Franziska Drohsel auf den Spuren wahrer Sozialdemokraten

Die SPD hat einige interessante Persönlichkeiten hervorgebracht — seien es nun Gerhard Schröder, Franz Müntefering oder auch Wolfgang Clement. Über Schröder und Müntefering kann man durchaus der Meinung sein, dass sie das Paradebeispiel für von links unten nach rechts oben sind. Wolfgang Clement war hier in Hamburg Chefredakteur der Hamburger Morgenpost. Auf diesem Niveau ist er offensichtlich auch im hohen Alter stehengeblieben. Franziska Drohsel tut ihrem Beruf, sie ist Juristin, und der Sozialdemokratie im dritten Jahrtausend alle Ehre. Sie ist (noch) Mitglied in der Roten Hilfe e. V. Die Rote Hilfe ist dafür bekannt, Personen aus dem linken politischen Spektrum juristische Hilfe zukommen zu lassen, wenn diese z. B. bei Demonstrationen festgenommen werden. Die Rote Hilfe ist aber auch dafür bekannt, die RAF zu verharmlosen und wird u. a. deswegen vom Verfassungsschutz beobachtet und als linksextremistisch eingestuft. Nachdem Franziska Drohsel zur neuen Vorsitzenden der Jusos gewählt wurde, wurde natürlich auch einem größeren Publikum bekannt, dass sie Mitglied der Roten Hilfe ist. Die Fans der Oettingers, Becksteins, Filbingers und Hohmanns wurden nicht müde, Franziska Drohsel dem Terrorismus zuzuordnen und von ihr den Austritt aus der Roten Hilfe zu fordern. Man könnte meinen, dass gerade in solchen Situationen Rückgrat gefordert ist — und natürlich auch bewiesen wird. Aber gut, wir reden hier ja von einer Sozialdemokratin.

Franziska Drohsel hat ihren Rückzug aus der Roten Hilfe angekündigt. Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte — sorry für die etwas direkte Wortwahl. Nun bestimmen die aufrechten Deutschen der Union schon die Vereinsmitgliedschaften der SPD. Wenn das mal nicht genial ist. Ich hatte schon bei der Wahl Drohsels zur Juso-Vorsitzenden ein ganz ungutes Gefühl — allein aufgrund ihres Berufes habe ich nichts, aber auch gar nichts erwartet.1 Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing — auf kaum einen Beruf passt dieser Spruch so gut, wie auf den des Juristen. Kaum ein anderer Beruf in unserem Land ist derart mit Opportunismus durchzogen wie der des Juristen — man kennt die Sprüche: Jeder Mensch hat Anrecht auf eine angemessene Verteidigung.2 Zudem ist ja immer der Mandant der Schuldige, der Anwalt per se unschuldig. Franziska Drohsel zeigt auf unvergleichlicher Art und Weise, wie man die Sozialdemokratie und den Beruf des Juristen in diesem Jahrtausend miteinander kombiniert. Man lässt sich von der Union vorschreiben, was man zu tun hat — es könnte ja weiterhin schlechte Presse geben und zeigt so einen (politischen) Opportunismus, der zudem wohl notwendig ist, um ganz nach oben zu kommen.

Franziska Drohsel hat bewiesen, dass sie für höhere Aufgaben bereit ist. Sie hat den passenden Beruf und wohl auch die perfekten Charaktereigenschaften um politische Nachfolgerin manch großer Sozialdemokraten zu werden. Die junge Welt spricht von einer gewissen Biegsamkeit — und drückt das ganze in diesem Punkt verdammt diplomatisch aus. Die Zeitung führt weiter aus:

Als stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner Jusos gehörte sie im Februar 2003 zu den Autoren eines Antrags, der die Bewegung gegen den drohenden Irak-Krieg als in großen Teilen antisemitisch denunzierte. Die Duldung ihrer Partei für derlei pseudolinksradikales Auftreten erkaufte sie sich durch Schweigen des Juso-Landesvorstandes zu SPD-Sauereien wie der Risikoabschirmung der Bankgesellschaft und zum Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag im öffentlichen Dienst.

Mittlerweile sondert sie wieder üblichen Juso-Quark ab. Ein bisschen Öffnung nach links, ein bisschen Umverteilung ein bisschen weniger Militäreinsätze und alles natürlich mit sozialistischem Gruß.

Dem ist dann nichts mehr hinzuzufügen.

  1. Wobei es natürlich unter Juristen auch positive Ausnahmen gibt. []
  2. Was ich selbstverständlich nicht in Abrede stellen möchte. []

6 Antworten zu “Franziska Drohsel auf den Spuren wahrer Sozialdemokraten”

  1. Oliver sagt:

    Ich weiß was die rote Hilfe macht, aber auch wer dort ebenso unterstützt wird. Imho wäre das Rückgrat schon zuvor angesagt gewesen, denn ich kann zwar Links unterstützen, aber nicht Gewalttäter der RAF oder anderer ausländischer Organisationen. Mag zwar für die verkifften linken «Helden» da draußen gänzlich scheiße wirken meine Einstellung — aber das ist halt nun einmal so, wenn man nur zum «Rudel-denken» fähig ist.

  2. Dr. Dean sagt:

    Tja, sie war der konzertierten Kampange von «Junge Freiheit», FDP und CDU recht wehrlos ausgeliefert — niemand bei den «Gate Keepern» der Medien wies darauf hin, dass die Kritik an Drohsel unsachlich und überzogen war. Was bleibt Drohsel übrig? Wenn sie das Amt der JuSo-Vorsitzenden — vor dem Hintergrund realer Medienverhältnisse — nicht beschädigen will, wenn sie nicht einmal Rückhalt seitens der feigen «Sozialdemokraten» im Parlament erhielt, was kann sie dann noch tun?

    Rückgrat ist eine prima Sache, aber allein machen sie Dich ein.

  3. Chris sagt:

    Wie Oliver schon geschrieben hat, hätte sie von vornerein niemals diesem Verein beitreten dürfen. Jetzt im Nachhinein ist es schlichter Opportunismus. Die Rote Hilfe war gut, damit sie bei den «linken» Jusos gewählt wurde, nun wurde der Verein nicht mehr gebraucht, da tritt man halt aus.

    Und wenn ich lese, hilflos ausgeliefert, lache ich mich tot. Wir sprechen hier immerhin von der Vorsitzenden, 27 Jahre alt, Juristin, der Jugendorganisation der größten Partei in unserem Lande.

  4. Oliver sagt:

    Ach Gott da hat sie nun Lehrgeld bezahlt, das ist halt die politische Welt. Gib dir ein Blöße und die Bluthunde *jedweder* couleur sind schon auf deiner Spur. Und ich denke mit 27 ist man erwachsen genug, wenn nicht sollte man auch nicht bei der Politik mitmischen, dort gibts halt «Ellbogen pur».

  5. Finkregh sagt:

    > Und wenn ich lese, hilflos ausgeliefert, lache ich mich tot. Wir sprechen hier immerhin von der Vorsitzenden, 27 Jahre alt, Juristin, der Jugendorganisation der größten Partei in unserem Lande.

    word. einfach nur schlecht…

  6. Filzo sagt:

    Wenn ich RAF-Unterstützer und –verharmloser leiden könnte, hätte ich bereits geschrieben, dass das Frollein Drohsel etwas mehr Rückgrat hätte zeigen müssen: entweder durch das Ignorieren der Kritik oder das Ablehnen des Amtes.
    Aber das ist ihre Sache — ich habe mit den Jusos nix zu tun.

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