FreeBSD auf dem Desktop — FOSS auf dem Desktop

FreeBSD auf dem Desktop ist möglich, denn irgendwie ist jeder Desktop eine ganz persönliche Sache — man muß halt schauen wie es paßt. PR-Gewäsch aus Redmond oder Cupertino tangiert da wenig bis überhaupt nicht, mein Desktop ist real und der Computer eine Ergänzung zu diesem — der uniforme Charakter erschließt sich wohl nur der Wirtschaft, nicht aber Menschen. Seis drum, aber wie ist es um den kleinsten gemeinsamen Nenner Marke Desktop bestellt im BSD-Ländle? Nun für die gestandenen UNIX–Helden offeriert sich alles was das Herz begehrt, für den Einsteiger gibts die eine oder andere Hürde — auch das ist eine persönliche Sache, Anfänger != Anfänger. Man muß sich wirklich von dieser PR-Gleichschaltung der Wirtschaft trennen, sonst verrennt man sich in haarsträubende Absurditäten.

Viele Linux–Distros sind in diesem Limbus gefangen, wie können wir Windows-User zur Glückseligkeit bewegen ohne unsere Prinzipien völlig aufzugeben? Nun die goldene Mitte ist die Antwort, in der Praxis schlittert man zwischen einerseits Erfüllung feuchter PR-Träume und Treue zu den eigenen Prinzipien umher. Doch gegenüber PR kann man nie obsiegen, einzig mit noch dämlicherer PR und das schaffen auch einige Linux-Distros. Der damit einhergehende Kolateralschaden ist ebenso gewaltig, viele fühlen sich enttäuscht, wenn nicht gar getäuscht. Bei *BSD hat man mit derlei Problemen nicht wirkich zu kämpfen und auch Systeme wie Slackware, Gentoo oder auch Debian gehen da stoisch ihren Weg. Die User jedoch werden von jenen angezogen die mit vielen Versprechungen glänzen, doch kaum Relevanz für die eigentliche Praxis aufzeigen. Die Medien steuern den Rest dazu bei, indem sie dieses FOSS-Bohei katalysieren und somit für den Informationsbrei sorgen, den wir im Moment schauen und welcher nur so von Absurditäten strotzt.

Was aber hat dies mit *BSD zu tun? Nun auch dort existieren zwei Desktop-Aspiranten: der eine — DesktopBSD — versucht mittels massiver Understatements nicht auf sich aufmerksam zu machen, der andere — PCBSD — versucht a la der großen Mainstream-Linux-Distros PR–Gegacker zu wirken. Während der eine Vertreter also so gut wie tot ist — so tot wie eben ein FOSS-Projekt sein kann, erfreut sich der andere einer außerordentlichen Lebendigkeit — glaubt man der gewirkten PR. Aber dem ist auch nicht so und die Enttäuschung ist bei vielen Anwendern außerordentlich groß. Größer vielleicht als bei mancher dieser Mainstream-Linux-Distros, denn Desktop-BSD steckt immer noch in den Kinderschuhen. Man sollte ergo aus gegebenem Anlaß tiefer stapeln. Ich selbst war einige Jahre im Team von DesktopBSD, ich habe auch die Erfahrung gemacht das Understatements stante pede im FOSS-Nirwana enden, andererseits bemerkte ich auch: Werbung gepaart mit Ehrlichkeit bezüglich etwaiger Tücken wird nicht honoriert. Zu sehr ist die Masse der etwaigen User schon auf unerfüllbare PR seitens der Fenster– u. Apfelfraktion konditioniert — man bemerkt überhaupt nicht mehr, daß man von Version zu Version vertröstet wird, während der Rubel weiterhin stetig rollt.

Ist beispielsweise PCBSD also schlecht? Nein nicht wirklich, aber der teils zu Schau gestellte Habitus weiß von durchaus vorhandenen Qualitäten zu berichten die *BSD inne hat, aber gleichsam verquickt man diese mit dem allgemeinen PR-Bild des Desktops und genau das ist fatal. Weniger ist mehr — weniger PR, mehr Ehrlichkeit bezüglich der Haken und Ösen — das ergibt weniger Anwender, jedoch mehr zufriedene dieser. Die goldene Mitte ist gefragt, kurzum eine vernünftige Herangehensweise. FOSS trat an besser zu sein, besser weil …? Besser weil offen, weil frei? Besser auch weil transparent, ehrlicher? Man sieht die Verquickung zwischen Wirtschaft und FOSS ist auf Dauer nicht wirklich eine gute, nur allzu schnell eignet man sich deren Praktiken an und präsentiert im Endeffekt irgendetwas freies, offenes, für lau erhältliches — die eierlegende Wollmilchsau … jedenfalls in der Theorie. Und in der Praxis laufen die Leute weg. World Domination geht auch anders, mittels Vernunft 😉

Bild: Beetlebum

, ,

5 Antworten zu “FreeBSD auf dem Desktop — FOSS auf dem Desktop”

  1. phoibos sagt:

    ich hab pcbsd auf einem meiner desktops installiert und muss sagen, dass mich das system voll überzeugt hatte. das scsi-system wurde einwandfrei erkannt und es rennt (wenn ich nicht das adminpasswort verdudelt hätte). aber das werde ich mal, wenn schleches wetter ist, zurücksetzen und dann bekommt muddi den rechner. dann noch openoffice drauf und sie kann nichts kaputtmachen 😀 was will ich mehr? für mich selbst bleibt xp immer noch die erste wahl, da ich mich hier heimisch fühle. nicht zuletzt wegen der zahllosen kleinen progrämmchen, die man im laufe der jahre so ansammelt, damit windows erst benutztbar wird. dieserlei tools brauch ich weder unterm macosx noch unter pcbsd, aber irgendwie haben die halt ihren charme.

  2. Oliver sagt:

    War auch nur exemplarisch erwähnt und spricht nicht gegen die Qualitäten, ganz und gar nicht. Aber es ist halt zu beobachten, das man mehr und mehr in FOSS-Gefilden der Geisel der PR erliegt und somit mehr Enttäuschung erntet. Und wenn es paßt, dann paßt es weil es eine persönliche Sache ist — keineswegs jedoch weil die PR der Wahrheit entsprach, das wiederum wäre nur Zufall.

  3. phoibos sagt:

    viele vergessen halt, dass computer nur werkzeuge sind und dass es halt für jeden zweck auch spezielle lösungen gibt. eine schwarz/weiss-windows/mac-sicht der dinge ist schlicht unangebracht, liegt aber wohl in der natur der menschheit (wer erinnert sich nicht an alles entscheidende entscheidungen in der schule: pepsi oder coke, siku oder matchbox, lamy oder pelikan, scout oder amigo (oder gar ökolederranzen), …). dieserlei weltsicht wird dann auch noch massiv von der werbung aufgebauscht. für das schreiben eines briefes ist es absolut unerheblich, wie das betriebssytem heisst.

  4. Oliver sagt:

    Na ja nur Werkzeuge, ich sehe darin mehr und auch in freien Systemen allgemein — eines der komplexesten Geräte ist eben weder Schaufel, noch Videorekorder oder Auto und wie dieses Gerät bestückt wird ist nicht belanglos. Im Gegenteil der Computer wird komplexer, ebenso die Ansprüche — der Lernfaktor wird auf lange Sicht also größer. Wirklich simpel Einsteigen war noch zu 8Bit Zeiten u.U. möglich. Kommerzielle Systeme zählen für mich schlicht nicht mehr — diese widersprechen fundamental jeglichen freiheitlichen Prinzipien. Als Interimslösung, ja — da bin ich durchaus kompromissbereit, mehr jedoch nicht.

    Den Brief, den kann ich überall schreiben. Sicherheit, Stabilität, Portabilität etc. pp. werden dann jedoch schnell in den Vordergrund rücken. Sind wir alle Briefeschreiber, nein? Sind wir alle Developer/Administratoren? Nein, mit Sicherheit nicht. Mann kann eben nicht alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner abstrahieren. Mut zur Lücke, nicht jeder benötigt einen Computer, manch einer kann auch jenen in der örtlichen Bibliothek zum Nachschlagen nutzen. Das ist keineswegs Arroganz, aber es ist erschreckend wie der Mainstream heutzutage alles plattwalzt, nur um auch mit irgendetwas herumspielen zu können. Und wenn es kaputt ist, zieht man weiter — ich erspare mir jetzt den Vergleich zu einer Insektenart.

    Die Odyssee kann auch nicht jeder lesen und verstehen, würdest du einem Bilderbuch oder der Groschenroman-Variante den Vorzug geben? Und auch das muß man den Leuten eben sagen und keine falschen Erwartungen wecken

  5. Patrick sagt:

    Nun, ich habe mittlerweile viele Desktops durch — Windows 9x/Nt/2k/XP, Unix KDE/GNOME/XFCE/*BOX und zu guter letzte OS X.

    Nun an OS X bin ich hängen geblieben. Warum?
    Kein Rumgefummel, es funktioniert und wichtig für mich — das Terminal ist immer offen.
    Bei KDE/GNOME gabs immer was zu basteln, da ging das mal nicht usw.

    Aber im Endeffekt — Computer, sind wie oben schon erwähnt, Werkzeuge. Jeder packt sein Werkzeug anders an, pflegt es anders.
    Wenns nach mir ginge -> Back to DOS und Konsole. Deskview oder Screen sind doch geniale Programme. Was braucht man grafischen Firlefanz :)

    Im Server Bereich kann ich es einfach nicht verstehen warum hier auf GUI gesetzt wird.
    Und auf den Desktop bin ich immer noch der Meinung -> schult die Benutzer (Autos dürfen auch nur mit Führerschein gefahren werden) und schon leben wir bald in einer besseren Welt :)

RSS-Feed abonnieren