Freiheit für anonyme Dreckschleudern?

Ich meine wir machen keinen Hehl daraus, daß wir Freiheit befürworten. Auch wenn wir uns durchaus bewußt sind, das eben diese Freiheit auch ihre Grenzen besitzt. Grenzen die idealerweise mittels der eigenen Vernunft abgesteckt werden sollten, soweit jedenfalls die Theorie. In der Praxis schauts jedoch zunehmend anders aus, man würde ja gerne sieht sich leider jedoch vermehrt massivem Mißbrauch gegenübergestellt.

Und wir wären die letzten die jemanden Abmahnen oder überhaupt etwas strafrechtlich verfolgen, für versuchen es immer gütlich zu regeln, appellieren an die Vernunft und ansonsten sind wir auch keiner noch so kernigen Diskussion abgeneigt — sofern ein gewissen Niveau gewahrt bleibt. In unseren eigenen vier Wänden schlagen wir in diesem Punkt den Ton an und wer die Diskussionen hier verfolgt, der weiß eines mit Gewißheit: Hitzigkeit ist keinesfalls ein Ausschlußgrund 😉 Es kommen verschiedene Faktoren zusammen. Über die Jahre wanderten so vielleicht geschätzt 3000+ Kommentare ins Nirwana, über 24.000 präsentieren sich heute noch, viele vom Inhalt für das Gros der Publikationen schon zuviel des Guten. Publikationen die unsere Moderation anfangs argwöhnisch beäugten sehen sich dem Mißbrauch inzwischen selbst gegenübergestellt und schalteten auf permanente Moderation um — sprich alles wird zuerst gegengelesen.

Es tut imho auch der Sache keinen Abruch, denn solange weitesgehend allgemein die Freiheit gewahrt bleibt, kann auch der verschmähte seine Meinung auf der ureigenen Publikation verbreiten, seinem Niveau entsprechend. Anlaß für diesen Text gab die Aussage der CC Zwei-Mannen: Wichtig ist, dass wir alle untereinander die normalen Regeln der Gesellschaft befolgen und dass jeder, der daran teilnehmen will, auch ein Recht bekommt, zu wissen, mit wem er es zu tun hat. Wir wollen unsere Hörer keinesfalls vergraulen; doch wollen wir Verständnis einholen für unsere Schritte. Übrigens, schon 1985, als wir noch Kärtchen der Clubmitgliedschaft austeilen, musste man sich mit Adresse in einem Formular eintragen. Heute sind die Leute froh, dass sie ihren richtigen Namen angegeben haben, denn sonst könnten sie gar nicht ihre Identität beweisen.

Die sehen sich ebenso dem massiven Mißbrauch gegenübergestellt in Form von Trollen bzw. Kritikern die nur allzugerne aus dem Dunkeln mit Schlamm werfen. Und ich gebe zu diese erzwungene Offenlegung, auch die hier vorgenommene Moderation etc. bereitet mir irgendwo Bauchschmerzen. Weil man möchte es anders handhaben, bekommt jedoch stante pede zahllose Beispiele warum man gut daran tut mit diesen Bauchschmerzen zu leben. Es geht heute einfach nicht mehr, die Ponyhof-Atmosphäre ist vorbei, das Herr der Partizipierenden ist unüberschaubar, jenes der anonymen Schlammwerfer ebenso.

Nur die Frage ist eine derartige Vorgehensweise die Lösung? Klar, eine Moderation wie hier ist einem Forum ob des Aufwands nicht möglich und würde auch die dort vorherrschende Diskussionsdynamik ad absurdum führen. Dennoch gilt für ein Forum oder auch jegliche andere Publikation das Hausrecht. Und in einem Forum ist es wohl oder übel die einzig gangbare Lösung, falls man nicht versumpfen möchte — man spielt mit offenen Karten. Ich habe ehrlich gesagt kein Problem damit bei CC Zwei, es ist freiwillig und ich muß dem Verein nicht beiwohnen, wenn es mich denn derart stört. Für uns beispielsweise war es u.a. ein Grund der Forenwelt den Laufpaß zu geben, das Esprit der Gründerzeiten ging verlustig, die anonymen Schlammwerfer gaben sich vermehrt die Ehre und schreckten auch mitunter nicht zurück Leben zu zerstören.

Insofern begrüße ich nicht derartige Praktiken, aber ich verstehe sie — eine andere Möglichkeit wäre dem Forum zu entsagen und sich sinnvolleren Dingen zu widmen. Die eingeforderte Meinungfreiheit auf fremden Terrain ist oftmals nur getarnte Beleidigung bzw. gar Verleumdung. Die Aufgabe der Anonymität wirds nicht bei allen richten, wie man dies auch auf diversen Weblogs beobachten kann, aber das Gros denke ich wird zweimal darüber nachdenken bevor man verbal Amok läuft und sich der Fäkalsprache hingibt oder anderen Extremen.

Heute ist es längst nicht mehr eine persönliche Unpäßlichkeit, sondern hat auch eine rechtliche Dimension erlangt, die den Betreiber mitunter Kopf und Kragen kosten kann. Was eigene Meinung ist und was nicht, kann jeder selbst erfahren wenn er sich denn einer Publikation in Eigenverantwortung widmet … man lernt recht schnell. Freiheit kostet Mut, diesen Mut kann manch einer jedoch nur ausleben, wenn ihm der eigene Staat nicht einen Riegel vorschiebt.

Bild: Wikipedia

Addendum für Kai von Ravenhorst:

P.S.: Hat Anarchie nichts mit Regellosigkeit, Chaos und einem unzivilisierten Gegeneinander zu tun, Oliver.

–siehe Trackback

Anarchie hat ebenso Regeln, ein polemischer Aufmacher für oft falsch verstandene _Prinzipien_ (Anarchie ist auch nicht die Definition einer Sache, sondern folgt diversen Schulen), insbesondere im Web 😉

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4 Antworten zu “Freiheit für anonyme Dreckschleudern?”

  1. Yuggoth sagt:

    falls das jetzt in zusammenhang mit meinen (zugegeben recht rüden) kommentar von gestern steht, so hoffe ich doch, dass du die kritik gelesen hast und was mit anfangen konntest.es war ‚wie bereits gesagt,nicht persönlich gemeint!

    ich hätte mich an deiner stelle wahrscheinlich auch schwer getan ‚dass zu veröffentlichen.

  2. Chris sagt:

    Kannst Du lesen? Hast Du obigen Artikel kpl. gelesen? Ja? Dann weißt Du, dass Oliver sich explizit auf den CC Zwei bezieht, über F!XMBR nur philosophiert. Um es mal bildlich auszudrücken.

    Dein Kommentar war selten dämlich. Im ersten Satz ein Hitler-Vergleich. Weiter habe ich nicht gelesen, der ist gleich in die Tonne gewandert…

    Und nun, gehab Dich wohl…

  3. […] liebe Not mit der Anonymität Bei F!xmbr geht es im Beitrag Freiheit für anonyme Dreckschleudern? um Anonymität, das Zulassen pseudonymer Teilnehmer in Webforen bzw. Kommentatoren in Weblog […]

  4. klml sagt:

    zum Thema Anarchie, stammt angeblich von Proudhon:

    «Ordnung ohne Herrschaft»? (das ? ist nicht von ihm)

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