Fortschrittliches USA

Die USA beweisen sich mal wieder als fortschrittliches Land. Jeder sollte mittlerweile die RFID-Chips kennen, siehe auch Wikipedia. In Deutschland wird der Chip momentan eher bei sowas pofanem wie der Supermarkt-Karte eingesetzt — Kommen Sie noch jetzt in unseren Club, damit Sie sagenhafte 2% Rabatt bekommen, von den 5%, die wir vorher aufgeschlagen haben, aber das erzählen wir Ihnen nicht. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist die Denke schon weiter. Scott Silverman, Vorstand des RFID-Herstellers VeriChip, hat dort unbehelligt im Fernsehen geäussert, man könne doch Fremdarbeitern solche Chips einpflanzen, schließlich habe George W. Bush selbst gesagt, man müsse wissen, wer im Land sei und wo.

Ich lehne mich jetzt zurück und warte auf die ersten Stimmen aus dem konservativen deutschen Lager, die den erweiterten Einsatz auch in Deutschland fordern. Wie wäre es mit den Studenten? Wer morgens im Bett liegt, anstelle zur Vorlesung zu gehen, und das ganze 3mal, dem wird das BAföG gestrichen. Oder den Kranken, wer anstelle im Bett zu liegen, einkaufen oder zum Arzt geht — der kann auch arbeiten — dem wird die Lohnfortzahlung gestrichen. Die Arbeitslosen könnte man auch diesen Chip einsetzen, doch hat man gerade erst das Stasi-Gesetz erlassen, da sind erst andere Gruppen dran.

Oder wie wäre es mit unseren Asylanten — man könnte den Rechtsradikalen nen Tipp geben, wo sich diese aufhalten, aber nein, die Kanzlerin hat ja gerade wieder erklärt, es gäbe kein rechtes Gedankengut in unserem Land. Nicht zu vergessen die Muslime — laut unseren Innenministern Schäuble und Beckstein ist das heutzutage eh die gefährlichste TerrorBevölkerungsgruppe. Und wenn nach den nächsten Wahlen die SPD zur Splittergruppe verkommen ist, kann man gleich alle Linken und Sozialisten überwachen, die Schwatten, Gelben und Braunen — was so oft fast das selbe ist — wird es freuen. Utopie?

intern.de — RFID-Implantat für Fremdarbeiter?

15 Antworten zu “Fortschrittliches USA”

  1. Oli sagt:

    Ahm — das ist schon usus an diversen Unis, inkl. unserer. Die Karte ist für alles da .. Daten sind alle gespeichert. Von der kommenden Gesundheitskarte ganz zu schweigen. Ne, da sind wir schon weiter als die Amis — die meisten wissen es nur noch nicht.

  2. Chris sagt:

    Sicherlich alles richtig, nur geht es hier darum, den Chip den Leuten zu implantieren. :)

  3. Oli sagt:

    Ja schon klar, nur ist das eher technischer Natur, wenn man so oder so verpflichtet/gezwungen ist die Karte mit sich zu führen. Btw. das Thema elektronische Fußfessel kommt bei uns auch immer wieder auf. Und ob nun implatiert oder in der Jacke, diese Diskussion ist müßig, da das ganze ansonsten nur von der Problematik der omnipotenten Überwachung ablenkt.
    Das wäre schade … warum in die Ferne schweifen, wenn das Unglück ist so nah? Tatsache ist das man sich hier dieser Problematik gar nicht bewußt ist und nur allzu leicht durch auswärtige Ideen abgelenkt wird.

  4. Korrupt sagt:

    Ich stiess auch auf die Geschichte, schrob aber nach Lektuere bei Techdirt dann doch nix drueber. Offenbar versucht da VeriChip halt im gerede zu bleiben. Was mich natuerlich an die diversen rechten Scharfmacher hierzulande erinnert und die Fussfesseln fuer $zielgruppe — Debatten und an sich besorgt, auch wenns abgelehnt wird. Ich neige dazu, Oli beizupflichten — ich denke, die groessere Gefahr kommt mit den weniger drastisch erscheinenden Ueberwachungstechniken, oder den ganz simplen Verordnungen — die Residenzpflicht bei Hartz sprichst du ja auch gelegentlich an. Man braucht nicht mal Chipimplantate, um Menschen nach Belieben zu kontrollieren und zu unterdruecken, das geht per Gesetz, und die dumme Masse schreit Hurra, schliesslich gehts gegen die Schmarotzer.

  5. Chris sagt:

    Sicherlich habt Ihr beide Recht, ohne Frage, und wir haben ja auch die gleiche Meinung diesbezüglich, doch warum soll ich nicht über beides schreiben, die profane, alltägliche Überwachung, und das, was vielleicht mal geplant ist — wenn ich durch die immer wiederkehrenden Artikel einen Menschen erreiche, der mal für sich denkt, stimmt, da war was, hätte ich darüber mal frühe nachgedacht, oder so ähnlich, dann ist doch alles gut. :)

  6. Falk sagt:

    die Residenzpflicht bei Hartz

    Ich frag mich sowieso, wann dagegen Verfassungsklage eingereicht wird. Ich hab diese Themen (Überwachung, Aufeinanderhetzen von Bevölkerungsgruppen, Umkehrung Opfer — Täter etc.) die Tage ewig lange mit meiner Frau diskutiert. Es ist beschämend, was hier derzeit veranstaltet wird. Aber ich glaube auch, dass die Mehrzahl der Bevölkerung gar nicht mitbekommt wie hier manipuliert wird. Und grad bei dem Thema Überwachung — man kann den Menschen, die Vergleiche zu 1932 — 1934 ziehen, zwar Polemik unterstellen. Aber wir sind auf genau dem selben Weg, wie er damals schon eingeschlagen worden ist. Fehlen echt nur noch (neben den Implantaten) die Sterne auf der Stirn oder dem Oberarm. Ich wüsste echt momentan nicht, wie ich reagieren würde, wenn plötzlich statt einem GEZ-Hächer einer der ARGE vor der Tür steht. Grundgesetz um die Ohren hauen?

  7. Chris sagt:

    Zur Kennzeichnung Hartz IV’ler noch einmal hier ein Hinweis. Du stellst die Frage, warum nichts für Arbeitslose getan wird?

    Mit denen kann man es ja machen, so einfach ist das.

    Nur — morgen kann es jeden anderen treffen — es muss nur medial vorbereitet werden. In einer Demokratie leben wir schon lange nicht mehr.

  8. Oli sagt:

    «doch warum soll ich nicht über beides schreiben, die profane, alltägliche Überwachung, »

    @Chris, nun weil die die du erreichen möchtest das im Kopf trennen, obwohl es ein– u. daselbe meint. Für die Leute hört es sich extremer an einen Chip implantiert zu bekommen, wobei die meisten da wohl an die Sonden in Akte X denken ;), als eine Karte permanent mit sich herumtragen zu müssen. Ob ich nun einen Miniaturchip direkt unter der Haut trage und diesen auch selbst mit ein wenig Aua entfernen kann oder ob es der verpflichtende Ausweis/Gesundheitskarte etc. sein soll … Jacke wie Hose.

    Nimm als Beispiel die Arbeitslosen, wie kontrolliert man nach den neuen Verfügungen ganz einfach ob sie die heimatliche Umgebung unerlaubt verlassen? Nun vielleicht bald über diese Karten oder eine extra Karte die die Abarbeitung auf dem Arbeitsamt «erleichtert» 😉

    http://www.heise.de/newst.….ng/73551

    Nun ich hoffe es nicht, aber ich denke bald wirds derartige Karten geben.

  9. Chris sagt:

    Wir sind da einer Meinung. :) Mehr schreibe ich dazu auch nicht mehr, sonst wirds noch perfekter das Beispiel «aneinander Vorbeiredens» trotz gleicher Meinung. :)

  10. Oli sagt:

    Um die Leute drauf aufmerksam zu machen, mußt du ihnen halt nicht «weltfremde» Beispiele bieten, sondern die Situation vor Ort erklären — sprich auf einen gemeinsamen Nenner bringen :)

  11. Falk sagt:

    Und das noch am besten im Stil von «Die Sendung mit der Maus» — also so, dass es Kinder verstehen würden 😉

  12. Sammy sagt:

    In der letzten Wirtschafts-Arbeit war eine Aufgabe mehrere Begriffe aus der Wirtschaft im «Sendung mit der Maus»-Stil zu erklären…

  13. Oli sagt:

    Seitdem Chris das losgetreten hat, ist das schwer im kommen .. alles Plagiate 😀 😉

  14. Chris sagt:

    *g* Vielleicht bin ich ja auch Sammy’s Lehrer. 😀

  15. Grainger sagt:

    Erst gewöhnt man den Durchschnittsverbraucher (und der durchschnittliche Verbaucher ist weit davon entfernt ein «mündiger» Verbraucher zu sein) daran irgendwelche Payback-Systeme zu nutzen und für ein paar Cent Rabatt sein Konsumverhalten offen zu legen.

    Als nächstes werden wir uns wohl daran gewöhnen müssen, das mit Hilfe der Mautbrücken (und die PKW-Maut kommt so sicher wie das Amen in der Kirche) Bewegungsprofile von uns erstellt werden.

    Dann kommt die Gesundheitskarte, auch für diese lassen sich sicherlich «gute» Argumente finden.

    Ich bin sicher, wenn man alleine die Daten aus diesen drei Systemen (und dem was man sonst noch so hat) korreliert lassen sich daraus schon sehr detaillierte Erkenntnisse über den Einzelnen ableiten.

    Die Implantierung eines Chips ist dann eigentlich nur der nächste (von mir aus auch übernächste) logische Schritt, zuerst natürlich nur für Kriminelle (deint ja nur dem Schutz der Bevölkerung), nach und nach lassen sich sicher auch andere «Risikogruppen» finden und zum Schluss kriegt den wahrscheinlich jeder Säugling gleich nach der Geburt schon im Krankenhaus verpasst.

    Andererseits ist die öffentliche Verwaltung mit einer ganz beachtlichen Inkompetenz gesegnet, so dass ich die heimliche Hoffnung hege dass sie das Ganze zwar versuchen werden, aber es aber letztendlich an der eigenen Unfähigkeit scheitern wird.

    Aber selbst wenn das scheitert wird es uns sicherlich Milliarden kosten die man anderweitig besser hätte investieren können.

    Das zeichnet sich bei der Gesundheitskarte ja schon jetzt ab.

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