FreeBSD — ein freies UNIX-Derivat

FreeBSD ist ein freies UNIX-Derivat mit einer über 30-jährigen Geschichte, initiiert (BSD) von «whiz kid» Bill Joy und anderen, welcher sich nebenher auch für vi1 verantwortlich zeigte, die csh2 und er gilt als einer der Gründer dieser Computerfirma dort in den Staaten, gemeinhin unter dem Namen Sun Microsystems bekannt3. Soweit also die Mär aus längst vergangenen Tagen und en detail kann man dieses Stück UNIX-Geschichte in den obigen Links verfolgen.

«This operating system has been under steady development since the ’70s, and we’re a viable alternative to Linux.»

–Matt Olander (ixsystems)

Neben dem Umstand einer langen Existenz, legt FreeBSD, als auch die anderen BSD-Forks, eine beachtliche Reife an den Tag. «It just works» ist hier kaum von Bedeutung, sondern echtes «software engineering» das Credo. Dies kann mitunter auf das Motto «gut Ding will Weile haben» hinauslaufen, trägt jedoch in der Regel auch einem erhöhten Maß an Qualität Rechnung.

FreeBSD findet Anwendung bei Hotmail, Yahoo, Nokia, Cisco, Juniper Networks, Sony Japan et. al. und natürlich auch auf vielen Desktops, entweder «Vanilla» oder z.B. in einer vorkonfigurierten und für den Einsteiger genehmeren Form a la PC-BSD.

Ich will mich hier gar nicht hinfort reißen lassen in «Fanboy-Gefilde», aber die Qualität von FreeBSD ist mit dem Fahrad zu vergleichen, einmal gelernt muß man später nur ein wenig üben, um sich wieder einzufahren. Man schaut keine «Bocksprünge» in der Entwicklung, Einsatz von Technologie einzig ob des Neuartigen etc. — vergleichbar in Linux-Gefilden ist FreeBSD am ehesten mit Slackware bzw. Debian4. FreeBSD glänzt mit einer umfassenden Dokumentation, einem Handbuch für Administratoren/User, für Systemarchitekten, man-Pages soweit das Auge reicht etc. pp. Man nutzt eine freie Lizenz (BSDL), welche nicht Freiheit mittels Beschneidung dieser sichern möchte, sondern man vertraut in Freiheit und nimmt folglich auch etwaigen Kolateralschaden zumindest tadelnd in Kauf. Kolateralschaden der realitiv gering ausfällt, betrachtet man doch die durchaus stattliche Präsenz an Konzernen die FreeBSD unter die Arme greifen, sei es mittels Code5, monetären Mitteln6 oder auch «Naturalien» in Form von Server-Kapazitäten7.

Wo Licht ist, da ist selbstredend auch Schatten: innerhalb FreeBSDs ist dies jenes zuvor angepriesene «software engineering», über eine Lösung in annehmbaren Zeitfenster wäre manchmal sicherlich der eine oder andere nicht unbedingt unglücklich. Wer diesbezüglich einen weitreichenden «Rant» vermißt wird auch auf dieser Publikation fündig, ebenso wie Darstellungen zu zwei recht famosen Linux-Distros.

Neben über 22.000 Ports, findet sich Hilfe auf den obligatorischen Mailinglisten, diversen Foren, einigen Wikis, im IRC usw. Man steht also nicht alleine da und findet im Gegenteil eine äußerst hilfsbereite und kompetente Community vor — auf dem Gros der Messen etc. sollte man in aller Regel auch einen Ansprechpartner finden.

Was bleibt? Nun die übliche Litanei: komplettes System — die Kernkomponenten sind aufeinander abgestimmt und das schon bei der Entwicklung, Vorteil Sourcecode Vs Nachteil Zeitaufwand, KISS mit Vernunft ohne auf «from scratch»-Ebene hinabzusteigen, Konfiguration des Kernels ist ein Kinderspiel — selbst für Einsteiger, die Administration auf Konsolenebene ist intelligent aufgebaut und einmal erfaßt auch nach Jahren noch anwendbar, ein äußerst stabiles und über Jahrzehnte erprobtes UFS mit Snapshots bzw. Journal, Suns ZFS und dTrace, Verschlüsselung der Festplatte, OpenBSDs PF usw.


source — von links nach rechts: Richard Bejtlich, Dru Lavigne, Greg Lehey, Marshall Kirk McKusick und George Neville-Neil

Man kann eigentlich nichts falsch machen, außer man ist Besitzer einer ATI-Grafikkarte8 oder versucht Adobes Flash ausfindig zu machen9. Letzteres existiert schlicht und ergreifend nicht nativ, ersteres in Form der notwendigen Binärtreiber für beschleunigte 3D-Treiber ebenso wenig. Wer jedoch mit einigen Behelfskrücken in puncto Flash leben kann, nVidia oder Intel nutzt bzw. ATI einzig mit freien Treibern, der wird auch auf dem Desktop mit FreeBSD glücklich werden. Zwar wird man gegenüber Linux beim Hardware-Kauf noch einmal genauer hinschauen müssen10, in der Regel sollte jedoch alles recht gut über die Bühne gehen. BSD-Technologie findet man beispielsweise in diversen Systemen, u.a. einigen Routern, Googles Android, Firefox 3, manchen Linux-Treibern etc. Oftmals fehlt der Hype und somit geht die eine oder andere Info verlustig. Man erhält kein «Übersystem», kein Retro-Design, mehr gute «Hausmannskost», an der man sich jedoch nur äußerst selten den Magen verdirbt.

Der prof. Server-Mensch weiß ohnehin oft genug die Vorteile dieses freien UNIX-Derivats sehr zu schätzen, der Desktop-User wird wohl antesten müssen und abwägen was ihm auf Dauer wichtiger erscheint.

Mehr zu FreeBSD erfährt man zuweilen auf dieser Publikation, an den genannten vorherigen Stellen oder auch bei Axel Gruner: grunix.de.

Artikel 2010 aktualisiert

  1. anno 1976 []
  2. anno 79 []
  3. anno 82 gegründet und heute «ausgeschlachtet» von Oracle []
  4. seitens des hochqualitativen Anspruchs []
  5. Apple, Juniper Network … []
  6. Nokia, Google … []
  7. Yahoo … []
  8. inzwischen mittels des freien Radeon-Treibers weitesgehend nutzbar in 2D u. 3D []
  9. seitens des Linux-Layers heutzutage auch keine Problem mehr []
  10. mit Cuse4BSD ist es z.B. inzwischen möglich allerlei Webcams bzw. DVB-T-Sticks in FreeBSD zu verwenden []


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