Frei.Wild vom Echo ausgeschlossen. Und das ist auch gut so.

Wenn Goebbels das Internet gehabt hätte, hätte Deutschland den Krieg gewonnen. Mit diesen Worten beginnt ein Artikel der SZ über die Deutschrock-Band Frei.Wild. Diesen Satz stammt nicht etwa von einem trunkenen Vollidioten, sondern von einem Beleuchter der Band. Seit Monaten tobt eine öffentliche Diskussion über die Band, deren Sänger früher für die Rechtsrock-Band Kaiserjäger gesungen hat und dem Rechtspopulismus nicht abgeneigt scheint. Nachdem Frei.Wild nun für den Echo nominiert worden war, hatten die Bands Kraftklub und Mia die Echo-Verleihung abgesagt, die Ärzte und die Toten Hosen glänzten mit kryptischen Andeutungen anstatt mit klaren Aussagen. Heute gab die Deutsche Phono-Akademie gekannt, dass Frei.Wild von der Nominierungsliste gestrichen sei. Und das ist auch gut so.

Seit Jahren weisen Experten immer wieder darauf hin, dass gerade im rechten Milieu die Musik ein entscheidende Bindung entfaltet. Frei.Wild scheint dies bewusst zu fördern: In einem Video-Interview heißt Sänger Burger solche Fans willkommen: «In Südtirol gibt’s nun mal Skins, die auch das Recht haben, auf Konzerte zu gehen. Solange sich die Leute benehmen, bin ich sicher der Letzte, der sagt: ‚Du darfst nicht reinkommen.’ Warum? Mit welchem Recht? Nur, weil er anders denkt, weil er was anderes wählt?» In der Zeit ist zu lesen: »Frei.Wild besingen eine Blut-und-Boden-Ideologie und knüpfen genau dort an, wo man 1945 geglaubt hatte, einen Bruch vollzogen zu haben«, sagt Politikwissenschaftler Günther Pallaver von der Universität Innsbruck. Die Gruppe vertrete »typische Diskurse der Zwischenkriegszeit, die von den Deutschnationalen stammten«.

Die Zeit weiter: »Entgegen aller Beteuerungen vertreten Frei.Wild sehr wohl politische Inhalte, und zwar ultranationalistische«, sagt Politikwissenschaftler Christoph Schulze vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin. Wer einen Zusammenhang zwischen menschlicher Abstammung und dem Heimatboden behaupte, bewege sich auf »brandgefährlichem Terrain«. […] Als Ende März in dem kleinen Örtchen Pahlen in Schleswig-Holstein eine Initiative gegen Rechts vor der Konzerthalle protestierte, flogen Flaschen auf die knapp 50 Jugendlichen. Andere Frei.Wild-Zuschauer riefen »Zick, zack, Zigeunerpack« und einen Klassiker aus der Neonaziszene: »Eine U-Bahn bauen wir, von Pahlen bis nach Auschwitz«.

Frei.Wild ist dementsprechend weder harmlos noch unpolitisch. Die Band fungiert mit ihren Texten und Ansichten als Bindeglied zwischen dem rechtsextremen Milieu und dem vermeintlich seriösen Freizeitspaß. Am 07. Mai 2012 bezeichnete der Extremismus-Experte Dirk Wilking die Band als rechtsextrem, diese Worte stehen bis heute unwidersprochen online. Wilking weist darauf hin, dass die Band mit ihren Texten viele Jugendliche erreicht und somit ihre Werte verbreitet.

Für mich ist die Band weder unpolitisch, noch ungefährlich. Sie spielt nicht mit dem rechten Rand, sie umarmt ihn. In Reihen der Fans lassen sich viele Rechtsextreme und Antisemiten finden. Eine offene und demokratische Gesellschaft muss sich mit breiter Brust gegen Bands wie Frei.Wild stellen. Es geht um unsere Kinder, unsere geschichtliche Verantwortung — dabei heißt das Zauberwort: Aufklärung. Die Fans von Frei.Wild mögen jeden Presseartikel feiern, sei er noch so negativ — doch mit jedem Fan, der ans Nachdenken gebracht wird, ist viel gewonnen. Der Echo findet ohne Frei.Wild statt. Das ist gut und richtig so. Viel wichtiger ist nun aber die Diskussion, warum dies der Fall ist. Es geht dabei nicht um Meinungsfreiheit, sondern um eine rechte Ideologie.

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14 Antworten zu “Frei.Wild vom Echo ausgeschlossen. Und das ist auch gut so.”

  1. Michael Grote sagt:

    Nicht schlecht, solange man Frei.Wild an den rechten Rand schiebt braucht man sich nicht um die wirklichen Rechten zu kümmern, ist ja auch viel öffentlichkeitswirksamer.
    Mit besten Grüßen aus Sachsen, wir wissen was Nazis sind.

    Btw, genau die gleiche Diskussion gab es 20 Jahre lang über die «Böhsen Onkelz».

  2. Anonymous sagt:

    Tja, ihr habt recht. Ich habe diese Band sozusagen auf Empfehlung einer verdammt großen deutschen Metal– und Rockmusik– Zeitschrift kennengelernt. Aber bei genauerem Hinhören ist mir irgendwie mulmig geworden. Einige Texte kamen mir doch sehr CSU-verdächtig vor. Dann die Blut-und-Boden-Lyrik…und die Tatsache, dass die Band von der Presse nur Jubelarien hören will.
    Und als ich gehört habe, wie die Herren von ‘Gutmenschen und Moralaposteln’ singen, war es aus für mich. Das war letztes Jahr. Und jetzt sehe ich, dass es zum Glück noch einige mehr gibt, die diese Typen als das sehen, was sie sind — nämlich eine typische Einstiegsdroge der Rechten.

  3. Michael Grote sagt:

    Imho, wenn jemand eine Einstiegsdroge sucht/findet/whatever sind das meistens härtere Dinge wie «Gigi und die braunen Stadtmusikanten», usw. das ist verboten und für 8. Klässler damit gleich viel «cooler» Oder irgendwelche Schulhof-CDs. Das alles gibts an jeder Ecke.

  4. Wolfsrudel sagt:

    Skins != Skins (aber die Dummheit wurde ja nur zitiert)

    http://du-sollst-skinhead.….seln.de/

    Den Echo gewinnen sowieso nur gecastete One-Hit-Wonder, weswegen man als Musiker gerne darauf verzichten kann.

    Und dass sich die Neu-Schmuse-Rocker «Die Ärzte» da mit einmischen… ich weiß nicht: wer nur noch auf Kommerz aus ist, sollte lieber mal still sein. Hauptsache der Masse gefällt’s. Die sollen weiter — mit Popmelodien (als angebliche Punkband) — durch die rosa Brille singen.

  5. Arbo sagt:

    Danke für den Beitrag. Ich sehe die Band aber auch als ein Symptom für eine neues/ aufkommendes rechtes Bürgertum (welch Wortspiel … ;-) ): Mensch wähnt sich nicht «rechts», hat letztlich auch recht wenig mit dem Stereotyp des rechten Schlägers gemeint, hetzt jedoch trotzdem gegen alles, das einem nicht ins eckige Weltbild passt. Stichwort «Kopftuchmädchen», Hartz IV Empfänger, die die Temperatur mit dem Fenster regeln usw. usf. Alles am Besten in Wissenschaft oder wirtschaftliche Kennzahlen verpackt, garantiert «neutral» (mensch muss ja darüber reden dürfen) usw. usf.

    Es wundert mich nicht, dass in einem solchen Klima «roher Bürgerlichkeit» so etwas wie F.W künstlerisch Karriere machen kann. Das Gefährliche ist m. E. aber nicht unbedingt, dass diese als «Einstiegsdroge» dienen, sondern dass sie einen bestimmten Bodensatz an menschenfeindlichen Einstellungen re-produzieren bzw. zementieren. Sie tragen dazu bei, dass diese Einstellungen «Normalität» — bzw. als solche empfunden — werden.

  6. Arbo sagt:

    Mist, etwas vergessen, deshalb Zusatz (Zitat): «Viel wichtiger ist nun aber die Diskussion, warum dies der Fall ist. Es geht dabei nicht um Meinungsfreiheit, sondern um eine rechte Ideologie.»

    Das sehe ich genauso, wobei ich nicht von «rechte[r] Ideologie» sprechen würde. Es geht um deren menschenfeindliche Einstellungen (die durchaus Teil einer rechten Ideologie sein können), die aber laut soziologischen Studien (siehe Deutsche Zustände) auch viele Deutsche teilen.

  7. Doris sagt:

    Also da kann ich auch nur sagen; GUT SO!
    Ich bin echt ein Offener Mensch, mir ist es völlig Wurst, wer was für ein Nationalität hat oder welche Meinung er hat, aber alles hat auch eine gewisse Grenze!
    Weil wenn einem jeden sein Meinung ins extreme gehen würde, dann wird es ja zu Anarchie. Ganz ehrlich ich weiß gar nicht was ich über solche Themen sagen soll, weil ich kann so was nicht verstehen, was für ein hass solche Menschen mit sich tragen. Es tut mir leid aber so was kann ich nicht nachwollziehen.
    Da sage ich nur PEACE AND LOVE Leute :)

  8. Diana sagt:

    RICHTIG SO, sowas kann man einfach nicht dulden. Und es ist einfach nur traurig, wenn man heutzutage in einer so globalieierten Welt noch der Meinung ist rassistische Äußerungen machen zu müssen.…

  9. Frei.Wild™ sagt:

    […] Frei.Wild vom Echo ausgeschlossen und das ist auch gut so auf F!XMBR […]

  10. Null toleranz sagt:

    Es ist lächerlich Freiwild von dem Preis auszuschliessen.
    Die Band schreibt teilweise sehr gute Texte. Hier scheinen einige überhaupt nichts über Südtirol zu wissen.
    Echt erbärmlich wie untolerant die Plastikkünstler Mia und Kraftclub sind.

  11. eberhard sagt:

    Gedankenzensur, Schere im Kopf — die Freiheit anderer offen mißachten = wir sind schon länger im Faschismus angekommen — nur die dümmsten Kälber haben es noch nicht gemerkt

  12. […] die Rechtsrock-Band Frei.Wild vom Echo ausgeschlossen wurde, wird am Montag die nächste Hiobsbotschaft verkündet werden. Wie F!XMBR von einer Quelle aus dem […]

  13. (ein anderer) Chris sagt:

    Ich habe vollstes Verständnis für Kraftklub, nicht mit diesen CSU-Rockern auf einer Bühne stehen zu wollen. — Ich würde mit denen auch keine Bühne teilen wollen.
    Freiwild dann aber vom Echo auszuladen, war m.E. blöde: Freiwild kriegen Presse ohne Ende, verkaufen wohl noch mehr Tonträger und MP3s, und das für etwas, was die CSU&Co in ähnlicher Form auch von sich geben.
    Denn dass eine ernsthafte Diskussion stattfindet, wie sehr Nationalismus, Blut/Ehre/Boden-Denken u.ä. in der Gesellschaft verankert sind, wird doch wohl niemand ernsthaft glauben.

  14. Oro sagt:

    Ich hab frei wild zum ersten mal auf dem OFT festival gesehn, wo hauptsächlich deutsch rock, punk und ska bands vertreten waren. Mit mir waren zwei eher linke nerdige Freunde und nen amüsanter weltoffener türkischer Kiffer der eher hiphop *würg :D* hörte und wir mal versuchen wollten zu bekehren. Tja seit dem Tag ist er frei wild & broilers Fan und mittlerweile bei vielen Konzerten gewesen und hat da immer viel Spaß gehabt obwohl er vom visuellen ethnisch eindeutig zuortbar ist ;)

    Ich kenne zwar nur die ersten beiden Alben(und davon nur die gängigen songs wie «schwarz & weiß»,«immer höher hinaus»,«Ländereien» ) und hab die Fans nur einmal miterlebt, aber irgendwie auffällig rechtes ist mir bis heute verschwiegen geblieben — ich wäre sehr dankbar mal 1,2 bewertete Lyrics als Beispiel mit Hinweisen auf jene Sätze zu sehen, die Anlass zu der Medienkritik gaben. Ich bin aufrichtig daran interessiert.

    Ich höre zugegeben viel deutsch rock , aber hauptsächlich metal, industrial und anderen goth krams ;D
    Und Bands wie Megaherz (heute Eisbrecher) oder Rammstein , den hat man zur meinen Realschulzeiten auch nachgerufen das wäre Nazi Musik, das Vorurteil hatten sogar Lehrer! Ich würde also zu gern wissen ob ich Frei Wild weiter hören kann ohne irgendwann auf PInews zu enden oder ob hier vielelicht doch ein Irrtum vorliegt :)

    mfg


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