Freiheit die ich meine — free as in …

Man vernimmt es allerorten, es schallt einem seit den 80ern entgegen — nun nicht wirklich, aber in theoretischer Form auf jeden Fall. Die Rede ist von der GPL und ihrem Anliegen Freiheit mittels Einschränkungen zu sichern. Natürlich geschieht das, wie immer, auf freiwilliger Basis und man gerät nur in Konflikt mit dieser Lizenz, wenn man denn die damit verbundene Sache nutzen möchte.

Also worin liegt das Problem? Im Prinzip nirgends. Aber, muß ich Windows oder Mac OS X nutzen? Werde ich genötigt dieses einzusetzen? Jein, ich kann diesem entsagen und befinde mich dann in der Regel in der GPL-Welt. Dumm gelaufen …

Entsage ich dieser ebenso, was bleibt? Für das Gros der Leute erst einmal das IT-Nirwarna, sprich weg vom Computer, die Wissenden migrieren behände zu einem *BSD System und sind vorerst einmal aus dem Schneider.

Letztendlich ist als das Argument der Freiwilligkeit gar keines, da ich mich von einer Abhängig in die andere begebe. Sicherlich wird man mir daraufhin entgegnen, das ist die böse Firma und auf der anderen Seite steht der liebe, gute RMS mit seinen Mannen. Nun dann wären wir also beim Glauben, dem Glauben das richtige zu tun. Tun wir es damit? Das weiß ich ehrlich gesagt nicht und ich bezweifle das RMS es weiß oder gar einer seiner Jünger. Eine Legion von Philosophen beschäftigte sich über die Jahrhunderte mit dieser Frage und kam nicht wirklich zu einer Antwort, man gab allenfalls Ideen vor sich dem Ziel Freiheit stetig zu nähern.

Was denkt jemand, dem man folgendes unterbreitet: du bist nun frei, aber …? Dieses kleine aber, das in der Regel bei allem Gesagten die initiale Aussage ad absurdum führt, aufweicht, verwässert, wenn nicht sogar ins Gegenteil verkehrt.

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ.

Kant Aufklärung

Meiner Meinung nach bekommt man Freiheit nicht geschenkt, Freiheit ist natürlich ein Gut, das man sich erhalten, ja gar erkämpfen muß. Man kann diese nicht weiterschenken, sondern man kann seinem Nächsten allenfalls all das konsequent vorleben und die Dinge vermitteln, mit der man Freiheit aufbaut bzw. selbst wiederum vermittelt.

Freiheit hört in meinen Augen dort auf, wo das berüchtigte aber auftaucht. Klar wird man mir entgegnen, Freiheit braucht auch Schranken, sowie anderen Nonsense — der Sinn der mit dem Begriff Freiheit einher geht kennt jedoch keine Schranken, ergo sollte man es irgendwie sonst nennen … Leben gemäß … etc.

Ich gebs ehrlich zu, viele Jahre verfechtete ich eisern die GPL und hadere eben nach diesen Jahren mit dem zugrunde liegenden Begriff Freedom, der damit einhergeht. Free as in Freedom, oft ergänzt mit not free as in free beer. Wobei auch dieser Ergänzung nonsense darstellt und in dieser Form in unserer Gesellschaft eben nicht auftaucht.

Gibt es Freibier ohne jegliche Gegenleistung? Geht damit keine Leistung einher, ein Versprechen oder ähnliches?

Nein wird man auch hier kontern, Freibier kippt man und gut ist. Irrtum, viele die zwar schon Freibier konsumierten dachten wahrscheinlich in dem Moment an völlige andere Dinge, aber es geht eine Gegenleistung einher — in der Regel Respekt. Auch das wiederum könnte man bis ins kleinste Detail durchdiskutieren, wäre aber hier gänzlich überzogen, nur um den groben Sachverhalt zu klären. Andererseits … mitunter würde gerade dieser Passus manch Gläubigen zum Denken animieren, fernab des reinen Glaubens.

Freibier auf dem Stand der Partei oder unter Fremden korrespondiert mit einem gewissen Entgegenkommen, Freibier unter Freunden setzt Freundschaft voraus, mit einem Geschenk ohne Haken und Ösen erweist man dem Gegenüber eine Gefälligkeit. Keinesfalls sollte man dies mit einer zwanghaften Erwartungshaltung gleichsetzen, wer das tut sollte erst einmal über den Begriff Geschenk eingehend reflektieren. Hat man diese Punkte geklärt, bleibt also wieder der Respekt über — irgendwann werde auch ich demjenigen eine Gefälligkeit erweisen, ob nun heute oder morgen.

Das ist natürlich ein romantisches Anliegen, andere würden dies auch boshaft als naiv bezeichnen, ich bezeichne es als Mut … Mut Freiheit zu wagen. Man kann sich natürlich auch eine eigene kleine Monokultur fernab der Realität schaffen und mit dieser gegen eine andere antreten … entweder man trägt das auf dem Feld der Ehre aus oder man versucht es bar jedes gesunden Menschenverstands mittels pseudophilosophischer Eckpunkte. Diese pseudophilosophischen Eckpunkte prallen natürlich exakt gegen die Eckpfeiler der Marktwirtschaft, über bleibt eine dieser gefürchteten verbalen Schlammschlachten, auch nett flamewar genannt.

Man sieht, das Fazit daraus zu ziehen ist recht einfach. Ist man sich nicht der grundlegenden Bedeutung eines Begriffs bewußt und welche mögliche Dynamik jener einschließt, so ist es auch völlig sinnlos darauf ein Rethorik-Trutzburg zu gründen … denn ein schwaches Fundament bringt das ganze behände zum Einsturz, eine kleine logisch durchwirkte, verbale Brise langt vollkommen.

Im Laufe der Geschichte und auch heute gab und gibt es vielzuoft wirklich gute Menschen, die ob irgendeiner Bedrohung gerne bereit sind Freiheit zu opfern, um Freiheit zu schützen. Wir leben schon mit manigfaltigen Einschnitten in unserer oft postulierten Freiheit und jährlich schwindet ein Stück von dieser, geopfert auf dem Altar der omnipotenten Sicherheit. Wer da weitere Absurditäten vernehmen möchte, Frieden sichern mittels Abschreckung, ein status quo im Wettrüsten, da existieren viele Absonderlichkeiten bei denen man völlig betriebsblind über das Ziel hinausgeschossen ist.

Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen. Sie kennen kein anderes Sollen als dasjenige, mit dem sich ihr Wollen in intuitiven Einklang versetzt; wie sie in einem besonderen Falle wollen werden, das wird ihnen ihr Ideenvermögen sagen.

Rudolf Steiner, dreigliederung

Auch heute befinden wir uns in einer solchen absurden Lage, da ist z.B. open source nicht gleichzusetzen mit free software, weil ersteres zwar frei und offen ist aber im Sinne von Freibier und Quelloffenheit, letzteres ist frei wie in Freiheit, soll eben Freiheit sichern mittels Einschränkung derselbigen.

Sage ich also das ist open source, habe ich die Herren der freien Software schon auf tödlichste beleidigt, gleiches geschieht auch jenen die da vermeinen überhaupt von freier Software im Sinne von open source zu fabulieren, denn die ist ja nicht wirklich frei, sondern nur anders frei.

Frei ist heutzutage ein vielfach belegter Begriff, wenn nicht ein mißbrauchter Begriff. Dermaßen viel Schindluder wurde wohl noch mit keinem so simplen Wort getrieben, frei¹, frei², frei³ … frei^x.

Dabei ist es doch recht einfach, Freiheit ist Freiheit ohne Einschränkungen und dies beruht auf dem Respekt untereinander. Sichere ich, garantiere ich, so weiche ich Freiheit auf und führe diese ad absurdum. Auch das ist mit echter Freiheit möglich, die Freiheit anders zu denken, man sollte jedoch davon absehen anderen seine eingeschränkte Vorstellung von Freiheit zu diktieren.

Natürlich kann ich nicht überall tatsächliche Freiheit ausleben, man wird eingeschränkt, aber wo mir dies möglich ist, wo es im Rahmen *meiner* Möglichkeiten liegt, dort werde ich es auch anbringen und mich stetig dieser tatsächlichen Freiheit annähern. Ohne das ich mich irgendwelcher Neudeutungen, die mit verbalen Fallstricken gespickt sind, hingeben muß. Einfach frei sein, das sollte das Ziel sein und wer sichern/garantieren möchte sollte sein eigenes kleines Biotop aufmachen und dort einziehen. Das ganze Leben bildet schon eine einzige Einschränkung, credo wir wollen Freiheit sichern. Bullshit!

Die Lizenzen bilden hier den Aufmacher zu einem allgemeinen Gedankengang bezüglich Freiheit und Freiheit. Weiterführende Quellen nenne ich dieses mal keine, wobei das Gros auf gesundem Menschenverstand und der Lektüre diverse kluger Köpfe beruht, insbesondere in Form antiker Philosophen. Auch erhoffe ich mir eher damit einen Denkanreiz, denn ein stupides Umschwenken … der Denkprozeß soll in Gang gesetzt werden, nicht der Glaube.

 

Es ist eine unrechte und unkluge Eifersucht, einen Mann seiner natürlichen Freiheit zu berauben, auf den Verdacht oder die Annahme hin, er könne sie missbrauchen. Erst wenn er sie missbraucht hat, ist der Moment gekommen, über ihn zu richten.

 

Oliver Cromwell

Bildquelle: Kant, WikiCommons

8 Antworten zu “Freiheit die ich meine — free as in …”

  1. […] man die althergebrachten Argumentationen anderer auf ohne selbst dabei den Denkapparat anzuwerfen. Übrigens ist dieses Phänomen in vielen, vielen Bereichen anzutreffen. Es ist doch ermüdend wenn man sich permanent als Community dadurch definiert, indem man den […]

  2. Christoph sagt:

    Nur mal so als kleine Anmerkung zu deinem Artikel. Ist der Zwang den Autor einer Software zu nennen nicht auch eine Einschränkung deiner Freiheit?

    Vergleiche Absatz 2 der BSD-Lizenz:
    „Redistributions in binary form must reproduce the above copyright notice, this list of conditions and the following disclaimer in the documentation and/or other materials provided with the distribution.»

    Inwiefern bin ich also mit *BSD besser dran?

    Ausserdem mache ich mich durch den Einsatz von GPL Software doch in keinster Weise von der FSF oder sonstigen Organisationen Abhängig, sondern hab im Gegensatz zu *BSD in meinen Augen sogar den Vorteil, dass die Software in jedem Fall frei bleiben wird.
    Auch wenn es um beim Titel zu bleiben vielleicht nicht die Freiheit ist die du meinst. Wobei mir dein Freiheitsbegriff in diesem Artikel nicht wirklich klar wurde.

    Edit by Chris: Ein Wort geändert — solche Worte mag ich nicht im Zusammenhang solcher grandioser Artikel. Nimm es hin, oder geh weiter…

  3. Oliver sagt:

    Nein denn mit der Nennung zollt man dem Autor Respekt und sonst nichts, dies schränkt allerdings nicht deine Freiheit ein — in keinster Weise. Eine Namensnennung, Kant spricht da von Vernunft bei der Freiheit, Steiner gibt den Rest, als Einschränkung anzusehen ist schon mehr als absurd.

    Ich zitiere mich mal selbst,

    Die Lizenzen bilden hier den Aufmacher zu einem allgemeinen Gedankengang bezüglich Freiheit und Freiheit. Weiterführende Quellen nenne ich dieses mal keine, wobei das Gros auf gesundem Menschenverstand und der Lektüre diverse kluger Köpfe beruht, insbesondere in Form antiker Philosophen. Auch erhoffe ich mir eher damit einen Denkanreiz, denn ein stupides Umschwenken ? der Denkprozeß soll in Gang gesetzt werden, nicht der Glaube.

    Wenn man von Freiheit fabuliert und GNU–Philosophie sollte man auch die zugrundeliegenden Begrifflichkeiten verstehen.

    Auch wenn es um beim Titel zu bleiben vielleicht nicht die Freiheit ist die du meinst.

    Es gibt Leben mit Software gemäß der GPL und echte Freiheit — beides hat nichts miteinander zu tun. Und Schutz/Garantie von Freiheit ist etwas für unmündige Menschen, die es nicht vermögen sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Die RMSsche Freiheit jedenfalls ist keinem bekannten Philosophen ein Begriff und wird auch nicht derart leichtfertig umgesetzt.
    Wer Schutz und Garantie von Freiheit möchte kann sich gleichermaßen auch an Bush und Schäuble dranhängen, ich bezweifle das das Gros überhaupt versteht wen sie da bashen, ebenso bei Windows.

  4. […] Crosspostings zu vermeiden führe ich mal nur ein paar Artikel an, Freiheit die ich meine, Lizenz-Chaos und Postcard-Lizenz. Die Quintessenz in all diesen Texten ist die Überlegung in […]

  5. […] freie Lizenz, die Leute mit tatsächlich konsequent freiheitlicher Gesinnung in Erwägung ziehen […]

  6. […] man sich natürlich auch Gedanken, wie man die Problematik mit der GPL umgehen kann, sprich Freiheit a la RMS heucheln und zugleich verdingt man sich als Steigbügelhalter proprietärer Umtriebe1 . Und […]

  7. […] RMS und sein Jünger einen gewaltigen lapsus inne haben, einmal den falsch verstandenen Begriff Freiheit und zum zweiten die Befreiung der Software. Der Entwickler von Software wird geknebelt, mittels […]

  8. Trac3R sagt:

    Ich bin leider erst heute über diesen Artikel gestolpert und muß gestehen, dass ich ihn großartig finde. Ich beschäftige mich nun schon längere Zeit mit Freiheit im allgemeinen und den BSD/ISC Lizenzen und der (L)GPL im speziellen, und ich gebe zu, dass ich in dieser Frage hin und her gerissen bin. Lange Zeit sah ich es genauso «extrem» wie du — frei ist etwas nur, wenn man damit machen kann was man will und durch nichts eingeschränkt ist. Und in dieser Allgemeinheit ist das zweifellos richtig. Und deshalb finde ich es gerade in Bezug auf Linux und die GPL ungeheuerlich, dass hier NDAs abgeschlossen werden und die Freiheit der anderen, freien und freieren Projekte eingeschränkt wird. Das ist Heuchelei. Gewisse Dinge sollten in freier Software, egal was man nun darunter verstehen will, nicht sein. Und das nicht wegen der Lizenz, sondern aus moralischen Gründen. Und in diesem Fall wäre es ehrlicher keine Hardwaretreiber zu haben, als closed Open-Source.

    Ich persönlich finde aber nach längerem Überlegen, dass die GPL ihre Berechtigung hat, bei Software die eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht haben und bei der das Teilen von Code wenig Sinn macht. Der Linux-Kernel (ohne Treiber) wäre da ein Beispiel, oder die Gnome– und KDE-Projekte. Außer durch einen Fork ins Closed-Source Terrain hätte davon niemand einen Vorteil. Denn die Bibliotheken, derer ich mich daraus evtl. bedienen wollte, könnten zur Not auch noch in den benötigten Teilen portiert werden. So fällt es denn auch leichter freiwillige Mit-Entwickler zu finden, wenn nicht andere damit Geld durch relizenzieren verdienen.

    Aber wie würde im Gegensatz dazu eine Welt aussehen ohne TCP/IP? Hätte das zu Beginn unter der GPL gestanden, dann würde die Welt vielleicht trotzdem netzwerkeln, aber nicht mit diesen Protokollen…

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