FreeBSD Kernel und Welt

FreeBSD Release ist eine feine Sache, insbesondere für Server, aber auf dem Desktop ist es oftmals von Vorteil Stable zu fahren. Stable ist neben Current einer der Entwicklungszweige von FreeBSD. In Current erfolgt die hauptsächliche Entwicklung, nach einiger Verweildauer dort wird der jeweilige Code «mfced», d.h. «merged from current» und schlägt in Stable auf. Aus Stable werden dann wiederum nach einiger Zeit minor oder major-Releases erstellt, wie zuletzt FreeBSD 8.2 bzw. das kommende FreeBSD 9.0.

Stable ist grob vergleichbar mit Debian Testing, man verfolgt ein ähnliches Prinzip bei der Entwicklung. En detail jedoch scheiden sich die Geister, während Debian durchaus mal desöfteren auch in Testing hinüber ist bzw. diverse Software schlichtweg fehlt ob Fehler, etc. pp., ist FreeBSD Stable weitaus reifer. Die FreeBSD-Entwickler sind deutlich konservativer und nehmen es sehr genau mit der Unterscheidung der einzelnen Zweige. Dennoch sollte man, wie auch bei Debian, die entsprechende Mailingliste abonnieren.

Um nun den Betrieb von Stable aufzunehmen, kann man schlicht ein bisheriges Release aktualisieren oder man fährt mit monatlich erscheinenden Snapshots. Entscheidet man sich für letzteres muß man häufiger neu installieren, bequemer hingegen ist meiner Meinung nach Kernel und Welt neuzubauen. Dazu lädt man den entsprechenden Quellecode herunter, baut die Welt, dann den Kernel und installiert diesen, bootet in den Single User Mode, installiert dort die Welt und bringt mittels mergemaster diverse Konfigurationsdateien auf den neuesten Stand. Letzteres ist für viele wohl die größte Hürde, aber zumindest nur dort, wo selbst Hand angelegt wurde.

Zuvor jedoch muß man noch csup sagen, von welchem Server es den entsprechenden Quellecode herunterladen soll: cp /usr/share/examples/cvsup/standard-supfile /etc danach ändert man folgende Zeile und fügt den Server ein: *default host=CHANGE_THIS.FreeBSD.org — z.B.: *default host=cvsup2.de.FreeBSD.org. Selbstredend muß auch der Release-Tag angepaßt werden. Wir wollen Stable, also muß die entsprechende Zeile wie folgt lauten: *default release=cvs tag=RELENG_8

Nun beginnt der eigentliche Bau von Kernel und Welt (als Root ausgeführt):

csup -L 2 /etc/standard-supfile
cd /usr/src/ && make -j3 buildworld
make -j3 buildkernel installkernel
reboot

 

Die Jobs sollten der eigenen Hardware entsprechend angepaßt werden, wer kein Dualcore etc. besitzt nutzt ein schlichtes make buildkernel installkernel. Beschleunigen kann man das Prozedere indem man tmpfs einsetzt bzw. zukünfigte Bauten von Kernel und Welt seitens ccache beschleunigt.

Nach dem Neustart wählt man den Single User Mode aus und installiert die Welt, sowie die aktualisierten Konfigurationsdateien.

fsck -p
mount -u /
mount -a -t ufs
mergemaster -p
cd /usr/src && make installworld && mergemaster -Ui
reboot

 

Mit fsck –p erfolgt eine kurze Prüfung des Filesystems, dann werden die nötigen Partionen eingehangen. mergemaster –p verarbeitet nur die Konfigurationsdateien, die für die Installation der Welt wichtig sind, make installworld installiert diese und mergemaster –Ui verarbeitet die restlichen Konfigurationsdateien.

Nach einem erneuten Neustart wird wieder in den Single User Mode gestartet und aufgeräumt.

fsck -y
mount -u /
mount -a -t ufs
cd /usr/src && make clean && reboot

 

Danach steht das aktualisierte System. Die Vorgehensweise mag ein wenig übervorsichtig wirken, andere vollziehen die Installation der Welt ohne den Single User Mode, aber mir ist es derart lieber. Schließlich baue ich Kernel und Welt nicht täglich neu, je nach Zeit bei interessanten Updates, mindestens jedoch monatlich.

Wer sich hingegen nicht mit Mergemaster in der Konsole zu helfen weiß, der sollte entweder den Weg über Snapshots gehen oder weiterhin das aktuelle Release nutzen. Zu schnell kann das System bei unachtsamer Bedienung «unbenutzbar» werden. Ansonsten, viel Spaß :-)

 

Bild: Der Bulo

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Eine Antwort zu “FreeBSD Kernel und Welt”

  1. Robert B. sagt:

    Ach komm, alea iacta est: Mein nächster PC (nur Notebook ist auf Dauer nicht sehr ergonomisch) bekommt neben einer Linux– auch eine FreeBSD-Partition. Ich spiele schon länger mit dem Gedanken und jetzt wird mir hier der Mund wässrig gemacht 😉

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