haben. Natürlich beglücken uns die Herren und Damen Politiker auch mit Wahlwerbespots — wie sollte es anders sein. Schauen wir uns diese doch einmal an.

Über die SPD muss nicht mehr viel geschrieben werden — sie fährt mit ihrem unsäglichen Negative Campaigning fort. Die SPD hat keine eigenen Inhalte, keine Botschaft, keine eigene Identität mehr. Ja, sie hat sogar keine Wähler mehr. Wenn man mit den Leuten spricht, kommen immer wieder die selben Aussagen: Die Linke kann man ja nicht wählen und besser als die CDU, wir haben halt nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Das kleinere Übel — wie oft habe ich da schon gegen angekämpft. Wenn man die CDU und die SPD nebeneinander stellt, gibt es kein kleineres Übel mehr. Das zeigt allein der nun schon seit Monaten laufende Wettkampf, wer denn nun das Herz der Marktliberalen rund um Guido Westerwelle erobert. Das alles gipfelt bei der SPD nun in einem Werbespot, der nicht frech ist, nicht witzig ist — er ist inhaltslos, ohne Esprit und Charme. Wie die ehemals stolze Partei selbst.

Die CDU macht es nicht besser. Gleich der erste Satz zeigt, dass die Partei der Wirtschaft, der Unternehmen, der Schönen und Reichen aus den letzten Monaten nichts gelernt hat. Wir sind mit Europa Exportweltmeister geworden. Das beweist in aller Deutlichkeit, dass man im Konrad-Adenauer-Haus noch immer in einer Traumwelt lebt und hofft, dass Alice im Wunderland bald vorbeischaut und die wirtschaftlichen Trauben in den Mund legt. Wie sich eine Partei, die sich als wirtschaftskompetent gibt, dermaßen entblöden kann, ist mir schleierhaft. Der Werbespot zeigt, dass Politiker in ihrem Elfenbeinturm leben und nichts vom wirklichen Leben der normalen Menschen mitbekommen. Nun kann man den Euro loben und für ihn kämpfen. Die große Mehrheit der Deutschen lehnt ihn aber ab — ihn also in einem Werbespot argumentativ einzusetzen, grenzt schon an schlichter Unfähigkeit der Macher des Videos. Dass gerade die CDU die Worte faire Märkte und soziale Marktwirtschaft in den Mund lebt — geschenkt. Rückgrat, über das eigene Handeln nachdenkend, erwarte ich schon gar nicht mehr. Die CDU betont insbesondere das Wir in ihren Spots, wir nicht nur die CDU ist damit gemeint, wir alle. Wir in Europa. Ja wo denn sonst? Dass Deutschland nicht in Asien liegt, sollte bekannt sein.

Die Linke stellt sich selbst als Friedenspartei dar. Das war zu erwarten. Wieso man jedoch in die Defensivhaltung geht, wir lehnen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ab, bleibt deren Geheimnis. Wir treten für den Frieden ein, die Botschaft würde gleich anders klingen, als die x-te Weiderholung von wir sind dagegen. Natürlich verteilt die Linke auch gleich die Reichtümer des Landes. Familie, Kinder, ihn allen soll es besser gehen. Wer will das nicht. Man schimpft auf die Reichen, Oskar darf fragen, wem gehört aus welchen Gründen eigentlich was in dieser Gesellschaft. Alles das also, was man schon unzählige Male gehört hat. Forderungen, Ablehnungen — aber keine eigenen Ideen oder Lösungsvorschläge. Die Linke ist auch im Jahr 2009 noch immer Protestpartei, kaum Alternative.

Die Grünen scheinen in einer anderen Welt zu leben, fängt der Wahlwerbespot doch mit dem einfachen Leben der Menschen in den USA an. In einem deutschen Wahlwerbespot zur Europawahl wird dann auch gleich links die Stars and Stripes eingeblendet. Das macht Sinn — naja, oder auch nicht. Aber halt, ich verstehe das ganze ja nur falsch. Ein Dominostein fällt, das Haus der Menschen kippt und schließlich fällt dann Lehmann Brothers. Vielleicht hätten die Grünen jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Nicht die einfachen Menschen waren der Ursprung der Welle, der Dominosteine, die die Weltwirtschaftskrise zur Folge hatten, Lehmann Brothers war nicht das Opfer der einfachen Menschen, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Es scheint mir, als würden die Grünen der Realität ein wenig hinterher hängen. Aber wie gesagt, wahrscheinlich verstehe ich den Werbespot nur nicht richtig. Muss damit zusammenhängen, dass 1:19m von 1:31m irgendwelche lustigen Bildchen umkippen. Inhalt? Null. Aussage? Null. Ich frage mich bei sowas immer, was Oma Käthe damit anfangen soll? Wenn selbst ich mit diesem nichtssagenden, kindlichen Blödsinn nichts anfangen kann. Die Grünen haben sich mittlerweile dem Niveau der anderen Parteien angepasst. Man sollte im Übrigen vorsichtig sein, sie zu wählen, sind sie doch als Brüder im Geiste der FDP. Die neue Partei der Reichen, nur mit Öko-Anstrich.

Die FDP ist im Web 2.0 so richtig aktiv und nah bei den Menschen. Das geht soweit, dass ich nicht einmal den Wahlwerbesport der so genannten Liberalen im eigenen YouTube-Channel gefunden habe oder auf der eigenen Homepage. Der blonde Superstar, Silvana Koch-Mehrin steht im Mittelpunkt des Werbespots. sie darf davon berichten, dass die Europäische Union ein Erfolgsmodell ist. Sie betont immer wieder die Worte liberal und Freiheit und vergisst dabei zu erwähnen, dass die FDP mit ihrem Marktradikalismus zur Ein-Themen-Partei der Steuersenkungen verkommen ist. Die FDP von heute ist nur noch eine Karikatur einer liberalen und freiheitlichen Partei. Selbst das so genannte bürgerliche Lager sieht dies ähnlich, dort ist die FDP pure Protestpartei. Wenn man innerhalb des Werbespots davon spricht, dass die FDP die Aufbauleistung vor 60 Jahren maßgeblich mitgetragen hat, danach direkt zu Bildern des Mauerbaus umschwenkt, hat das schon eine unfreiwillige Komik. Natürlich werden auch altgediente Politiker eingeblendet, so zum Beispiel Otto Graf Lambsdorff. Das macht Sinn, beendete das Lambsdorff-Papier doch die sozialliberale Koalition 1982, machte damit die FDP unwiderruflich zur Wendehals-Partei und zeigte damit ebenso, wie weit rechts sie dem Marktradikalismus verfallen ist. Neoliberalismus pur, auch heute noch. Der blonde Superstar darf dann auch zum Schluss sagen, für Deutschland in Europa. Bleibt dieselbe Feststellung, wie bei der CDU: Deutschland in Europa. Ja wo denn sonst? In Südamerika nahe der chilenisch-argentinischen Grenze wohl weniger.

Die Wahlwerbespots der Parteien zur Europawahl sind eine Frechheit sondergleichen. Sie zeigen, wie weit abgehoben die Politiker in ihren Elfenbeintürmen leben, weit weg von den Menschen. Sie beweisen, dass keine der Parteien eine wirklich Botschaft hat, gar Lösungsvorschläge für die derzeitige Krise. Das Gegenteil ist der Fall. SPD, CDU, die Linke, die Grünen und die FDP sind Teil der Krise. Das Handeln der Parteien, der Politik der letzten Jahrzehnte hat uns in diese Krise geführt. Gerne würde ich ja mal das eine oder andere Gespräch mit den Machern der Videos führen. Was haben die sich dabei gedacht? In dieser Form sind die Wahlwerbespots nichts anderes als ein Verschwendung von Steuergeldern. Unglaublich, dass dies so hingenommen wird. Aber wer soll schon etwas dagegen sagen, wenn es keine wirkliche Opposition mehr gibt. Und genau da liegt das Problem Europas: Gegenteilige Meinungen, Vorschläge werden nicht zugelassen. Der Hut wurde den Menschen zwangsweise übergestülpt. Dass diese (deswegen) ein politisches Europa weitestgehend ablehnen, ist direkte Folge unfähiger Europapolitiker. Die Europawahl ist eine der wichtigsten Wahlen in diesem Land — durch das Handeln unfähiger Politiker verkommt sie zur Karikatur der gesamten Politik. Ist es da noch ein Wunder, dass sich immer mehr Menschen von der Politik abwenden?

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14 Antworten zu “Für den Inhalt des Spots sind ausschließlich die Parteien verantwortlich”

  1. Chris sagt:

    Die Piraten sind keine ernstzunehmende Alternative.

  2. Phil sagt:

    Noch nicht, Chris. Wenn sie ihr Wahlprogramm noch erweitern könnten, so denke ich, dass sie wesentlich mehr Chancen hat.

  3. faulit sagt:

    Zugegebenermaßen sind die gezeigten Wahlwerbespots wirklich etwas… naja. Bei dem letztgezeigten der FDP habe ich eigentlich nur noch auf das obligatorische «Dafür stehe ich mit meinem Namen» gewartet.
    Die Linke setzt auf Protest, eindeutig. Die SPD, wie du richtig festgestellt hast, definiert sich nur noch durch das «nicht so wie FDP, CDU und Linke». (Schade!). Dass die CDU, die eher darauf hoffen muss, dass die Leute überhaupt wählen gehen, als darauf, dass sie CDU wählen, versucht Europa-Patriotismus zu schaffen, sehe ich dagegen durchaus ein. Auch finde ich den Grünen-Wahlwerbespot durchaus gelungen, wenn auch nur für jüngeres Publikum. Es soll denke ich einfach nochmal ein Bild dieser Wirtschaftskrise darstellen, wie sie uns alle überrollten und aussagen: Hey, die Grünen wollen was gegen diese Krise tun. «WUMS». Wäre schön, wenn das auch noch eingeblendet werden würde. Wirtschaft, Umwelt, Menschen und Soziales? Sorry, aber das war zu schnell. Aber… «Ohne Grüne wird der Umweltschutz wieder vernachlässigt, ohne Grüne geht unsere Heimat den Bach runter, ohne Grüne wird die Wirtschaftskrise nicht gestoppt.» Das alles soll dieser Spot wohl aussagen.

    So. Blah.

  4. Yuri sagt:

    @Chris: Warum nicht [jetzt mal ganz wertungsfrei — es gibt ja mehrere Gruende, warum Leute dieser Ansicht sind oder sein koennten]?

  5. Lukas sagt:

    Die Bayernpartei

    Parteien zur Europawahl 2009: Bayernpartei

    Nungut, der Spot ist komisch, aber er vermittelt wenigstens die Ziele der Partei.
    Ich finde diesen Spot im vergleich zu denen der vorgestellten Parteien sogar ganz gut.

  6. Anonymous sagt:

    Die Piraten sind keine ernstzunehmende Alternative.

    Was bräuchte es denn deiner Meinung nach, damit sie eine «ernstzunehmende Alternative» werden?

  7. Jan sagt:

    Ich komme zwar nicht aus Bayern aber den Spot der Bayernpartei finde ich auch ganz gut!

  8. Tom sagt:

    Ich stimme Jan zu. Komme aus MV und das mit den Seilbahnen ist tatsächlich ein wunderschönes Beispiel für EU-Unsinn.

  9. […] von F!XMBR hat sich die Wahlwerbespots zur Europawahl mal genauer angeschaut. Fazit: Die Wahlwerbespots der Parteien zur Europawahl sind eine Frechheit […]

  10. mediknight sagt:

    Was eventuell auch noch interressant ist wäre eine art «Personalisierter» Wahlwerbespot der Grünen

    http://nur-10-minuten.de/

  11. Annette sagt:

    Hey! :)
    Als ich den ersten Spot der SPD gesehen habe, fand ich das eine Frechheit!
    Aber auf der studivz-wahlzentralen-seite sah ich einen Zusammenstellung verschiedener anderer Spots und auch den zweiten SPD-Spot der mich umgehauen hat! Alles das, was ich richtig fand! Mindeslohn! Ich hoffe wirklich, dass der Europaweit kommt!
    Den Spot der CDU fand ich echt widerlich! Ein paar schöne Bilder und leere Worte!
    Ich denke, viele potenzielle SPD-Wähler haben sich den kleinen Parteien zugewendet, den Grünen und notgedrungen auch der FDP, obwohl die meiner Ansicht nach Schwachsinn labert und warscheinlich auch der Linken, den kleinen Anarchisten, aus Verdrossenheit…

    Die SPD ist zwar auch selbst schuld, und die Grünen sind echt in Ordnung, aber die CDU muss einfach geschwächt werden! Keine Ahnung warum die gewählt werden? Die Besserverdiener alleine machen doch nur einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung aus!
    Die werden offensichtlich von einer Menge Leute gewählt, in deren Interresse sie gar nicht handeln… oder es liegt an der geringen Wahlbeteiligung … die Leute die Geld haben, und es zusammenhalten wollen, gehen auch wählen…wer nicht wählen geht, so könnt man sagen, ist selbst schuld, aber ich seh nicht ein, zuzusehen, wie diese Welt vor die Hunde geht.…

    Umpf… eigentlich wollt ich nur’n kurzen Kommentar schreiben…:)

  12. Annette sagt:

    noch mal zu den seilbahnen.. natürlich gibt es weniger selbahnen im flachen Land … aber auch in Köln gibts ne seilbahn… und dafür müssen halt die richlinien festgelegt werden…

  13. phoibos sagt:

    tschuldigung, ich glaub mein ironie-detektor ist mit einem wal oder einem blumentopf kollidiert, könnte bitte mal jemand die normalität wiederherstellen?

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